An diesem Tag

Guben

Stadt im Landkreis Spree-Neiße, Land Brandenburg

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Guben (niedersorbisch und polnisch Gubin) ist eine Kleinstadt im Landkreis Spree-Neiße in der brandenburgischen Niederlausitz. Die Stadt liegt an der Neiße, die hier die Grenze zwischen Deutschland und Polen bildet. Die östlich der Neiße gelegene Kernstadt wurde 1945 durch die Oder-Neiße-Linie abgetrennt, von der Sowjetunion unter die Verwaltung der Volksrepublik Polen gestellt und bildet seitdem die eigenständige Stadt Gubin in der Woiwodschaft Lebus in Polen.

Guben liegt in der Niederlausitz im Südosten des Landes Brandenburg am westlichen Ufer der Lausitzer Neiße gegenüber der polnischen Stadt Gubin. Diese schmale Stelle des hochwassergefährdeten Neißetales, an der die Hochflächen im Osten und Westen nur etwa einen Kilometer voneinander entfernt sind, begünstigte in der Gründungszeit der Stadt den Warenverkehr. Die Stadt Cottbus liegt etwa 33 Kilometer südwestlich.

Die Hochflächen entstanden als Grundmoränen der Weichsel-Eiszeit, auf die im Westen (Kaltenborner Berge) und Osten (Gubener Berge) Endmoränen aufgesetzt sind. Die weitere Umgebung bedecken ausgedehnte Kiefernwälder mit zahlreichen Seen (beispielsweise dem Pinnower See). Die Höhe reicht von 41 bis 48 m NHN.

Die Stadt Guben gliedert sich in die folgenden Ortsteile (mit eigenem Ortsbürgermeister) mit ihren zugehörigen Wohnplätzen:

Groß Breesen (Brjazyna) mit den Wohnplätzen Am Weinberg (Pśi winicy) und Grunewald (Zeleny Gózd)

Kaltenborn (Stuźonk) mit dem Wohnplatz Kuckucksaue

Zur Gubener Kernstadt gehören des Weiteren die Wohnplätze Altsprucke (Stary Sprugow), Neusprucke (Nowy Sprugow), Obersprucke, Reichenbach (Rychbach) und Sprucke (Sprugow) sowie die inoffiziellen innerstädtischen Stadtteile Altstadt Ost, Altstadt West und die Wohnkomplexe (WK) I, (WK) II und (WK) IV.

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden viele archäologische Funde in der Umgebung von Guben entdeckt, die oftmals durch Hugo Jentsch und Kollegen beschrieben und in den Niederlausitzer Mitteilungen der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde und der Zeitschrift für Ethnologie der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte veröffentlicht wurden. Viele Funde wurden im Gubener Stadtmuseum der Öffentlichkeit vorgestellt, einige in Berlin (Goldschatz von Vettersfelde).

Aus der Gubener Umgebung sind Funde aus dem Altpaläolithikum und dem Mesolithikum (zum Beispiel 1997 bei Groß Breesen verschiedene Feuersteingeräte) bekannt. Zudem seltene Siedlungsfunde der Schnurkeramik aus dem ausgehenden Neolithikum und der folgenden Aunjetitzer Kultur der Frühbronzezeit. Für die Mittlere Bronzezeit lässt sich in der Niederlausitz auch die Hügelgräberkultur nachweisen, die von der Lausitzer Kultur gefolgt wird und mit der Billendorfer Kultur in die Eisenzeit übergeht. Gräber sind die häufigsten archäologischen Quellen, aber auch Depotfunde können vor allem in der Bronzezeit häufig beobachtet werden. Der wohl bekannteste Depotfund in der Niederlausitz ist der 1954 entdeckte Hortfund bei Bresinchen aus der Zeit der Aunjetitzer Kultur. Auch die archäologischen Grabungen im Vorfeld der Niederlausitzer Tagebaue haben zahlreiche neue Funde verschiedener Zeitstellungen erbracht. So konnten zwischen Guben und Forst verschiedene Gräber und Gräberfelder neuentdeckt werden sowie einzelne Spuren von Siedlungen, die weitere Aufschlüsse zur Besiedlung der Region und der Geschichte der Niederlausitz geben.

Erstmals erwähnt wird Guben 1033 als Handels- und Handwerkersiedlung sowie als Marktort an der Kreuzung der Fernstraßen von Leipzig nach Posen und von Görlitz nach Frankfurt (Oder). Anhand von Funden, wie etwa dem Depot von Guben/Bresinchen aus der Frühbronzezeit ist jedoch belegt, dass das Gebiet von Guben bereits um 1700 v. Chr. besiedelt war.

Die Siedlung am Ostufer der Neiße war durch den Neiße-Nebenfluss Lubst im Norden und Osten sowie Sümpfe im Süden geschützt. Die geographische Lage ist im Ortsnamen ablesbar (*gubina, altsorbisch für ‚Siedlung an der Mündung‘, vgl. guba, „Mund“). Am gegenüberliegenden westlichen Flussufer wurde 1157 im Zuge der deutschen Ostsiedlung ein Benediktiner-Nonnenkloster gegründet, bei dem die Klostervorstadt, das heutige Guben, entstand. Sie bestand bis 1564.

Am 1. Juni 1235 erhielt Guben als oppidum durch den Wettiner Heinrich den Erlauchten, Markgraf von Meißen, das Magdeburger Stadtrecht. Im gleichen Jahr wurde die Stadt bei einem Brand zerstört. Im Jahr 1309 wurde Guben das Recht zur Pfennigprägung verliehen; drei Jahre später erschien das Stadtwappen mit seinen drei Türmen erstmals auf einer Urkunde. Die Befestigungsanlagen mit den drei Stadttoren wurden im 14. Jahrhundert zunächst aus einem Erdwall, einem Graben und Holzbeplankung massiv errichtet, nachdem sie im Jahr 1311 durch ein Hochwasser stark beschädigt worden war. Im Jahr 1382 kam es zu einem weiteren Neißehochwasser in Guben. In den Jahren von 1523 bis 1544 wurde die Stadtbefestigung erneuert und verstärkt. In den Hussitenkriegen wurde Guben mehrfach überfallen.

Guben gehörte bis 1815 ununterbrochen zur Markgrafschaft Niederlausitz, die von 1367 bis 1635 dem Königreich Böhmen inkorporiert war. Für kurze Zeit, von 1448 bis 1462, besetzte Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg die Stadt Guben und andere Städte der Niederlausitz und erlangte über sie die Pfandherrschaft. Nach militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem böhmischen König Georg von Podiebrad und Friedrich II. wurde 1462 der Gubener Frieden geschlossen. Guben und der größte Teil der Niederlausitz kamen wieder unter böhmische Herrschaft.

1529 beschloss die Bürgerschaft, sich der Lehre Martin Luthers anzuschließen. In den Folgejahren wurde die Reformation der Gottesdienste in den Kirchen und des kirchlichen Lebens in der Stadt durchgeführt. 1536 zerstörte ein Stadtbrand einen Großteil von Guben, nur die Kirche, das Rathaus und sieben oder acht Bürgerhäuser überstanden den Brand. 1561 wurde in Guben mit dem Salzsieden begonnen. Ein für die Stadt bedeutsamer Wirtschaftszweig war im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit die Oderschifffahrt samt dem Güterumschlag im Gubener Hafen.

Im Dreißigjährigen Krieg beauftragte Kaiser Ferdinand II. den Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg I., mit der Reichsexekution in der Nieder- und der Oberlausitz (als böhmische Nebenländer). Daraufhin wurde Guben 1620 von sächsischen Truppen besetzt. Dabei wurde die Stadt gebrandschatzt. Zwischen 1629 und 1632 fielen 7000 Einwohner Gubens der Pest zum Opfer. 1635 belehnte Kaiser Ferdinand II. im Traditionsrezess im Zusammenhang mit dem Prager Frieden den sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. unter anderem mit der Markgrafschaft Niederlausitz einschließlich der Stadt Guben. Daran erinnern die 1989 rekonstruierte kursächsische Postdistanzsäule an der Egelneißebrücke (Frankfurter Straße) vom ehemaligen Klostertor und das im Museum erhaltene originale Wappenstück von 1736 der zweiten derartigen Säule vom ehemaligen Werdertor.

Im Jahr 1675 stürzte bei einer schweren Überschwemmung die noch vorhandene Bastei am Krossener Tor ein. Friedrich-August II. ließ in der Münzstätte Guben (Kupferhammer) ab 1752 große Mengen an Kleingeld für sein polnisches Herrschaftsgebiet prägen. Als im Jahr 1756 die preußischen Armeen Friedrichs II. im Siebenjährigen Krieg Sachsen besetzten, wurden die Prägungen eingestellt. 1758 und in den folgenden Jahren des Siebenjährigen Krieges litt Guben mehrfach an Truppeneinquartierungen und -durchmärschen. Am 16. September 1790 kam es in Guben erneut zu einem Stadtbrand, der 103 Menschenleben forderte.

Aufgrund seiner Randlage im sorbischen Siedlungsgebiet wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Kreis Guben zum ersten Ziel der durch das Lübbener Konsistorium der evangelischen Kirche forcierten Germanisierungspolitik. Angestrebt wurde, die sorbische Sprache – zur damaligen Zeit die Muttersprache der Bevölkerungsmehrheit – zur Gänze abzuschaffen. Zu diesem Zweck wurden sorbische Schriften eingezogen und allmählich Schulunterricht in Deutsch eingeführt sowie sorbische Gottesdienste, die es seit der Reformation gegeben hatte, wieder abgeschafft. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Sorbische aus dem Alltag verschwunden.

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