An diesem Tag

Grover Cleveland

US-amerikanischer Politiker, 22. sowie 24. Präsident der Vereinigten Staaten

Anúncio

Stephen Grover Cleveland (* 18. März 1837 in Caldwell, New Jersey; † 24. Juni 1908 in Princeton, New Jersey) war ein US-amerikanischer Politiker, der von 1885 bis 1889 als 22. und von 1893 bis 1897 als 24. Präsident der Vereinigten Staaten amtierte.

Cleveland stammte aus eher bescheidenen Verhältnissen; sein Vater war Prediger in der Presbyterianischen Kirche. Nach einer kurzzeitigen Beschäftigung als Lehrer in einer Blindenschule in New York City verließ Cleveland 1855 auf der Suche nach einer beruflichen Zukunft die Familie und begann unter der Protektion eines Onkels die Anwaltslehre in Buffalo. Nach der Zulassung vor Gericht 1859 schlug er bald für die Demokratische Partei eine Ämterlaufbahn im Erie County ein und wurde unter anderem Stellvertreter des District Attorney. Nach einer mehrjährigen Anwaltstätigkeit wurde Cleveland 1870 zum Sheriff des Erie County gewählt.

Zu dieser Zeit erreichte die Politikverdrossenheit wegen der weit verbreiteten Korruption in den Parteien und der öffentlichen Verwaltung, für die sinnbildlich „politische Maschinen“ wie Tammany Hall und das Spoils System („Beutesystem“) standen, ihren Höhepunkt. Der als integer geltende und das „Beutesystem“ eingrenzende Cleveland profitierte von dieser Stimmung; er wurde 1881 zum Bürgermeister von Buffalo gewählt und im Jahr darauf zum Gouverneur von New York. Im Juli 1884 folgte schließlich die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Mit seinem Sieg gegen James G. Blaine in einem der schmutzigsten Wahlkämpfe der Geschichte der Vereinigten Staaten – Cleveland wurde in einer Schmähkampagne eine uneheliche Vaterschaft unterstellt – beendete er die jahrzehntelange Herrschaft der Republikaner über das Weiße Haus und wurde erster gewählter Präsident der Demokraten seit James Buchanan.

Im Weißen Haus setzte er weniger mit eigenen Gesetzesinitiativen Akzente als durch seine ausgeprägte Vetopolitik gegen den Kongress der Vereinigten Staaten. Cleveland strebte vor allem eine weniger protektionistische Zollpolitik und die Senkung des damit verbundenen Haushaltsüberschusses an. Als erster Präsident widmete er mit diesem Vorhaben 1887 eine ganze State of the Union Address („Ansprache zur Lage der Union“) einer einzigen Thematik, mit der er auch in den Präsidentschaftswahlkampf 1888 ging.

Beim Rennen um das Weiße Haus unterlag Cleveland dann Benjamin Harrison. Nach einer kurzen politischen Auszeit, während der er als Jurist in Manhattan arbeitete, schaltete er sich ab 1891 wieder in die öffentliche Debatte ein und wurde im Juli 1892 erneut zum Präsidentschaftskandidaten nominiert. Mit seinem anschließenden Sieg gegen Harrison wurde Cleveland der erste und bis zur zweiten Amtseinführung Donald Trumps im Januar 2025 einzige Präsident der Vereinigten Staaten, dessen Amtszeiten nicht direkt aufeinander folgten.

Während seiner zweiten, maßgeblich von der Wirtschaftskrise von 1893 geprägten Amtszeit trat Cleveland für die Beibehaltung des Goldstandards ein, obwohl im Süden und Westen der Staaten sowie in der Partei eine Freigabe der Silberwährung sehr populär war, und setzte dem eingeschränkten Bimetallismus des Sherman Silver Purchase Act von 1890 ein Ende. Außerdem lehnte er entgegen der imperialistischen Grundstimmung der Bevölkerung die Annexion des Königreichs Hawaiʻi ab, die dann sein Amtsnachfolger William McKinley durchsetzte. Der sozialen Verelendung im Zuge der Depression begegnete Cleveland dem damaligen Zeitgeist folgend nicht mit staatlichen Direkthilfe; den Pullman-Streik beendete er nach anfänglichem Zögern mit dem Einsatz von Bundestruppen. Ausgelöst durch den Grenzdisput zwischen Venezuela und Britisch-Guyana kam es zu einer Krise zwischen London und Washington, die Cleveland durch das Geltendmachen der Monroe-Doktrin verschärfte. Für einige Zeit herrschte in den Vereinigten Staaten eine regelrechte Kriegsstimmung.

Nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit zog sich der von seiner Partei entfremdete Cleveland aus der Politik zurück. So vermögend, dass er auf kein Arbeitseinkommen angewiesen war, wurde die Tätigkeit als Trustee für die Princeton University seine Hauptbeschäftigung. Im Sommer 1908 starb er wahrscheinlich an einer Koronarthrombose.

Familie und Erziehung (1837–1855)

Cleveland kam als fünftes von neun Kindern und dritter Sohn von Richard Falley Cleveland und seiner Frau Ann Cleveland (geborene Neal) zur Welt. Er erhielt den Taufnamen Stephen, den er als Erwachsener aber nie benutzte. Clevelands 1806 geborene Mutter stammte aus Baltimore; ihr Vater war ein Anfang des Jahrhunderts zugewanderter Irischamerikaner und ihre Mutter eine deutschstämmige Quäkerin aus Germantown, Pennsylvania. Die Cleveland-Familie hatte englisch-irische Wurzeln. Um das Jahr 1634 war der Vorfahr Moses Cleveland, damals noch mit dem später von seinem Urenkel geänderten Nachnamen Cleaveland, im Kindesalter mit seinem Bruder als Vertragsknecht aus Ipswich in die Massachusetts Bay Colony ausgewandert. Ein späterer Moses Cleaveland in Grovers Ahnenreihe hatte im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in der Kontinental-Armee gedient und 1788 am Verfassungskonvent Connecticuts teilgenommen. Acht Jahre später hatte er mit weiteren Investoren am Südufer des Eriesee eine Siedlung gegründet, die seinen Namen erhielt und aus der die Metropole Cleveland entstand. Schon der junge Grover war sich dieser patriotischen Familientradition bewusst und fühlte sich ihr verbunden. Grovers 1804 geborener Vater stammte aus Norwich, Connecticut und hatte nach einer Lehrertätigkeit in Baltimore das Theologische Seminar in Princeton besucht. Grovers Eltern heirateten im September 1829. Nach der Ordination trat Richard Falley Cleveland mehrere Pfarrstellen an, bis er im November 1834 die presbyterianische Kirchengemeinde in Caldwell, New Jersey übernahm. Grover wurde nach dem im Ort beliebten Pfarrer Stephen Grover benannt, der im Jahr zuvor gestorben war und die Kirchengemeinde bis zur Weitergabe an seinen Vater geleitet hatte.

Grovers Familie verfügte wie die meisten klerikalen Haushalte dieser Zeit über nur wenig finanzielle Mittel, fühlte sich gegenüber den Mitbürgern aber nicht schlechter gestellt. Das Gehalt des Vaters überstieg im Jahr nicht 600 US-Dollar (2026: ca. 20.300 US-Dollar), was den häuslichen Komfort der bald elfköpfigen Familie beträchtlich einschränkte. Die strikte Erziehung Grovers folgte den damaligen Vorstellungen, die bei Fehlverhalten unmittelbare Strafen vorsahen und Kinder generell wie junge Erwachsene betrachteten. Die Eltern waren Anhänger des Muskelchristentums, das Disziplin und Männlichkeit einen hohen Stellenwert einräumte und den Sonntag mit Kirchgang und Sonntagsschule allein dem Glauben verschrieb. Generell war Amerika damals noch sehr ländlich geprägt und Kultur und Intellektualität wurden als feminin abgetan.

Im Oktober 1841 nahm Grovers Vater eine neue Pfarrstelle in Fayetteville, New York an. Die Familie blieb hier für neun Jahre, bis sich die Gesundheit von Richard Cleveland derart verschlechterte, dass er nach einer weniger fordernden, aber besser bezahlten Tätigkeit Ausschau hielt. Er fand diese schließlich im März 1850 in Clinton, New York, in einer Niederlassung der American Home Missionary Society, einer protestantischen Organisation zur Unterstützung ärmerer Kirchengemeinden. Grover hatte mit dem Umzug zu kämpfen, weil er sich Fayetteville emotional verbunden fühlte. Später als Präsident besuchte er den Ort und sprach sichtlich bewegt von seiner Jugendzeit in Fayetteville. Die Clevelands lebten für drei Jahre in Clinton, wo sich Grover auf den Eintritt in das dortige Hamilton College vorbereitete. Dazu besuchte er eine kleine Schule im Ort, in der lediglich zwei Lehrer Unterricht gaben. Zwar hatte er auf der Schule Probleme mit Latein, doch das beabsichtigte Studium scheiterte nicht daran, sondern an der prekären Situation seiner Familie. Dadurch sah er sich gezwungen, ab April 1852 als Ladenverkäufer in Fayetteville zu arbeiten, wobei sein Jahresgehalt bei freier Kost und Logis nicht mehr als 100 US-Dollar (2026: ca. 4.200 US-Dollar) betrug.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Grover Cleveland | World in Stories