Giuseppe Meazza (* 23. August 1910 in Mailand; † 21. August 1979 in Rapallo) war ein italienischer Fußballspieler und -trainer.
Der Stürmer ist einer der erfolgreichsten und populärsten Spieler der italienischen Fußballgeschichte und wurde mit der Nationalmannschaft zweimal in Folge Weltmeister (1934 und 1938). Der hohe Stellenwert Meazzas zeigt sich darin, dass das berühmte Mailänder San-Siro-Stadion, Heimstätte von Inter und dem AC Mailand, nach seinem Tod 1979 in Giuseppe-Meazza-Stadion umbenannt wurde.
Mit 284 Treffern ist Meazza Rekordtorschütze seines langjährigen Vereins Inter Mailand und liegt in der ewigen Bestenliste der Torschützen der Serie A mit 216 Toren neben José Altafini auf dem vierten Platz. Im Trikot der Nerazzurri wurde er dreimal italienischer Meister sowie dreimal Torschützenkönig der Serie A.
Von 1952 bis 1953 betreute er die italienische Nationalmannschaft.
Giuseppe Meazza wurde am 23. August 1910 als Sohn einer einfachen Arbeiterfamilie in Mailand geboren. 1917 fiel sein Vater während des Ersten Weltkriegs, wodurch der Siebenjährige fortan von seiner Mutter Ersilia allein aufgezogen wurde. Um zum Lebensunterhalt beizutragen, half er ihr beim Verkauf von Obst auf den Märkten der Stadt. Schon als Kind war Meazza ein begeisterter Straßenfußballer, musste jedoch aufgrund der ärmlichen Verhältnisse häufig barfuß und mit improvisierten Bällen aus Stoffresten spielen.
Mit zwölf Jahren schloss sich Meazza dem Nachwuchsverein Gloria F.C. an, der in den Jugendwettbewerben der Stadt antrat. Dort spielte er erstmals auf einem regulären Spielfeld und bekam sogar ein Paar Fußballschuhe geschenkt. Er fiel durch seine technische Begabung, Ballkontrolle und Torgefahr auf. Als Junge war Meazza Anhänger der AC Mailand und hoffte, in deren Nachwuchsabteilung aufgenommen zu werden. Nach einem Probetraining wurde er von den Verantwortlichen aufgrund seiner schmächtigen Statur als körperlich zu schwach eingestuft und abgelehnt. Wenig später entdeckte ihn ein Talentsucher des Rivalen Inter Mailand und in die Jugendmannschaft der Nerazzurri aufgenommen. Durch eine Ernährungsumstellung glichen die Jugendtrainer die körperlichen Defizite Meazzas rasch aus und der ehemalige Inter-Spieler Fulvio Bernardini kümmerte sich um das Talent.
1927 rückte Meazza in den Kader der Profimannschaft auf und debütierte am 11. September in der italienischen Meisterschaft gegen Milanese Unione Sportiva. Beim 6:2-Sieg gelangen dem erst 17-jährigen Nachwuchsstürmer gleich zwei Treffer und die Gazzetta dello Sport lobte das intelligente, frische Auftreten des Jungspielers. Inter-Trainer Árpád Weisz machte ihn zum Stammspieler und nahm dafür den etablierten Leopoldo Conti aus der Mannschaft, der Meazza etwas abwertend den Spitznamen il Balilla verpasste. Dieser entwickelte sich bereits in seiner Premierensaison zu einer regelrechten Tormaschine und erzielte in 29 Partien sagenhafte 38 Tore. In der Partie gegen den AC Venedig (12. Mai 1929) gelangen ihm herausragende sechs Treffer (Endstand 10:2).
Zur Saison 1929/30 wurde die italienische Meisterschaft erstmals in einem landesweiten Ligasystem, der neugegründeten Serie A, ausgetragen. Erster Meister wurde Ambrosiana-Inter und Meazza mit 31 Treffern Torschützenkönig (Capocannoniere). Obwohl er dem breiten Publikum in einer Zeit, als die Kommunikationstechnik noch in den Kinderschuhen steckte, noch völlig unbekannt war, brauchte Meazza nicht einmal eine ganze Saison, um Liebling der Tifosi in ganz Italien zu werden. Als genialer Balltechniker narrte il Balilla seine Gegenspieler mit gewagten Tricks und Finten; den Erfolg über einfache Mittel zu suchen, widerstrebte ihm. Allerdings blieben nach dem ersten Scudetto weitere Titel zunächst aus, da Juventus Turin die Serie A dominierte und Ambrosiana-Inter hatte sich in den folgenden Jahren dreimal mit dem zweiten Platz zu begnügen. Erst in der Saison 1937/38 gelang den Nerazzurri wieder der Gewinn des Meistertitels und Superstar Meazza wurde mit 20 Treffern erneut Torschützenkönig. Im Anschluss an die Weltmeisterschaft 1938 begann der Stern Meazzas zu sinken, da er aufgrund einer langwierigen Blutgefäßerkrankung im rechten Fuß fast eineinhalb Jahre kein Spiel bestreiten konnte. In der Meistersaison 1939/40 bestritt er keine einzige Partie.
Nach 13 Jahren im schwarz-blauen Inter-Trikot verkündete Meazza am 28. November 1940 seinen Abschied und wechselte zum Stadtrivalen AC Mailand. Allerdings nahmen die Tifosi ihrem Idol trotz der großen Rivalität beider Klubs den Wechsel nicht übel und seiner Popularität tat dies keinen Abbruch. Vor Spielbeginn des Mailänder Derbys (9. Februar 1941) soll Meazza in der Kabine geweint haben, da er gegen seinen alten Klub antreten musste, erzielte aber trotzdem den Ausgleich zum 2:2. Doch allmählich behinderte der Zweite Weltkrieg den regulären Spielbetrieb der Serie A und während der Kriegsmeisterschaften von 1942 bis 1946 trug Meazza die Trikots von Juventus Turin, dem AS Varese 1910 und Atalanta Bergamo.
1946 lag Inter Mailand sportlich am Boden und steckte im Abstiegskampf. Die Verantwortlichen holten die Vereinsikone zurück und Meazza fungierte in einer Doppelfunktion als Spielertrainer. Er war zwar bei weitem nicht mehr der Ausnahmespieler früherer Jahre, wirkte nicht austrainiert und übergewichtig, aber durch seine Präsenz gelang es ihm die Mannschaft vor dem Abstieg zu bewahren. In seiner letzten Saison (1946/47) absolvierte er 17 Spiele (zwei Tore).
Nach beeindruckenden Leistungen zu Beginn seiner Karriere war Meazza rasch ein Kandidat für die italienische Nationalmannschaft. Am 9. Februar 1930 debütierte der 19-Jährige im Länderspiel gegen die Schweiz (4:2) in Rom und feierte mit zwei Toren einen Einstand nach Maß. Nationaltrainer Vittorio Pozzo war von den Fähigkeiten des Mailänder Stürmerstars restlos überzeugt und machte ihn anschließend zum Stammspieler.
1934 war Italien Austragungsland der Fußball-Weltmeisterschaft und die Squadra Azzurra stand unter enormen Druck, da das faschistische Regime Benito Mussolinis nichts anderes erwartete als den WM-Titel. Meazza war jetzt 23 Jahre alt, stand in der Blüte seiner Karriere und mit 20 Länderspieleinsätzen bereits ein erfahrener Spieler. Nationaltrainer Pozzo konnte nahezu alle Positionen doppelt besetzen, weshalb er Meazza aus dem Sturmzentrum abzog und als rechten Halbstürmer einsetzte. Im Auftaktspiel gegen die USA erzielte er den Treffer zum 7:1-Endstand, doch sein wichtigstes Tor gelang ihm im umstrittenen Wiederholungsspiel gegen Spanien, als er den erlösenden 1:0-Siegtreffer besorgte. Im Finale gegen die Tschechoslowakei verletzte sich Meazza schon nach wenigen Minuten. Da es zu dieser Zeit noch keine Auswechselungen gab, musste er auf die Zähne beißen und durchspielen und der angeschlagene Superstar gab schließlich die Vorlage zum alles entscheidenden 2:1 für Italien durch Angelo Schiavio. Die Spieler hatten die Vorgaben ihres Duce erfüllt und wurden im ganzen Land frenetisch gefeiert.
Fünf Monate später versuchte der frischgebackene Weltmeister gegen England, das damals auf die Teilnahme an Weltmeisterschafts-Turnieren verzichtete, auch „offiziell“ seinen Titel zu bestätigen. In der überaus hart und brutal geführten Partie, die als Battle of Highbury in die Geschichte einging, führten die Engländer rasch mit 3:0. Doch Meazza machte eines der besten Spiele seiner Karriere und sorgte mit einer Galavorstellung für die beiden Anschlusstreffer zum 3:2. Die Mannschaft wie auch Meazza wurden daraufhin vom englischen Publikum mit anerkennendem, tosendem Beifall verabschiedet.
Bei der Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich war Meazza neben Giovanni Ferrari der einzige Akteur, der aus der Mannschaft von 1934 noch übrig war und führte die Nazionale als Kapitän ins Turnier. Als amtierender italienischer Meister und Torschützenkönig ging er mit breiter Brust voran und hatte sich die Titelverteidigung zum Ziel gesetzt. 1938 spielte Meazza eine ungemein mannschaftsdienliche Rolle und war mehr Vorlagengeber für Mittelstürmer Silvio Piola, als selbst Vollstrecker. Sein einziges Turniertor war jedoch das äußerst wichtige 2:0 im Halbfinale gegen Brasilien (2:1). Nach souveränen Leistungen standen die Italiener abermals im Finale, wo Ungarn am 19. Juni mit 4:2 bezwungen wurde. Italien und Meazza waren zum zweiten Mal Weltmeister.