Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg [ˈɡreːˌta ˈtʉːnˌbærj] (* 3. Januar 2003 in Stockholm) ist eine schwedische Aktivistin. International bekannt wurde sie ab 2018 durch ihre Schulstreiks für mehr Klimaschutz, aus denen die Bewegung Fridays for Future (FFF) hervorging.
Ihr Einsatz für eine an den Erkenntnissen der Wissenschaft orientierte, konsequente Klimapolitik fand weltweit Beachtung. Die von ihr initiierten „Schulstreiks für das Klima“ sind zur globalen Bewegung Fridays for Future angewachsen. Mit Schulstreiks wollte sie erreichen, dass Schweden das Klima-Übereinkommen von Paris einhält. Als Repräsentantin der internationalen Klimaschutzbewegung wurde sie 2019 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet und vom US-Magazin Time als bislang jüngste Person zur Person of the Year gewählt.
Seit Beginn des Krieges in Israel und Gaza 2023 engagiert sich Thunberg als propalästinensische Aktivistin und vertrat dabei auch Positionen, die als antisemitisch kritisiert wurden.
Greta Thunberg ist die ältere von zwei Töchtern der Opernsängerin Malena Ernman und des Schauspielers Svante Thunberg. Zu ihren Großeltern zählen die Schauspieler Olof Thunberg (1925–2020) und Mona Andersson (* 1936). Vom Klimawandel erfuhr sie zum ersten Mal mit acht Jahren in der Schule; danach begann sie, immer mehr darüber zu lesen. Sie entwickelte Depressionen; mit 12 Jahren wurde bei ihr Asperger-Autismus diagnostiziert. Ihr anschließendes Klima-Engagement half ihr, Essstörungen und Depression zu überwinden. Sie begann zunächst, zur Energieeinsparung die Beleuchtung im Haus auszuschalten. Später entschied sie sich, nicht mehr zu fliegen und sich vegan zu ernähren, und überzeugte auch ihre Familie davon.
Im Mai 2018 wurde die damals fünfzehnjährige Thunberg Preisträgerin eines Schreibwettbewerbs zur Umweltpolitik, der vom Svenska Dagbladet initiiert worden war. Durch die Veröffentlichung ihres Beitrags entstanden gemäß Angaben Thunbergs Kontakte zu verschiedenen Personen, die sie zu ihrem Engagement inspirierten. Kurz darauf begann sie, sich auch in der Öffentlichkeit aktiv für den Klimaschutz einzusetzen. Gegenüber dem New Yorker erklärte sie (übersetzt): „Ich sehe die Welt etwas anders, aus einer anderen Perspektive. Ich habe ein Spezialinteresse. Es ist sehr verbreitet, dass Menschen im Autismus-Spektrum ein Spezialinteresse haben.“ Mit Schulstreiks wollte sie erreichen, dass Schweden das Klima-Übereinkommen von Paris einhält. Gegenüber dem ZDF ergänzte sie: „Und ich mag es nicht, wenn Menschen das eine sagen und das andere machen.“ Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer jüngeren Schwester Beata wirkte sie am 2018 erschienenen Buch Scener ur hjärtat (deutsch „Szenen aus dem Herzen“) ihrer Mutter mit.
Im Schuljahr 2018/2019 war Thunberg im Abschlussjahrgang der 9-jährigen Grundschule, die sie trotz ihres Schulstreiks mit hervorragenden Noten abschloss. Am 31. Mai 2019 kündigte sie am Rande einer Demonstration in Wien an, nach dem Abschluss zunächst ein Jahr die Schule auszusetzen (Gap Year), da sie Klimaaktivismus und Schulbesuch nicht vereinbaren könne. Eine Schulpflicht galt für sie nicht mehr, diese endet in Schweden nach neun Jahren. Im August 2020 nahm Greta Thunberg den Schulbesuch im kommunalen, auf Nachhaltigkeit orientierten Stockholmer Gymnasium Globala gymnasiet wieder auf.
Im Herbst 2021 verließ sie ihr Elternhaus und bezog eine eigene Wohnung in Stockholm. Mit Abschluss ihrer Schullaufbahn im Juni 2023 erklärte sie ihren persönlichen „Schulstreik“ für beendet, kündigte jedoch gleichzeitig an, weiterhin freitags für Klimaschutz zu demonstrieren.
Thunberg vertritt die Meinung, dass die Politik viel zu wenig für Klimaschutz tue und damit unverantwortlich handle, insbesondere gegenüber jungen Menschen. Sie fordert eine erhebliche Intensivierung der Klimaschutzbemühungen weltweit und will so lange weiterstreiken, bis ihr Heimatland Schweden die Treibhausgasemissionen um 15 % pro Jahr reduziert. Hierbei argumentiert sie, Schweden als reiches Land habe die Verpflichtung, die Emissionen schneller zu senken als andere Staaten. Thunberg beklagt, dass die Biosphäre geopfert werde, damit reiche Menschen in Ländern wie Schweden in Luxus leben können. Sie verweist auf globale Ungerechtigkeit und das durch den Menschen verursachte Artensterben. Sie fordert, dass Staaten wie Schweden und das Vereinigte Königreich als erste ihre Emissionen aus Verbrennung fossiler Energieträger um jährlich 15 % senken sollen. Um globale Gerechtigkeit gemäß dem Pariser Klimaabkommen anzustreben, sollten reiche Länder ihre Emissionen innerhalb von sechs bis zwölf Jahren auf null reduzieren und so Ländern wie Indien und Nigeria den Aufbau von Infrastruktur ermöglichen. Die Menschen sollten durch zivilen Ungehorsam einen Systemwechsel erwirken, so dass kein Öl mehr gefördert werde.
Mit Verweis auf die seit 1995 jährlich stattfindenden Klimakonferenzen und die trotzdem steigenden Treibhausgasemissionen sieht sie Politikversagen. Unter anderem sprach sie auf der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 und betonte die Schwere der Klimakrise, die noch nicht verstanden sei: Politiker verhielten sich unverantwortlich und wie kleine Kinder, daher sei es nun an der jungen Generation, ihre Zukunft selbst in die eigenen Hände zu nehmen und das zu tun, was die Politik schon lange hätte tun müssen. Es sei die Aufgabe der Jugend, zu verstehen, was ihr die ältere Generation mit dem Klimawandel angetan habe, und das Chaos aufzuräumen, mit dem ihre Generation leben müsse. Daher müssten junge Menschen nun selbst dafür sorgen, dass ihre Stimmen gehört würden. Hingegen werde sie die Spitzenpolitiker nicht weiter anflehen, sich um die Zukunft der jungen Generation zu kümmern. Vielmehr werde sie ihnen klarmachen, dass es zu Änderungen komme, ob sie wollten oder nicht. Ihr eigener Protest, der rasch Nachahmung in aller Welt gefunden habe, zeige, dass niemand zu unbedeutend sei, um etwas zu bewegen.
Ihre Klimaschutzaktionen sieht sie als wichtiger an als in die Schule zu gehen. An andere Schüler gerichtet sagte sie, sie müssten nicht streiken, jeder solle selbst für sich entscheiden. Allerdings frage sie sich, welchen Sinn es habe, in der Schule für eine Zukunft zu lernen, die es schon bald nicht mehr geben könnte. Daher sei der Streik für sie wichtiger als die Schule. Den versäumten Lernstoff hole sie außerhalb des Unterrichts nach.
Als Begründung für ihren Schulstreik, bei dem sie die Schulpflicht vernachlässigt, nannte sie die Zukunftsvergessenheit der Erwachsenen.
Auf einem Flyer beschreibt sie ihr Selbstverständnis und die Motive ihres Handelns pointierter:
Aus Flugscham und somit zur Vermeidung der CO2-Emissionen von Flugreisen reist Greta Thunberg auch zu weit entfernten Veranstaltungen mit dem Zug oder im Elektroauto. Sie zog 2018 ihre Teilnahme als Finalistin für den Kinder- und Jugendklimapreis des Energieversorgungsunternehmens Telge Energi zurück, da die anderen Finalisten und ihre Begleiter mit dem Flugzeug nach Stockholm fliegen sollten, aber die Generation der Erwachsenen bereits das CO2-Budget aufgebraucht habe.
Nachdem am 15. März 2019 in verschiedenen Städten laut Veranstaltern weltweit über 1,4 Millionen Schüler demonstriert hatten, appellierte Thunberg, zur Lösung der Klimakrise das Gesamtbild zu betrachten und sich von der besten verfügbaren Wissenschaft leiten zu lassen.
Thunberg schrieb im März 2019 auf Facebook, dass Kernenergie ein kleiner Teil einer neuen kohlenstofffreien Energielösung sein könne, dass sie Kernenergie jedoch für „extrem gefährlich, teuer und zeitaufwendig“ halte. Nach zahlreichen Reaktionen und von ihr empfundener „Rosinenpickerei“ ihrer Aussage durch Medien und Bürger präzisierte sie, dass der erste Teil des Satzes die Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) wiedergebe und sie persönlich gegen Atomkraft sei.
In einem am 2. Februar 2019 veröffentlichten Interview mit Spiegel Online antwortete Greta Thunberg auf die Frage „Ist die Demokratie Ihrer Ansicht noch das richtige System, um die Krise abzuwenden? Oder wollen Sie eine Art Ökodiktatur?“ mit den Worten: „Unsere Demokratie ist alles, was wir haben. Wir dürfen sie nicht opfern. Und gerade darum müssen wir jetzt handeln: innerhalb unseres demokratischen Systems.“