Gilbert de Clare, 6. Earl of Gloucester und 6. Earl of Hertford (nach anderer Zählung auch 7. Earl of Gloucester), genannt Gilbert der Rote (Gilbert the Red) (* 2. September 1243 in Christchurch; † 7. Dezember 1295 in Monmouth Castle) war ein englischer Magnat. Er gehörte zu den mächtigsten und reichsten englischen Magnaten der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Während des Zweiten Kriegs der Barone spielte er eine wichtige Rolle. In diesem Konflikt, bei dem Clare offensichtlich die Reformbestrebungen der Provisions of Oxford unterstützte, hatte Clare innerhalb von fünf Jahren fünfmal die Seiten gewechselt, was wohl auch an seiner damaligen Jugend liegt. Ob er dabei mäßigend auf seine jeweiligen Verbündeten wirkte, ist angesichts der immensen Besitzungen, die er nach zwei seiner Seitenwechsel erbeutete, zweifelhaft. Seine politische Zurückhaltung nach dem Tod von König Heinrich III. während der Abwesenheit des Thronfolgers sicherte mit die Thronfolge von Eduard. Das von ihm in Südwales errichtete Caerphilly Castle gehört zu den größten Burgen Großbritanniens und gilt als Vorbild für die später von Eduard I. errichteten Burgen in Nordwales. Der Bau der Burg führte mit zu Grenzstreitigkeiten mit dem walisischen Fürst Llywelyn ap Gruffydd, die wiederum mit zur englischen Eroberung von Wales führten. Dabei versagte Clare sowohl während des zweiten walisischen Feldzugs wie auch während des walisischen Aufstands von 1294 bis 1295 militärisch. Wie der Richter Ralph de Hengham berichtete, war Clare selbst vom König wegen seines Jähzorns und seiner Heißblütigkeit gefürchtet. Seine Aufsässigkeit führte jedoch dazu, dass Eduard I. ihn schließlich unter demütigenden Umständen unterwarf.
Herkunft, Jugend und Verheiratung
Gilbert de Clare entstammte der anglonormannischen Familie Clare, die zu den führenden Magnatenfamilien Englands gehörte. Er war der älteste Sohn von Richard de Clare, 5. Earl of Gloucester und 5. Earl of Hertford, und von Maud de Lacy, einer Tochter von John de Lacy, 1. Earl of Lincoln. Wo Gilbert aufwuchs und über seine frühe Kindheit ist nichts bekannt. Er hatte zwei jüngere Brüder, Thomas und Bogo, die später von 1257 bis 1259 in Oxford studierten. Sein Vater versuchte, die Stellung der Familie auszubauen, indem er 1252 die Heirat des jungen Gilbert mit Alice de Lusignan, einer Tochter des südwestfranzösischen Grafen Hugo XI. von Lusignan und Yolande, einer Tochter von Peter Mauclerc aushandelte. Alice brachte eine Mitgift von 5000 Mark mit in die Ehe, und König Heinrich III. befürwortete Gilberts Heirat mit der mit ihm verwandten Alice, da er so hoffte, den mächtigen Erben enger an die königliche Familie zu binden. Im Frühjahr 1253 reiste der damals neunjährige Gilbert, begleitet von seinem Vater und von William de Valence, einem Halbbruder des Königs und Verwandten der Braut, ins Poitou, wo die Heirat stattfand.
Rolle im Zweiten Krieg der Barone
Unterstützung der Rebellion gegen den König
Nach dem Tod seines Vaters am 15. Juli 1262 übernahm der König für den minderjährigen Gilbert die Verwaltung des Erbes, das umfangreiche Besitzungen in Südostengland, Gloucestershire, den Welsh Marches und in Irland umfasste. Richard de Clare war ein führendes Mitglied der Adelsopposition gewesen, die seit 1258 mit dem König um die Macht kämpfte. Der neunzehnjährige Gilbert de Clare hatte gehofft, dass er selbst sofort das Erbe antreten durfte, obwohl er offiziell noch minderjährig war. Der König wollte jedoch nicht auf die einträgliche Vergabe der reichen Vormundschaftsverwaltungen verzichten. Obwohl Clare ins französische Boulogne reiste, wo sich der König zu dem Zeitpunkt aufhielt, und obwohl William de Valence sich für ihn einsetzte, gewährte der König Clare zunächst keine Audienz, und als Clare endlich den König um die Übergabe seines Erbes bitten konnte, beharrte der König auf seinen Prinzipien und wies Clare schroff ab. Stattdessen ernannte der König Humphrey de Bohun, 2. Earl of Hereford zum Verwalter der südwalisischen Herrschaften Usk und Glamorgan, der diese wichtigen Besitzungen in den Welsh Marches gegen Angriffe des walisischen Fürsten Llywelyn ap Gruffydd verteidigen sollte. Zusätzlich ordnete der König eine Untersuchung an, da er verdächtigte, dass sich Earl Richard zu Unrecht dem König zustehende Rechte angeeignet hatte. Anfang 1263 beanspruchte der König dann sein Recht als oberster Lehnsherr, Richards Mutter Maud ihr Wittum zuzuweisen. Als Witwe hatte sie Anspruch auf ein Drittel der Güter ihres verstorbenen Mannes. Der König gewährte ihr den Anteil an Gebühren, die ihr Mann als Earl of Hertford in Hertfordshire hatte, dazu Usk Castle und Trellech Castle in Monmouthshire sowie die Honour of Clare mit Clare Castle in Ostengland. Damit nahm er dem jungen Erben zwei strategisch wichtige Burgen in Wales sowie den Familienstammsitz, der zudem Zentrum der englischen Besitzungen der Familie war. Mit dieser Demütigung hatte der König den jungen Gilbert endgültig in die Opposition getrieben, die den Fall von Clare als neues Beispiel der willkürlichen Auslegung des Feudalrechts durch den König betrachtete. Im März 1263 verweigerte Gilbert de Clare in Westminster die Huldigung des Thronfolgers Lord Eduard, und im Mai schloss er sich auf einer Versammlung in Oxford Simon de Montfort, 6. Earl of Leicester an, der nach dem Tod von Richard de Clare unumstrittener Führer der Adelsopposition geworden war. Die Barone zwangen den König wieder zur Anerkennung der Provisions of Oxford, womit sie wieder die Regierung übernahmen. Im Juli und August 1263 konnte Clare nun erreichen, dass ihm gegen Zahlung einer Gebühr von £ 1000 sein Erbe übergeben wurde. Montfort änderte jedoch zu Clares Enttäuschung nicht die Zuteilung des Wittums von Clares Mutter, und im Oktober 1263 wurde Clare vom König nach Windsor Castle eingeladen, womöglich, um ihn zum Seitenwechsel zu bewegen. Ob er dieser Einladung folgte, ist unklar, doch Ende des Jahres unterstützte er weder Montfort noch den König, als diese die Vermittlung des französischen Königs Ludwig IX. in dem Machtkampf suchten. Auch als nach dem Schiedsspruch des französischen Königs, des Mise of Amiens, ein offener Bürgerkrieg drohte, zögerte Clare, sich offen einer Seite anzuschließen. Er schwankte zwischen der Unterstützung für Lord Eduard und für Montfort und verhielt sich abwartend in Tonbridge Castle in Kent. Erst als der König am 5. April 1264 das von Rebellen gehaltene Northampton eroberte, erfolgte unter Clares Führung ein Pogrom an den jüdischen Einwohnern von Canterbury, die unter dem Schutz des Königs standen. Anschließend schloss sich de Clare Montfort an, der Rochester Castle belagerte. Daraufhin besetzte der König Tonbridge Castle, eine Burg von Clare in Kent. Dabei geriet Clares Frau Alice in Gefangenschaft, die jedoch aufgrund ihrer Verwandtschaft mit dem König wieder freigelassen wurde. Clare begleitete nun das Heer der Rebellen und wurde schließlich zusammen mit Montfort zu offenen Feinden des Königs erklärt, worauf er seinerseits seine Lehnstreue aufkündigte. Am 14. Mai 1264 wurde er vor der Schlacht von Lewes zusammen mit seinem Bruder Thomas von Montfort zum Ritter geschlagen. Obwohl er noch militärisch unerfahren war, befehligte er aufgrund seines hohen Ranges in der Schlacht das Zentrum des Rebellenheeres. Angeblich soll sich ihm nach der Schlacht der besiegte König ergeben haben.
Nach diesem Sieg der Rebellen übernahmen diese wieder die Regierung. Die Macht lag nun bei einem dreiköpfigen Ausschuss, der den Staatsrat ernannte. Clare gehörte zusammen mit Montfort und Bischof Stephen Bersted diesem Ausschuss an, und nach Montfort wurde er so zum wichtigsten Mitglied dieser Regierung der Barone. Er nahm mit Montfort an zwei Feldzügen gegen die Marcher Lords teil, um diese endgültig zu unterwerfen. Als Beute übernahm er eine Reihe von Besitzungen von Unterstützern des Königs, darunter am 6. Juni Pembroke Castle von William de Valence, am 20. Juni bis auf Lewes Castle und Reigate die Ländereien von John de Warenne, 6. Earl of Surrey und am 10. Juli die Güter von Peter von Savoyen, einem Onkel der Königin. Dazu wurde er im September 1264 offiziell mit den Ländereien seines Vaters belehnt. Als Rebell und Gegner des Königs wurde er jedoch am 20. Oktober vom päpstlichen Legaten Gui Foucois exkommuniziert, der dazu über seine Ländereien das Interdikt verhängte. Gegen Ende des Jahres kam es jedoch zu zunehmenden Spannungen zwischen Montfort und Clare. Clare beklagte, dass Montfort seine Söhne überreich mit Gütern ausgestattet hätte, dass er ausländische Söldner einsetzte und dass er die Lösegelder, die die bei Lewes gefangenen Anhänger des Königs zahlen mussten, ungerecht aufteilte. Vor allem beklagte er sich zunehmend über den autokratischen Regierungsstil von Montfort und sorgte sich über dessen Zusammenarbeit mit Llywelyn ap Gruffydd. Als Montfort den mächtigen Robert de Ferrers, 6. Earl of Derby festnehmen ließ, fürchtete Clare um seine eigene Sicherheit und flüchtete unter dem Vorwand, dass Llywelyn ap Gruffydd seine Besitzungen plündern würde, in die Welsh Marches. Er weigerte sich, am 20. April 1265 an einem Turnier in Northampton teilzunehmen, worauf Montfort am 12. Mai ihm Zugeständnisse machte und am 20. Mai behauptete, dass es zwischen ihm und Clare keine Spannungen gäbe. Tatsächlich unternahm Clare dagegen einen vergeblichen Versuch, um Montfort und den König in seine Gewalt zu bringen, als diese unterwegs nach Hereford waren. Als Ende Mai Thomas de Clare den Thronfolger Lord Eduard bei dessen Flucht aus dem Gewahrsam der Regierung unterstützte, kam es zum offenen Bruch zwischen Montfort und Clare.