An diesem Tag

Giovanni Battista Gaulli

Italienischer Maler des Barock

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Giovanni Battista Gaulli, genannt il Baciccia oder Baciccio (* 8. Mai 1639 in Genua; † 2. April 1709 in Rom), war ein italienischer Maler und Freskant und ein Hauptmeister des römischen Hochbarock. Sein Spitzname Baciccia ist im Italienischen eine humorvolle Bezeichnung für einen Genueser (oder für einen dicken, trägen Menschen).

Er wurde als Sohn von Lorenzo Gaulli in Genua geboren und am 10. Mai 1639, zwei Tage nach seiner Geburt, in der Kirche San Siro getauft.

Nach derzeitigem Wissensstand herrscht über Baciccias Ausbildung Unklarheit: dass er die Anfangsgründe der Malerei bei Luciano Borzone (1590–1645) erlernte, wie Ratti (S. 75) behauptete, ist relativ unwahrscheinlich, weil er bei Borzones Tod höchstens sechs Jahre alt war. Möglicherweise begann Gaulli aber bei einem anderen Mitglied der Borzone-Familie mit der Malerei (Giovanni Battista (gest. 1657) oder Francesco Maria (1625–1679)). In Genua konnte er außerdem früh Werke von Rubens, Van Dyck, Guido Reni oder Bernardo Strozzi kennenlernen, sowie die Fresken bedeutender örtlicher Künstler wie Giovanni und Giovanni Battista Carlone oder Valerio Castello.

Nachdem Giovanni Battista Gaulli bei der Pestepidemie im Jahr 1657 seine ganze Familie verloren hatte, ging der 18-Jährige nach Rom, wo er mit Hilfe des genuesischen Botschafters Agostino Franzoni in der Werkstatt eines „französischen Malers“ („pittore franzese“) Aufnahme fand, dessen Identität nicht geklärt ist. Enggass (The painting…, 1964, S. 2) vermutete, dass es sich dabei um Guillaume Courtois, genannt il Borgognone, gehandelt haben könnte; Newcome und Schleier (1985, S. 94) dagegen schlugen Francesco Maria Borzone vor, der lange in Frankreich tätig war und sich zu dieser Zeit in Rom aufhielt. Einen ganz offensichtlichen wichtigen Einfluss auf Gaullis eigene Malerei hatten auch die Werke Pietro da Cortonas, sowohl bezüglich der Figuren als auch der leuchtend satten und üppigen Farben.

Giovanni Battista Gaulli heiratete 1662 Caterina Murani, mit der er vier gemeinsame Kinder hatte, darunter der Sohn Alessandro, der Architekt wurde. Im selben Jahr wurde Gaulli Mitglied in der Künstlergilde Roms, der Accademia di San Luca; sein steigendes künstlerisches Ansehen lässt sich an den immer prestigeträchtigeren Posten ablesen, die er in dieser Institution einnahm, bis hin zum principe (Leiter) im Jahr 1673.

Um 1664 zog Gaulli in das Haus des genuesischen Kunsthändlers Pellegrino Peri.

Seine ersten Erfolge feierte er vor allem als Porträtist, wobei ihm eine wahrscheinlich schon in Genua erworbene Schulung an Bildnissen von Van Dyck zugutekam. Er malte im Laufe seines Lebens nicht nur zahlreiche Bildnisse der römischen Aristokratie und bedeutender Kardinäle, sondern auch die Porträts der jeweiligen Päpste, darunter Alexander VII. Chigi oder Clemens IX. Seine Porträts zeichnen sich durch große Lebendigkeit aus und fangen die dargestellte Person oft scheinbar mühelos und mit liebenswertem Humor in einem Augenblick der Spontaneität ein; sie wurden schon von den Zeitgenossen für ihre „energia e vivezza“ gerühmt.

Daneben schuf er auch religiöse und mythologische Gemälde für Privatkunden im In- und Ausland. Auch Kardinal Flavio Chigi, ein kunstsinniger Neffe von Alexander VII., gab mehrere Gemälde bei Baciccia in Auftrag, nicht nur religiöse, wie eine Himmelfahrt Mariä (1667; Collezione Crespi, São Paulo (Brasilien)) und einen toten Christus (Galleria nazionale d’arte antica, Rom), sondern auch erotische Themen wie das Oval Diana und Endymion (1668) für das Schlafzimmer des Kardinals (heute im Palazzo Chigi, Rom).

Ein besonderer Glücksfall für den jungen Maler war seine Bekanntschaft mit dem berühmten Bildhauer und Architekten Gian Lorenzo Bernini, den er 1666 porträtierte; dieses Bildnis gilt heute als verloren (Canestro Chiovenda, 1969, S. 231), aber es ist ein Porträt Berninis von Baciccias Hand erhalten, dass auf die Zeit um 1673 datiert wird und sich heute in der Galleria nazionale d’arte antica in Rom befindet. Bernini förderte den talentierten jungen Mann und es entspann sich eine bis zum Tode des Älteren währende freundschaftliche und fruchtbare Zusammenarbeit der beiden Künstler.

Baciccias erstes bedeutendes öffentliches Werk waren die zwischen 1666 und 1671 entstandenen Figuren der Tugenden in den Kuppelpendentifs der Kirche Sant’Agnese in Agone, die er im Auftrag der Familie Pamphilj malte. Während dieser Zeit reiste er 1669 an den Hof der Este nach Modena und vor allem nach Parma, um sich durch das Studium der Fresken von Correggio weiterzubilden.

Für Papst Clemens X. Altieri malte er um 1671–72 die Lünette mit der Glorie der hl. Dreifaltigkeit für die Familienkapelle der Altieri in Santa Maria sopra Minerva, und für dieselbe Kirche ein Altarbild mit der Extase des hl. Louis Bertrand, das mit seiner raffinierten Behandlung von Licht und Schatten zu seinen Meisterwerken gehört (siehe Abb. oben).

Um 1672 entstand unter seiner Leitung die Freskendekoration in der römischen Kirche Santa Marta; zu den beteiligten Künstlern gehörten Girolamo Troppa und Paolo Albertoni, die nach den Entwürfen Baciccias arbeiteten. Er selber malte wahrscheinlich nur die Glorie der hl. Martha, zu der sich ein Bozzetto in der Galerie des Palazzo Spinola in Genua erhalten hat.

Die Dekoration in Santa Marta gefiel dem General der Jesuiten, Giovanni Paolo Oliva (einem geborenen Genueser) so sehr, dass er Baciccia 1672 mit dem wichtigsten Auftrag seines Lebens betraute: Für eine Summe von 12 000 Scudi sollte er die Gewölbe und die Kuppel in der Kirche Il Gesù freskieren. Auch Bernini selber hatte Oliva – der anfangs nicht sicher war, welchen Maler er wählen sollte und zwischen Baciccia, Giacinto Brandi, Ciro Ferri und Carlo Maratta hin und her schwankte – ermutigt und soll auch eigene Vorschläge eingebracht haben. Die im wahrsten Sinne des Wortes strahlenden Fresken in Il Gesù sind Baciccias ganz großes Meisterwerk und sichern ihm einen bedeutenden Platz in der Geschichte der Malerei. Sie entstanden in jahrelanger Arbeit und in mehreren Etappen: Zu Ostern 1675 war das Kuppelfresko mit dem Paradies fertig, bei dessen Komposition Correggios Fresken im Dom zu Parma Pate standen. Am 31. Dezember 1679 wurde das besonders spektakuläre Gewölbefresko im Kirchenschiff mit dem Triumph des Namens Jesu für das Publikum eröffnet, bei dem es ihm gelang, ein überwältigendes himmlisches Licht darzustellen. Von großer malerischer Virtuosität zeugen seine „sotto-in-su“-Ansichten und Verkürzungen. Durch raffinierte Überlappungen von Fresken und Stuckdekor verschwimmen die Grenzen zwischen himmlischer Sphäre und Architektur bzw. realer Ebene; der Stuck wurde nach Entwürfen Baciccias von Antonio Raggi und Leonardo Reti geschaffen. Die weiteren Arbeiten in Il Gesú zogen sich noch bis 1685 hin, als Baciccia die Glorie des hl. Ignatius im linken Querschiff von Il Gesù beendete (Bozzetto in der Galleria nazionale d’arte antica, Rom). Nur die Fresken im rechten Querschiff wurden bereits ab 1674 dem ebenfalls aus Genua stammenden Maler Giovanni Andrea Carlone anvertraut, der nach einem Bozzetto Baciccias mit der Glorie des hl. Franz Xaver arbeitete. Ein ursprünglich geplantes Altarbild mit der Vision des hl. Ignatius und der verkrüppelten Frau wurde nie realisiert; es sind aber auch dazu Bozzetti von Baciccia im Worcester Art Museum und in einer Privatsammlung in Washington erhalten (Graf, 1992, S. 188 f).

Nicodemus Tessin, der sich 1687–88 in Rom aufhielt, behauptete, Baciccia habe letztlich 22 000 Scudi für die Fresken in Il Gesù bekommen, habe sich aber trotzdem beklagt, dass er daran so gut wie nichts verdient habe, wegen der hohen Kosten des verwendeten Materials, darunter auch ziemlich viel Gold.

Neben diesem großen Projekt malte Baciccia viele Ölgemälde für Kirchen Roms und seiner Umgebung und für verschiedene Mäzene. Auch dabei tendierte er zu leuchtenden Farben, Lieblichkeit und zu teilweise spektakulären Lichteffekten. Zu seinen bedeutendsten Altarbildern zählt die Madonna mit Kind und der hl. Anna (1675) in der Cappella Albertoni der Kirche San Francesco a Ripa. Diese entstand in direkter Kollaboration mit Bernini und bildet eine perfekte ästhetische Einheit mit dessen Marmorskulptur der Seligen Ludovica Albertoni. Zu den Meisterwerken aus derselben Schaffenszeit gehört auch der 1676 entstandene Tod des hl. Franz Xaver in der kleinen Kirche Sant’Andrea al Quirinale (erste Kapelle rechts); für dieselbe Kapelle malte er ungefähr dreißig Jahre später noch die beiden Bilder Der hl. Franz Xaver tauft die Königin von Bungo (1704) und Die Predigt des hl. Franz Xaver (1709).

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