Das Grubenunglück von San José ereignete sich am Donnerstag, dem 5. August 2010, um 14 Uhr (UTC−4) im Kupfer- und Goldbergwerk von San José, 45 Kilometer nordwestlich von Copiapó in Chile. Die infolge eines Bergschlags eingestürzte Wendelstrecke schloss 33 Bergleute 700 Meter unter Tage ein. In der bereits im 19. Jahrhundert eröffneten Grube war es schon früher zu Unfällen und zeitweise zu Schließungen gekommen. Sicherheitsauflagen waren nur teilweise erfüllt worden. Die Eingeschlossenen wurden nach über zwei Wochen völliger Abgeschiedenheit mit ersten Rettungsbohrungen erreicht. Zu diesem Zeitpunkt hielten sie sich in etwa 700 Meter Teufe und etwa 5 km Weglänge vom Mundloch entfernt auf. Nach 69 Tagen gelang es, mit einer international vielbeachteten Rettungsaktion alle eingeschlossenen Bergleute zu befreien.
Mina San José wurde bereits 1889 eröffnet und wurde zuletzt von der Compañía Minera San Esteban Primera betrieben. Die Jahresförderung lag bis zum Unglück bei etwa 1200 Tonnen Kupfer.
Nach einem tödlichen Arbeitsunfall im Jahre 2007 wurde das Bergwerk vorübergehend geschlossen und später unter Auflagen wieder freigegeben, unter anderem sollte ein Wetterschacht mit Fahrten ausgerüstet werden. Doch die Bergwerksgesellschaft ließ weder den Rettungsschacht mit Fahrten ausrüsten, noch überprüften Beamte die Einhaltung der Auflage. Bei Erfüllung der Auflagen hätten die eingeschlossenen Bergleute noch zwei Tage nach dem Bergschlag die Möglichkeit gehabt, durch diesen Wetterschacht ins Freie zu gelangen. Erst danach versperrten weitere Einstürze den Zugang zum Schacht endgültig.
Der Vermessungssteiger Luis Urzúa beschrieb während des ersten Gesprächs mit dem Bergbauminister Golborne den Einsturz wie folgt:
Nach dem Einsturz zwischen der 105-m-Sohle und der 44-m-Sohle waren 32 chilenische Bergleute und ein bolivianischer Bergmann eingeschlossen. Sie versuchten zunächst, durch einen Wetterschacht zu fliehen. Sie stiegen 400 Meter nach oben bis zur 235-m-Sohle, wo sie nicht weiterkamen, weil eine Rettungsleiter fehlte, die sich dort eigentlich befinden sollte. Ein weiterer Bergsturz zwei Tage später zerstörte Teile des Wetterschachts.
Die Rettungsarbeiten begannen unmittelbar nach dem Einsturz. Die Förderrampe war in ungefähr 2000 Meter Entfernung vom Mundloch durch Bruchmassen versperrt und das Gebirge war instabil. Bei dem Versuch, durch den Wetterschacht Kontakt mit den Überlebenden aufzunehmen, brachte am 7. August ein erneuter Bruch die Retter in Gefahr.
Daraufhin wurden über Tage an neun verschiedenen Stellen Rettungsbohrungen angesetzt, um den für solche Notfälle eingerichteten Schutzraum und andere mögliche Aufenthaltsorte von Überlebenden zu erreichen. Vier Kernbohrungen (Fortschritt 20 m/Tag) wurden auf die Strecke vor dem Schutzraum gerichtet, eine weitere Bohrung sollte die Werkstatt in 400 m Teufe erreichen. Die anderen vier Bohrungen (Schlagbohrverfahren, Fortschritt 100 m/Tag) wurden auf den Schutzraum gerichtet. Die Rettungsarbeiten wurden dadurch erschwert, dass das Gebirge von Rissen unbekannter Lage durchzogen war.
Die neueste Bohrmaschine wurde am 8. August in die aussichtsreichste Position gebracht, aber war auf den 312 Metern, die bis Montag gebohrt worden waren, in die falsche Richtung abgedriftet. Beim zweiten Versuch erreichte sie nach sieben Tagen in 509 Meter Teufe einen Hohlraum, aber die abgesenkte Kamera zeigte nichts als einen leeren Raum. Beim dritten Versuch änderten die Bohrarbeiter ihre Lage und bohrten aus einer unscheinbaren Schlucht. Am 22. August 2010 um 05:40 Uhr (Ortszeit) bemerkte einer von ihnen, dass seine Bohrmaschine ohne Widerstand arbeitete. Sie ließen den Bohrer absenken und maßen eine Hohlraumhöhe von 3,80 Metern. Um 06:30 Uhr wurden alle Maschinen abgestellt und dreimal auf den Bohrer geschlagen. Gleich hörte man eine Antwort. Vier Stunden dauerte das Heraufziehen des 108-teiligen Bohrgestänges von insgesamt 688 Metern Länge. Am letzten Gestängestück befand sich eine mit Klebeband befestigte Plastiktüte, die zwei Schriftstücke enthielt: den Brief eines Bergmanns an seine Familie und einen Zettel mit der Aufschrift „Uns 33 geht es im Schutzraum gut“.
Leben in der eingestürzten Grube
Die Bergleute zogen sich in den in einer Teufe von etwa 700 Metern gelegenen Schutzraum zurück. Frischluft gelangte trotz des eingebrochenen Wetterschachts über alte Abbaue und Risse im Berg zu ihnen. Sie teilten den verfügbaren Raum in Schlaf- und Essräume und wählten für die Notdurft einen 200 Meter rampenabwärts gelegenen Ort. Licht spendeten ihre Fahrzeuge und Grubenlampen. Wegen der besseren Luftzirkulation wählten sie nicht den Schutzraum, sondern die Strecke als Aufenthaltsraum. Auch dort liegt die Temperatur bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 % über 27 °C.
Sie hatten noch ihr mitgebrachtes Essen: Fischbüchsen, Pfirsichkonserven, Milch und Kekse. Der Schichtleiter, Luis Urzúa, ordnete eine Ration von einem Löffel Fisch, einem halben Keks und einer halben Tasse Milch pro 48 Stunden für jeden der Eingeschlossenen an. Mit Hilfe noch funktionierender Maschinen gruben sie erfolgreich nach Wasser.
Als die Rettungsbohrungen sie erreichten, hatten sie sieben bis zehn Kilo abgenommen und ihre Vorräte bis zur letzten Ration verbraucht. Viele klagten infolge der hohen Staubkonzentration in der Luft über Augenreizung.
Die eingeschlossenen Bergleute, unter ihnen der frühere chilenische Fußball-Nationalspieler Franklin Lobos, wurden durch die Bohrung mit dem Notwendigsten versorgt, bis sie durch eine neue Bohrung mit größerem Durchmesser gerettet werden konnten. Um die Kommunikation und die Versorgung mit den Eingeschlossenen zu optimieren, wurden in den nachfolgenden Tagen noch zwei weitere kleine Bohrungen durchgeführt, da davon ausgegangen wurde, dass sie bis zu ihrer Rettung noch längere Zeit im Schutzraum bleiben müssten.
Die Gruppenführung durch den Schichtleiter, Luis Urzúa, wurde von den 33 bestätigt. Es gab eine tägliche Versammlung der Überlebenden, um das Leben unter Tage gemeinschaftlich abzustimmen. Für die seelische Führung war der Gruppenälteste, Mario Gómez (63), zuständig – es wurde eine Ecke für tägliche Gebete eingerichtet. Die medizinische Leitung unter Tage wurde von Yonni Barrios (alias Johnny Barrios) getragen, der medizinisches Wissen bei der Pflege seiner von Diabetes betroffenen Mutter aufgebaut hatte. Er führte unter Tage die Impfungen gegen Wundstarrkrampf und Diphtherie durch.
Der Strom für Licht wurde aus den Batterien der Bergbaufahrzeuge bezogen, die in den kilometerlang zugänglichen Stollen und Schächten um den Schutzraum herum verfügbar waren. Wasser wurde zum einen aus Bergwasser bezogen, das in den Schaufeln der Räumgeräte aufgefangen wurde, zum Teil wurde Kühlwasser der Fahrzeuge getrunken. Die hohen Temperaturen sorgten für einen hohen Bedarf. Über die Versorgungsschächte wurde eine Versorgung mit 4 Litern pro Tag angestrebt, die aber erst seit dem Durchbruch einer größeren Rettungsbohrung am 17. September möglich wurde. Die Luftqualität war anfangs problematisch, so dass sich die Bergleute außerhalb des 50 m² großen Schutzraums aufhielten. Mit Erreichen einer zweiten Kernbohrung wurde darüber mit Sauerstoff angereicherte Luft eingeblasen.
Über die erste Kernbohrung wurden anfangs Beutel mit Glukose-Trinklösung bereitgestellt. Gegen die Darmkrämpfe durch die Mangelversorgung wurden Beruhigungsmittel eingesetzt. Die Überlebenden hatten aber schon in den 17 Tagen bis zum Erreichen der ersten Kernbohrung jeweils sieben bis zehn kg Gewicht verloren. Über die erste Kernbohrung wurden etwa 1,5 m lange Beutel, genannt Palomeras (Taubennester), mit Versorgungsmaterial hinabgelassen. Am 17. September erreichte eine Rettungsbohrung von 30 cm Durchmesser die Eingeschlossenen.
Psychologen bezeichneten die Stimmung nach der Entdeckung als verhältnismäßig gut, auch da Rollen und Zuständigkeiten klar waren und den Bergleuten erlaubten, sich auf Tagesziele zu konzentrieren. Es wurden drei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe arbeitete an den Bohrschächten und verteilte die Palomeras, eine zweite Gruppe kümmerte sich um Sicherungsarbeiten und verstärkte den Schutzraum und Zugänge gegen weitere Einstürze, die dritte Gruppe kümmerte sich schließlich um medizinische Belange. Bei der Bohrung des Rettungsschachtes mit der Schramm T-130XD fielen in der Erweiterungsphase stündlich 500 kg Schutt an, die von den Bergleuten im Schacht weggeräumt werden mussten – dies wird als förderlich für die psychische Stabilität angesehen.