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Giuseppina Grassini

Italienische Opernsängerin (1773-1850)

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Giuseppina Maria Camilla Grassini, auch Giuseppa Grassini, Josephina Grassini und Joséphine Grassini (* 8. April 1773 in Varese; † 3. Januar 1850 in Mailand), war eine italienische Opernsängerin in der Stimmlage Alt. Sie gehörte um 1800 zu den größten Interpretinnen im ernsten Fach und feierte Erfolge in Mailand, Venedig, Neapel, Paris und London. Bedeutende Komponisten ihrer Zeit schrieben Opern eigens für sie. In einem dieser Werke, Giulietta e Romeo von Niccolò Zingarelli, sang Giuseppina Grassini wiederholt an der Seite des Kastratensoprans Girolamo Crescentini, der zeitweise auch als ihr Lehrer fungierte. Zu den übrigen Komponisten, mit denen sie eng zusammenarbeitete, zählen vor allem Domenico Cimarosa, Peter von Winter, Ferdinando Paër und Luigi Cherubini.

Die wegen ihrer Schönheit bewunderte Künstlerin überzeugte nicht nur mit ihrer gutausgebildeten, flexiblen Stimme, sondern auch durch ihr großes schauspielerisches Talent. Sie ging Beziehungen zu Napoleon Bonaparte und zu dessen Feind, dem Herzog von Wellington, ein. Mehrere Schriftsteller verarbeiteten ihre Begegnungen mit Giuseppina Grassini in literarischen Werken.

Giuseppina Grassini wuchs in bescheidenen, aber nicht ärmlichen Verhältnissen als jüngstes von 18 Kindern auf. Ihr Vater Antonio Grassini arbeitete als Buchhalter im Kloster Madonna del Sacro Monte. Ihre Mutter Isabella Luini, eine Amateurviolinistin, gab an, in direkter Linie vom bekannten Leonardo-Schüler Bernardino Luini abzustammen. Sie sorgte für Giuseppinas erste musikalische Ausbildung, die der in Varese tätige Organist Domenico Zucchinetti unterstützte. Anfangs gestaltete Giuseppina mit ihrem Gesang den Gottesdienst in der Basilika San Vittore aus, ehe der Chorleiter der Kirche den Eltern empfahl, ihre talentierte Tochter zur weiteren Schulung nach Mailand zu geben. Die Mutter, eine gläubige Katholikin, sah die Zukunft Giuseppinas in der Kirchenmusik und stimmte dem Plan nur unter großen Zweifeln zu. Unter der Obhut des Mailänder Fürsten Belgiojoso setzte Giuseppina ihre Studien schließlich bei dem jungen Komponisten Antonio Secchi fort, der später als Professor am Konservatorium der Stadt wirkte.

Im jungen Alter von 16 Jahren debütierte Giuseppina Grassini 1789 in Parma als Donna Florida in Pietro Alessandro Guglielmis La pastorella nobile. Kurz darauf schlossen sich bereits Aufführungen an der Mailänder Scala in komischen Opern von Giovanni Paisiello, Antonio Salieri und erneut Guglielmi an. Diese Auftritte verliefen jedoch nicht zur Zufriedenheit der ehrgeizigen Sängerin, weshalb sie sich entschloss, ihre Ausbildung zu verfeinern und in das ernste Fach der Opera seria zu wechseln.

Nach Abstechern unter anderem nach Vicenza und Venedig kehrte Giuseppina Grassini im Winter 1793/94 an die Scala zurück, wo sie in Niccolò Zingarellis Artaserse (an der Seite von Luigi Marchesi) und Marcos Portugals Demofoonte die Gunst des Publikums nun triumphal gewann. Weitere erfolgreiche Uraufführungen an verschiedenen norditalienischen Opernhäusern gaben ihrer Karriere zusätzlichen Auftrieb.

Einige Jahre darauf war ihre Reputation bereits so sehr gefestigt, dass Zingarelli die Titelpartie der Giulietta in seiner Oper Giulietta e Romeo (Premiere am 30. Januar 1796) ausdrücklich für sie komponierte. Sie sang hier an der Seite des berühmten Kastratensoprans und Komponisten Girolamo Crescentini, der zu dieser Zeit auch als ihr Lehrer fungierte und ihre weitere Karriere entscheidend prägte. In dieser Rolle, die jahrzehntelang in Giuseppina Grassinis Repertoire blieb, war sie auch in Reggio nell’Emilia und am kurz zuvor eröffneten Teatro La Fenice in Venedig zu hören. Eine weitere Premiere in der Karnevalssaison 1796/97 am La Fenice, Gli Orazi e i Curiazi von Domenico Cimarosa, brachte sie erneut mit Crescentini zusammen. Die Oper hatte der Komponist ganz auf das hervorragend harmonierende Duo zugeschnitten; ihre Stimmen auf der Bühne waren, so urteilte ein Kritiker, „von der lebhaftesten Glut der Zärtlichkeit gefärbt“.

Anlässlich der Hochzeit des Thronfolgers Francesco di Borbone mit der Erzherzogin Maria Klementine von Österreich trat Giuseppina Grassini im Juni 1797 zum ersten Mal im Teatro San Carlo in Neapel auf. Sie sang dort die Titelrolle der Artemisia regina di Caria in Cimarosas gleichnamiger Oper. Während ihrer Tage in Neapel, die sie später zu den glücklichsten ihres Lebens zählte, ging sie eine Liaison mit dem englischen Prinzen Augustus Frederick von Sussex ein. In der Zwischenzeit hatten, nach der Schlacht bei Lodi (Mai 1797), französische Truppen unter dem jungen General Napoléon Bonaparte Mailand eingenommen. Zu dieser Zeit war es bereits zu einer ersten kurzen Begegnung zwischen La Grassini, wie sie inzwischen genannt wurde, und Bonaparte gekommen. Die Sängerin war in das Quartier des Generals in Mombello nördlich von Mailand gebeten worden, um dort ein Konzert zu geben. Zum ersten Mal in der Scala erlebte Bonaparte sie im Vorfeld der entscheidenden Schlacht gegen die Österreicher bei Marengo, als sie am 4. Juni 1800 die Titelrolle in Gaetano Andreozzis Oper La vergine del sole interpretierte. Anschließend lud Bonaparte die Künstlerin in seine Privatgemächer ein, und es entwickelte sich eine Beziehung. Der General, dem überall im Land als „Befreier Italiens“ gehuldigt wurde, nahm Giuseppina Grassini mit nach Paris – „als eine der schönsten Trophäen seines Sieges“, wie es der Kritiker Paul Scudo formulierte. Unmittelbar nach ihrer Ankunft trat sie am 14. Juli 1800, dem Jahrestag der Bastille-Erstürmung, im Invalidendom auf.

Dem Polizeiminister Joseph Fouché zufolge stattete Bonaparte sie mit einem kleinen Haus an der Rue de Caumartin und einem üppigen Einkommen aus. Der Sänger Pierre-Jean Garat führte sie in die vornehmsten Kreise ein, wo sie unter anderem den Violinisten und Komponisten Pierre Rode kennenlernte. Zwischen den beiden Musikern bahnte sich in aller Öffentlichkeit, also auch vor den Augen des eifersüchtigen Bonaparte, eine Romanze an. Als Giuseppina Grassini Paris Ende 1801 verließ, geschah dies nach Angaben Fouchés auf den Druck Bonapartes hin, der zuvor noch vergeblich versucht hatte, Grassini durch eine drastische Reduzierung ihres Salärs gefügig zu machen. Eher wahrscheinlich ist jedoch, dass sie freiwillig ausreiste, denn die willensstarke Sängerin, der auch Fouché „etwas Männliches“ im Charakter attestierte, hielt Paris offenbar nicht mehr für den idealen Standort ihrer weiteren Karriere. Sie hatte schon im August 1800 – nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft in Paris – Bonaparte vorgeschlagen, in einem nicht mehr genutzten Theatergebäude in der Rue de la Victoire eine Opéra italien zu errichten, der sie als Intendantin vorstehen wollte. Sie hatte präzise Recherchen angestellt und die jährlichen Mietkosten auf 40.000 Francs veranschlagt – nach ihren Berechnungen knapp ein Zwölftel dessen, was die Opéra français verschlang. Bonaparte ging auf das Ansinnen nicht ein und erlaubte später Marguerite Brunet, einer erfahrenen Theaterdirektorin, am selben Ort die Eröffnung des Théâtre-Olympique, an dem italienische Opern gespielt wurden. Giuseppina Grassini, die in Paris nur sehr wenige Konzerte in der Öffentlichkeit geben konnte – bei großem Erfolg –, sah nach dem Scheitern ihrer Theaterpläne keine Möglichkeit mehr, in der französischen Hauptstadt regelmäßig aufzutreten.

Begleitet von Rode, begab sich Giuseppina Grassini im Herbst 1801 zunächst auf eine Konzertreise in die Niederlande und nach Deutschland, wo sie mit großem Erfolg in Berlin und München gastierte. Um den Jahreswechsel war sie in Opern von Andreozzi und Nasolini in Genua zu hören. Aufführungen in Triest, Bergamo und Padua schlossen sich an. Rode, der einige Jahre später der Sängerin sein Violinkonzert Nr. 8 widmen sollte, war inzwischen nach Paris zurückgekehrt, um dort seine Beschäftigung als Professor am Konservatorium fortzusetzen.

Wie viele Sängerinnen und Sänger ihrer Generation entschied sich Grassini 1803 dazu, nach London umzusiedeln, wo sie ihren früheren Liebhaber Augustus Frederick von Sussex wiedersah und auch die Bekanntschaft des Herzogs von Wellington machte. Sie debütierte am King’s Theatre in einer weiteren Inszenierung von La vergine del sole, einem ihr seit langem wohlvertrauten Werk. Grassini ersetzte dabei Brigida Banti, die sich im Herbst ihrer Karriere befand. Allerdings war ihr nicht sofort der gewohnte Erfolg beschieden, denn das Londoner Publikum hielt Elizabeth Billington, die nach längeren Reisen 1801 in ihre Geburtsstadt London zurückgekehrt war, für die talentiertere Sängerin.

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