Giacomo Antonio Perti (* 6. Juni 1661 in Crevalcore; † 10. April 1756 in Bologna) war ein italienischer Kirchenmusiker und Komponist.
Perti studierte bei seinem Onkel Lorenzo Perti und Rocco Laurenti, später auch bei Petronio Franceschini und hielt sich danach in Venedig, Rom und Parma auf. Im Jahre 1690 wurde er als Nachfolger seines Onkels Kapellmeister an San Pietro und 1696 für 60 Jahre Kapellmeister an der Basilika San Petronio in Bologna. Daneben leitete er lange Zeit die Accademia Filarmonica. Mit dem Bologneser Stadtsekretär und späteren kurpfälzischen Hofkammerrat Giorgio Maria Rapparini, der auch ein Opernlibretto für ihn verfasst hatte, war er befreundet.
Zu seinen Schülern zählten Giuseppe Torelli, Giovanni Battista Martini (Padre Martini) und Pirro Albergati. Laut Padre Martini erhielt er 1697 ein Angebot, als Nachfolger von Antonio Draghi die Stelle des Hofkapellmeisters in Wien zu übernehmen, welches er ausschlug.
Bolognas Bedeutung als kirchenmusikalisches Zentrum im Hoch- und Spätbarock wurde wesentlich von Perti mitgetragen, der ganze 60 Jahre Kapellmeister an S. Petronio war, wo er über ein außergewöhnlich großes Aufgebot an Sängern und Instrumentalisten verfügen konnte. Pertis Messkompositionen sind auf Kyrie und Gloria beschränkt, außerdem gibt es einzelne Credo-Vertonungen. Typisch ist die Mischung von Stile antico und moderno, sowie der Einsatz von Instrumenten.
Perti repräsentiert das Bologneser Oratorium mit 15 zwischen 1679 und 1723 entstandenen Werken wie dem einteiligen Oratorio della Passione (1685), das bereits kurze Da-capo-Arien enthält. Pertis Oratorien trugen auch zur Bedeutung von Modena als „Heimstatt der Oratorienpflege“ bei.
Verglichen mit seinen Bologneser Kollegen Maurizio Cazzati und Giovanni Paolo Colonna ist der Anteil an Opern an Pertis Werk besonders groß. Wie seine Oratorien und Kammerkanaten sind sie durch melodischen Erfindungsreichtum, Formenvielfalt und die Verwendung konzertierender Soloinstrumente mit unabhängigem melodischem Material gekennzeichnet.
Perti komponierte Messen, Oratorien, Passionen, Psalmen, Hymnen und Kantaten, daneben auch Serenaden und mehrere Opern.
Atide, 1679 (erster und zweiter Akt stammen von Giuseppe Felice Tosi und Pietro degli Antonii; Libretto: Tommaso Stanzani)
Due Gigli porporati nel Martirio di santa Serafia e santa Sabina, 1679 (Libretto: Lotto Lotti)
Marzio Coriolano, Venedig 1683 (Libretto: Francesco Silvani)
Oreste in Argo, Modena 1685 (Libretto: Giacomo Antonio Bergamori)
L’Incoronazione di Dario, Bologna 1686 (Libretto: Adriano Morselli)
La Flavia, Bologna 1686 (Libretto: Giorgio Maria Rapparini)
La Rosaura, Venedig 1689 (Libretto: Antonio Arcoleo)
Dionisio Siracusano, Parma 1689 (Libretto: Matteo Noris)
Brenno in Efeso, Venedig 1690 (Libretto: Antonio Arcoleo)
L’Inganno scoperto per Vendetta, Venedig 1691 (Libretto: Francesco Silvani)
Il Pompeo, Genua 1691 (Libretto: Nicolò Minato)