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Gregory Bateson

Angloamerikanischer Ethnologe, Kybernetiker und Philosoph (1904–1980)

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Gregory Bateson (* 9. Mai 1904 in Grantchester, Cambridgeshire; † 4. Juli 1980 in San Francisco) war ein englischer Anthropologe, Biologe, Sozialwissenschaftler, Kybernetiker und Philosoph. Seine Arbeitsgebiete umfassten anthropologische Studien, das Feld der Kommunikationstheorie und Lerntheorie, genauso wie Fragen der Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Ökologie oder der Linguistik. Bateson behandelte diese wissenschaftlichen Gebiete allerdings nicht als getrennte Disziplinen, sondern als verschiedene Aspekte und Facetten, in denen seine systemisch-kybernetische Denkweise zum Tragen kam.

Batesons Gedanken und Arbeiten waren vor allem von philosophischen Überlegungen Platons, psychologischen Überlegungen Sigmund Freuds und Carl Gustav Jungs, der Typentheorie Bertrand Russells sowie von Kybernetikern wie Norbert Wiener, Warren McCulloch, John von Neumann und Claude Shannon mit seiner Informationstheorie geprägt. Bateson seinerseits hatte großen Einfluss auf die Systemische Therapie sowie die Familientherapie. Er beeinflusste verschiedene theoretische Strömungen in der Soziologie und Anthropologie.

Gregory Bateson wurde am 9. Mai 1904 in Grantchester, England, als dritter Sohn des Genetikers William Bateson geboren. 1922 begann Gregory Bateson an der Universität von Cambridge zunächst Zoologie, ab 1925 Anthropologie zu studieren, bereiste im Rahmen des Studiums Neuguinea und schloss es mit einer Dissertation über einen neuguineischen Stamm namens Iatmul ab, die 1932 in der Zeitschrift Oceania abgedruckt wurde. Später reiste Bateson erneut zu den Iatmul nach Neuguinea. Es entstand sein erstes Buch mit dem Titel Naven: A Survey of the Problems Suggested by a Composite Picture of the Culture of a New Guinea Tribe Drawn from Three Points of View.

In seiner Zeit auf Neuguinea machte Bateson erstmals Bekanntschaft mit der Anthropologin Margaret Mead, die er 1935 heiratete. Ihre Forschungen im Jahre 1936 auf Bali mit Fokus auf der balinesischen Charakterbildung mündeten in einem für die damalige Zeit in seinem Medium wegweisenden Bericht. Meads Untersuchungen stützten sich primär auf filmische und photographische Dokumentation. 1938 kam Batesons und Meads gemeinsame Tochter Mary Catherine Bateson zur Welt. Sie wurde später Ethnologin und schrieb ihre Erinnerungen an die Eltern in dem Buch Mit den Augen einer Tochter nieder. Ein Jahr später übersiedelte die Familie in die USA; Bateson arbeitete fortan als Sozialwissenschaftler, ab 1942, während des Zweiten Weltkriegs, für das Office of Strategic Services in Indien, China, Birma und Ceylon. Nach dem Krieg war Bateson Gastprofessor an der New School for Social Research in New York, an der Harvard University, der University of California Medical School in San Francisco und am Veterans Administrations Hospital, wo er ethnographische Interviews mit Psychiatern führte. 1951 heiratete er ein zweites Mal. Diese zweite Ehe hielt acht Jahre, danach folgte eine dritte Heirat.

Zwischen 1946 und 1953 war Bateson eine der Leitfiguren der Macy-Konferenzen, auf denen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen die Grundlagen der Systemtheorie und Kybernetik legten. Batesons wissenschaftlicher Werdegang konzentrierte sich von 1951 bis 1962 an der Stanford University in der Nähe von Palo Alto, an der er eine Gastprofessur annahm. In dieser Zeit befassten sich seine Studien und Bücher zunehmend mit Kommunikationstheorie und Psychologie. Als Weiterentwicklung der Arbeit von Milton H. Erickson postulierte er mit seinem Team die Theorie, dass der nicht erfolgreiche Lösungsversuch das eigentliche Problem darstellt sowie seine bekannte Doppelbindungstheorie. 1965 wurde Bateson von der Oceanic Foundation auf Hawaii eingeladen, bei Forschungen bezüglich tierischer und menschlicher Kommunikation mitzuarbeiten, Forschungen, die etwa Kreativität bei Delphinen nachweisen sollten. Er blieb sieben Jahre als außerordentlicher Forschungsleiter auf Hawaii, während derer er den Großteil der Texte schrieb, die später in der Artikelsammlung Ökologie des Geistes erschienen. 1973 nahm Bateson eine Gastprofessur am Kresge College an, drei Jahre später wurde er Mitglied des Verwaltungsrats der University of California. Zudem wurde er 1976 in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen. 1978, sechs Jahre nachdem er von Hawaii nach Kalifornien übersiedelt war, schrieb Bateson sein letztes Buch, Geist und Natur; zwei Jahre später starb er im alternativen Esalen Institute in San Francisco.

Seine Tochter aus dritter Ehe, Nora Bateson (* 1969), produzierte 2010 das einstündige dokumentarische Filmporträt An Ecology of Mind.

Die Idee der Einheit von Geist und Körper war ihm wichtig. Er erwähnte daher Jean-Baptiste de Lamarck, William Blake, Samuel Butler, Robin George Collingwood sowie seinen Vater William Bateson in Dankbarkeit und nannte sie seine Inspirationsquellen.

Bateson verstand sich nicht als Vertreter einer bestimmten Fachdisziplin, sondern als Kybernetiker, Systemtheoretiker oder Ökologe – Begriffe, die er fast synonym verwendete. Zugleich sperrte er sich dagegen, von bestimmten gesellschaftlichen Strömungen vereinnahmt zu werden. So kritisierte Bateson zwar einerseits das reduktionistische Denken der etablierten Wissenschaft, andererseits aber auch jegliche Form antiintellektueller Tendenzen in der sogenannten Gegenkultur und der amerikanischen Studentenbewegung. Obwohl er das Ende seines Lebens im Esalen Institute verbrachte – dem Zentrum alternativer Therapien und spiritueller Lebensformen – blieb ihm jegliche Form esoterischen Gedankenguts immer suspekt.

So ist neben Batesons generell systemischem Zugang die Verbindung aus lockerem und strengem Denken ein Merkmal seiner Arbeitsweise. Lockeres Denken steht hierbei für ein eher spekulatives, auf Fantasie und Intuition beruhendes Vorgehen; strenges Denken dagegen für logische Schlussfolgerungen und formale Analysen.

Strukturfunktionalismus in anthropologischen Frühwerken

Gregory Batesons erste publizierten Arbeiten, seine Dissertation und Naven, waren vom Strukturfunktionalismus des Bronisław Malinowski und speziell des Alfred Radcliffe-Brown geprägt: Bateson unternimmt den Versuch, die Kategorien der klassischen Ethnologie mit Begriffen wie Struktur und Funktion zu ergänzen: Seine Methodik wurzelt in der Sammlung von Beobachtungen und Daten kulturellen Lebens sowie der weiteren Ausdifferenzierung in vereinzeltes und funktionelles, kulturell standardisiertes Verhalten. Wenn das Besondere standardisiert und funktionell erscheint und somit zum Allgemeinen erhoben wird, kann der Forscher von einer Prämisse sprechen. Jene Prämissen können nun syllogistisch verbunden werden, deren Resultate angeordnet, das Wesenhafte der jeweiligen Kultur, die Kulturstruktur (cultural structure), illustrieren. Neben der Kulturstruktur ergibt sich die Sozialstruktur (social structure), die die soziale Funktion einer Gesellschaft, die Bedürfnisse von Gruppen von Individuen zu stillen, darstellt.

Bateson vermutet eine Konfiguration in einer Kultur, die die Menschen in ihr normt, unterschieden in Ethos und Eidos. Das Ethos repräsentiert die genormte Organisation von Emotionalität und Instinkten, Eidos eine Standardisierung des Intellekts, die sich in der Kulturstruktur manifestiert. Die Manifestation des standardisierten Intellekts erklärt sich im abstrahierenden Weg von den Prämissen über die der spezifischen Kultur inhärenten Logik zum Kulturbegriff.

Bateson beleuchtet folglich in Naven Institutionen, die funktional ineinandergreifen und die Bedürfnisse von Gruppen bedienen, in dreifacher Weise. Die strukturelle Perspektive, also das Eidos, die affektive Perspektive, also das Ethos, und die soziologische Perspektive dienen als analytische Eckpfeiler.

Mit Naven beginnend, setzen sich Antworten auf kulturelle Fragen bei Bateson fest, die er bis zuletzt vertreten wird: Er misstraut Aussagen über interkulturelle Ähnlichkeiten und vertritt einen Kulturrelativismus. Er verneint die Vorstellung vom Menschen als bloßem Produkt der Kultur, wie auch als bloßem Produkt seiner Gene, und versteht ihn als ein Geschöpf, das aus Kultur, genetischer Disposition und bewusster schöpferischer Auseinandersetzung erwächst.

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