An diesem Tag

Gregor von Tours

Christlicher Heiliger, Bischof von Tours (ab 573) und gallo-romanischer Historiker

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Gregor von Tours (eigentlich Georgius Florentius Gregorius; * 30. November 538 bei Clermont-Ferrand; † vermutlich 17. November 594 in Tours) war Bischof von Tours, Geschichtsschreiber und Hagiograph. Seine berühmten Zehn Bücher Geschichten (bzw. Historien) gehören zu den wichtigsten Quellen für die Übergangszeit zwischen der Spätantike und dem Frühmittelalter.

Gregor hieß ursprünglich Georgius Florentius. Er wurde als drittes Kind in eine vornehme gallorömisch-senatorische Familie der Auvergne geboren, die auf eine lange und stolze Tradition zurückblicken konnte: In spätrömischer Zeit hatte sie hohe römische Beamte gestellt, nach dem Untergang Westroms dienten mehrere Familienmitglieder der Kirche. Gregor hatte einen älteren Bruder namens Petrus und eine Schwester, deren Name unbekannt ist. Sein Vater hieß Florentius, seine Mutter Armentaria; sie war vermutlich eine Tochter des Bischofs Armentarius von Langres. Sein Vater und sein Großvater väterlicherseits, Georgius, gehörten der senatorischen Adelsschicht an; sein Onkel Gallus war Bischof von Clermont. Mütterlicherseits war Gregor auf einer Seite verwandt mit den Bischöfen Sacerdos und Nicetius von Lyon, auf der anderen Seite mit den Bischöfen Gregor von Langres und dessen Sohn Tetricus von Langres, die beide ebenfalls einem senatorischen Geschlecht entstammten. Zu Ehren Gregors von Langres nahm er den Namen Gregor (Gregorius) an, unter dem er bekannt wurde. Gregor verstand sich zeitlebens nicht als Franke, sondern als Römer, und war erkennbar stolz auf seine vornehme Abstammung, was in seinen Schriften immer wieder klar zum Ausdruck kommt.

Gregor scheint eine gute Bildung erhalten zu haben, er kannte unter anderem Werke Vergils und Sallusts (wenn auch vielleicht nur in Form von Kompendien). In jungen Jahren erkrankte er schwer und gelobte im Falle einer Genesung Geistlicher zu werden. Sein Vater starb jung, und Gregor wurde erst von seiner Mutter Armentaria in der Nähe von Cavaillon und dann von seinem Onkel Gallus († 551) sowie dem Archidiakon und späteren Bischof Avitus in Clermont erzogen. Vor dem Tod des Gallus war Gregor bereits in den geistlichen Stand eingetreten. Eine weitere Ausbildung erhielt er von seinem Onkel Nicetius in Lyon (Lugdunum), wohin er 563 geschickt wurde. 563 unternahm er, erneut erkrankt, eine Pilgerreise zum Grab des heiligen Martin. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits zum Diakon ordiniert. Über die folgenden Jahre ist kaum etwas bekannt. Als Diakon war er wohl in der Auvergne tätig, wenn er auch Verwandte besuchte (wie seine Mutter im Teilreich Burgund oder seinen Vetter mütterlicherseits, Bischof Euphronius von Tours). Gregor war mit dem Dichter Venantius Fortunatus befreundet, der ihm seine Gedichtsammlung widmete. 571 hielt er sich einige Zeit in St. Julian in Brioude auf, wohin seine Familie gute Verbindungen unterhielt, wobei seine dortige Stellung aber recht unklar ist. 573 wurde er als Nachfolger des Euphronius zum Bischof von Tours gewählt, vermutlich auf Veranlassung des Königs Sigibert I. von Austrasien, dem Gregor bereits von Besuchen am Königshof bekannt war.

Als Bischof von Tours war Gregor für einen der wichtigsten Bischofssitze Galliens verantwortlich. Während seines Episkopats war er oft mit den Streitigkeiten der fränkischen Teilkönige konfrontiert, denen nicht zuletzt an der Beherrschung von Tours gelegen war. Ihnen trat Gregor mehrmals und entschieden entgegen. So verweigerte er die Auslieferung politischer Gegner an König Chilperich I. von Neustrien (den Gregor als „Nero und Herodes“ seiner Zeit bezeichnete) und dessen Gemahlin Fredegunde. Gregor setzte sich auch (allerdings vergeblich) für Bischof Praetextatus von Rouen ein, der für den Prinzen Merowech eingetreten war, nachdem Merowech sich gegen seinen Vater Chilperich erhoben hatte und unterlegen war. Chilperich selbst scheint Gregor für dessen Engagement Respekt entgegengebracht zu haben, denn er zog den Bischof verschiedentlich als theologischen Berater heran. Die politischen Gegner Gregors, darunter vor allem Leudast als Regionalherrscher bzw. comes von Tours, intrigierten jedoch gegen ihn, so dass er sich im Sommer 580 vor einer Synode verantworten musste. Durch eine Eidesleistung gewann Gregor das Vertrauen Chilperichs zurück.

Nach Chilperichs Tod 584 setzte sich Gregor für die Aussöhnung der merowingischen Teilherrscher Guntram I. von Burgund und Childebert II. ein. Beide Herrscher verständigten sich 585, und Gregor stand denn auch in ihrer Gunst. Dennoch musste er sich 585 und wieder 588 für den Frieden zwischen den Teilherrschern einsetzen.

Er starb Ende 594 in Tours, vermutlich am 17. November, der sein Gedenktag ist. In Tours und Clermont wird er als Heiliger verehrt.

Zehn Bücher Geschichten („Geschichte der Franken“)

Das Hauptwerk Gregors stellen die Zehn Bücher Geschichten (Decem libri historiarum) dar, die in der Forschung gewöhnlich kurz als Historiae („Historien“) oder, allerdings irreführend, Historia Francorum („Geschichte der Franken“) bezeichnet werden. Ein Original aus Gregors Hand existiert nicht mehr, doch ist das umfangreiche Werk in mehr als 50 mittelalterlichen Handschriften überliefert. Die ältesten darunter stammen aus dem 7. Jahrhundert, sind jedoch unvollständig und fehlerhaft. Verlässlichere Handschriften stammen aus dem 11. Jahrhundert. Einer der ältesten Überlieferungsträger des Textes wird heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrt. Die Handschrift, die um 800 im Kloster Lorsch entstand, gelangte im 16. Jahrhundert in den Besitz des pfälzischen Kurfürsten Ottheinrich. Nach der Wegführung der Bibliotheca Palatina im Dreißigjährigen Krieg kam die Handschrift im 19. Jahrhundert nach Heidelberg zurück.

Es handelt sich um eine christliche Universalgeschichte in spätantiker Tradition. Gregors Absicht war es, die Geschichte der Gesamtkirche aus eschatologischer Sicht darzustellen, von der Erschaffung der Welt bis zu den fränkischen Königen des 6. Jahrhunderts. Das erste Buch schildert die Zeit bis zum Tod des heiligen Martin von Tours (397), das zweite beschreibt die Zeit der ersten Merowinger bis zum Tod König Chlodwigs I., den Gregor im Rahmen der Taufschilderung als „neuen Konstantin“ bezeichnet und so eine Brücke von der fränkischen zur (gallo-)römischen Geschichte schlägt. Mit dem vierten Buch erreicht Gregor seine eigene Zeit; es endet mit der Ermordung König Sigiberts I. Die restlichen sechs Bücher behandeln die weitere Zeitgeschichte bis in den Sommer 591. An den Schluss stellt Gregor eine Autobiographie mit einem Verzeichnis seiner Werke. Die Historiae wurden sukzessiv verfasst: Die ersten vier Bücher verfasste Gregor um oder kurz nach 575 (wenngleich sie später wohl noch einmal überarbeitet wurden), die restlichen sechs Bücher folgten dann später. Alexander Callander Murray geht hingegen neuerdings abweichend davon aus, die Historien seien nach 585 entstanden.

Gregor verbindet in seiner Darstellung – genau wie sein griechischer Zeitgenosse Euagrios Scholastikos – kirchliche und weltliche Geschichtsschreibung. Er sieht die Franken in der Nachfolge der Römer, beschönigt aber nicht die teils katastrophalen Zustände in ihrem regnum (Gregor, Historien IV 50). Gregor übersieht nicht die brutalen Methoden Chlodwigs und seiner Nachkommen, beurteilt die Merowinger aber eher hinsichtlich ihrer Rolle als ausführende Instrumente des göttlichen Willens. Großen Wert legt er daher auf das Verhältnis des Königs zur Kirche, besonders dessen Bischöfen, die den König beraten und anleiten sollen. So verurteilt er nicht hartes Vorgehen, wenn es effektiv ist und die Herrschaft als gerecht bewertet werden kann. Im Hinblick auf die Generationen nach Chlodwig bemängelt Gregor allerdings zunehmend sündhaftes Verhalten und bezeichnete etwa Chilperich I. als den „Nero und Herodes“ seiner Zeit.

Das Werk liefert keineswegs nur Informationen über die Franken, etwa über ihren angeblichen Ursprung (siehe Origo gentis), sondern ist breit angelegt. Aufgrund seines zentralen Themas wird es dennoch, wie gesagt, oft als Geschichte der Franken (Historia Francorum) bezeichnet, was aber dem Anliegen Gregors nicht gerecht wird; die neuere Forschung betont den universalen Charakter der Schrift. Gregor geht sogar auf Ereignisse im fernen Orient, an der Ostgrenze des geschrumpften Imperium Romanum, ein, etwa auf die Plünderung Antiochias durch die Perser im Jahr 540 oder den Ausbruch eines neuen Perserkriegs 572 (Gregor, Historien IV 40). Der oströmische Kaiser gilt ihm noch immer als Oberherr und wird als dominus noster bezeichnet, und insbesondere über Ereignisse am Hof von Justin II. und Tiberius Constantinus zeigt sich Gregor gut informiert.

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