Gottlieb Hebler (* 2. November 1817 in Bern; † 18. Januar 1875 ebenda) war ein Berner Architekt, Mäzen und Politiker.
Gottlieb Hebler war der uneheliche Sohn des Kaufmanns Friedrich Hebler und der Margaretha Hurner aus Thun. Er blieb zeit seines Lebens unverheiratet.
Die Zunftgesellschaft zum Affen spielte eine entscheidende Rolle in seinem Leben, indem sie ihm bereits in der Kindheit Unterstützung gewährte. So verbrachte er seine frühen Jahre bei verschiedenen Familien in der Berner Landschaft, wo er zunächst die Dorfschule in Hettiswil bei Krauchthal besuchte. Ein prägendes Erlebnis war sein fünfjähriger Aufenthalt bei dem Lehrer Niklaus Hofstetter (* 1772) in Büren, dessen er sich sein Leben lang mit grosser Freude erinnerte und den er noch drei Jahre vor seinem Tod besuchte. Mit der Eröffnung der städtisch reformierten Realschule am 31. Oktober 1829 in Bern kam Hebler in das Haus des Lehrers Wenger, wo er seine Jugendzeit verbrachte und den Unterricht absolvierte.
Bereits früh zeigten sich Heblers Anlagen zum Zeichnen und zu technischen Fächern. Nach Beendigung seiner Schulzeit wählte er das Baufach als seinen Beruf und begann eine Ausbildung unter der Leitung des Berner Architekten Ludwig Samuel Stürler. Zur weiteren Vervollkommnung seiner Kenntnisse absolvierte er eine Ausbildung in Genf beim Architekten Jacques-Louis Brocher (1808–1884) und arbeitete später bei Bargezzi (auch Bargetzi) in Solothurn, wo er sich intensiv mit der Verarbeitung des Solothurner Kalksteins auseinandersetzte. Durch seine Arbeiten und Studien gelang es ihm, sich als ausführender Baumeister in Bern niederzulassen.
Heblers professionelle Karriere begann mit der Stelle eines Adjunkten beim Bau der neuen Nydeggbrücke, eines Bauwerks, das er erfolgreich zu Ende führte. Die hierbei gesammelten Erfahrungen führten dazu, dass das Baudepartement des Kantons Bern ihm die Vollendung der Tiefenaubrücke anvertraute. Sein Durchbruch kam mit der Errichtung der psychiatrischen Klinik Waldau (siehe Universitäre Psychiatrische Dienste Bern) zwischen 1850 und 1855; die feierliche Einweihung fand am 18. November 1855 statt. Der Verwalter des bisherigen Irrenhauses, Christian Losenegger, wies die Behörden auf den jungen Hebler hin, woraufhin diese die Arbeit in seine Hände legten. Die Waldau entsprechend den modernen Anforderungen der Psychiatrie zu errichten, war eine innovative Leistung, die Hebler auch bei der Beratung für ähnliche Anstalten in Anspruch nehmen liess.
Andere bedeutende Projekte umfassten mehrere hochwertige Privatbauten, 1846 den Umbau des Schlosses Amsoldingen bei Thun und im selben Jahr den Entwurf des gotischen Brunnens an der oberen Spitalgasse, der den alten Davidbrunnen ersetzte und wegen seiner zierlichen Proportionen allgemeine Anerkennung fand. Nach seinem Abbruch am alten Standort im Jahr 1919 wurde der Brunnen als Willkommensgeschenk zur Eingemeindung von Bümpliz nach Bern auf dem heutigen Dorfplatz neu errichtet.
Ein Anbau an das grosse Bibliothekgebäude (siehe Bibliothek Münstergasse) von 1860 bis 1863 in Bern mit neuem Treppenhaus und geräumigen Sälen, deren zweckmässige Verbindung mit den alten Räumlichkeiten nicht ohne Schwierigkeiten herzustellen war, zeugt von seiner Problemlösungsfähigkeit. Auch führte er die Vollendung der Spinnereigebäude in der Felsenau bei Bern durch.
Zwischen 1860 und 1871 errichtete Hebler die Häuserzeile an der Berner Bundesgasse, die als repräsentativ für seinen Architekturstil gilt. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich schwerpunktmässig der Bauleitung eines neuen Quartiers nahe dem Bundeshaus, das von der Berner Baugesellschaft unter seiner Direktion realisiert wurde. Er betreute die Fortführung dieser Bauarbeiten durch die Zweite Baugesellschaft bis zu seinem Tod.
1870 wurde er Mitglied der Kanalisations-Kommission der Stadt Bern. Diese hatte den Auftrag, die Zweckmässigkeit neuer Ehgräben zu prüfen und entsprechende Handlungsempfehlungen vorzulegen.
Hebler setzte sich für den Erhalt des Stadtbildes ein. Um den erodierenden Abhang zur Aare zu stabilisieren und die Aussicht von der Münsterterrasse zu sichern, erwarb er das Gryphenhübeli-Anwesen und liess dort Terrassierungen sowie Abzugskanäle anlegen.
Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Eduard von Rodt und Albert Jahn (1841–1886).
Neben seiner Tätigkeit als Baumeister war Hebler politisch und gesellschaftlich breit engagiert. Er gehörte 25 Jahre lang der städtischen Baukommission von Bern an, in die ihn der Einwohnergemeinderat gewählt hatte – zunächst als Mitglied und später als Vizepräsident der Bau-, Gas- und Wasserkommission. Im Gemeinderat selbst galt er als profilierter Experte für Baufragen. Zudem war er Mitglied des Vorgesetzten-Kollegiums seiner Zunftgesellschaft und vertrat von 1871 bis 1875 die konservative Partei im Berner Grossrat.
Einfach und sparsam lebend, in ununterbrochener Arbeit, gelang es Hebler, nicht nur die von der Zunftgesellschaft zur Ausbildung erhaltenen Unterstützungen vollständig zurückzuerstatten, sondern sich auch ein Vermögen von ungefähr 350'000 Schweizer Franken zu erwerben.
In seinem letzten Lebensjahr widmete sich Hebler verstärkt gemeinnützigen Projekten in Bern. Kurz vor seinem Tod leitete er den teilweisen Umbau des Gesellschaftshauses seiner Zunft. Auf ein Honorar für diese Arbeit verzichtete er, was als Dank für seine dortige Ausbildung gewertet wurde.
Er setzte die Stadt Bern zur Haupterbin seines Vermögens ein. Dazu gehörte unter anderem auch das Haus in der Berner Gerechtigkeitsgasse 70, das er 1860 erworben hatte.
Der Berner Stadtbibliothek vermachte er eine bedeutende Sammlung kostbarer Werke. Sein ganzes Vermögen hinterliess er jedoch der Einwohnergemeinde Bern mit der ausdrücklichen Auflage, ein Kunstmuseum zu errichten, in dem periodische Ausstellungen stattfinden und einige Räume für die Kunst- und Modellierschule eingerichtet werden sollten. Diese Schenkung ermöglichte die Gründung und den Bau des Kunstmuseums Bern, das bis heute ein zentrales Kulturinstitut der Stadt darstellt.
Gottlieb Hebler wurde auf dem Bremgartenfriedhof beigesetzt.
Gottlieb Hebler entwarf das Postament des 1849 enthüllten Erlach-Denkmals.