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Girolamo Fracastoro

Italienischer Gelehrter der Renaissance, u. a. Dichter und Arzt

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Girolamo Fracastoro (latinisiert Hieronymus Fracastorius; * um 1477 in Verona; † 6. oder 8. August 1553 in Incaffi bei Verona) war ein italienischer Arzt, Astronom, Humanist, Dichter und Philosoph der Renaissance mit weiten wissenschaftlichen Interessen: Unter anderem befasste er sich mit Kosmologie, Geologie, Physik, Pharmakologie und Biologie. Er war als Hochschullehrer in Padua tätig und gilt gemäß Charles Lichtenthaeler als „Begründer der modernen Pathologie“.

Sein in Hexametern verfasstes Lehrgedicht Syphilidis sive morbi gallici libri tres („Drei Bücher über die Syphilis oder die gallische Krankheit“), eines der am häufigsten in lebende Sprachen übersetzten medizinischen Gedichte, verbreitete Fracastoros Ruf in ganz Europa und verlieh der Syphilis ihren Namen. Aufgrund von Beobachtungen von Infektionskrankheitsverläufen entwickelte er eine Theorie der Ansteckung durch krankheitsübertragende „Keime“ (seminaria morbi), die im Gegensatz zu der seit dem Altertum akzeptierten Vorstellung von krankheitsbringenden giftigen Erdausdünstungen (Miasmen) stand. Fracastoro bemühte sich, ohne vorgefasste Meinung seine Beobachtungen rational zu deuten.

Als Hauptquelle seiner Biographie dient vor allem die anonyme Vita, die gewöhnlich Paolo Ramusio, dem Sohn des berühmten Geographen Giovan Battista Ramusio, zugeschrieben wird.

Girolamo Fracastoro wurde zwischen 1476 und 1478 in Verona mit zusammengewachsenen Lippen, die chirurgisch getrennt wurden, als sechstes von sieben Kindern einer alten Veroneser Patrizierfamilie geboren. Seine Mutter, Camilla Mascarelli aus Vicenza, starb bereits vor 1481. Fracastoro erhielt eine gehobene humanistische Bildung, ging in Padua auf das Gymnasium und studierte an der liberalen, damals zu Venedig gehörenden Universität Padua, unter anderem auch bei dem Philosophen und Humanisten Pietro Pomponazzi. Sein Hauptinteresse galt zuerst der Mathematik, der Astronomie und der Philosophie, später dem Studium der Medizin. Er wird dort auch Kopernikus kennengelernt haben, als dieser 1501–1503 in Padua Medizin studierte. Schon vor seiner Promotion 1502 wurde er zum Lektor für Logik ernannt, eine Stelle, die er zusammen mit der eines Consiliarius anatomicus bis 1509 innehatte.

Wohl wegen drohender Kriegsunruhen ging Fracastoro auf Einladung des Condottiere Bartolomeo d’Alviano zusammen mit anderen venezianischen Dichtern und Gelehrten, unter ihnen Pietro Bembo und Andrea Navagero, im Winter 1508–09 an dessen in Pordenone eröffnete Akademie, ein Aufenthalt von allerdings nur kurzer Dauer, da d’Alviano die Schlacht von Agnadello (14. Mai 1509) gegen die Liga von Cambrai verlor und gefangen genommen wurde. Die Universität von Padua war inzwischen wegen der Kriegswirren geschlossen worden. Fracastoro kehrte nach Verona zurück. Sein Vater war einige Zeit vorher gestorben, und er fand den väterlichen Besitz verwüstet vor.

Fracastoro blieb sein Leben lang in Verona. Am liebsten war ihm jedoch sein Landhaus in dem kleinen Orte Incaffi oberhalb von Bardolino am östlichen Ufer des Gardasees, der Ort seiner philosophischen Dialoge. Fracastoro heiratete früh (schon etwa 1501) Elena Schiavi aus Vicenza und hatte mit ihr vier Söhne, von denen nur einer ihn überlebte, und eine Tochter. Er wurde 1505 in das Veroneser Ärztekollegium aufgenommen, dem er lebenslang angehörte und etliche Male im Vorstand diente.

Medizin zu praktizieren soll für Fracastoro eine Leidenschaft gewesen sein. Seine Freunde sagten, ihm sei es der größte Lohn gewesen, in einem geheilten Patienten einen neuen Freund gefunden zu haben. Es ging ihm nicht um Reichtümer; er gab sich mit wenigem zufrieden, wünschte sich nur ein Leben frei von Sorge und Streit, um seinen Studien nachgehen zu können. Er war niemals untätig und konnte es nicht leiden, die Zeit unnütz zu vergeuden; es war seine Gewohnheit, immer Probleme in Gedanken zu erwägen. So sprach er selten und erschien Fremden ernst und streng, aber im kleinen Kreis mit Freunden soll er heiter und liebenswürdig gewesen sein.

Fracastoro schloss Freundschaft mit dem Veroneser Bischof Gian Matteo Giberti (1495–1543), der ihn in seine Akademie, die Gibertina, berief und zu seinem Leibarzt ernannte. Er behandelte sowohl dessen hohe Gäste als auch arme Leute. Die übrige Zeit widmete er seinen Studien, Gesprächen und Briefwechseln mit Freunden, vor allen den Brüdern Raimondo, Marcantonio und Giambattista Delle Torre, mit denen er seit seiner Studienzeit in Padua in lebenslanger Freundschaft verbunden war, dem venezianischen Dichter Andrea Navagero (1483–1529), Pietro Bembo (1470–1547), Geheimsekretär von Papst Leo X. (Pontifex von 1513 bis 1521) und später Kardinal unter Paul III. (Pontifex von 1534 bis 1549), und Giovan Battista Ramusio (1485–1557), Kanzler und Sekretär im Dienst der Republik Venedig; ihrer aller Andenken ehrte Fracastoro in Gedichten, in Widmungen und als Protagonisten seiner Dialoge. Ramusio seinerseits ehrte Fracastoro und Andrea Navagero als Dichter und Freunde mit zwei großen Bronzemedaillen, von Giovanni Cavino ausgeführt, die er 1552 über der Porta di San Benedetto nicht weit von seinem Hause in die Stadtmauer von Padua einsetzen ließ. Der damals über siebzigjährige Fracastoro wurde verjüngt dargestellt, um ihn im Alter Navagero anzugleichen, der bereits 46-jährig, 1529 gestorben war. Ramusios berühmte Zusammenstellung von Reiseberichten Delle navigationi et viaggi ist Fracastoro gewidmet.

Sein ruhiges und geistig freies Leben wurde 1545 durch die päpstliche Ernennung zum offiziellen Arzt (Medicus ordinarius) des Trientiner Konzils unterbrochen. Fracastoros Rat scheint entschieden dafür verantwortlich gewesen zu sein, dass das Konzil 1547 nach Bologna verlegt wurde, als in Trient eine Typhusepidemie ausgebrochen war. Dieses wurde von protestantischer Seite als Gefügigkeit gegenüber den päpstlichen Wünschen kritisiert, ob zu Recht, ist umstritten.

Fracastoro pflegte Kontakte mit führenden Gelehrten und Dichtern seiner Zeit. So traf er Conrad Gesner; Ariosto bat ihn um kritische Durchsicht des Orlando Furioso; Matteo Bandello sandte ihm seine Erzählung über den tragischen Tod zweier unglücklich Liebender, die Shakespeare als Vorlage für Romeo and Juliet diente. Fracastoros Porträt, von Tizian gemalt und lange fälschlich einem seiner Schüler zugeschrieben, wurde 2012 restauriert und hängt jetzt in der National Gallery in London. Sein Tod kam überraschend. Fracastoro starb im August 1553 an den Folgen eines Schlaganfalls auf seinem Landsitz am Fuße des „Monte Incaffi“. Begraben wurde er in Verona, wo ihm zwei Jahre später ein Denkmal errichtet wurde.

Fracastoro veröffentlichte weniges zu seinen Lebzeiten und dann auch nur in seinen späteren Jahren; dies lässt eine zeitliche Einordnung kaum zu.

Die Vielseitigkeit seiner Interessen spiegelt sich in seinen Schriften: über Astronomie (Homocentrica und eine von dieser sich sehr unterscheidenden und sie ergänzenden Abhandlung über Kosmogonie und Kosmologie), über medizinische Fragen (De contagione, De causis criticorum dierum und vereinzelte weitere Schriften), über Psychologie und Erkenntnislehre (die Dialoge Turrius sive De intellectione und Fracastorius sive De anima), über Ästhetik (der Dialog Naugerius sive De poetica), Fragmente über Religion und Naturbeobachtungen. Die Dichtung hat Fracastoro sein Leben lang beschäftigt. Zu erwähnen sind vor allem seine Gedichte: Syphilis sive Morbus gallicus und der Joseph nebst vielen weiteren.

Peruzzi (1997) charakterisiert Fracastoros Philosophie, die seinem gesamten Werk unterliegt, folgendermaßen:

Fracastoros Weltbild beruhe auf seiner philosophischen Überzeugung einer grundsätzlich harmonischen Natur. So verbindet sich bei ihm die Idee geozentrischer Planetenbahnen (In Homocentrica dargestellt) mit der Idee einer sympathia universalis, einer universellen Affinität. Seine Arbeitsmethode beruht auf Beobachtungen und Analysen der physischen Gegebenheiten. Diese Methode bewahrt Fracastoro auch zum Studium psychischer Phänomene und Probleme der Erkenntnislehre dadurch, dass er eine Theorie der species (Gestalt/Erscheinung) wieder aufnimmt; die species präsentieren sich, mittels Austausch zwischen Körpern, durch ihre Fähigkeit sich zu vermehren und Einfluss auszuüben, als Naturphänomene, die die Präsenz von sympathia et antipathia, Affinität/Anziehung und Abneigung/Abstoßung enthüllen.

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