Gregor Kobel (* 6. Dezember 1997 in Zürich) ist ein Schweizer Fussballtorhüter, der seit 2021 bei Borussia Dortmund unter Vertrag steht. Er ist zudem A-Nationalspieler.
Gregor Kobel, Sohn des früheren Eishockeyspielers Peter Kobel (u. a. ZSC Lions, HC Lugano und HC Davos), begann in seiner Heimatstadt beim FC Seefeld Zürich mit dem Fussballspielen; im Gegensatz zu vielen anderen späteren Profis spielte er bereits als Kind auf derselben Position wie als Erwachsener, im Tor. Mit acht Jahren wechselte er innerstädtisch zum Grasshopper Club Zürich, wo er fortan in der vereinsinternen Jugendabteilung ausgebildet wurde. Während seiner Ausbildungszeit nahm sich der junge Torhüter vor allem die Nationalkeeper Roman Bürki und Yann Sommer zum Vorbild, die ebenfalls für die Grasshoppers spielten und die er später in der deutschen Bundesliga wiedersehen sollte.
Nach einer Kontaktaufnahme seitens der TSG 1899 Hoffenheim über den Schweizer Fussballverband wurde Kobel im September 2014 erst für zwei Jahre ausgeliehen und im Anschluss fest verpflichtet. Im Gegensatz zu den Grasshoppers hatte man ihm in Sinsheim in Aussicht gestellt, mit 18 für die erste Mannschaft spielen zu können. Infolgedessen brach der damals 16-Jährige seine Schullaufbahn auf dem Gymnasium ab und zog ohne seine Eltern ins Nachbarland. In der Saison 2014/15 war Kobel, der fortan von Torhütertrainer Michael Rechner ausgebildet wurde, bei der U19 der Ersatz des ein Jahr älteren Dominik Draband und spielte dreimal in der A-Junioren-Bundesliga. In der Saison 2015/16 folgten 16 Einsätze. Zudem spielte der Torhüter im Frühjahr 2016 fünfmal in der zweiten Mannschaft in der viertklassigen Regionalliga Südwest, nachdem er bereits die gesamte Saison über hin und wieder dem Spieltagskader angehört hatte. Rechner sagte schon damals über seinen Schützling aus, dass dieser «sehr fleissig, fast schon positiv besessen im Training» war.
Zur Saison 2016/17 erhielt Kobel einen bis zum 30. Juni 2020 laufenden Profivertrag und rückte in das Profikader von Julian Nagelsmann auf. Dort war er hinter Oliver Baumann und Alexander Stolz der dritte Torhüter. Kobel kam bei den Profis zu keinem Einsatz, sammelte dafür aber weiterhin Spielpraxis in der Regionalliga, in der er 26 Einsätze absolvierte. In der Saison 2017/18 stand der Schweizer hinter Baumann bei den Bundesligaspielen meist anstelle von Stolz im Spieltagskader. Er spielte achtmal in der Regionalliga und bekam darüber hinaus von Nagelsmann in beiden DFB-Pokal-Spielen den Vorzug vor Baumann. Ebenso war die Situation in der Hinrunde der Saison 2018/19: Kobel spielte beide Pokalspiele bis zum Ausscheiden und sass bei den Bundesligaspielen auf der Bank. Am 5. Spieltag erhielt er für ein Spiel den Vorzug vor Baumann und gab beim 3:1-Auswärtssieg gegen Hannover 96 sein Bundesligadebüt. Daneben spielte der Schweizer viermal in der Regionalliga.
Anfang Januar 2019 wechselte Kobel bis zum Ende der Saison 2018/19 auf Leihbasis zum Ligakonkurrenten FC Augsburg, um das in Kritik geratene Torhüterteam um Fabian Giefer und Andreas Luthe zu verstärken. Kobel wurde auf Anhieb Stammtorhüter und absolvierte bis zum Saisonende 16 Bundesligaspiele, in denen er 42 Gegentreffer hinnehmen musste; lediglich einmal fehlte er verletzt. Mit seiner Leistung trug er zum Klassenerhalt bei.
Zur Saison 2019/20 verlängerte Kobel seinen Vertrag in Hoffenheim bis zum 30. Juni 2021 und wechselte für ein Jahr auf Leihbasis in die 2. Bundesliga zum Absteiger VfB Stuttgart. Nach dem Abgang des Stammtorhüters Ron-Robert Zieler konnte sich der Schweizer in der Vorbereitung gegen den ebenfalls neu verpflichteten Fabian Bredlow durchsetzen und wurde zur neuen Nummer 1. Nach 23 Gegentreffern in 15 Ligapartien erhielt Bredlow für die letzten drei Spiele vor der Winterpause von seinem Trainer Tim Walter das Vertrauen. Aus der Wintervorbereitung ging der Schweizer allerdings unter Walters Nachfolger Pellegrino Matarazzo wieder als Stammtorhüter hervor. Kobel absolvierte 31 Ligaspiele und stieg mit dem VfB in die Bundesliga auf. Seine Gegentorquote konnte er im Gegensatz zur höchsten deutschen Spielklasse auf knapp über 1 pro Partie reduzieren, elfmal stand darüber hinaus bei ihm die Null.
Vor der Saison 2020/21 verpflichtete Stuttgart den Keeper, an dem auch Hertha BSC interessiert gewesen sein soll, schliesslich fest und stattete ihn mit einem bis zum 30. Juni 2024 gültigen Vertrag aus. Kobel stand in 33 von 34 Bundesligapartien zwischen den Pfosten, eine verpasste er verletzungsbedingt. Er kassierte im Schnitt 1,64 Gegentreffer pro Spiel, nur fünf Teams mussten noch mehr Gegentore als Stuttgart hinnehmen. Der Kicker ordnete ihn in seiner Rangliste der Hinrunde in die nationale Klasse ein, in der er hinter Lukáš Hrádecký und vor Kevin Trapp rangierte. Das Magazin bescheinigte Kobel ein konstant gutes Torhüterspiel und lobte dessen Qualitäten als Führungsspieler sowie im Spielaufbau. Nach Saisonende war er mit einer Durchschnittsnote von 2,86 hinter Manuel Neuer, Stefan Ortega Moreno und Rafał Gikiewicz der viertbeste Torhüter dieser Spielzeit. Nach Gikiewicz, Ortega Moreno und Florian Müller war der Schweizer darüber hinaus der Bundesligatorhüter mit den viertmeisten abgewehrten Bällen, prozentual gesehen lag er in dieser Disziplin sogar nur 0,01 Prozentpunkte hinter dem Welttorhüter Neuer. Mit dem Team beendete Kobel die Spielzeit auf dem neunten Rang und hatte mit ihm phasenweise Chancen auf die Qualifikation für einen Europapokalwettbewerb.
Zur Saison 2021/22 wechselte Kobel innerhalb der Bundesliga zu Borussia Dortmund, wo er einen bis Juni 2026 gültigen Vertrag unterschrieb. Beim BVB stiess der Keeper ins Torhüterteam um seine Landsmänner Roman Bürki und Marwin Hitz. Der neue Dortmunder-Trainer Marco Rose gab an, den Schweizer als Nummer 1 eingeplant, diesen Status aber nicht «in Stein gemeisselt» zu haben. Im ersten Saisonspiel – dem Pokalspielsieg bei Wehen Wiesbaden – stand Kobel im Tor. In allen weiteren Partien bis zum 9. Bundesligaspieltag hütete der Schweizer ebenfalls den Kasten über die volle Spielzeit. Am 9. Spieltag zog sich der Keeper, nachdem er gegen einen Pfosten seines Tors gestossen war, eine Oberschenkelprellung zu und musste in der Halbzeitpause gegen Hitz ausgewechselt werden; dieser vertrat ihn auch im drei Tage später ausgetragenen Pokalspiel gegen Ingolstadt. Bis dahin hatte Kobel ausser gegen Wiesbaden nur gegen Sporting Lissabon in der Champions League zu Null gespielt. Nach dem siegreichen Pokalspiel kehrte der wieder genesene Schweizer ins Tor zurück.
Das Portal Sport1 bezeichnete Kobel nach Abschluss der Hinrunde als den «grossen BVB-Rückhalt», der sein Team mit mehreren «Glanzparaden» rettete. Sport1 lobte einerseits dessen enorme «Präsenz» und andererseits Stärken bei hohen Bällen sowie auf der Linie. Schwächen machte man hingegen noch im Spiel am Ball aus. Der kicker stufte den Schweizer gemeinsam mit seinem Landsmann Yann Sommer sowie Manuel Neuer und Mark Flekken in die internationale Klasse ein. Das Magazin hob Kobels «beeindruckende Physis», sein «sehr gutes Verhalten im Eins-gegen-eins» und «Rettungsaktionen ausserhalb des Strafraums, die […] unter Vorgänger Roman Bürki Seltenheitswert hatten» hervor. In der Rückserie gewann Kobel mit seiner Mannschaft neun von 13 Ligaspielen, die letzten vier Partien verpasste er verletzungsbedingt, woraufhin Hitz für ihn nachrückte und der nach Saisonende scheidende Bürki am letzten Spieltag noch einmal das Tor hüten durfte. Der kicker schrieb im Anschluss: «Beim BVB blieb Kobel schuldlos am Ausscheiden in Pokal und Europa League. Mit seiner Qualität bei Flankenbällen sowie im defensiven wie offensiven Mitspielen auch ausserhalb des Strafraums verkörperte er etwas, was einem Torwart jenseits aller Paraden oder Patzer Internationale Klasse beschert. Weil grosse Einzeltaten in diesem Halbjahr fehlten, landet Kobel um Nuancen hinter Sommer.» Hervorzuheben wären trotz allem seine Leistung (Note 1,5) beim 6:0 gegen Borussia Mönchengladbach, bei dem der Schlussmann zwei Grosschancen vereitelte, sowie sein Auftreten (Note 2,0) beim 6:1-Heimsieg gegen Wolfsburg. Auch beim 2:2 im Rückspiel der Europa-League-Play-offs war der Torhüter mit einer 2,5 der notenbeste Dortmunder Akteur, wohingegen dessen Abwehrreihe zwischen 3,0 und 4,5 schwankte.