An diesem Tag

Gino Vannelli

Kanadischer Jazz-, Rock- und Popsänger

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Gino Vannelli (* 16. Juni 1952 in Montreal) ist ein kanadischer Jazz-, Rock- und Pop-Sänger.

Gino Vannelli wuchs zusammen mit zwei Brüdern, Joe und Ross, in einer italienischstämmigen Familie auf. Sein Vater Joseph Vannelli war Jazzsänger, unter anderem bei Maynard Ferguson. Sein Talent und seine Leidenschaft für die Musik gab er an alle seine drei Söhne weiter. Schon früh begeisterte Vannelli sich für das Schlagzeug und bewunderte Musiker wie Gene Krupa und Buddy Rich. Die ersten musikalischen „Auftritte“ hatte er zusammen mit seinem älteren Bruder Joe auf Töpfen, Pfannen und Glasdeckeln bei Familientreffen der Vannellis. Es war ein „Meilenstein“, als ein echtes Becken und eine kleine Trommel in den Auftritt integriert wurden und Joe zum Klavier wechselte. Als er neun Jahre alt war, so erinnerte sich Gino Vannelli später, beeindruckte ihn, wie sein Vater am Ende einer Nummer im Scheinwerferlicht stand und sich verbeugte, während das Publikum jubelte und applaudierte.

Dieser Wunsch sollte früher als gedacht in Erfüllung gehen. Als Gino Vannelli zehn Jahre alt war, gab der Vater seine musikalische Laufbahn auf, um das Familienfriseurgeschäft zu übernehmen. Sein Sohn Gino verfolgte aber weiterhin seinen Traum einer musikalischen Karriere. Als er zwölf Jahre alt war, sammelte er noch während seiner Highschool-Zeit schon erste Erfahrungen als Schlagzeuger in einer lokalen Popband, den Cobras. Mit von der Partie war unter anderem sein Bruder Joe. Ein Jahr später gründeten Gino und Joe ihre von Motown geprägte Band Jacksonville 5.

Nach Abschluss der Highschool studierte Vannelli Schlagzeug und Musiktheorie an der McGill University in Montreal. Als weitere Instrumente erlernte er Gitarre und Klavier. Neben seiner Affinität zu Pop und Soul entwickelte Gino Vannelli auch seine Liebe zur klassisch geprägten Musik, insbesondere zum französischen Impressionismus, der italienischen Oper und den russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Ein Semester lang, jeden letzten Donnerstag im Monat, besuchte er Konzerte des Montreal Symphony Orchestra, was sich als lebensverändernd erwies (seine Veröffentlichung des Albums Canto im Jahr 2002 ist ein beredtes Zeugnis dafür).

Im Alter von 17 Jahren veröffentlichte er bei RCA Records in Kanada unter dem Pseudonym Vann-Elli die Single Gina Bold / Never Cry Again, die sich tatsächlich in den kanadischen Top Ten platzieren konnte. In den nächsten drei Jahren lebte Vannelli mit mehreren Unterbrechungen immer wieder mal in New York, wo er versuchte bei diversen Plattenfirmen und Verlagen unter Vertrag zu kommen.

1972 landete er dann, zusammen mit seinem Bruder Joe, vor den Toren von A&M Records in Hollywood, Los Angeles, wo er versuchte, an den Mitinhaber der Studios, Herb Alpert, heranzukommen. Eines Tages erwischte er tatsächlich Herb Alpert auf dem Parkplatz und konnte diesen davon überzeugen, am Nachmittag noch einmal offiziell vorbeizukommen, um sich und seine Musik vorstellen zu können. Bei dieser Audition spielte Vannelli einige seiner gerade geschriebenen Songs vor, darunter People Gotta Move, Crazy Life, Mama Coco, Powerful People und Lady. Herb Alpert war von Vannelli Songs sehr angetan und bot ihm einen Vertrag an, allerdings nur unter der Bedingung, dass er, Herb Alpert, diese erste Platte produzieren dürfe. Am nächsten Tag konnte er seinen Vertrag bei A&M unterschreiben und 1973 wurde das erste Album Crazy Life veröffentlicht. Eine erste kleine Tournee zusammen mit Liza Minnelli schloss sich direkt an die Veröffentlichung des Albums und zweier Single-Auskopplungen an.

Mit der Veröffentlichung des Albums Powerful People konnte Gino Vannelli 1974 in den USA dank der Single People Gotta Move seinen ersten Hit #22 in den Billboard-Charts verbuchen. Interessanterweise kam die stärkste Reaktion auf den Song von den Radiosendern, die überwiegend schwarze Musik spielten. Mit seinen vom Rhythm and Blues und Jazz beeinflussten Songs trat er im Vorprogramm von Stevie Wonder und Gladys Knight & the Pips auf und war der erste weiße Musiker, der in der Sendung Soul Train erschien. Seine nächsten Alben, Storm At Sunup (1975) und The Gist Of The Gemini (1976) konnten sich gleichfalls in den Charts platzieren. Ungewöhnlich für damalige Verhältnisse war, dass Vannellis Begleitband auf Gitarre und Bass verzichtete, dafür aber eine große Anzahl von Keyboardern aufzuweisen hatte, unter ihnen natürlich wieder sein Bruder Joe als musikalischer Leiter.

Das 1977 erschienene Album A Pauper In Paradise war eine Meisterleistung, die nicht nur einige der besten Popsongs enthielt, die Vannelli je geschrieben hatte, sondern auch ein viersätziges Sinfonie-ähnliches Instrumentalwerk, welches mithilfe des Royal Philharmonic Orchestra aufgeführt wurde.

Der Durchbruch gelang ihm schließlich ein Jahr später mit dem Album Brother To Brother (koproduziert von seinen Brüdern Joe und Ross) und der Single I Just Wanna Stop. Dieses Stück stammte aus der Feder des jüngsten Vannelli-Bruders, Ross, der sich bisher nur als Background-Sänger betätigte, nun aber auch als Komponist in Erscheinung trat. Das Album wurde im Frühjahr 1979 in den USA mit Platin ausgezeichnet; die Single erreichte dort Platz 4 und in Kanada sogar die Spitze der Charts. Mit nur 23 Jahren füllte Vannelli dann schon ausverkaufte Konzertsäle und Arenen und wurde mehrfach für einen Grammy Award nominiert. Auch seine Brüder setzten ihre eigene musikalische Karriere fort, und während Vannelli fünf Juno Awards als Kanadas bester männlicher Sänger, Toningenieur und Produzent gewann, wurden viele dieser Auszeichnungen mit seinen Brüdern Joe und Ross geteilt. Als sich die Besitzverhältnisse bei A&M Records änderten, verlangte man von Vannelli, dass er mehr in Richtung Disco-Musik komponieren sollte. Da er diesen Musikgeschmack nicht teilen konnte, verließ er A&M Records und unterzeichnete einen neuen Vertrag bei Arista Records.

Das bei Arista 1981 veröffentlichte Album Nightwalker konnte mit Living Inside Myself einen weiteren Hit #6 in den USA verbuchen. Dies sollte allerdings das einzige Album bei diesem Label bleiben, da die Meinungen über den weiteren musikalischen Weg Vannellis zu Differenzen führte. Diese waren letztendlich auch der Grund, warum Vannellis zweites Album bei Arista, Twisted Heart, bis heute unveröffentlicht blieb. Clive Davis, damaliger Arista Chef, war von den musikalischen Veränderungen Vannellis nicht sonderlich angetan und verweigerte die Veröffentlichung. Einzig der Titel The Longer You Wait wurde als Single ausgekoppelt. Da von Seiten des Labels wenig Unterstützung gewährt wurde, verschwand der Titel nach wenigen Wochen aus den Charts.

Arista Records wollte Vannellis Musik schließlich weder aufnehmen noch veröffentlichen, und Vannelli wurde auf die sogenannte „schwarze Liste“ gesetzt. So beschloss Vannelli, wieder aufs College zu gehen. In Kalifornien studierte er Geisteswissenschaften, verschiedene Religionswissenschaften sowie südamerikanische Literatur. Nach dieser kreativen Pause erschien bei einem neuen Label 1984 das Album Black Cars, wieder unterstützt von seinen Brüdern Joe (Keyboards) und Ross (Background-Gesang). Mit der gleichnamigen Single, die in Kanada Platz 4 erreichte, sowie der zweiten Auskoppelung Hurts To Be In Love konnte Gino Vannelli erstmals auch in Deutschland zwei Radio-Hits landen, ohne allerdings den großen Durchbruch zu schaffen. Die in Deutschland erfolgreichste Single wurde 1987 Wild Horses aus dem Album Big Dreamers Never Sleep, die in Kanada bis Platz 7 der Charts stieg und insbesondere in den MTV-Charts häufig gezeigt wurde.

Zwischen diesen beiden Produktionen hatte Vannelli auch noch Zeit, auf zwei Alben des ebenfalls aus Kanada stammenden Musikers David Meece sowohl als Komponist als auch – zusammen mit seinem Bruder Joe – als Produzent zu arbeiten: Chronology (1986) und Candle In The Rain (1987).

Ende der 1980er Jahre hatte sich jedoch der Musikgeschmack geändert und Vannellis Karriere war im Schwinden begriffen. Er wurde auch seines sexy Image müde, das mit seiner katholischen Erziehung im Widerspruch stand. Schon von Anfang an wurde Vannelli als "Sexsymbol" angesehen.

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