An diesem Tag

Griechische Militärdiktatur

Diktatorisches Militärregime 1967 bis 1974

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Griechische Militärdiktatur oder Das Regime der Obristen (griechisch Χούντα των Συνταγματαρχών Chounta ton Syntagmatarchon), im griechischen Sprachgebrauch auch Die Junta (Η Χούντα I Chounta, nach dem spanischen Begriff Junta), sind Bezeichnungen für das rechtsextreme, nationalistische Militär-Regime, das in Griechenland von April 1967 bis Juli 1974 herrschte.

Am Morgen des 21. April 1967 kam es zum Putsch des Militärs in Griechenland und zu dessen Machtübernahme. Das Regime konnte sich im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt und der militärischen Bedeutung Griechenlands für die NATO und die USA vorübergehend stabilisieren, doch zeichnete sich seine Auflösung nach Unruhen in der Bevölkerung im November 1973 durch innere Konflikte und einen internen Machtwechsel ab. Nach einem Putschversuch zur Machtübernahme auf Zypern 1974 verlor die Junta jede internationale Duldung und die Unterstützung im eigenen Offizierskorps und wurde zum Rücktritt gezwungen.

Anderthalb Jahre nach dem Ende der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg begann im März 1946 der griechische Bürgerkrieg. Unterstützung erfuhren die gegnerischen Parteien einerseits von der Sowjetunion und Jugoslawien, andererseits von Großbritannien und den USA. Der Bürgerkrieg endete erst 1949 mit der Niederlage der kommunistischen Verbände. Rechte Kräfte dominierten in den folgenden Jahren, gestützt auf Militär und Polizei. Die USA, die gemäß der „Truman-Doktrin“ eine weitere Ausbreitung des sowjetischen Einflusses verhindern wollten, unterstützten die westlichen Länder mit dem Marshallplan. Am 18. Februar 1952 wurden Griechenland und die Türkei in die NATO aufgenommen; Griechenland war damals der einzige verbliebene nichtkommunistische Staat auf dem Balkan.

Unter König Paul I. wechselten in den folgenden Jahren mehrfach die Ministerpräsidenten: Nikolaos Plastiras, Sophoklis Venizelos, Ioannis Theotokis, Dimitrios Kiousopoulos und Konstantinos Karamanlis. „Die politische Macht lag indessen außerhalb von Regierung und Parlament beim König und seinen Beratern, bei der Armee, ihrem von der CIA kontrollierten Geheimdienst, ihren Geheimbünden, bei Polizei sowie paramilitärischen Milizen, die das ländliche Griechenland kontrollierten.“ Karamanlis, der die von ihm gegründete Partei ERE (Nationalradikale Union) führte, hatte das Amt von 1955 bis 1963 inne. Er trieb die Industrialisierung des Landes voran, führte es an Westeuropa heran und konnte den Zypernkonflikt 1959 vorläufig beenden (siehe Zürcher und Londoner Abkommen). Sein Rücktritt auf Grund von Differenzen mit dem König hatte eine Neuwahl am 3. November 1963 zur Folge, aus der die eher links gerichtete Zentrumsunion (griechisch Ένωση Κέντρου Enosi Kentrou, EK) als stärkste Partei hervorging. Neuer Ministerpräsident wurde Georgios Papandreou. Bei der Parlamentswahl am 16. Februar 1964 erreichte die EK 52,72 Prozent der Stimmen und 171 der 300 Mandate. In der Zypernfrage unterstützte er die unabhängige Politik von Erzbischof Makarios.

Die Regierung von Georgios Papandreou

Mit einer vorsichtigen Reformpolitik zielte Papandreou auf eine Liberalisierung des Landes und auf eine expansive und soziale Wirtschaft. Auch die für ausländische Investoren äußerst vorteilhaften Verträge wurden zum Teil neu ausgehandelt. Diese Politik stieß nicht nur bei der extremen Rechten, sondern auch bei Eliten und dem Königshaus auf Widerstand.

Die Lage spitzte sich zu, als nach der Aufdeckung der „Aspida-Verschwörung“, eines angeblichen Zusammenschlusses linksgerichteter Armeeoffiziere durch konservative Zeitungen und aufgrund der Enthüllungen über die Rolle seines Sohnes Andreas in dieser Affäre „Papandreou im Juli 1965 ernstlich Miene machte, die Armee der Aufsicht des Parlaments und damit der liberalen Mehrheit zu unterwerfen. Der weitestgehend politisch unerfahrene junge König Konstantin II., der seinem am 6. März 1964 verstorbenen Vater gefolgt war, zwang Papandreou zum Rücktritt und berief ohne Rücksicht auf die Mehrheitsverhältnisse im Parlament eine Regierung seiner Wahl.“ Diese wiederum wurde vom Parlament nicht bestätigt.

Zwischen Mitte Juli und Anfang September 1965 waren Athen und alle großen griechischen Städte Schauplätze täglicher Kundgebungen für Papandreou und die Demokratie. Der Versuch der Demonstranten, durch die Forderung nach Neuwahlen – wie Papandreou es verlangte – die Bildung einer königstreuen Regierung zu verhindern, war vergeblich. Schließlich gelang es den Royalisten mit Hilfe von Bestechung und Versprechungen, genügend Abgeordnete des „Zentrums“ in ihr Lager zu ziehen, worauf die dritte vom König vorgeschlagene Regierung im Parlament über eine Mehrheit von einer Stimme verfügte. Parallel dazu arbeiteten der König und die ihm treuen Generäle – die so genannte „große Junta“ – mit Kenntnis der US-Regierung an einem Plan zur Errichtung einer Militärdiktatur, falls es mit „demokratischen Mitteln“ nicht gelingen sollte, die Rückkehr von Georgios Papandreou an die Macht zu verhindern.

Die heftige Polemik Papandreous gegen König und Militär „führte zu einem Schulterschluss aller rechten Kräfte“. Als sich politische Spannungen im Frühjahr 1967 immer mehr zuspitzten und Konstantin und die Militärführung zögerten, sahen sich die Mitglieder der kleinen Junta als „Retter der Nation, die handelten – auch ohne die Amerikaner“.

Die „kleine Verschwörergruppe um Oberst Papadopoulos, Generalleutnant Pattakos und General Zoitakis putschte in der Nacht zum 21. April 1967 und stellte Konstantin vor vollendete Tatsachen.“ Der Putsch der kleinen Junta kam für alle Seiten überraschend. Pattakos’ Panzer besetzten alle strategisch wichtigen Punkte in Athen, doch erst als Generalstabschef Spandidakis zu den Putschisten überlief und den Prometheus-Plan auch an das 3. Armeekorps im Norden übermittelte, war der Erfolg des Putsches gesichert.

Die Bevölkerung bekam von dem Staatsstreich überwiegend erst am folgenden Morgen mit, als im Radio eine Bandansage lief, in der die Machtübernahme des Militärs mit „Gefahren für die öffentliche Sicherheit“ gerechtfertigt wurde und eine sofortige 24-stündige Ausgangssperre verkündet wurde, zwischen den Wiederholungen lief Marschmusik.

Bevölkerung und Öffentlichkeit sahen sich einem Staatsstreich gegenüber, von dem niemand die Urheber und den wirklichen Umfang kannte; seine Organisation erschien zu diesem Zeitpunkt als das gemeinsame Werk des Königspalastes, der traditionellen Rechten, der Streitkräfte und der Amerikaner (hier insbesondere der CIA). Etwa 300 Putschisten gehörten zu einer NATO-Brigade, die in den USA ausgebildet worden war. Sie nutzten während des Putsches die geheime „Prometheus“-Kommandostruktur. Der deutsche Historiker Heinz A. Richter bestritt eine direkte Beteiligung der Amerikaner. Zwar habe man in Washington über die Pläne des Königs und der Obristen Bescheid gewusst, doch die konkreten Vorbereitungen waren ihnen entgangen. Man hatte erwartet, dass ein Putsch nur auf das Signal des Königs hin beginnen würde. Dem gegenüber hatte Botschafter Phillips Talbot wiederholt klargemacht, dass die US-Regierung eine Diktatur ablehne. Als die Obristen am 21. April dann doch putschten, seien Diplomatie und Geheimdienste der USA ebenso überrascht gewesen wie König Konstantin und die übrigen Sicherheitskräfte in Griechenland. Der amerikanische Politikwissenschaftler Louis Klarevas weist auf die Überraschung und die Empörung der Regierung Johnson hin, die auf die Nachricht von dem Putsch sofort die militärische Zusammenarbeit mit Griechenland einstellte. Erst die Regierung Nixon (20. Januar 1969 bis 9. August 1974) habe eng mit dem Obristenregime kooperiert. Die in Griechenland verbreitete These, die Vereinigten Staaten hätten den Putsch in Auftrag gegeben, sei eine „Verschwörungstheorie“.

König Konstantin und die Putschisten

Die Putschisten überbrachten dem König frühmorgens um 6 Uhr einen Brief mit der Erklärung Spandidakis über seine Unterstützung des Putsches und zwei Erlasse zur Unterzeichnung. „Der König unterschrieb den Erlass, der die Freiheiten und die Menschenrechte aufhob und den Belagerungszustand verhängte, nicht.“

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