An diesem Tag

Großer Türkenkrieg

Krieg zwischen der Heiligen Liga europäischer Mächte und dem Osmanischen Reich

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Der Große Türkenkrieg zwischen der Heiligen Liga europäischer Mächte und dem Osmanischen Reich, auch als Großer Türkenkrieg Leopolds I. oder Fünfter Österreichischer Türkenkrieg bezeichnet, dauerte von 1683 bis 1699. Unter seinem neuen Großwesir und Oberbefehlshaber Kara Mustafa versuchte das Osmanische Reich 1683 zum zweiten Mal (nach der Ersten Wiener Türkenbelagerung 1529), die Kaiserstadt Wien zu erobern und das Tor nach Zentraleuropa aufzustoßen. Das Scheitern dieser Belagerung führte zur kaiserlichen Gegenoffensive, in deren Verlauf die Osmanen aus dem Gebiet des Königreichs Ungarn vertrieben wurden und die Dreiteilung Ungarns zu Gunsten der Habsburger ein Ende fand.

In Folge der Schlacht bei Mohács, bei der die Truppen des Osmanischen Reiches siegten und der letzte König von Ungarn Ludwig II. starb, zerfiel das Königreich Ungarn bis 1541 in drei Teile. Der zentrale Teil wurde als Paschalik Ungarn dem türkischen Herrschaftsbereich direkt eingegliedert. Der nördliche und westliche Bereich fiel als Königliches Ungarn (in etwa die heutigen Gebiete Slowakei, Burgenland und West-Kroatien) an die Habsburgermonarchie. Aus den östlichen Gebieten bildete sich das Fürstentum Siebenbürgen heraus, welches de facto ein Vasallenstaat des Osmanischen Reiches blieb, dessen Fürsten jedoch Ansprüche auf Teile Ungarns (→ Vertrag von Speyer) aufrechterhielten. Unter ihren Fürsten Gabriel Bethlen und Georg I. Rákóczi griffen sie mehrfach an der Seite der Gegner Habsburgs in den Dreißigjährigen Krieg ein. In weiteren Kriegen konnte auch das Osmanische Reich seine Gebiete weiter nach Westen ausdehnen.

Im Königlichen Ungarn kam es zu einer vom lokalen Adel getragenen Bewegung, die sich gegen die Herrschaft der Habsburger unter Kaiser Leopold I. richtete, nachdem die ungarischen Interessen nicht ausreichend berücksichtigt worden waren. In Folge der Aufdeckung der sogenannten Magnatenverschwörung 1670/71 wurden mehrere Adlige verhaftet, enteignet, hingerichtet oder zur Flucht nach Siebenbürgen veranlasst. In den folgenden Jahren versuchten die Habsburger ihre Autorität mit harter Hand durchzusetzen, wobei sie die ungarische Verfassung außer Kraft setzten und eine gegenreformatorische Politik betrieben. Aus dem Widerstand gegen diese Maßnahmen formierten sich unter Führung der geflohenen Adligen die Kuruzen (ungarisch: kuruczok/kurucok), die vom Fürstentum Siebenbürgen aus gegen die Habsburger Herrschaft operierten. Im Ergebnis befand sich das Land über Jahre in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand.

Im Jahr 1678 stellte sich der junge Magnat Emmerich Thököly an die Spitze der Aufständischen. Unterstützt von Frankreich gelang ihm in den folgenden Monaten die Eroberung fast ganz Oberungarns (heutige Slowakei) und sogar einiger mährischer Kreise. Kaiser Leopold I., der aufgrund der gleichzeitigen Reunionspolitik des französischen Königs Ludwig XIV. mit dem Ausbruch eines Krieges gegen Frankreich rechnen musste, fand sich nun zwangsläufig zu Zugeständnissen bereit. Er berief den ungarischen Reichstag ein, der sich Anfang 1681 zum Landtag von Sopron (Ödenburg) versammelte. Im Zuge dessen wurde ein vorläufiger Waffenstillstand mit Thököly vereinbart.

Die Politik der europäischen Mächte wurde parallel dazu vor allem von Frankreich unter König Louis XIV. in den Bann gezogen. Der Frieden von Nimwegen, der den Holländischen Krieg (1672–1678) beendet hatte, enthielt in territorialer wie in politischer Hinsicht ebenso unklare Formulierungen wie zuvor der Westfälische Frieden (1648). Diese Unklarheiten bildeten ab 1679 die Grundlage der sogenannten „Reunionspolitik“ Frankreichs, bei der sukzessive kleinere Territorien und Städte annektiert wurden, von denen ein französisches Gericht („Reunionskammern“) festgestellt hatte, dass sie historisch zum Königreich gehörten. Dies betraf zwischen 1679 und 1681 mehr als 600 Ortschaften in den Spanischen Niederlanden und am Rhein.

Das französische Vorgehen verlangte vom Kaiser ein robustes Auftreten, um das Voranschreiten der Reunionen aufzuhalten und seine Stellung im Reich zu behaupten. Dies bedeutete militärische Vorbereitungen, die einzig Zulasten der Kämpfe gegen die ungarischen Aufständischen umgesetzt werden konnten. Immerhin verständigten sich die Reichsstände 1681 angesichts der Bedrohung auf eine Reform der Reichskriegsverfassung. Im gleichen Jahr sollte schließlich eine Konferenz in Frankfurt am Main organisiert werden, auf der Frankreich, der Kaiser und die Reichsstände zu einer Lösung kommen sollten. Als sich die Eröffnung der Konferenz immer weiter hinauszögerte, schuf die Besetzung Straßburgs am 30. September 1681 durch französische Truppen erneut vollendete Tatsachen.

Die französischen Bemühungen gingen dahin durch Förderung des ungarischen Aufstandes den Kaiser in seinem Rücken so unter Druck zu setzen, dass eine Gegenwehr am Rhein unwahrscheinlich wurde. Der Gesandte in Siebenbürgen unterstützte die Aufständischen daher mit beträchtlichen Summen. In diesem Zusammenhang hatte Thököly den Waffenstillstand nur wenige Tage vor der Besetzung Straßburgs gebrochen und am 19. September die Stadt Kálo/Nagykálló angegriffen. Zu seiner Armee gehörten 7.000 türkische Soldaten des Paschas von Ofen sowie 12.000 Mann aus den Karpaten-Fürstentümern, woraus man in Wien schließen musste, dass das Osmanische Reich beabsichtigte in den Konflikt einzugreifen. Der Reichstag in Sopron, der letztlich das Ziel verfolgt hatte, Ungarn zu befrieden und den Rücken gegenüber Frankreich freizubekommen, war somit gescheitert.

Nach einem Zeitalter rasanter Expansion folgte auf den Tod Sultan Süleymans I. (des Prächtigen) im Jahr 1566 eine Periode der Stagnation. Die Sultane jener Zeit waren eher schwach und überließen die Regierungsgeschäfte jeweils einem Großwesir, der auch für die Gestaltung der Außenpolitik und die Kriegführung zuständig waren. Unter Sultan Mehmed IV. waren dies nacheinander die fähigen Großwesire Köprülü Mehmed Pascha und Köprülü Fâzıl Ahmed Pascha, denen es gelang die inneren Verhältnisse des Reiches maßgeblich zu verbessern. Neben der Finanzpolitik betraf dies vor allem die Verwaltung sowie die Bekämpfung der Korruption, was die Grundlagen für ein erneutes Erstarken des Osmanischen Reiches legte.

Die außenpolitischen Expansionsbestrebungen des letzteren richteten sich ab 1663 zunächst gegen die Habsburger Monarchie (→ Türkenkrieg 1663/1664). Nach der türkischen Niederlage in der Schlacht bei Mogersdorf (1. August 1664) folgte der Abschluss des Friedens von Eisenburg (9./10. August 1664), der für 20 Jahre, also bis zum Jahr 1684, befristet sein sollte. Danach beendete Köprülü die Eroberung von Candia/Kreta (→ Belagerung von Candia) und richtete seinen Fokus in den 1670er Jahren nach Norden. Dort blieb die türkische Hauptarmee in Kriegen gegen Polen (→ Osmanisch-Polnischer Krieg (1672–1676)) und Russland (→ Russisch-Osmanischer Krieg (1676–1681)) zunächst gebunden.

Nach dem Ableben Köprülüs Ende 1676 konnte dessen Adoptivbruder und Schwager Kara Mustafa Pascha dessen Nachfolge als Großwesir antreten. Es gelang im zunächst die Kriege im Norden im Vertrag von Bachtschyssaraj (13. Januar 1681) zu beenden und sich damit Freiraum für andere militärische Ziele zu schaffen. Seitdem gedachte er den oberungarischen Aufstand für sich zu nutzen und aktiv auf eine Konfrontation mit den Habsburger hinzuarbeiten. Zunächst wies er die Paschas von Varaždin und Ofen an, die Kuruzen mit Geld und Soldaten zu unterstützen. Auch den Vasall Fürst Michael I. Apafi von Siebenbürgen ließ der Großwesir mit einem Truppenkontingent aufmarschieren, doch blieb Apafi – dessen Autorität in seinem eigenen Fürstentum von Thökoly untergraben wurde – eher ein zurückhaltender Alliierter. Es kam ihm daher gelegen, dass Thököly noch im Juli 1681 eine Gesandtschaft nach Konstantinopel entsandte, um sich dem Sultan formell als Vasall anzudienen.

Am 5. Januar 1682 unterbreiteten französische Gesandte in Frankfurt das „Angebot“, sich mit den Reunionen, die bis zum August 1681 erfolgt waren zu begnügen. Die Frage der Zugehörigkeit Straßburgs sollte vertagt werden. Dem begegnete der Kaiser im Frühjahr mit der Entsendung einer 25.000 Mann starken Armee an den Rhein. Der Kaiser gewann im Laufe des Sommers im Reich zumindest diplomatisch an Boden. Der Kurfürst von Bayern Maximilian II. Emanuel war ein entschiedener Gegner der Reunionen. Er war bereits im Oktober 1680 aus dem französischen Bündnissystem ausgetreten und orientierte sich nun nach Wien. Am 28. Juli schloss der Kaiser zudem eine Defensiv-Allianz mit Schweden während er im Reich den Grundstein der Laxenburger Allianz legen konnte. Am 28. September 1682 stellten die französischen Gesandten das frühere Angebot in ultimativer Form erneut vor und setzten eine Frist zur Annahme bis zum 30. November. Als die Reichsdeputation dies ablehnte, war die Frankfurter Konferenz endgültig gescheitert.

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