An diesem Tag

Grünenthal (Unternehmen)

Deutsches Pharmaunternehmen

Anúncio

Die Grünenthal GmbH ist ein deutsches Pharmaunternehmen mit Sitz in Aachen. Es wurde 1946 in Stolberg (Rhld.) gegründet und war das erste Unternehmen, das Penicillin auf dem deutschen Markt einführte, dessen Produktion in Deutschland zuvor vom Alliierten Kontrollrat untersagt worden war. Das Unternehmen bildet einen Teilkonzern innerhalb des Konzerns der Grünenthal Pharma GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, der sich vollständig im Eigentum von Mitgliedern der Unternehmerfamilie Wirtz befindet.

Größere Bekanntheit erlangte Grünenthal durch den Contergan-Skandal, verursacht durch den Wirkstoff Thalidomid des im Jahr 1957 als Schlafmittel rezeptfrei erhältlichen Beruhigungsmittels, welches 1961 aus dem Verkehr genommen wurde, als sich herausstellte, dass es bei Schwangeren zu schwersten Behinderungen des Fötus und zu Totgeburten führte.

Das Unternehmen hat neben den beiden Niederlassungen in Deutschland Tochtergesellschaften in Europa, Lateinamerika sowie den Vereinigten Staaten und erzielt mehr als 50 % seines Umsatzes mit Schmerzmedikamenten, wie den von ihm entwickelten Wirkstoffen Tramadol und Tapentadol. Grünenthal ist Mitglied im Verband forschender Arzneimittelhersteller.

Die aus der 1845 von Andreas August Wirtz in Stolberg (Rhld.) gegründeten und von Ende 1888 bis Herbst 1889 an den Standort „Kupferhof Grünenthal“ verlegten Seifenfabrik Mäurer & Wirtz hervorgegangene Gesellschaft wurde 1946 als Chemie Grünenthal GmbH in Stolberg von der Unternehmerfamilie Wirtz gegründet. Am 29. Januar 1946 wurde die Firma in das Stolberger Handelsregister eingetragen. Zum Produktspektrum der Nachkriegsjahre gehörten unter anderem Desinfektionsmittel, Kosmetikartikel und pflanzliche Arzneimittel. Im Juli 1948 begannen der Geschäftsführer Jakob Chauvistré und sein Forschungsleiter, der Chemiker und Arzt Heinrich Mückter, mit der Herstellung von aus Zucker und Eukalyptus hergestellten „Grünetten“, welche im August 1948 63 Prozent des Monatsumsatzes ausmachten. Später wurde die Firma in die Grünenthal GmbH umfirmiert und der Sitz nach Aachen verlegt.

Die Grünenthal GmbH führte als erstes Unternehmen in der Nachkriegszeit 1948 Penicillin auf dem westdeutschen Markt ein. (Im Osten war es Jenapharm). Der als fast sicher eingeschätzte Konkurs der Firma konnte so verhindert und die große Nachfrage nach dem dringend benötigten Medikament gestillt werden. Der Alliierte Kontrollrat hatte bis dahin deutschen Firmen die Forschung an und die Herstellung von Penicillin untersagt. Die genauen Umstände, wie Heinrich Mückter in den Nachkriegsjahren in den Besitz von Penicillin-Stämmen gekommen war, sind bis heute ungeklärt. Grünenthal hat sich dazu bisher noch nicht geäußert, ging aber in einer Festschrift auf Mückters Weg von den Fleckfieber-Experimenten im Institut für Fleckfieber- und Virusforschung des Oberkommandos des Heeres in Krakau hin zur Antibiotikaforschung ein. Vom Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen wurde die Herstellung von Penicillin durch die Firma Chemie Grünenthal am 23. Februar 1948 auf Grund der Entwicklungsarbeiten, die diese im Rahmen der durch das „Regional Research Office N. Rhine Westphalia, Research Branche Econ Sub-Commission“ erteilten „Genehmigung für ein Institut naturwissenschaftlicher oder technischer Forschung No. 10022“ durchgeführt hatte, genehmigt. Auch in den 1950er Jahren erfolgte eine Großproduktion von Penicillin durch die Grünenthal GmbH in Stolberg.

Bekanntheit erlangte Grünenthal auch im Zusammenhang mit der Herstellung des Schlafmittels Contergan, das in den 1960er Jahren Auslöser des Contergan-Skandals wurde. Das Medikament mit dem von Grünenthal entwickelten Wirkstoff Thalidomid, das 1957 auf den Markt gebracht wurde, hatte anfangs wenig beachtete Auswirkungen auf das Nervensystem Erwachsener. Bei Einnahme in bestimmten Schwangerschaftsphasen waren Missbildungen (Dysmelien) bei Neugeborenen die Folge. Diese wurden fälschlicherweise zunächst mit den damaligen Nukleartests in Verbindung gebracht. Der Zusammenhang mit Contergan wurde erst Ende 1961 bekannt und das Medikament vom deutschen Markt genommen, als die Zeitung Welt am Sonntag 1961 in einem Artikel über die Möglichkeit von Gesundheitsschäden durch Contergan berichtete. Die Eltern der geschädigten, damals noch lebenden Kinder erreichten später einen Vergleich mit Grünenthal. Nach Schätzungen von Experten führte das von der Firma Grünenthal verkaufte Medikament Contergan zum Tod von ca. 2.000 Kindern und zu schweren Missbildungen bei weltweit mehr als 10.000 neugeborenen Kindern, ca. 5.000 davon in Deutschland.

In den USA wurde Contergan die Zulassung verweigert, es wurde aber zu Testzwecken verteilt, nachdem der US-amerikanische Hersteller Richardson-Merrell die Zulassung im September 1960 erstmals beantragt hatte. Die zuständige Sachbearbeiterin der US-Gesundheitsbehörde FDA Frances Oldham Kelsey hatte sich nicht auf die Angaben der Firma Richardson-Merrell verlassen, die keine Testergebnisse beinhalteten. Stattdessen wurden nur generelle Aussagen Grünenthals und des Marketing-Departments von Richardson-Merrell angegeben, und Geschäftsleute und Politiker übten Druck auf Kelsey aus. Sie forderte Richardson-Merrell auf, Tests durchzuführen und die Ergebnisse mitzuteilen. Die Firma weigerte sich und verlangte insgesamt sechsmal erneut die Zulassung zu gestatten, was jedes Mal abschlägig beschieden wurde. Im Jahre 1962 zog Richardson-Merrell dann den Antrag auf Zulassung zurück. Trotzdem wurden insgesamt 17 Kinder mit Contergan-bedingten Missbildungen geboren.

Im Januar 1968 stand der frühere Laborleiter Heinrich Mückter und weitere verantwortliche Mitarbeiter der Grünenthal GmbH vor Gericht. Dieser Prozess endete im April 1970 mit einer Einstellung des Verfahrens wegen geringfügiger Schuld der Angeklagten und mangelnden öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung. Dies galt einigen als ein Justizskandal. Dem wird häufig entgegengebracht, dass bei den im Vorfeld durchgeführten Tierversuchen auch bei hoher Konzentration des Mittels keine fruchtschädigende Wirkung des Präparates nachgewiesen werden konnte. Die Aufdeckung habe sich unter anderem auch dadurch verzögert, dass die Öffentlichkeit inklusive des neugegründeten Bundesgesundheitsministeriums unter anderem eine mögliche Schädigung durch Kernwaffentests thematisiert hatte.

Zwischen 1997 und 2008 lehnte Grünenthal weitere Zahlungen des Unternehmens an die Contergan-Geschädigten ab, nachdem zu diesem Zeitpunkt die durch den Hersteller in die Conterganstiftung eingezahlten 110 Millionen Mark aufgebraucht waren. Ende 2007 plante der britische Unternehmer Nicholas Dobrik zusammen mit einer Gruppe von Opfern mit einer internationalen Kampagne Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe zu erzwingen. Dobrik war zuvor schon mit der vorhergehenden Kampagne gegen Diageo, der Nachfolgegesellschaft des ehemaligen britischen Lizenznehmers für Contergan, erfolgreich. Hier wird den Opfern bereits eine monatliche Zuwendung in Höhe von durchschnittlich 2.100 Euro gewährt. Am 8. Mai 2008 gab Grünenthal bekannt, freiwillig 50 Millionen Euro in die Conterganstiftung einzahlen zu wollen, um die Lebenssituation der Contergan-Geschädigten dauerhaft verbessern zu helfen.

2006 und 2007 stand das Unternehmen in der Kritik, da es durch die Erwirkung einer einstweiligen Verfügung beim Landgericht Hamburg die Ausstrahlung eines Fernseh-Zweiteilers mit dem Namen Eine einzige Tablette verhindern wollte. In diesem Film wird der Contergan-Prozess aufgearbeitet, der Film sollte ursprünglich im Herbst 2006 in der ARD laufen. Im Laufe des weiteren Verfahrens wurde den Anträgen der Gesellschaft wiederholt stattgegeben, da der Fernsehfilm Fiktion mit Realität vermische und historische Daten nicht korrekt wiedergebe. Die Gesellschaft sah sich dadurch in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt und ging bis vor das Bundesverfassungsgericht. Der Opferanwalt Schulte-Hillen klagte ebenfalls gegen den Film. Letztlich wurde die Verbreitung von 15 Falschdarstellungen untersagt und der Film mit einigen, nicht allen verlangten Änderungen am 7. und 8. November 2007 von ARD und ORF2 ausgestrahlt.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken