An diesem Tag

Gewandhaus (Leipzig)

Konzertgebäude in Leipzig

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Das Gewandhaus zu Leipzig ist ein 1981 eingeweihtes Konzertgebäude am Augustusplatz in der Innenstadt von Leipzig. Zuvor gab es bereits zwei ebenfalls Gewandhaus genannte Vorgängerbauten an anderen Stellen, die als Heimstätten des Gewandhausorchesters dienten, nämlich das erste Gewandhaus von 1781 in der Altstadt und das zweite Gewandhaus von 1884 im Musikviertel.

Darüber hinaus ist das Gewandhaus zu Leipzig einer der kulturellen Eigenbetriebe der Stadt Leipzig, zu dem neben dem Konzerthaus und Orchester auch der Gewandhausorganist, der GewandhausChor sowie der GewandhausKinderchor gehören. Außerdem existieren verschiedene Kammermusikensembles wie beispielsweise das Gewandhaus-Quartett, das Gewandhaus-Bläserquintett und Gewandhaus Brass Quintett. Seit 1998 steht das Gewandhaus unter der Intendanz von Gewandhausdirektor Andreas Schulz.

Das heutige Neue Gewandhaus und seine Vorgängerbauten sowie musikgeschichtlich bedeutsame Objekte im Zentrum und anderen Stadtteilen sind Stationen von Spazierwegen der Notenspur und des Notenbogens durch die Musikstadt Leipzig. Startpunkt (Station 1) des ersten Rundgangs ist am Gewandhaus.

1743 fanden sich in Leipzig 16 Adlige, Bürger und Kaufleute zusammen, um den Konzertverein Großes Concert zu gründen. Er bestand zunächst aus 16 Musikern. Das erste Konzert fand am 11. März 1743 statt. Im Gegensatz zu den damals üblichen „Collegia musica“, studentischen Musiziergemeinschaften, finanzierte dieses Orchester sich durch hohe Jahresbeiträge seiner Mitglieder und wurde von einigen weiteren, nicht musizierenden Personen, der späteren Gewandhausdirektion, zunächst ehrenamtlich verwaltet. Zunächst fanden die Konzerte in Häusern von Bürgern statt. Aufgrund des regen Publikumsinteresses mieteten die Musiker alsbald einen Saal im Gasthaus „Drey Schwanen“ am Brühl, in welchem die Konzerte ab 1744 erklangen. Den Saal des Gasthofs ließ der Leipziger Rauchwarenhändler und Kunstmäzen Gottlieb Benedict Zemisch (1716–1789) auf eigene Kosten zum Konzertsaal umbauen, der für 30 Jahre zur Heimstatt der Konzerte wurde. Zemisch hatte deren Direktion bis 1775 inne.

Das zweiflügelige erste Gewandhaus mit L-förmigem Grundriss wurde 1498 in der Leipziger Altstadt in der von Gewandgäßchen und Universitätsstraße gebildeten Ecke als Zeughaus errichtet. Der Zeughausflügel entlang der Universitätsstraße erstreckte sich bis zur Ecke an der Kupfergasse, wo die südliche Giebelseite dieses Gebäudeteils lag. Im Erdgeschoss des Zeughausflügels lagerten die Waffen der Stadt bis zum Jahr 1828. Im ersten Stock residierten die Tuchhändler; von 1681 bis 1755 war hierin die (ab 1711 öffentlich zugängliche) Ratsbibliothek untergebracht. Der zweite und dritte Stock beherbergten eine Tuchmarkthalle. Infolge der Nutzung des Zeughausflügels als Messehaus (Warenhaus) der Tuch- und Wollwarenhändler wurde das ganze Gebäude bald Gewandhaus genannt. 1780–1781 wurde ein Konzertsaal nach einem Plan von Johann Carl Friedrich Dauthe (1746–1816) im Auftrag der Stadt in diese sich über zwei Etagen erstreckende Halle eingebaut.

Auf der Südseite des 11,4 m × 23,3 m großen Konzertsaales mit rechteckigem Querschnitt und gerundeten Stirnwänden befand sich das etwa 63 m² große Orchesterpodium. Das Publikum saß auf längs zum Podium ausgerichteten, gegenüberliegenden Sitzreihen, an der Saalrückseite waren die Reihen quer ausgerichtet. Zusammen mit Stehplätzen sowie der im dritten Stock liegenden Galerieebene bot der Saal bis zu 500 Zuhörern Platz. Hinter dem Orchesterpodium gab es eine Tür, durch die der Durchgang zum in der Gebäudeecke Universitätsstraße/Kupfergasse untergebrachten Ballsaal möglich war. Durch die Einbettung des Konzertsaales in die hinsichtlich Kubatur größere Tuchhalle entstand ein Resonanzraum um den Saal herum. Dazu sorgten die beinahe ausschließliche Verwendung von Holz und die Konstruktion auf Holzstützen über dem ehemaligen Tuchboden für eine sehr gute Akustik mit relativ kurzer Nachhallzeit.

In diesem, vom Orchester angemieteten Konzertsaal erklang erstmals am 25. November 1781 ein Konzert des auf das Jahr 1743 zurückgehenden, inzwischen auf 32 Mitglieder angewachsenen Orchesters Das neue Konzert. Die Musikdarbietungen hießen nun „Concerte im Saale des Gewandhauses“; das Orchester nannte sich aufgrund des Umzugs in den neuen Saal im Messehaus der Tuchwarenhändler nun „Gewandhausorchester“.

Das Deckengemälde stammte von Adam Friedrich Oeser (1717–1799), es fiel 1833 Renovierungsarbeiten zum Opfer. Da diese Renovierung in der Öffentlichkeit zum Skandal führte – unter anderem wurde der Konzertsaal als „Teufelsküche“ bewertet – erhielt 1834 der Dresdner Maler und Architekt Woldemar Hermann (1807–1878) den Auftrag zur Neudekoration des Konzertsaals. 1842 wurde der Konzertsaal nach Plänen des Leipziger Stadtbaudirektors Albert Geutebrück (1801–1868) erneut renoviert und umgebaut. Nach diesem Umbau konnte der Saal 1000 Personen aufnehmen. Weitere Arbeiten am Saal erfolgten 1872.

Die Stirnseite des Saales schmückte ein abgewandeltes Zitat Senecas, das zum Leitspruch des Orchesters werden sollte: Res severa (est) verum gaudium (bei Seneca verum gaudium res severa est – „Wahre Freude ist eine ernste Sache“).

Der Bibliotheksflügel befand sich auf der Südseite des Gewandgäßchens und erstreckte sich über dessen gesamter Länge von knapp 77 Metern zwischen Neumarkt und Universitätsstraße. Dieser Gebäudeflügel beherbergte die Leipziger Kupferwaage, wurde ab 1740 großzügig umgebaut und nahm ab 1755 die zuvor im Zeughausflügel untergebrachte Ratsbibliothek auf.

Das ursprüngliche Gewandhaus erlebte zahlreiche Uraufführungen bedeutender Werke der klassischen Musik, die heute zum Standardrepertoire des weltweiten Konzertbetriebs gehören. Einer der bedeutenden Kapellmeister des Gewandhausorchesters war Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847). Dieser gründete 1843 auch das Conservatorium der Musik, das sich im Hof des Gewandhauskomplexes befand. Das architektonisch schmucklose Haus war die erste höhere Bildungsanstalt für Musiker in Deutschland und bedeutsam für die Musikgeschichte. Der ehemalige Standort des Conservatorium der Musik bildet Station 20 an der Leipziger Notenspur. Nur wenige Schritte davon entfernt am Neumarkt, Ecke Preußergäßchen stand bis 1943 das Geburtshaus Hohe Lilie von Clara Wieck (1819–1896), die 1828 ihren ersten öffentlichen Auftritt im Gewandhaus hatte. An der Stelle des zerstörten Hauses befindet sich Station 19 der Leipziger Notenspur.

Nach 1884 wurde das Haus Altes Gewandhaus genannt und bis 1886 noch gelegentlich für Konzerte verwendet. Das Gebäude wurde 1893–1896 teilweise abgebrochen, umgebaut und in den Gebäudekomplex Städtisches Kaufhaus einbezogen, wo heute noch eine Gedenkplakette im zweiten Obergeschoss des historischen Treppenhauses an den früheren Eingang zum Gewandhauskonzertsaal erinnert. An der Universitätsstraße befindet sich am Städtischen Kaufhaus eine weitere Gedenktafel. Das erste Gewandhaus ist Station 21 der Leipziger Notenspur.

Nachdem das Alte Gewandhaus trotz mehrerer Umbauten, welche zudem die Akustik verschlechterten, den steigenden Anforderungen an die Platzkapazität nicht länger genügte, entwickelte die Gewandhausdirektion ab 1860 Pläne zur Errichtung eines neuen Konzerthauses. Sie wollte diesen neuen Konzertsaal mitten im Stadtzentrum bauen, doch die Stadtverwaltung spekulierte darauf, dass die Errichtung eines Konzerthauses am Innenstadtrand die Entstehung des sich daran anschließenden Musikviertels beflügeln werde. Für den Bau wurden damals Stiftungsanteile über 500 Mark ausgegeben. Der Stifter erhielt bis zur Eröffnung des Gewandhauses 4 % Verzinsung, danach für unbeschränkte Dauer das Anrecht auf das Abonnement eines Sperrsitzes.

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde am 11. Dezember 1884 in der Grassistraße 5 im Musikviertel südwestlich der Altstadt ein Neues Concerthaus eröffnet, das bezugnehmend auf das ursprüngliche Gewandhaus auch häufig als Neues Gewandhaus bezeichnet wurde. Das außen (ohne Freitreppen) 33,3 m breite und 86,8 m lange Gebäude wurde nach Plänen von Martin Gropius (1824–1880) unter Federführung von Heino Schmieden (1835–1913) erbaut; der Bau wurde durch einen Kredit aus dem Nachlass von Franz Dominic Grassi (1801–1880) finanziert. Es enthielt einen etwa 18,9 m × 38 m messenden, großen Saal mit 1700 Plätzen und einen Kammermusiksaal mit 650 Plätzen. Der Leitspruch des Orchesters fand am Giebel des Eingangsportales Platz. Den bauplastischen Schmuck schuf der Berliner Bildhauer Otto Lessing (1846–1912).

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