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Giovanni Gradenigo (Doge)

Doge von Venedig

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Giovanni Gradenigo (* um 1279 in Venedig; † 8. August 1356 ebenda), wegen seiner ungewöhnlich großen Nase Nason genannt, war, folgt man der staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung der Republik Venedig, ihr 56. Doge. Er amtierte von seiner Wahl am 21. April 1355 bis zu seinem Tod, weniger als sechzehn Monate später.

Während dieser kurzen Zeit konnte Venedig zwar Frieden mit Genua und Mailand schließen, doch andererseits entbrannte ein Krieg mit Ungarn, mit Görz und dem Patriarchen von Aquileia, dessen Ende der Doge nicht mehr erlebte. In dem handels- und wirtschaftspolitischen Streit innerhalb Venedigs, der seit Jahren um die Frage der Finanzierung und Lastenverteilung aus Kriegs- und Versorgungsaufgaben tobte, und der den vorherrschenden Adel zu spalten drohte, hatte der Doge wohl keinerlei Einfluss.

Seinen Aufstieg verdankte Gradenigo nicht nur seiner Standeszugehörigkeit, sondern auch einer Reihe bedeutender Ämter und Gesandtschaftsreisen, darunter in Rom und Konstantinopel, aber auch auf dem oberitalienischen Festland und auf der Halbinsel Istrien. Bei der Niederschlagung einer Verschwörung, nämlich der unter dem Dogen Marino Falier im Jahr 1355, spielte Gradenigo eine zentrale Rolle. In aller Eile wurde er zum Nachfolger des hingerichteten Dogen gewählt, obwohl er auf die 80 Jahre zuging und schwer krank war.

Die Familie Gradenigo gehörte zu den bedeutendsten und ältesten, den apostolischen Familien Venedigs. Vor Giovannis Wahl waren zwei weitere Mitglieder der Familie Dogen: Pietro (1289–1311) und Bartolomeo Gradenigo (1339–1342). Aluycha Gradenigo, später auch Ludovica genannt, war mit seinem Vorgänger Marino Falier verheiratet.

Sein Vater Marino Gradenigo di Marco war ein Bruder des Dogen Pietro Gradenigo, seine Mutter Maria war eine Tochter des Dogen Giovanni Dandolo. Marino Gradenigo hatte zahlreiche politische und diplomatische Aufgaben zu bewältigen. So war er mehrfach im Kleinen Rat und im Senat (Pregadi), dann war er von 1278 bis 1280 Duca di Candia, also venezianischer Gouverneur der Insel Kreta, erneut von 1282 bis 1283. Dort starb er auch und wurde in der Kirche San Marco in Candia beigesetzt.

Giovanni Gradenigo, geboren um 1279, hatte mindestens drei Brüder namens Luca, Tommaso und Michele; von Schwestern erfahren wir nichts, da Marco Barbaro, wie in den meisten Fällen, über diese schweigt.

Giovanni war zweimal verheiratet und hatte vier Töchter und fünf Söhne. Die erste Frau war Adriana Borromeo, von der zweiten ist nur der Vorname Felipa bekannt, der Name ihrer Familie ist nicht überliefert. Die Söhne hießen Marino, Pietro, Luca, Tommaso und Orso, die Töchter Caterina, Cristina, Angioletta und Marchesina.

Wohl in Folge des exzessiven Nepotismus des Dogen Bartolomeo Gradenigo und der entsprechenden Versuche der Republik diese Möglichkeiten, die eigene Verwandtschaft zu fördern, einzudämmen, war es für die Söhne Giovannis nicht einfach, Karriere zu machen. Luca saß mehrfach im Rat der Zehn und im Kleinen Rat, wo Marino ebenfalls erscheint. Dazu war er Savio agli Ordini, Kastellan von Koron und Modon in den Jahren 1358 bis 1359, aber auch auf weiteren Posten der Republik.

Hingegen war jener Pietro, den Cappellari als Conte von Traù identifizierte, ein Sohn des Bartolomeo. Der gleichnamige Sohn Giovannis starb vor seinem Vater, wie sich aus dem Testament vom 7. Januar 1353 entnehmen lässt, das der Notar Vettore Gaffaro aufgesetzt hatte. Giovanni sollte zu dieser Zeit als Rettore nach Capodistria gehen. Giovanni setzte als Testamentsvollstreckerin seine Frau Felipa ein, ebenso wie seine Tochter Caterina sowie die Söhne Marino, Orso, Tommaso und Luca, ohne Pietro zu erwähnen.

Als Gemeinden, in denen die Familie residierte werden S. Polo, S. Stae, S. Marco und S. Stefano genannt.

Wie so häufig in Venedig, so erschwert die Namensgleichheit mit Zeitgenossen Giovanni Gradenigos die sichere Identifizierung der in Dokumenten erscheinenden Personen. So gab es neben ihm einen Giovanni, Sohn des Dogen Bartolomeo, dann einen Giovanni aus der Gemeinde S. Vidal und einen Giovanni, Sohn eines Nicolò, der allerdings deutlich jünger war.

Gesandter (ab 1319), Comes (ab 1329), Sapiens

Das früheste fassbare Amt, das Giovanni Gradenigo bekleidete, war das eines Gesandten nach Ferrara. Die Reise dorthin trat er 1319 zusammen mit Giovanni Valaresso an. Als einigermaßen gesichert gilt seine Gegenwart im dalmatischen Traù, wo er das Amt eines Conte im Jahr 1329 führte. Dabei gelang es ihm mit seiner Erfahrung und seinen juristischen Vorkenntnissen im venezianischen wie im römischen Recht einen Streit zwischen dem Bischof von Spalato und dem örtlichen venezianischen Rettore beizulegen.

Diese Kenntnisse und Fähigkeiten waren eine wichtige Voraussetzung für die Berufung als provveditore oder savio etwa bei den Savi del Collegio, bei denen komplexe Fragestellungen auch im Rahmen der auswärtigen Politik vorbereitet und bei den Pregadi vorgetragen wurden. Auch lag es häufig bei ihnen, „mettere parte“, also per Mehrheitsentscheid einen Beschluss zu treffen. Gemeinsam mit Giovanni Venier beriet er im März und April 1332 in dieser Funktion über den Krieg auf der Halbinsel Istrien. Dort standen sich Venedig auf der einen Seite und Karl I. von Ungarn mit dem Patriarchen von Aquileia auf der anderen Seite gegenüber

Wieder am 4. Februar 1333 sollte durch eine solche pars eine fünfköpfige Kommission die rechtlichen Grundfragen der Verträge mit Savona und Genua vorentscheiden und den Senatoren vorstellen. Am 17. April wurde Gradenigo erneut berufen, in einer dreiköpfigen Kommission die Schreiben des Conte von Pola untersuchen.

Gesandter am Papsthof (1333), Capo am höchsten Gerichtshof (1334), Kleiner Rat (1335, 1338)

Im November wurde Giovanni Gradenigo zum Gesandten an den päpstlichen Hof Johannes XXII. in Avignon gewählt. Der mit ihm reisende zweite Gesandte Andrea Baseggio starb allerdings auf der Reise dorthin. Die Gesandten sollten auch Philipp VI. von Frankreich treffen, mit dem Papst sollte eine Militärallianz zur Rückeroberung des Heiligen Landes geschlossen werden. Bei dieser Gelegenheit gestatteten die Pregadi dem Diplomaten, einen seiner Söhne – der Name wird nicht genannt – auf Kosten der Kommune mit auf die Reise zu nehmen.

In der Quarantia, einem, wie der Name sagt, 40-köpfigen Gerichtshof, führte er 1334 als Capo mehrfach den Vorsitz. Im Kleinen Rat saß er 1335 und 1338, wieder war er für die Pregadi als Savio im Mai 1336 tätig, dann im September 1337. In dieser Funktion taucht er erst im Mai 1349 und im Februar 1352 erneut auf.

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