Gregor von Rezzori d’Arezzo (* 13. Mai 1914 in Czernowitz in der Bukowina, Österreich-Ungarn; † 23. April 1998 in Donnini, Reggello) war ein rumänisch-österreichischer Schriftsteller und Filmschauspieler.
Gregor von Rezzori, Sohn des Staatsbeamten Hugo von Rezzori, entstammte einer sizilianischen Familie, die Mitte des 18. Jahrhunderts über Norditalien nach Wien kam. Rezzoris Großvater arbeitete als Architekt im Dienst der Habsburgermonarchie. Die Ahnentafel blieb bei einer Prüfung in den 1950er Jahren durch das Deutsche Adelsarchiv teilweise unbelegt. Sein Vater war Beamter in Czernowitz, das im Vertrag von St. Germain nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg an Rumänien fiel. Die Angehörigen der Familie erhielten 1919 die rumänische Staatsbürgerschaft. Als Josef Stalin Großrumänien am 26. Juni 1940 zwang, die nördliche Bukowina mit Czernowitz an die Sowjetunion abzutreten, fiel Rezzori in die Staatenlosigkeit. 1984 erwarb er die österreichische Staatsangehörigkeit.
Rezzori besuchte das Honterus-Gymnasium in Kronstadt (Siebenbürgen) und Gymnasien in Fürstenfeld (Steiermark) und Wien. An der Montanuniversität Leoben studierte er Bergbau. Er wurde Fuchs beim Corps Schacht Leoben, bat aber nach zwei Mensuren um den Austritt, der ihm im Dezember 1932 erteilt wurde. Der Grund lag nicht im Corps, sondern im Studium, für das er weder Neigung noch Talent besaß. In Wien ging er nach eigenem Bekunden nicht seinem Studium nach, sondern dem Dasein eines Dandys. Er kehrte nach Rumänien zurück, um sich seiner wahren Neigung, dem Zeichnen und der Grafik, zu widmen. Zunächst hatte er seinen Militärdienst abzuleisten. Anschließend blieb er vier Jahre lang zeichnend und malend in Bukarest. Das in manchen Quellen erwähnte Kunststudium in Bukarest war in Wahrheit, so Rezzori selbst, ein Job als Schaufenstergestalter und Dekorateur, der ihn mehr schlecht als recht ernährte. Er kehrte nach Wien zurück, wo er an der Kunstakademie Malerei studierte, übersiedelte aber bereits 1938, im Jahr mit dem Anschluss Österreichs, nach Berlin. Dort machte er das Schreiben zu seinem Beruf. Sein Erstling, der Roman Flamme, die sich verzehrt, wird zum Überraschungserfolg. Plötzlich gilt Rezzori als vielversprechendes Talent. Nach einem eher trivialen Roman wurde er von einer Illustrierten als Autor eines Feuilletonromans engagiert. Diese Tätigkeit übte er auch nach Beginn des Überfalls auf Polen aus, sogar als er, inzwischen verheiratet und Vater zweier Söhne, in Schlesien als Landwirtschaftseleve zum Einsatz kommt. Vor der Roten Armee flüchtete er 1945 mit seiner Frau und den inzwischen drei Söhnen nach Westen.
In einem Dorf bei Hamburg lernte er einen Journalisten kennen. Von ihm zum gerade gegründeten Nordwestdeutschen Rundfunk vermittelt,
arbeitete Rezzori (bis 1948) als Journalist und Hörfunkautor in den Ressorts Politik, Kultur, Unterhaltung und Musik. Als Reporter berichtete er von den Nürnberger Prozessen. So ist er (mit Andreas Günther) in einer Übertragung aus dem Gerichtssaal während der Urteilsverkündung gegen die Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher am 1. Oktober 1946 zu hören.
Später war er freier Mitarbeiter des NWDR. Im Nachtprogramm erzählte er die ersten seiner Maghrebinischen Geschichten. Diese witzigen, mitunter tolldreisten Anekdoten und Legenden aus dem balkanischen Phantasieland Maghrebinien begründeten Rezzoris Welterfolg als Schriftsteller. Sie erschienen 1952 oder 1953 erstmals in Buchform. Im Frühsommer 1960 bereiste er zusammen mit seinem Freund, dem Rundfunkjournalisten und Leiter des NDR-Nachtprogramms, Jürgen Schüddekopf, Schottland. Seine Beobachtungen und Erlebnisse schrieb er in einem Essay nieder, der unter dem Titel Whisky, Lords und Dudelsack zwischen Juli und Oktober 1960 in fünf Folgen im NDR gesendet wurde. Nebenher blieb Rezzori als Drehbuchautor tätig und wirkte in rund einem Dutzend Filme als passionierter Gelegenheitsschauspieler mit (z. B. Viva Maria! 1965). Rezzori war seit 1958 Mitglied des (bundesdeutschen) PEN International. Ab 1962 veröffentlichte er vier Bände von Idiotenführer durch die deutsche Gesellschaft mit eigenen Zeichnungen.
Aus seiner ersten Ehe, geschieden 1957, mit Priska von Tiedemann stammen die drei Söhne Enzio, Azza und Ezzelino. Eine zweite Ehe mit der Malerin Hanna Axmann wurde nach kurzer Zeit geschieden. 1967 heiratete er Beatrice Monti della Corte, die in Mailand die Galleria dell'Ariete zu einer namhaften Kunstgalerie machte. Auch befasste Rezzori sich intensiv mit Kunst. Seine private Sammlung, die auf die Wohnsitze in der Toskana, auf Rhodos und in Mailand verteilt wurde, legte davon Zeugnis ab. Das Feuilleton würdigte Rezzori als Chronisten einer versunkenen Epoche, der das Schreiben mit leichter Hand zur Meisterschaft gebracht hatte. Der Journalist Heinrich von Tiedemann war sein Schwager.
Ab Anfang der 1980er Jahre gestaltete er Beiträge für das Magazin Jolly Joker des Österreichischen Rundfunks. Er berichtete vor allem über Aristokraten, Berühmte und Reiche. Er wurde von der Zürcher Agentur Paul & Peter Fritz AG vermittelt und war Autor für den Playboy, Elle und in seinen letzten Lebensjahren regelmäßig für die österreichische Tageszeitung Kurier tätig. Durch seine journalistische Tätigkeit und die Maghrebinischen Geschichten hatte er ein Image als Schlawiner, Salonlöwe und Lebemann.
Kurz vor seinem 84. Geburtstag gestorben, ist Rezzori im Garten seines Anwesens Santa Maddalena bei Florenz unter einer kleinen Steinpyramide begraben.
Mitgliedschaft PEN-Zentrum BRD (1958)
Fontane-Preis (Berliner Kunstpreis, 1959)
Premio Gregor von Rezzori, seit 2007 vergebener Literaturpreis der Stadt Florenz
Flamme, die sich verzehrt. Roman. Propyläen-Verlag, Berlin 1940, DNB 575808616.
Greif zur Geige, Frau Vergangenheit. Roman. Neuausgabe von Flamme, die sich verzehrt. Bertelsmann Verlag, München 1978, ISBN 3-570-00361-2.
Rombachs einsame Jahre. Roman. Deutscher Verlag, Berlin 1942, DNB 575808624.
Rose Manzani. Roman. Propyläen-Verlag, Berlin 1944, DNB 575808632.
Maghrebinische Geschichten. Rowohlt Verlag, Hamburg 1953, DNB 454007507.
Maghrebinische Geschichten. Neuausgabe. Rimbaud Verlag, Aachen 2020, ISBN 978-3-89086-227-9.