Marie Margarethe Beier, genannt Grete Beier, (* 15. September 1885 in Erbisdorf; † 23. Juli 1908 in Freiberg) war die letzte Frau, die im Königreich Sachsen hingerichtet wurde.
Grete Beier war die Tochter des Brander Bürgermeisters Ernst Theodor Beier und seiner Frau Ida Karoline, geborene Clausnitzer.
1905 lernte sie den Handlungsgehilfen Johannes Heinrich Merker kennen und verlobte sich ohne Wissen ihrer Eltern heimlich mit ihm. Nachdem sie die Beziehung zu ihm wegen seiner Untreue abgebrochen hatte, lernte sie 1906 den Oberingenieur Heinrich Moritz Curt Preßler kennen und verlobte sich auf Wunsch der Eltern mit ihm.
Gretes Verhältnis zu Preßler blieb stets kühl, und wegen dessen herrischer Art kam es recht bald zu Streit zwischen beiden. Daraufhin nahm sie heimlich den Kontakt zu Merker, gegen den inzwischen wegen Unterschlagungen ermittelt wurde, wieder auf. Aus diesem Verkehr wurde sie schwanger und ließ das Kind im November 1906 illegal abtreiben.
Ihr Verlobter Preßler plante für den 14. Mai 1907 die Hochzeit. Grete suchte dies zu verhindern und machte gleichzeitig Merker Hoffnungen, indem sie ihm gefälschte Liebesbriefe einer nicht existenten Italienerin namens Eleonore Ferroni an Preßler zuspielte.
Nachdem im April 1907 ein Verwandter, der Verwalter des Armenhauses in Freiberg, Kröner, verstorben war, fälschte sie dessen Testament, entwendete Geld aus einer im Hause ihrer Eltern aufbewahrten Kassette Kröners und hob dessen Erspartes ab, wobei sie sich das Geld mit Merker teilte.
Zur gleichen Zeit wurde in einer Freiberger Zeitung eine Leseranfrage zur Gestaltung eines Testamentes zur Einsetzung der Braut als Alleinerbin beantwortet und abgedruckt.
Wenige Tage später setzte Grete Beier ein gefälschtes Testament ihres Bräutigams auf, vergiftete ihn am Vortag der geplanten Hochzeit in Chemnitz mit Zyankali und schoss ihm dann mit einem Revolver in den Mund, um seinen Suizid vorzutäuschen. Unmittelbar nach der Tat verschickte sie weitere Briefe der Frau Ferroni, um den Suizid glaubhaft zu machen.
Im Mai 1907 wurde der Diebstahl aus der Kassette festgestellt. Im Zuge der Ermittlungen versuchte Grete Beier mit weiteren Fälschungen und Lügen den Verdacht auf andere zu lenken. Nach ihrer Verhaftung im Juni 1907 wurde auch ein Verfahren wegen Abtreibung eingeleitet. Wenig später wurde auch ihr Geliebter Merker verhaftet. Im November gestand sie dann den Mord an Preßler.
Nachdem ein Gnadengesuch von König Friedrich August III. abgelehnt worden war, wurde Grete Beier am 23. Juli 1908 im Alter von 22 Jahren durch den Landesscharfrichter Moritz Brand auf dem Schafott im Hof des Landgerichts Freiberg guillotiniert. Sie wurde im Familiengrab auf dem Johannisfriedhof in Dresden bestattet.
Dieser Fall sorgte für viel Aufsehen, zum Teil auch für öffentliche Empörung über die Vollstreckung des Urteils. In verschiedenen Presseerzeugnissen wurde noch Jahre danach auf die Hinrichtung Grete Beiers Bezug genommen. Unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel glossierte Kurt Tucholsky den Fall im Jahre 1913 in der Schaubühne:
Im Jahre 1912 schrieb Tucholsky im sozialdemokratischen Vorwärts über die Hinrichtung eines verurteilten Raubmörders:
Gotthold Leistner: Sachsen und die Guillotine. Ein Beitrag zur Geschichte eines Tötungsmonstrums. In: Sächsische Heimatblätter, 48. Jg. (2002) S. 130–149.
Schwurgerichtsverhandlung gegen die Bürgermeisterstochter Grete Beier aus Brand bei Freiberg vor dem Königl. Schwurgericht Freiberg angeklagt der hinterlistigen Ermordung ihres Bräutigams des Ingenieurs Preßler. Hager, Chemnitz 1908 (Digitalisat)
Günter Spranger: Das Lügenspiel. Der Kriminalfall Grete Beier. Greifenverlag, Rudolstadt 1980
Katrin Lange: Ich, Grete Beier, Mörderin. (Theaterstück), Uraufführung: 22. August 2008 Mittelsächsisches Theater Freiberg und Döbeln
Der Fall Grete Beier findet Erwähnung in Guntram Vespers Roman Frohburg (Preis der Leipziger Buchmesse 2015).
Kathrin Hanke, Die Giftmörderin Grete Beier, Gmeiner Verlag, Meßkirch 2017