Gregor Schlierenzauer (* 7. Jänner 1990 in Fulpmes, Tirol) ist ein ehemaliger österreichischer Skispringer. Er gewann sechs Goldmedaillen bei Nordischen Skiweltmeisterschaften, vier bei Skiflug-Weltmeisterschaften und eine bei Olympischen Winterspielen. Darüber hinaus gewann er zweimal den Gesamtweltcup (2008/09, 2012/13), dreimal den Skiflug-Weltcup (2008/09, 2010/11, 2012/13) sowie zweimal die Vierschanzentournee (2011/12, 2012/13). Mit 53 Weltcup-Siegen ist er der erfolgreichste Skispringer der Weltcup-Geschichte.
Gregor Schlierenzauer wurde in Kranj im Februar 2006 Juniorenweltmeister auf der Normalschanze. Er debütierte im März 2006 beim Weltcup von Oslo, wo er auf Anhieb als 24. die Punkteränge erreichte.
Schon beim Sommer-Grand-Prix der Skispringer kündigte er 2006 seinen Durchbruch mit einem Sieg, zwei zweiten und einem dritten Platz sowie einem Sieg im Mannschaftsspringen an.
Seit dem zweiten Springen der Saison 2006/07 gehört er zum Stammaufgebot Österreichs für den Weltcup. Bei seinem ersten Einsatz der Saison sprang er auf den vierten Platz. Das zweite Springen von der Großschanze gewann er vor dem Norweger Anders Jacobsen und wurde somit zum damals fünftjüngsten Skisprung-Weltcupsieger. Bei der Vierschanzentournee 2006/07 schaffte er zwei Tagessiege und den zweiten Rang in der Gesamtwertung. Bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2007 in Sapporo gewann er mit der Mannschaft die Goldmedaille im Springen von der Großschanze.
Die Saison 2007/08 verlief ebenfalls sehr erfolgreich; er wurde mit 18 Jahren und 47 Tagen jüngster Skiflugweltmeister der Geschichte und gewann am Tag danach mit Martin Koch, Thomas Morgenstern und Andreas Kofler auch den Team-Skiflugweltmeistertitel. Zum Saisonabschluss gewann er noch das Nordic Tournament 2008 und stellte am 14. März 2008 bei seinem Sieg beim Skifliegen in Planica mit 232,5 m einen neuen österreichischen Weitenrekord auf. Diesen Rekord überbot er am 15. März 2008 noch einmal mit 233,5 m.
Im Rahmen des FIS-Grand-Prix gewann Schlierenzauer im August 2008 das Springen in Pragelato und siegte damit in der Gesamtwertung des 4-Nations-Grand-Prix. Die beiden folgenden Grand-Prix-Springen in Zakopane konnte er ebenfalls für sich entscheiden. Mit weiteren Siegen in Klingenthal und Liberec gewann er auch die Gesamtwertung des FIS-Grand-Prix 2008. Als Mitglied der Skiflugteams wurde er im Oktober 2008 in der Kategorie „Mannschaften“ als Sportler des Jahres ausgezeichnet.
Rekorde und erster Gesamt-Weltcupsieg
Am 10. Jänner 2009 verbesserte er den bisherigen Schanzenrekord von Sven Hannawald am Kulm um 1,5 m auf 215,5 m. Am 25. Jänner 2009 gewann er wie am Tag davor das Springen auf der Olympiaschanze von 2010 und stand bei starkem Aufwind die Rekordweite von 149 m. In der Saison 2008/09 gewann Schlierenzauer sechs Weltcup-Springen in Folge und stellte damit den Rekord von Janne Ahonen, Matti Hautamäki und Thomas Morgenstern ein. Er stellte außerdem einen Rekord von 13 gewonnenen Weltcup-Wettbewerben in einer Saison auf, der erst in der Saison 2015/16 von Peter Prevc (15 Siege) überboten werden sollte. Bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2009 gewann er hinter seinem Mannschaftskameraden Wolfgang Loitzl die Silbermedaille auf der Normalschanze, mit dem Team holte er sich eine Woche später den Weltmeistertitel auf der Großschanze. Den Gesamtweltcup 2008/09 sicherte er sich mit 2.083 Punkten aus 27 Springen; das war Punkterekord im Weltcup der Skispringer, der jedoch ebenfalls von Peter Prevc (2.303 Punkte) in der Saison 2015/16 überboten wurde. Daneben gewann er in der gleichen Saison den Skiflugweltcup. Wenige Tage nach der Saison stürzte er bei Materialtests in Ramsau und zog sich einen Riss des Innenbandes im rechten Knie zu.
Mit 26 Weltcup-Siegen zum neuen österreichischen Rekord und WM-Einzel-Gold
Mit seinem Sieg in Engelberg am 19. Dezember 2009 gewann Schlierenzauer sein 26. Weltcup-Springen. Damit überholte er nach der Anzahl an Siegen Andreas Felder und stellte in dieser Kategorie mit nur 19 Jahren einen neuen österreichischen Rekord auf. Mit seinem Sieg am Kulm am 10. Jänner 2010, dem siebten Sieg in einem Skiflug-Wettbewerb, sicherte er sich in dieser Saison überdies den Rekord als erfolgreichster Skiflieger. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver gewann er sowohl auf der Normal- als auch auf der Großschanze die Bronzemedaille. Zudem gewann er mit der österreichischen Mannschaft die Goldmedaille im Teamwettbewerb.
Zu Beginn der Saison 2010/11 verletzte er sich beim Training am linken Knie. Durch die Regenerationsphase war ein Kampf um den Gewinn des Gesamtweltcups nicht möglich, Schlierenzauer konnte sich jedoch bereits Anfang Jänner in Harrachov wieder unter den besten Zehn platzieren. Er steigerte kontinuierlich seine Leistungen und erreichte schließlich noch drei Siege und den neunten Platz im Gesamtweltcup.
Am 3. März 2011 gewann Schlierenzauer bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oslo auf dem Holmenkollbakken seine erste und einzige Einzel-Goldmedaille bei Nordischen Skiweltmeisterschaften. Bis dahin war der letzte österreichische Weltmeister auf der Großschanze Andreas Felder, dem dies 24 Jahre zuvor bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 1987 in Oberstdorf gelungen war. Außerdem gewann Schlierenzauer bei der besagten WM im Teamspringen sowohl auf der Kleinschanze als auch auf der Großschanze jeweils eine Goldmedaille.
Am 12. Februar 2011 beim Skifliegen in Vikersund flog Schlierenzauer auf 243,5 m und somit zu neuem österreichischen Landesrekord.
Vierschanzentournee-Siege und zweiter Gesamt-Weltcupsieg
Im Winter 2011/12 konnte Schlierenzauer erstmals die Vierschanzentournee für sich entscheiden. Nach Siegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen und belegte er in Innsbruck den zweiten und in Bischofshofen den dritten Platz.
Beim Skiflug-Bewerb am Kulm am 15. Januar 2012 riss der Anzug von Schlierenzauer kurz vor seinem Sprung. Dieser konnte nicht mehr regelkonform repariert werden. Schlierenzauer startete dennoch und hätte diesen Wettbewerb gewonnen, doch er wurde aufgrund des zerrissenen Anzuges disqualifiziert. Dies sollte ihm am Ende den Gesamtweltcup kosten.
Am 4. Februar 2012 gewann er im Val di Fiemme im Alter von 22 Jahren sein bereits 40. Weltcupspringen. Er überholte damit in der ewigen Bestenliste nach Weltcupsiegen Adam Małysz.
Vor dem Auftakt in die Weltcup-Saison 2012/13 machte Gregor Schlierenzauer mit erheblicher Kritik am neuen Anzugsreglement des Internationalen Skiverbandes FIS Schlagzeilen. Geplant war es, dass die Anzüge ab der kommenden Saison hauteng anliegen müssen und zwischen Körper und Haut kein Toleranzbereich mehr zugelassen ist. Erst nach der Kritik von Schlierenzauer hat man sich dafür entschieden, wieder zwei Zentimeter Toleranzbereich einzuführen. Die Reglementänderung im Anzugsbereich gilt als einer der weitreichendsten Eingriffe in das Flugsystem seit vielen Jahren.