Giovanni Maria Antonio Tencalla, auch Johann Maria Anton Dengala (* 9. Juni 1684 in Bissone; † 26. Februar 1754 in Wien), war ein österreichischer Stuckateur und ein Teil der weitverzweigten europäischen Künstlerfamilie Tencalla von Architekten, Malern, Bildhauern und Steinmetzen.
Giovanni Maria Antonio Tencalla war ein Sohn des Malers Giacomo Tencalla (1644–1689) von Bissone, der mit dem renommierten Hof-Maler Carpoforo Tencalla (1623–1685), einem älteren Cousin und Lehrmeister arbeitete. Er hatte noch eine Schwester Barbara Maria Giovanna. Am 3. Februar 1712 fand seine Eheschließung mit Maria Caterina Prassede statt, einer Enkelin des Carpoforo Tencalla und Schwester des bedeutenden Stuckateurs Carpoforo Antonio Salvatore Mazzetti Tencalla.
Im selben Jahr 1716 Bürger und Meister der Stadt Wien
Im Alter von 32 Jahren, am 5. März 1716 erhielt Tencalla das Bürgerrecht in Wien, sein Name in der Eintragung „Johan Anton Dengala Stukator“. Als Meister der Wiener Zunft war er in den Steuerbüchern von 1716 nur bis 1742 vertreten, anfangs dominierten die Großbetriebe von Hieronymus Alfieri, Santino Bussi, Alberto Camesina und in den 1720er Jahren Johann Michael Bolla. Bis 1739 gehörte Johann Maria Anton Dengala dieser Gruppe an, dann erfolgte ein starker Abfall. In den Jahren 1716–1717 lebte er in Wien im Neubau, zwischen 1720 und 1724 beim Werdertor und anschließend bis 1742 bei der Mölkerbastei.
Als Witwer heiratete Tencalla, Stuckateur, wohnhaft im ‚Doctor Schmidischen Haus‘ in der Teinfaltstraße, in der Schottenkirche zu Wien am 28. Oktober 1721 Maria Elisabeth Magdalena Passardin aus Gumpendorf, Tochter des hofbefreiten Kaufmannes Johann Peter Passardi. Trauzeugen waren Bernardo Ceresola und Ludwig Antonio Visconti. Tochter Anna Theresia, 30. September 1723
Tencalla hatte mit seiner Frau zwei Töchter, die er beide sehr jung in das norditalienische Mailand an Kaufleute verheiratete. Johann Maria Tengala, ein bürgerl. Stuckateur, starb mit 70 Jahren am 26. Februar 1754 im Haus ‚Zum goldenen Zahn‘ am Salzgries.
Auswahl seiner Stuckaturarbeiten
Für den Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn
Schloss Schönborn in Göllersdorf
Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn schrieb am 17. Juni 1713 aus Göllersdorf an seinen Onkel Lothar Franz von Schönborn, dass ein Stuckateur, der für ihn im Schloss zu Göllersdorf arbeite, ‚fertig und die Stuckierung sehr schön ausgefallen sei‘. Dies lässt sich eindeutig auf Giovanni Maria Antonio Tencalla beziehen. Ob damit alle 12 Zimmer gemeint waren, bleibt unerforscht.
Salomon Kleiner Schloss Schönborn
Friedrich Karl bot seinem Bruder, dem Würzburger Bischof Johann Philipp Franz von Schönborn in einem Brief vom 15. März 1724 aus Wien einen Künstler für dessen in Bau befindlicher Würzburger Residenz an.
Das Bauprojekt von Friedrich Karl näherte sich dem Ende, so bat der Stuckateur, ihn nach Würzburg zu empfehlen. Die Entscheidung war schon für Giovanni Pietro Castelli gefallen. An welchen Bauvorhaben Tencalla einige Jahre für den Reichsvizekanzler arbeitete, ist unerforscht.
Kleiner Zwettlhof in Wien, Schwertgasse 4
In den 1720er Jahren ließ Abt Melchior vom Stift Zwettl auf dem bestehenden Gebäude einen dritten Stock erbauen. Mit Stuckateur Giovanni Maria Antonio Tencalla schloss er am 1. März 1725 einen Vertrag. Diese Arbeit umfasste zwei Säle, einen Alkoven und vier Fenster mit Hilfe von „sauberen Zirathen und Passi rilievi“ zum Preis von 150 Gulden und fünf Zimmer „mit Quadraturen und Zirathen“ zum Preis von 120 Gulden.
Giovanni Maria Antonio Tencalle stuckierte 1727 die Decke des Bibliotheksaals.
Es war ein ehrenvoller Auftrag für Giovanni Maria Antonio Tencalla, die zwei Räume der ‚unteren Sakristei‘ im Wiener Stephansdom zu stuckieren. Die Arbeiten begannen 1731, ein Vertrag über die Ausgestaltung wurde abgeschlossen. Tencalla erhielt insgesamt 1500 Gulden. Im kleineren Raum wurde die Stuckzier nach 1732 fortgesetzt, 1735 erfolgte eine weitere Zahlung an Tencalla. Über dem Portal thront Moses mit den Gesetzestafeln, an der anderen Seite des Portals die sitzende Allegorie der Ecclesia.
mit dem Kirchenmodell, der Taube des hl. Geistes und den Schlüsseln eine Art Pendant bildet. Ein zentrales Gemälde des Martino Altomonte wird von Stuckzierrat umrahmt, in Seitennischen stehen lebensgroße Skulpturen des Franz Xaver Messerschmidt.