Gotha ist mit 46.400 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2024) die fünftgrößte Stadt des Freistaats Thüringen und Kreisstadt des Landkreises Gotha. Gotha war von 1640 bis 1825 Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg und ab 1826 Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha. Im Jahre 1820 wurde vom Kaufmann Ernst-Wilhelm Arnoldi in der namengebenden Stadt mit der Gothaer Versicherung das deutsche Versicherungswesen begründet. Im Gothaer Tivoli gründete sich 1875 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), die sich später in SPD umbenannte. Die Stadt war ein Zentrum des deutschen Verlagswesens; bereits der 1785 von Justus Perthes gegründete Verlag erstellte kartographische Publikationen wie Landkarten, Atlanten und Wandkarten.
In der Vergangenheit befand sich die Mittelstadt Gotha in der Rivalität zu Weimar, dem anderen Zentrum der ernestinischen Dynastie. Während Weimar das künstlerische Zentrum wurde, wurde Gotha sein naturwissenschaftliches Pendant, wovon heute unter anderem das Naturkundemuseum und die Sternwarte Gotha zeugen. Das barocke Schloss Friedenstein dominiert das Stadtbild. Es war bis 1825 Residenz der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg sowie von da an, neben Coburg, bis 1918 Residenz der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha.
Ein größeres Unternehmen aus Gotha war die Gothaer Waggonfabrik, die vor allem Straßenbahnen und Flugzeuge produzierte. In Gotha fährt heute mit der Straßenbahn Gotha bzw. der Thüringerwaldbahn eine der letzten Überlandstraßenbahnen Deutschlands (nach Waltershausen und Tabarz).
Gotha ist Sitz der Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung; zwei der drei Fachbereiche befinden sich an diesem Standort.
Die Stadt liegt am Übergang des Südrandes des Thüringer Beckens zu einer Vorlandregion des Thüringer Waldes, welche als Westthüringer Berg- und Hügelland bezeichnet wird.
Das Stadtgebiet erstreckt sich zwischen der Trügleber Höhe, dem Boxberg und dem Kleinen Seeberg auf einer Fläche von über 6900 ha. Der Krahnberg im Nordwesten bildet mit 431,3 m ü. NN den höchsten Punkt im Stadtgebiet. Der tiefste Punkt befindet sich mit 269,4 m ü. NN im Heutal.
Die Stadt ist mit ihrem weiteren Umland zwischen dem Thüringer Wald und seinen Vorbergen im Süden und dem bewaldeten Bergrücken der Fahnerschen Höhen im Norden in das Gebiet des durch Agrarwirtschaft geprägten Thüringer Beckens eingebettet.
Die größten Erhebungen sind der Krahnberg (431 m) sowie der Kleine und der Große Seeberg (406 m). Sie reichen im Nordwesten und Südosten bis an das bebaute Stadtgebiet heran. Sie wurden im 19. Jahrhundert als städtische Naherholungsgebiete aufgeforstet und bilden mit dem im Stadtkern sich erhebenden Schlossberg (331 m) das natürliche Grundgerüst der Stadt.
Die weithin sichtbare Schlossanlage auf dem Schlossberg beherrscht das Stadtbild. Die Altstadt am Nordhang des Schlossberges wird von den Talauen des Wiegwassers im Westen und dem Wilden Graben bzw. Flutgraben und der Ratsrinne im Osten begrenzt.
Durch das Stadtgebiet fließt von Süd nach Nord der Flutgraben. Im Stadtteil Siebleben entspringt die Rot, ein Zufluss der Apfelstädt. In Gotha-Nord durchzieht das Wiegwasser das Stadtgebiet. Es ist ein kleiner Bach, der die vom Krahnberg abfließenden Wasser aufnimmt. Es entspringt etwa 100 m westlich des Endes der Werner-Sylten-Straße und wird, teils unterirdisch, bis in die Nähe vom Hersdorfplatz geführt, wo es, kurz nachdem es den Leinakanal aufgenommen hat, in den Wilden Graben einmündet.
Angrenzende Gemeinden sind im Norden Nessetal, im Osten Friemar, Drei Gleichen und Tüttleben, im Süden Emleben, Georgenthal und im Westen Hörsel. Sämtliche Gemeinden gehören zum Landkreis Gotha.
Quelle: Stadtverwaltung Gotha, Daten jeweils zum 31. Dezember des Jahres, Hauptwohnsitze
Neben diesen Stadtteilen gehören die beiden im Mittelalter aufgegebenen und in der Neuzeit wiederbesiedelten Orte Kindleben und Töpfleben zu Gotha.
Durch das Vorhandensein fruchtbarer Böden und überregionaler Verkehrswege wurden die Gegend des späteren Gotha und das Umland schon früh besiedelt. Bei Bauarbeiten an einer Umgehungsstraße fand man reichhaltige Funde in den Ortsteilen Boilstädt und Sundhausen. Älteste Befunde stammen aus Siedlungsresten der jungsteinzeitlichen Linearbandkeramik (5500 v. Chr.), während andere Siedlungsreste der frühen Bronzezeit zugeordnet wurden. Weitere Befunde weisen auf Grabhügel der späten Bronzezeit (ca. 1000 v. Chr.) und auf Spuren der Besiedlung aus der Eisenzeit (ca. 500 v. Chr.) hin. Die bedeutendsten Funde stammen aus dem Frühmittelalter (um 600 n. Chr.) aus der Zeit der Merowinger. Besondere Bedeutung hat dabei die Grablege eines Kriegers der thüringisch-fränkischen Oberschicht aus dem 6. Jahrhundert. Der „Herr von Boilstädt“, wie ihn die Archäologen wegen der Nähe der Fundstätte zu Boilstädt nannten, wurde mit reichhaltigen und in Deutschland einmaligen Grabbeigaben bestattet.
Gotha wurde erstmals in einer am 25. Oktober 775 in Düren ausgestellten Urkunde erwähnt, die heute nur noch als Text in einem Kopialbuch des Klosters Hersfeld aus dem 12. Jahrhundert erhalten ist. Mit ihr übereignete Karl der Große dem Kloster Hersfeld unter anderem den Zehnt von den Ländereien, Wald und Wiesen der Villa Gothaha. Der Name Gothaha wurde lange Zeit als „gutes Wasser“ gedeutet. Nach dem Stadthistoriker Alexander Krünes müsste die richtige Übersetzung „langsam fließendes Wasser“ lauten. Dieses Gotha lag weiter westlich und ist mit der heutigen Stadt nicht identisch.
Die Beziehungen zu Hersfeld dürften auch der Grund für die Übernahme des Stadtheiligen St. Gothardus (siehe Wappen), eines ehemaligen Abtes von Hersfeld und späteren Bischofs von Hildesheim, gewesen sein. Eine ältere Siedlung ist jedoch anzunehmen. Das Gebiet von Gotha wurde, archäologisch nachgewiesen, bereits seit langem besiedelt.
Theorie eines gotischen Ursprungs
Der bereits im 16. Jahrhundert bekannten Sage Die Goten als Stadtgründer nach verdankt Gotha sowohl seine Gründung als auch seinen Namen dem Volksstamm der Goten.