Giovanni Giorgio Moroder (* 26. April 1940 in St. Ulrich in Gröden, Südtirol) ist ein italienischer Musikproduzent und Komponist.
Durch seinen gemeinsam mit Donna Summer und Pete Bellotte in den 1970er Jahren in München am Synthesizer komponierten Euro-Disco-Sound gilt er als wegweisender Pionier der elektronischen Tanzmusik. In diesem Zusammenhang wird Moroder auch als „High Priest of Disco“ und „Dance-Music Godfather“ bezeichnet. Später produzierte er von Los Angeles aus Filmmusiken für mehr als 170 Hollywood-Filme.
Mit Songs für Donna Summer wie Love to Love You Baby, I Feel Love oder On the Radio (aus dem Film Jeanies Clique von Regisseur Adrian Lyne), für die Band Blondie (Call Me) aus dem Film Ein Mann für gewisse Stunden von Regisseur Paul Schrader oder Cat People (Putting Out Fire) (David Bowie, aus dem Film Katzenmenschen von Regisseur Paul Schrader), für die er die Musik geschrieben und die er produziert hat, wurde er in den 1970er und 1980er Jahren zum Starproduzenten mit weltweiten Hits und über 100 Gold- und Platin-Schallplatten. Mit ihm als Produzenten unter anderem des Albums Bad Girls sowie der Singles Hot Stuff und Bad Girls wurde Donna Summer 1979 in Deutschland sowie 1979 und 1980 in den USA zur erfolgreichsten Frau in den Hitparaden und Call Me von Blondie zum erfolgreichsten Song des Jahres 1980 in den USA. 2012 wurde I Feel Love in das Nationale Schallplattenverzeichnis der US-Kongressbibliothek aufgenommen; der Song gehört damit zum Klangerbe der USA, das für zukünftige Generationen bewahrt werden soll. Außerdem gewann Giorgio Moroder von 1983 bis 2013 vier Grammys und von 1978 bis 1986 drei Oscars, und zwar für die Filmmusik zu 12 Uhr nachts – Midnight Express (von Regisseur Alan Parker), die erste elektronische Filmmusik, die einen Oscar erhielt, für den Filmsong Flashdance … What a Feeling (Irene Cara) aus dem Film Flashdance (von Regisseur Adrian Lyne) und für den Filmsong Take My Breath Away (Berlin) aus dem Film Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel (von Regisseur Tony Scott).
Giorgio Moroders Filmmusik zeichnet sich dabei dadurch aus, dass der Sound eng mit der Gefühlswelt, dem Ehrgeiz und dem Lifestyle der Filmfiguren verknüpft ist. Vor diesem Hintergrund haben Elemente von Giorgio Moroders Musik zum Film Scarface (von Regisseur Brian De Palma), wie der Song Tony’s Theme, Eingang in den Hip-Hop gefunden. Außerdem komponierte Giorgio Moroder für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles den offiziellen Olympia-Song Reach Out (Paul Engemann), für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul den offiziellen Olympia-Song Hand in Hand (Koreana) und für die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien den offiziellen Song Un’estate italiana (Gianna Nannini und Edoardo Bennato).
Der aus einer ladinischen Familie stammende Moroder, von seiner Mutter Hansjörg genannt, wuchs in Gröden dreisprachig auf (Ladinisch, Deutsch und Italienisch). Darüber hinaus spricht er Englisch. Der bildende Künstler Ulrich Moroder ist sein Bruder.
Er begann bereits als Teenager mit dem Gitarrenspiel und tourte ab seinem 19. Lebensjahr mit Bands durch Europa. Er begann seine Karriere im Aachener Scotch-Club. Von 1967 an konzentrierte er sich zunächst aufs Songwriting und Komponieren von Schlagermusik. Unter anderem schrieb er gemeinsam mit Michael Holm einen Hit für Ricky Shayne. Von 1967 bis 1968 lebte Moroder in West-Berlin.
1968–1983: Beiträge zu Euro Disco und zur elektronischen Musik
1968 zog Moroder nach München und nahm dort eine Stelle als fest angestellter Produzent bei der Plattenfirma Ariola an. 1969 war er als Giorgio mit der Bubblegum-Nummer Looky, Looky in den französischen, italienischen und spanischen Hitparaden recht erfolgreich. Moroder interessierte sich schon damals für die Musikproduktion, vor allem für die elektronischen Innovationen dieser Jahre. 1970 produzierte er den ersten deutschsprachigen Hit, in dem ein Synthesizer verwendet wurde: Arizona Man in der Version von Mary Roos kletterte bis auf Platz neun der Charts. Anfang 1971 erwarb er einen Moog-Synthesizer. Sein nächster und erster größerer eigener Hit Son of My Father von 1972, bereits gemeinsam mit dem langjährigen Arbeitspartner Pete Bellotte produziert, entstand ebenfalls unter Verwendung des Synthesizers, auch wenn die Elektronik hier noch nicht im Vordergrund stand.
Moroder hatte inzwischen in München sein eigenes Studio eingerichtet, die Musicland Studios, in denen er ab Mitte der 1970er Jahre eine mit Synthesizern produzierte Variante der Discomusik entwickelte, die als Munich Sound populär wurde und mit der er internationale Erfolge feierte. Ab 1973 arbeitete er mit der aus Boston stammenden ehemaligen Musical-Sängerin Donna Summer zusammen. Summer hatte es nach einer Europatour des Hippiemusicals Hair nach München verschlagen, wo sie als alleinerziehende Mutter lebte. Im Team mit dem Arrangeur Harold Faltermeyer, Drummer und Co-Autor Keith Forsey und dem Toningenieur Jürgen Koppers kreierte Moroder für sie seinen energetischen Eurodisco-Sound. Der ausgekoppelte Song The Hostage aus ihrem ersten Soloalbum Lady of the Night von 1974 lief in Holland und Frankreich recht erfolgreich. Der Durchbruch für Summer wie für Moroder kam aber erst 1976 mit dem erotischen Lied Love to Love You, Baby, das von der BBC boykottiert wurde.
Anfang 1976 veröffentlichten Moroder und Bellotte unter dem Bandprojektnamen MLS (Musicland Set) die Instrumental-Single Take Five/Enterprise, die aber ebenso wenig kommerziellen Erfolg hatte wie Einzelgänger, das auf deutsch gesungene Soloalbum Moroders, das er ein Jahr zuvor veröffentlicht hatte und später wieder vom Markt nahm, indem er versuchte, sämtliche noch verbliebenen Exemplare aufzukaufen. Im Februar 1976 erreichte Love to Love You, Baby Platz 2 der US-Charts (Billboard Hot 100), der Disco war geboren. Moroder: „Ich glaube, wir erfanden den Bass-Drum- und Bass-Sound, der Teil der modernen Discomusik wurde.“ Der Produzent räumt dabei ein, aus zahlreichen Quellen geschöpft zu haben, so z. B. vom Philadelphia- oder Philly Soul, vom Motown-Stil, aber auch von zeitgenössischen elektronischen Bands in Deutschland, wie Popol Vuh und Tangerine Dream. Der Titel wurde veröffentlicht, ohne dass der Bassist Dave King als Co-Komponist genannt wurde. Das veranlasste King zu einem Rechtsstreit gegen Giorgio Moroder, den King jedoch nach einigen Jahren verlor. Er hatte angegeben, die Basslauf-Figur auf der Single sei seine Erfindung gewesen, nicht die Moroders, und habe dem Musiktitel erst als prägendes Element zu weltweitem Erfolg verholfen.
Die elektronischen Einflüsse waren noch deutlicher 1977 auf dem von Moroder produzierten Donna-Summer-Hit I Feel Love zu hören. Der Song kletterte im Juli des Jahres auf die Spitzenposition der britischen Charts. Der sich durch seine repetitiven Synthesizer-Loops auszeichnende Track wird zu den einflussreichsten Pionierstücken der elektronischen Tanzmusik und als bedeutender Vorläufer der House- und Techno-Musik gezählt. I Feel Love führte erneut zu einem Rechtsstreit, dieses Mal von Seiten Eberhard Schoeners, der reklamierte, die Synthesizer-Sequenz habe sich Moroder bei ihm abgeschaut; auch dieses Mal gewann Moroder.
Im Zuge des weltweiten Erfolgs von Moroders elektronischer Discomusik wollten dann auch zahlreiche Bands und Musiker wie The Rolling Stones, Led Zeppelin, Queen, Freddie Mercury, Electric Light Orchestra oder Deep Purple den Munich Sound und kamen nach München, um in den Musicland Studios ihre Alben aufzunehmen.
1984–1993: Erfolge mit Filmmusik
1978 übersiedelte Moroder in die USA und komponierte den Soundtrack zum Hollywood-Film 12 Uhr nachts – Midnight Express. Sein erster Versuch auf diesem Gebiet wurde sofort mit einem Oscar belohnt. Insgesamt komponierte und produzierte er im Anschluss über ein Dutzend Filmmusiken, darunter für bekannte Werke wie Top Gun, Scarface, Katzenmenschen, Flashdance und American Gigolo. Für den Soundtrack zu Die unendliche Geschichte schrieb und produzierte er den Song The NeverEnding Story, der 1984 erschien und zu einem weltweiten Hit wurde. Außerdem steuerte er für die Olympischen Spiele von Los Angeles 1984 mit Reach Out den offiziellen Song bei, ebenso für die Olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul (Hand in Hand) sowie für die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 (Un’estate italiana). 1992 komponierte er für die Zeichentrickserie Als die Tiere den Wald verließen die Abspannmusik mit dem Titel Gib niemals auf. Der Song Forever Friends für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking stammt ebenfalls von ihm.