An diesem Tag

Gottfried Semper

Deutscher Architekt im Historismus

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Gottfried Semper (* 29. November 1803 in Hamburg; † 15. Mai 1879 in Rom) war ein deutscher Architekt des Historismus. Zu seinen Hauptwerken gehören das Opernhaus und die Gemäldegalerie in Dresden, das Polytechnikum in Zürich sowie die Neuen Hofmuseen, das Neue Hofburgtheater und die Neue Hofburg in Wien. Er gilt als Mitbegründer der modernen Theaterarchitektur.

Gottfried Semper war der Sohn des wohlhabenden Wollfabrikanten Gottfried Emanuel Semper (1768–1831) aus Landeshut in Schlesien, der aber bereits als Kind nach Hamburg gekommen war, und der Johanna Marie geb. Paap (1771–1857), die aus einer hugenottischen Familie stammte. Gottfried Emanuel Semper hatte nach der Eheschließung die Leitung der bereits 1651 in Altona gegründeten und europaweit berühmten Wollfabrikation J. W. Paap, die der Familie seiner Frau gehört, übernommen. Gottfried Semper wurde in Hamburg im Hinterhof eines Mietshauses am Neuen Wall 164 (heute 80–84) geboren und im damals dänischen Altona reformiert getauft. Er war das fünfte von acht Kindern. Kurz danach bezog die Familie ein eigenes Haus am „Hopfensack“. Nach der französischen Besetzung Hamburgs im Jahr 1806 zog die Familie nach Altona. Auf das Gymnasium wurde er von Pastor Mielck in Barmstedt vorbereitet und er besuchte ab 1819 die Hamburger Gelehrtenschule des Johanneums. Von 1823 bis 1825 studierte er, ohne Erlangung eines formalen Abschlusses, an der Universität Göttingen Mathematik bei Bernhard Friedrich Thibaut und Geschichtswissenschaft. Nach einem vergeblichen Versuch, 1825 eine Stelle als Volontär bei den Düsseldorfer Hafen- und Wasserbauten zu erlangen, schrieb er sich Ende des Jahres in der Architekturklasse der Kunstakademie München ein, ohne allerdings ernsthafte Studien zu betreiben.

Ausgedehnte Wanderungen führten ihn 1826 durch Deutschland (Heidelberg, Würzburg, Regensburg), im Dezember 1826 musste er nach einem Duell mit Harro Harring nach Paris fliehen, wo er für Jakob Ignaz Hittorff und Franz Christian Gau arbeitete, den berühmten deutschstämmigen Architekten der Stadt. Hier arbeitete er konzentriert an mehreren Studienentwürfen. In Paris lernte er auch die naturwissenschaftlichen Sammlungen des Jardin des Plantes kennen, die ihn sehr beeindruckten. 1828 begann er als Volontär beim Hafenbau in Bremerhaven zu arbeiten, reiste aber schon 1829 zu einem erneuten Studienaufenthalt nach Paris. Dort erlebte er begeistert die Julirevolution von 1830. Im August 1830 brach er nach Italien auf und war Ende November in Rom. Im Februar 1831 war er in Pompeji und brach wenig später mit sechs französischen Architekten nach Sizilien auf, um die Tempelanlagen von Agrigent, Selinunt und Segesta zu studieren. Anschließend fuhr er mit dem französischen Architekten Jules Goury nach Griechenland, wo ihm Friedrich Thiersch einen diplomatischen Status verschaffte, damit er die Tempelanlagen von Ägina besuchen konnte. Vergebens hoffte er jedoch auf eine Beschäftigung bei der von Leo von Klenze entworfenen Residenz für König Otto von Griechenland. 1832 war er vier Monate an archäologischen Forschungen auf der Athener Akropolis beteiligt. Dabei interessierte ihn vor allem die in der Biedermeierzeit aufgeworfene Frage, ob die Bauwerke der Griechen und Römer bunt bemalt waren oder nicht (Polychromiestreit). Nach Rom zurückgekehrt gelang es ihm, an allen Teilen der Trajanssäule Farbspuren nachzuweisen. Proben schickte er seinem Bruder Wilhelm, einem Apotheker in Altona, zur chemischen Analyse. Seine in Italien angefertigten Rekonstruktionen der malerischen Ausstattung antiker Villen inspirierten seine späteren Entwürfe für die Dekorationsmalereien in Dresden und Wien. 1834 erschien seine Arbeit Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architectur und Plastik bei den Alten, worin er eindeutig für die Polychromie Stellung bezog, was er durch seine Farbuntersuchungen an der Trajanssäule in Rom untermauerte. Seine Thesen erhielten Zustimmung von Karl Friedrich Schinkel, brachten ihm aber auch die Gegnerschaft des Kunsttheoretikers Franz Kugler ein.

1833 hatte er in Rom seinen ersten Bauauftrag durch den Kaufmann und Bankier Conrad Hinrich Donner, für den er auf dessen Landsitz in Altona (heute Hamburg-Ottensen) ein kleines Privatmuseum errichtete. Dies sollte Sempers erster Museumsbau werden, für den ursprünglich der dänische Architekt C.F. Hansen vorgesehen war. Der von einer oktogonalen Kuppel bekrönte Pavillon für die private Skulpturensammlung vereinigte ein Gewächshaus in einer Eisen- und Glaskonstruktion und eine kleine Orangerie. Schon damals bemühte sich Semper um die optimale Beleuchtung der Ausstellungsobjekte. Die Frage der optimalen Beleuchtung sollte auch bei allen seinen weiteren Galerie- und Museumsbauten von zentraler Bedeutung sein. Gottfried Semper war Mitglied des Hamburger Künstlervereins von 1832.

Durch Franz Christian Gau, bei dem er in Paris gearbeitet hatte, und auf Empfehlung von Schinkel hin erhielt Semper am 17. Mai 1834 die Berufung als Professor der Baukunst an die Königliche Akademie der bildenden Künste zu Dresden und wurde am 30. September in dieses Amt eingeführt. Schüler von Gottfried Semper an der Kunstakademie waren u. a. Ludwig Theodor Choulant (1827–1900), Adolf Heinrich Lier und Oskar Mothes. Semper leistete dem sächsischen König Anton dem Gütigen den Untertaneneid und wurde damit sächsischer Staatsbürger. Er wurde Direktor der Dresdner Bauschule.

In Dresden war Semper Mitglied in einer Vielzahl künstlerisch-literarischer Vereine. Er gehörte dem Sächsischen Kunstverein ebenso an wie den Zirkeln um Johann Gottlob von Quandt, Martin Wilhelm Oppenheim und Julius Mosen. Er war Mitglied im Hiller-Kränzchen und in Hillers Salon sowie mit Richard Wagner in der vorrevolutionären Montagsgesellschaft, der Albina und im Vaterlandsverein. Ferner trat er der Freimaurerloge Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute bei. Am 1. September 1835 heiratete Semper die Majorstochter Bertha Thimmig, die von 1836 bis 1848 insgesamt sechs gemeinsame Kinder gebar.

1837 legte er die ersten Entwürfe zu einer Erweiterung des Zwingers (Zwingerforum) und eines Hoftheaters vor. Davon wurde in den nächsten Jahren das 1841 eröffnete erste Königliche Hoftheater (1869 abgebrannt) ausgeführt. Die Pläne zum Zwingerforum wurden mehrfach überarbeitet, aber nicht realisiert. Stattdessen wurde 1846 entschieden, den Zwinger nach Nordosten durch eine Gemäldegalerie abzuschließen. Semper reiste nach Italien, um dort Galerien kennenzulernen. Der von ihm vorgelegte Entwurf wurde zur Ausführung angenommen, bereits im Sommer 1847 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Nach Sempers Flucht aus Dresden 1849 bekam der Landbaumeister Karl Moritz Haenel die Aufgabe, den Bau (bis 1855) zu vollenden. Die damit entstandene Platzanlage zwischen Zwinger, Katholischer Hofkirche und Schloss durch den Bau der Gemäldegalerie und des Hoftheaters beeindruckt noch heute als wirkungsvolles Ensemble.

Neben diesen großen Aufträgen entstanden auch andere Bauten, die untrennbar mit seinem Namen verbunden sind, etwa das Maternihospital, die (in der Zeit des Nationalsozialismus zerstörte) Dresdner Synagoge, das Stadtpalais Oppenheim oder die für den Bankier Martin Wilhelm Oppenheim (1781–1863) errichtete Villa Rosa. Letztere gilt als Prototyp deutscher Villenarchitektur.

Nach dem Hamburger Brand 1842 war Semper vom 21. bis 28. Mai in Hamburg und reichte seinen Aufbauplan als Variante zum ersten Plan von Lindley ein, dem nach Sempers Auffassung der „künstlerische Zug“ fehlte. Sempers Ideen kamen zwar nicht direkt zum Tragen, wurden allerdings zum Teil im Aufbauplan von Chateauneuf aufgegriffen.

Die Deutsche Revolution erreichte im Mai 1849 auch Dresden, wo es zum Dresdner Maiaufstand kam. Gottfried Semper und sein Freund Richard Wagner kämpften als überzeugte Republikaner für bürgerliche Grundrechte. Als Angehöriger der Dresdner Kommunalgarde ließ Semper Barrikaden umbauen, so dass diese effizienter verteidigt werden konnten. Er trat jedoch, obwohl aufgefordert, nicht der provisorischen Regierung bei, da er dies mit seinem Untertaneneid für nicht vereinbar hielt. Der Aufstand scheiterte schließlich am 9. Mai 1849. Semper floh über Pirna und Zwickau und erreichte am 16. Mai Würzburg. Am gleichen Tag wurde von der neuen Regierung ein Steckbrief gegen den „Demokraten I. Klasse“ und „Haupträdelsführer“ Semper erlassen. Seine Familie blieb zunächst in Dresden.

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