Giulio Cesare in Egitto oder kurz Giulio Cesare (englisch: Julius Caesar; deutsch: Julius Cäsar; HWV 17) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel, die am 20. Februar 1724 im King’s Theatre am Haymarket in London uraufgeführt wurde. Es ist die berühmteste und am häufigsten aufgeführte Oper des Komponisten.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die legendäre Liebesbeziehung des römischen Staatsmannes Gaius Iulius Caesar (Giulio Cesare) zu der ägyptischen Pharaonin Kleopatra VII. (Cleopatra) sowie Thronstreitigkeiten und kriegerische Auseinandersetzungen mit deren Bruder Ptolemaios XIII. (Tolomeo).
Giulio Cesare war Händels Beitrag für die fünfte Spielzeit der Royal Academy of Music. Diese war am 27. November 1723 mit Giovanni Bononcinis neuer Oper Farnace eröffnet worden; dem folgten Wiederaufnahmen von Händels Ottone, sowie im Januar 1724 Attilio Ariostis Oper Vespasiano, die offenbar einen regelrechten Publikumsstreit ausgelöst hatte.
Wann Händel mit der Komposition des Giulio Cesare begann, ist nicht bekannt, das Autograph ist nur mit „anno 1723“ datiert. In der Literatur aufgestellte Vermutungen, Händel habe bereits im (Früh-)Sommer 1723 mit der Arbeit begonnen, sind also nicht dokumentarisch belegbar. Das Autograph verrät allerdings, dass Händel im Laufe der Komposition seine Vorstellungen über die Rollenbesetzung änderte, und auch sonst zusammen mit seinem Librettisten Nicola Haym bis zur Uraufführung zahlreiche Änderungen vornahm. Laut Winton Dean lassen sich sechs Stufen des Kompositionsprozesses erkennen, und von manchen Stücken gibt es mehrere Versionen, die am Ende verworfen wurden.
Die Besetzung der Uraufführung am 20. Februar 1724 bestand – abgesehen von den zwei kleinen Nebenrollen Nireno und Curio – aus denselben sechs Sängern, die schon zuvor in Ottone und Flavio gesungen hatten:
Giulio Cesare – Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (Altkastrat)
Cleopatra – Francesca Cuzzoni (Sopran)
Cornelia – Anastasia Robinson (Alt)
Sesto – Margherita Durastanti (Sopran)
Tolomeo – Gaetano Berenstadt (Altkastrat)
Achilla – Giuseppe Maria Boschi (Bass)
Nireno – Giuseppe Bigonzi (Altkastrat)
Die Oper war ein unmittelbarer Erfolg und kam in dieser Spielzeit auf vierzehn Aufführungen bis zum 11. April.
Der Kammerherr des Prince of Wales, Friedrich Ernst von Fabrice, schrieb:
Nach Ende der Saison musste sich Händel von einigen Sängerinnen trennen: Für Anastasia Robinson, die ab 1714 in seinen Opern mitgewirkt hatte, war die Cornelia in Giulio Cesare eine der letzten Rollen, die sie auf der Bühne verkörperte, da sie (heimlich) einen Adligen geheiratet hatte und sich von der Bühne zurückzog. Auch Händels alte Freundin Margherita Durastanti, die er noch aus Italien kannte und seit 1722 in London war, verabschiedete sich und verließ England, ebenso wie der Kastrat Gaetano Berenstadt.
Händel brachte Giulio Cesare in den folgenden Jahren noch dreimal auf die Bühne: 1725 (zehn Vorstellungen), 1730 (elf) und 1732 (vier). Dabei wurden zum Teil drastische Änderungen vorgenommen, nicht nur, aber auch wegen der wechselnden Sängerbesetzungen. 1725 wurde unter anderem die Rolle des Curio gestrichen und Sesto nicht von einem Sopran, sondern von dem Tenor Francesco Borosini gesungen, für den Händel die Arie „L’angue offeso“ (Nr. 25) änderte und drei andere Arien durch neue ersetzte; außerdem musste ausgerechnet das Duett mit Cornelia („Son nata a lagrimar“, Nr. 16) gestrichen werden (!), weil eine Oktavtransposition von Sestos Part nach unten „die Balance (der Stimmen) ruinieren“ würde. Für eine Sopranistin namens Benedetta Sorosina wurde die Figur des Nireno in einigen Vorstellungen in eine „Nerina“, Kammerfrau Cleopatras, „verwandelt“, die auch zwei neue Arien bekam.
Auch in den Wiederaufnahme von 1730 und 1732 wurde Sesto von einem Tenor gesungen (Annibale Pio Fabri bzw. Giovanni Battista Pinacci) und es gab weitere Änderungen, unter anderem wurden 1732 mehrere Arien gestrichen. Insgesamt kam Giulio Cesare über die Jahre auf 39 Aufführungen unter Händels Leitung, was nur durch die 53 Aufführungen des Rinaldo übertroffen wurde.
Auch auf dem Kontinent war die Oper ein Erfolg.