Gideon Ehrlich von Ehrnfeldt (* um 1607 in Reichenberg, Böhmen; † 24. September 1670 auf Schloss Friedland, Böhmen) war 1638 Stadtrichter, 1642 Bürgermeister von Reichenberg, ab 1643 Burggraf der Herrschaft Reichenberg, 1663 Hauptmann der Herrschaften Friedland und Reichenberg. Er wurde am 18. Oktober 1668 unter Verleihung des Prädikates „von Ehrnfeldt“ in den erblichen Adelsstand des Königreiches Böhmen erhoben und dadurch zum Stammvater des Kleinadelsgeschlechtes der Ehrlich von Ehrnfeldt.
Die Familie des Gideon Ehrlich tritt in Reichenberg in Nordböhmen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf und besaß dort Brauhöfe, d. h. Häuser, die das Privileg besaßen, eigenes Bier zu brauen. Sie zählte daher zu den Familien der so genannten „Brauhöfer“, die in Reichenberg eine Art von Patriziat darstellten.
Die Familie stammte jedoch ursprünglich aus der nahe gelegenen Stadt Görlitz in der Markgrafschaft Oberlausitz, wo ihre Mitglieder unter variablen Namensformen Ehrmilrich, Ehrlich oder Ermilreich auftraten. Ihre Geschichte Görlitz war bewegt. Es gab Höhepunkte, wie die Wahl von Familienmitgliedern zum Bürgermeister der Stadt Görlitz: So Hermann Ermerich (Ermilrich) im Jahre 1321, Johann Ermilreich 1376 und Nikolaus Ermilrich, der 1402, 1413 und 1419 Bürgermeister war. Es gab aber ebenso Tiefpunkte, wie die Teilnahme von Magister Nikolaus Ermilreich an der Görlitzer Pulververschwörung von 1467 gegen den autokratischen Stadtrat, die – aufgedeckt – dazu führte, dass die führenden Verschwörer gefoltert und hingerichtet wurden, darunter Mag. Nikolaus Ermilreich, der seinem Stand gemäß am 6. September 1468 vor dem Pranger am Marktplatz zu Görlitz mit dem Schwert enthauptet wurde.
Die Übersiedlung nach Reichenberg erfolgte aus verschiedenen Gründen. Die Familie war frühzeitig, wohl um 1525, als der Pfarrer Rotbart begann, in Görlitz lutherische Messen zu lesen, zum Protestantismus übergetreten und geriet dadurch in Gegensatz zu dem streng katholischen Stadtrat von Görlitz. Hinzu kam, dass es in der Bevölkerung wachsenden Widerstand gegen den Stadtrat gab, der autoritär regierte und jeden Versuch einer breiteren Mitbestimmung zurückwies. Im Jahr 1527 kam es daher zum Aufstand der Tuchmacher, bei sich der nähere Stammvater, Martin Ehrmilrich, als einer der Sprecher der Tuchmacherzunft exponierte. Der Aufstand wurde mit Gewalt niedergeworfen, der Rädelsführer Peter Liebig wurde in Görlitz vor dem Pranger gevierteilt, acht andere wurden hingerichtet. Martin wurde ins Gefängnis geworfen, gefoltert und erst nach längerer Zeit als weniger belastet unter Verlust seiner Besitzungen wieder freigelassen. Die Folge war, dass dessen Familie in Görlitz benachteiligt wurde und unter ständiger Beobachtung des Rates stand.
Es war daher ein Lichtblick, dass die nur etwa 50 km entfernte Herrschaft Friedland-Seidenberg mit der Kleinstadt Reichenberg in Nordböhmen im Jahre 1554 durch den überzeugten Protestanten Friedrich von Redern (* 1564) von Kaiser Ferdinand I. gekauft wurde, an den dieses Lehen nach dem Aussterben der Freiherren von Bieberstein heimgefallen war. Die Freiherren von Redern waren entschlossen, ihre Herrschaften wirtschaftlich voranzubringen, bemühten sich daher um die Ansiedlung tüchtiger Meister. Die Familie Gideons übersiedelte daher von Görlitz nach Reichenberg, schrieb sich dort einheitlich Ehrlich, ließ sich dauerhaft nieder und wurde so zu Mitbegründern der später berühmten Textilmanufaktur in Reichenberg.
Der Vater von Gideon (I.), Elias (I.) Ehrlich, war bereits 1587 Mitglied der Tuchmacherzunft von Reichenberg und war zwischen 1594 und 1623 immer wieder Vorsteher dieser Zunft, Brauhöfer am Altstädter Platz Nr. 13, Ratsherr, 1611 Kirchenvater und 1622 Stadtrichter von Reichenberg. Dr. J. G. Herrmann zählt ihn zu den „Erzvätern der Reichenberger Tuchmacherzunft“, da er nicht nur einer der ersten Meister in Reichenberg war, sondern auch wesentlichen Anteil an der Formulierung des vom Reichsfreiherren Melchior von Redern 1599 der Reichenberger Tuchmacherzunft erteilten Privileges hatte, das die Grundlage aller diesbezüglichen späteren Freibriefe der Zunft war.
Die Mutter Gideons war Hanna Ullrich († v. 1632). Hanna war eine Schwester des David Ullrich († 1654), Brauhöfer, Burggraf von Friedland 1623–1625 und Burggraf der Herrschaft Reichenberg 1631–1637, der 1638 Bürgermeister von Reichenberg wurde.
Ihr Vater war Aaron Ullrich, der schon 1550 Brauhöfer und Ratsbürger, sowie 1579 und 1582 Stadtrichter von Reichenberg war.
Die Familie Gideons ist mit dem Aufstieg der Stadt Reichenberg durch den Onkel von Hanna Ullrich – Joachim Ullrich von Rosenfeld (* 4. Dezember 1525, † v. 1591) verbunden. Dieser war ein Mann von großer Tatkraft, der nach einer guten Ausbildung und ausgedehnten Reisen 1555 Hauptmann der Herrschaft Friedland-Reichenberg wurde, die sich damals im Pfandbesitz des noch unmündigen Markgrafen Georg Friedrich I. von Brandenburg zu Ansbach und Kulmbach (* 1539, † 1603) befand. In dieser Funktion wurde er vom neuen Herrschaftsbesitzer, dem Reichsfreiherren Melchior von Redern im Jahre 1558 bestätigt. Er übte diese Funktion mit großem Erfolg über dreißig Jahre – bis zu seinem Tod, kurz vor 1591- aus. Dank seiner Initiative wurde aus dem früheren Marktflecken eine richtige Stadt, wobei er 1577 erreichte, dass Reichenberg von Kaiser Rudolf II. förmlich zur Stadt erhoben wurde. J. G. Herrmann meint daher, dass er für Reichenberg „ein wahrer Vater wurde“. Für seine Verdienste wurde er 1564 mit dem Prädikat „von Rosenfeld“ in den erblichen böhmischen Adelsstand erhoben.
Gideon Ehrlich wurde um 1607 in Reichenberg
als ältester Sohn seiner Eltern, des Ratsherren Elias Ehrlich und der Hanna Ulrich geboren.
Spannung zwischen Katholizismus und Reformation
Von Gideons Geschwistern wäre Elias (II.) Ehrlich zu erwähnen. Er war Tuchmacher, Brauhöfer und von 1660 bis 1670 Stadtrichter von Reichenberg. Durch seine Ehe mit Katharina Ullmann zeigt sich die religiöse Spannung, die damals manche Familien zerriss: Sein Schwiegervater, Jonas Ullmann, Bräuhöfer, Ratsherr, Stadtrichter 1614 und 1615 sowie herrschaftlicher Rentmeister zählte zu den reichsten und angesehensten Bürgern der Stadt, der seine andere Tochter Anna Rosina Ullmann 1628 mit dem Reichenberger Stadthauptmann Joachim Jung von Jungenfels vermählte. Er zählte aber auch zu den radikalen Anhängern der Reformation und hatte entscheidenden Anteil an der im November 1631 erfolgten Ermordung des katholischen Pfarrers von Reichenberg, Andreas Strommäus.
Der Sohn von Elias II. Ehrlich, Magister Jonas Aloys Ehrlich, war hingegen der erste Reichenberger, der nach der Reformation zum katholischen Priester geweiht wurde. Im Jahre 1673 wurde er zum ersten Pfarrer von Neudorf ernannt, wo er die Seelsorge einrichtete und zwölf Jahre blieb. Im Jahre 1686 wurde er Propst des Stiftskapitels zu Raudnitz und starb dort vor dem 15. April 1688.
Ende der Herrschaft der von Redern
Die Herrschaft der Freiherren von Redern, die seit 1558 mit Hilfe von Gideons Großonkel, dem Herrschaftshauptmann Joachim Ullrich von Rosenfeld, die Entwicklung der Stadt Reichenberg vorangetrieben hatten, kam in den Jugendjahren Gideons zu Ende. Der schwelende Konflikt zwischen Protestanten und Anhängern der katholischen Kirche in Böhmen entlud sich am 8. November 1620 in der Schlacht am Weißen Berg, an der der Besitzer der Herrschaften Friedland und Reichenberg, der Reichsfreiherr Christoph von Redern (* 1591, † 1641/42) auf der Seite der Protestanten teilnahm. Nach der Niederlage des „Winterkönigs“ Friedrich I. (V. von der Pfalz) von Böhmen (1619–1620) verlor Christoph von Redern seine Herrschaften und floh als Exulant außer Landes.
Unter der Herrschaft Wallensteins
Die Herrschaften Friedland, Seidenberg und Reichenberg wurden 1621 an den kaiserlichen Generalissimus Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, besser bekannt als „Wallenstein“ (* 1583, † 1634) verkauft. Sie wurden zum Kern des Herzogtums Friedland, indem sie mit den von Wallenstein erworbenen Ländereien zusammengelegt und das Ganze am 4. Jänner 1624 von Kaiser Ferdinand II. zum Fürstentum, 1625 zum Herzogtum Friedland mit der Hauptstadt Gitschin (heute Jičín in der Region Königgrätz, tschechisch: Královéhradecký kraj) erhoben wurde. Wallenstein stieg dadurch zum Herzog von Friedland auf.