Giovanni Gonzaga, deutsch Johann Gonzaga (* 1474 in Mantua; † 23. September 1525 ebenda) war ein italienischer Adliger und Condottiere in der Zeit der Renaissance, der über zwei Jahrzehnte in den Italienischen Kriegen kämpfte. Als Herr von Vescovado und Poggio begründete er eine Nebenlinie des weitverzweigten Hauses Gonzaga, die als einzige Gonzaga-Linie bis heute besteht.
Giovanni war der jüngste der drei Söhne des Markgrafen Federico I. Gonzaga aus dem alten italienischen Adelsgeschlecht der Gonzaga, aus dessen Ehe mit Prinzessin Margarete von Bayern, Tochter Albrechts III., Herzog von Bayern-München. Sein Großvater väterlicherseits war Markgraf Ludovico III. von Mantua. Gianfrancesco II. Gonzaga, Markgraf von Mantua (1466–1519), war Giovannis ältester Bruder.
Giovanni Gonzaga wuchs zusammen mit seinen zwei Brüdern und drei Schwestern im Palast zu Mantua auf. Seine Ausbildung begann bereits in der frühen Kindheit. Gemeinsam mit seinen älteren Brüdern Gianfrancesco und Sigismondo wurde er im Geist der Renaissance durch bedeutende Lehrer, wie dem Humanisten Gian Mario Filelfo (1426–1480) in der Zeit von 1478 bis 1480 und dem Literaten Colombino Veronese (1440–1482) bis zum Jahre 1482 unterrichtet. Bereits im Alter von fünf Jahren hatte er die Mutter verloren und als er zehn Jahre alt war, starb im Juli 1484 auch der Vater. Sein ältester Bruder trat mit knapp 18 Jahren die Nachfolge als Markgraf von Mantua an. Dessen 35 Jahre währende Herrschaft sollte auch Giovannis Leben maßgeblich prägen. Im Gegensatz zu den vorherigen Todesfällen der Regenten von Mantua, bei denen den nachgeborenen Söhnen des Erblassers Landesteile abgetrennt wurden, gingen Sigismondo und Giovanni leer aus. Giovannis Leben im Schatten des Bruders war damit vorprogrammiert. Zu seinen Hauptaufgaben gehörte es, den Bruder bei Anlässen zu vertreten, an dessen Teilnahme dieser gehindert oder nicht sonderlich interessiert war. So war er zum Beispiel anstelle Gianfrancescos bei der Hochzeit der jüngsten Schwester Maddalena mit Giovanni Sforza, dem Herrn der Stadt Pesaro im Oktober 1489 und nahm an den großen Feierlichkeiten vom 29. und 30. Oktober in Pesaro teil.
Am 20. Juni 1491 heiratete Giovanni in Bologna Laura Bentivoglio, die Tochter von Giovanni Bentivoglio, dem Herrscher der Stadt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde der Vollzug der Ehe auf den 10. Februar 1492 verschoben, nachdem Giovanni aus Mantua nach Bologna zurückgekehrt war und für die Zeit des ganzen Karnevals in der Stadt blieb. Eine „schöne Feier“ wurde ihm zu Ehren von seinem Schwiegervater organisiert, bei der Giovanni unter anderem, verkleidet und auf einem Esel reitend, in einer „Eierschlacht“ (battaglia delle uova) aktiv werden musste. An seinem ersten Hochzeitstag, dem 20. Juni 1492, kam er wieder von Mantua nach Bologna, um seinen Schwager Alessandro Bentivoglio (1474–1532) bei dessen Hochzeit mit Ippolita Sforza (1481–1520) zu begleiten. Am 3. Oktober 1492 war Giovanni dann wiederum Gast seines Schwiegervaters, um von Bologna mit 40 Pferden nach Rom zu reisen, um Alexander VI. im Namen des Markgrafen von Mantua nach seiner Wahl zum Papst zu huldigen. Danach war Giovanni nur noch am 19. Juni 1493 in Bologna, um „die Ehefrau zu besuchen“, die in der Zwischenzeit nie aus der Stadt weggezogen war. Erst zu Beginn des Jahres 1494 wurde Laura, von einer durch Giovanni beauftragten Delegation von 120 Personen eskortiert, endgültig von ihrem Elternhaus zu ihrem Ehemann nach Mantua gebracht. Im darauffolgenden Jahr wurde dann ihr erstes gemeinsames Kind Federico geboren.
Militärische Laufbahn als Condottiere
An der Seite von Ludovico il Moro
Bereits im September 1494 sollte Giovanni mit 50 Bewaffneten in das aragonesische Lager ziehen, jedoch um zu kämpfen hatte er keine Eile. Er bevorzugte die Unterhaltung und Abwechslung am Hof des jungen Herzogs von Kalabrien, wie er in einem Schreiben vom 25. Januar 1495 an die Schwägerin Isabella d’Este mitteilte, mit der er in regem Briefwechsel stand. Es erweckt den Anschein, dass beide in einen Wettbewerb getreten waren sich zu überbieten, wer den meisten Spaß erlebt hätte, denn am 11. Februar berichtet er ihr: „Wir sind jeden Tag hier auf Festen und Vergnügungen“. Im Mai trat Giovanni dann in den Dienst des Ludovico Sforza il Moro, des Herzogs von Mailand; scheinbar entsprach dies einem Wunsch seines Bruders. In dieser Zeit beteiligte er sich an der anti-französischen Offensive der Heiligen Liga und nahm an der Belagerung von Novara teil, und dann auf Überfällen in das Territorium von Savoyen, mit der Absicht, die Regentin, die Herzogin Bianca von Montferrat zu bestrafen. Im April 1496 war er mit 50 Mann in Somma militärisch tätig, um König Ferdinand II. von Neapel zu unterstützen. Zusammen mit seinem Schwager Giovanni Sforza hatte er erheblichen Anteil an der Kapitulation von Atella vom 22. Juli, welche das Königreich wieder in die Gewalt Ferdinands brachte. An der Spitze von 200 Berittenen gelang ihnen die Gefangennahme einer feindlichen Versorgungskolonne wenige Tage zuvor. Eine gewisse Tragik liegt in dem Umstand, dass die Kapitulation durch den französischen Vizekönig von Neapel, den Grafen Gilbert von Montpensier unterzeichnet werden musste. Giovannis zehn Jahre ältere Schwester Clara (Chiara) (1464–1503) war 1481 aus familienpolitischen Gründen mit dem aus dem Haus Bourbon stammenden Grafen Gilbert verheiratet worden. Nach der Räumung von Atella begab sich dieser mit seinen Truppen nach Pozzuoli, um dort eingeschifft zu werden, als bei seinen Mannschaften eine Seuche ausbrach, vermutlich die Pest, an der Gilbert im Oktober 1496 starb. Clara verlor dadurch ihren Mann und sechs Kinder den Vater.
Nach der Beendigung des Feldzuges kehrte Giovanni nach Mantua zurück und ging Ende November von dort nach Mailand. Im September 1498 stellte er sich dann in den Dienst der Republik Venedig. Seit 1499 gab es für Markgraf Gianfrancesco von Mantua erhebliche Beunruhigung über die Verhältnisse im benachbarten Herzogtum Mailand. Um die Expansionspläne König Ludwig XII. nicht auf Mantua zu richten, hielt er es für angebracht persönlich Zurückhaltung zu wahren. Stattdessen wurde Giovanni von ihm beauftragt, dem Bündnispartner Il Moro zu helfen seine Macht aus den französischen Händen zurückzuholen. So kämpfte dieser am 19. Februar 1500 mit dem Moro bei der Eroberung von Vigevano und Ende März, mit 700 Armbrustschützen zu Pferde, in Marignano. Aber am 11. April wurde Giovanni gemeinsam mit Kardinal Ascanio Maria Sforza und vielen anderen Mailänder Adligen gefangen genommen und mit diesen nach Piacenza gebracht. Er befreite sich, indem er, so heißt es, 3000 Dukaten zahlte. Nach der Niederlage Il Moros versicherte Markgraf Gianfrancesco, dass sein Bruder Giovanni aus eigener Initiative gehandelt habe, nicht ohne zu versprechen, dass er ihn mit einem sehr strengen Verweis bestrafen werde. Und in der Tat wurde Giovanni durch den Markgrafen am 26. April in Venedig öffentlich „banditisiert“ (bandizato). Unter diesen Umständen hielt Giovanni es in jedem Fall für unangemessen, in Mantua zu bleiben. Und tatsächlich ging er fort. Ende Juli 1500 war er in Pesaro und Anfang August in Ancona um von dort mit einer Karavelle nach Fiume überzusetzen.
Von seinem Schwiegervater um Beistand gegen Cesare Borgia gerufen, traf Giovanni am 2. November 1502 nachts mit hundert Bewaffneten in Bologna ein. Die Missbilligung seiner Schwägerin Isabella, der Regentin Mantuas in Abwesenheit des Ehemannes, erfolgte umgehend. Sie untersagte militärisches Vorgehen gegen den Sohn des Papstes und drohte denjenigen den Galgen an, die Ungehorsam zeigten. Vermutlich wollte sie nicht die Augen des Borgia auf Mantua richten, oder den Zorn des Papstes provozieren. Glücklicherweise beruhigte sich die Lage zwischen dem Borgia und dem Bentivoglio ohne Waffeneinsatz. Allerdings hatte Giovanni, der zwar erfreut war, sich als „Reipublicae Bononiensis armutum gubernator“ (sinngemäß: Führer des Militärs der Republik Bologna) qualifiziert zu haben, ein Problem. Er befand sich jetzt mit etwa hundert Mann in einer Stadt, die kein Militär benötigte. Am 19. Dezember bot er seine Dienste der Republik Venedig an, die jedoch das Angebot nicht annahm. Auch ein erneuter Antrag unter Fürsprache des Podestà von Verona Bernardo Bembo zu Beginn des Jahres 1503 blieb erfolglos.