Die Geschichte der Stadt Münster in Westfalen ist seit Gründung der Stadt vor etwa 1200 Jahren dokumentiert und lässt sich darüber hinaus bis zu den Siedlungsplätzen, die in vorgeschichtlicher Zeit auf dem Stadtgebiet existierten, zurückverfolgen. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, während der Herrschaft der Täufer, wurde das gesamte Archiv der Stadt vernichtet, so dass die älteren geschichtlichen Daten teilweise nicht bestimmbar oder nur über Urkunden und Dokumente, die nicht innerhalb der Stadt archiviert waren, erschließbar sind.
Das münstersche Stadtgebiet gehörte nicht zu den herausragenden vorgeschichtlichen Siedlungsplätzen der Münsterländischen Bucht. Spuren der Jäger und Sammler der Steinzeit wie Feuersteinwerkzeuge und gestielte Pfeilspitzen sind zwar vorhanden, größere Fundplätze wurden jedoch nicht entdeckt. Aus der Bronzezeit wurden Flintdolche, bronzener Gräberschmuck und Bronzefibeln auf dem heutigen Stadtgebiet gefunden. Siedlungskontinuität in der Bronzezeit bis in die vorrömische Eisenzeit lässt sich hier nachweisen, nicht jedoch im Innenstadtbereich. Auf intensives Schmiedehandwerk weist ein Depotfund schwertförmiger Eisenbarren im Stadtteil Geist hin. Er stammt aus der Hallstatt- oder Latènezeit.
Römerzeit und altsächsische Siedlung Mimigernaford
Auf dem Horsteberg, dem Hügel an der Aa, auf dem später der Dom errichtet wurde, sind germanische Siedlungsspuren aus der frühen römischen Kaiserzeit wie auch aus dem 2. und 3. Jahrhundert entdeckt worden. Importe belegen enge Kontakte mit den linksrheinischen römischen Provinzen. Die Siedlungen wurden jedoch spätestens um 300 n. Chr. verlassen.
Die Archäologen schreiben diese Spuren der Rhein-Weser-germanischen Fundgruppe zu. Nach den Berichten antiker Historiker wie Tacitus und Strabon müsste es sich bei den frühen Bewohnern um Brukterer gehandelt haben. Brukterer gehörten wohl auch zu den germanischen Verbänden, die sich erfolgreich gegen die römische Expansion gewehrt haben. Einer der im Jahre 9 n. Chr. in der Varusschlacht erbeuteten Legionsadler wurde jedenfalls 15 n. Chr. beim Rachefeldzug des Germanicus gegen die Brukterer zurückerobert.
Die jüngere Siedlung wird aber nicht den Brukterern zuzuordnen sein, da diese – wie Tacitus schadenfroh berichtet – bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit germanischen Nachbarstämmen vernichtend geschlagen und fast ausgerottet wurden. Vermutlich besiedelten die siegreichen Chamaven den Hügel an der Aa, die sich mit den Resten der Brukterer und weiteren westgermanischen Völkern im 3. Jahrhundert zum Stammesverband der Franken zusammenschlossen.
Schätzungsweise seit dem 6. Jahrhundert lag im Bereich des Domplatzes die kleine sächsische Siedlung Mimigernaford. Die Sachsen, ursprünglich beheimatet im Raum Holstein, breiteten sich im 3. und 4. Jahrhundert über das Elbe-Weser-Dreieck in Richtung England und nach Süden aus. Die Herkunft des Stammesnamens westfalai, wie die westlichen Sachsen in den fränkischen Annalen bezeichnet werden und sie sich auch wohl selbst bezeichnet haben, ist nicht genau geklärt. Eine Deutung verbindet den Wortstamm fal mit fahl, flachsfarben und bezieht ihn auf die Haarfarbe. Für den Namen der Siedlung Mimigernaford gibt es auch verschiedene Deutungen. Nach neueren Untersuchungen ist die Siedlung an der Furt über die Aa nach den Mimigernen benannt, den Sippenangehörigen eines Stammvaters namens Mimigern. Der Name wurde bis ins 10. Jahrhundert benutzt, allerdings häufig in der abgewandelten Form Mimigardeford. In einigen Karten wurde auch die Schreibweise Mimigerneford benutzt.
Mittelalter – Vom Domkloster zur Hansestadt
Begründung der Klostersiedlung durch Liudger
Das Jahr 793 gilt als offizielles Gründungsjahr Münsters: Im Auftrag Karls des Großen gründete der Friese Liudger auf dem Horsteberg in der kleinen Bauernsiedlung Mimigernaford oder in ihrem unmittelbaren Umfeld ein Kloster (monasterium). Am 30. März 805 wurde in Münster ein Bistum eingerichtet und Liudger vom Kölner Erzbischof Hildebold als erster Bischof von Münster beziehungsweise Mimigernaford, wie es immer noch hieß, berufen. Zudem erhielt die Siedlung den Stand einer civitas (Stadt), da ein Bischof nur in einer Stadt residieren durfte, und die Bauarbeiten zum Bau des münsterschen Doms auf Landbesitz des Adelsgeschlechts Münster (westfälisches Adelsgeschlecht) wurden aufgenommen. Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte jedoch erst einige Jahrhunderte später. Schätzungsweise um das Jahr 900 herum entstand um die inzwischen deutlich angewachsene Stadt ohne eigentliche Stadtrechte eine Wallanlage um den Dom herum. Innerhalb dieser Domburg begann die Ansiedlung der Ministerialen und Handwerker. Durch den anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung kam es zu ersten Bildungen von Marktsiedlungen vor den Toren der Domburg wie dem Roggenmarkt oder dem Alten Fischmarkt. Neben der Landwirtschaft wandelte sich die Stadt zu einem wichtigen Handelspunkt.
Ummauerung der Stadt und des Dombezirks
Aufgrund der immer größer werdenden Gemeinde wurde um 1040 westlich der Domburg die Überwasserkirche gegründet. Ebenfalls zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde der erste Kirchenbau der Lambertikirche als erste Marktkirche der Stadt gegründet, die von den Kaufleuten gestiftet wurde. Im Jahr 1068 erscheint dann erstmals mit „Monasterium“ ein neuer Name für die Stadt.
Im 11. Jahrhundert entstand das Magdalenenhospital in Münster. Dieses älteste Hospital Münsters, ursprünglich eine von einer bis 1309 nachweisbaren Bruderschaft betriebenen Einrichtung unter der Schirmherrschaft des Bischofs, wurde erstmals 1176 mit dem Bau einer Kapelle urkundlich erwähnt. Bezüglich seiner Lage auf einer Insel zwischen zwei Brücken wurde es lateinisch Hospitale Pauperum sanctae Mariae Magdalenae intra pontes lapideos oder deutsch „Hospital tusschen den steinernen brüggen“ genannt. Von 1241 bis zur Wende zum 14. Jahrhundert wurde das Magdalenenhospital von der städtischen Obrigkeit übernommen und diente bis ins 17. Jahrhundert als Altersheim und der Armenfürsorge. Ende des 16. Jahrhunderts gehörten dem Hospital 18 Höfe (meist klein- bis mittelbäuerliche Betrieb) sowie über den Getreide- und blutigen Zehnten etlicher Höfe in der Umgebung Münsters.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt hielt an bis zur Vertreibung des Bischofs aus der Stadt durch die Bürger, die sich nach dem Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst um das Recht der Bischofseinsetzung entzweiten. Als Folge wurde die Stadt durch Lothar von Süpplingenburg belagert und brannte am 2. Februar 1121 komplett nieder. Nach dem Wiederaufbau und der Erweiterung der bislang existierenden Märkte, zum Beispiel durch den Prinzipalmarkt, erhielt Münster – oder „Munstre“, wie es zu jener Zeit auch umgangssprachlich genannt wurde – um 1170 das Stadtrecht und am 4. Mai 1173 mit Bischof Hermann II. von Katzenelnbogen den ersten fürstbischöflichen Landesherren, nachdem an diesem Tag Kaiser Friedrich I. die Erwerbung der Vogteigewalt über das Stift Münster von Simon I. von Tecklenburg durch seinen Vorgänger Ludwig I. von Wippra genehmigte. Als 1197 die Stadt durch einen weiteren großen Stadtbrand komplett niederbrannte, wurde es den Handwerkern und Händlern verboten, sich wieder innerhalb der Domburg anzusiedeln. Sie siedelten sich daher auf den östlich gelegenen Märkten an und legten damit den Grundstein für den Aufstieg Münsters, wie der Name der Stadt aus Quellen des Jahres 1206 erstmals belegt wird, zu einem wichtigen Handelsplatz in Westfalen. Zeitgleich mit dem Wiederaufbau der Stadt wurde auch der Bau einer äußeren Stadtmauer um die Marktsiedlungen beschlossen, um auch die Händler vor möglichen Angreifern verteidigen zu können. Sie wurde 1278 fertiggestellt.
Diese Stadtmauer war acht bis zehn Meter hoch, über 4 km lang und mit einem vorgelagerten Graben versehen. Zur Sicherung der Mauer und der zehn Stadttore existierten in deren Verlauf sechs Türme. Im 14. Jahrhundert wurde sie durch einen Außenwall und zweiten Graben zusätzlich verstärkt. Der Verlauf der Stadtmauer ist in etwa durch die Promenade gekennzeichnet. Mit 104 ha war Münster zu dieser Zeit die flächenmäßig größte Stadt Westfalens, gefolgt von den damals bedeutendsten Städten Soest (102 ha), Dortmund (81 ha), Paderborn (66 ha), Herford (58 ha) und Minden (50 ha). Osnabrück reichte erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit der Neustadtgründung in der Größenordnung von 102 ha an Münster heran. Gemeinsam mit den genannten Städten gehörte Münster jedenfalls zu den wichtigsten Städten der Hanse in Westfalen.