Die Geschichte Venezuelas umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Venezuelas von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.
Archäologische Spuren der ersten Besiedlung
In Venezuela lebten in vorkolumbianischer Zeit indigene Gruppen als Bauern, Fischer sowie nomadisierende Jäger und Sammler. Sie siedelten hauptsächlich in El Tocuyo (Nordwesten), in den Anden und an der Küste. Die Archäologen M. Cruxent und Irving Rouse fanden in El Jobo mehrere paläoindianische Fundstellen mit blattförmigen Speerspitzen
Diese Waffen sollen entsprechend einer Radiokohlenstoffdatierung aus der Zeit zwischen 13000 bis 7000 v. Chr. stammen.
Taima-Taima und Muaco sind weitere Fundorte aus paläoindianischer Zeit. Diese Gruppen lebten zu einer Zeit, als Arten der Megafauna wie Megatherien, Glyptodonten und Todoxonen vorherrschten.
Am unteren Orinoco entstand die Saladoidkultur, die bis in das 6. Jahrhundert einen Großteil der karibischen Inselwelt umfasste.
Indigene Völker am Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts
Im Zentrum und Osten des heutigen Venezuelas lebten u. a. Ethnien der Carib-Sprachgruppe: Meregotos und Caracas vom Araguatal bis zum Tuytal, Palenques und Cumanagotos östlich davon bis zum Neverifluss und Chaimas und Parias auf den Halbinseln von Araya und Paria und südlich davon. Die Waikerí lebten auf der Insel Margarita, auf Coche und auch auf dem Festland. Die Waraos lebten im Orinocodelta. Im Westen Venezuelas lebten vorwiegend Arawakos. Im Gebiet der gegenwärtigen Bundesstaaten Falcón, Yaracuy und Lara waren unter anderen die Arawakoethnie der Caquetíos, sowie die Jirajas und Guayones, ansässig.
Entdeckung durch Europäer, erste Kontakte und Conquista
Christoph Kolumbus erreichte auf seiner dritten Reise 1498 die östliche Küste Venezuelas. Am 24. August 1499 folgte eine Expedition von Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci, die dem Land wegen der häufigen Verwendung von Pfahlbauten angeblich den Namen Venezuela (Klein-Venedig) gaben. Diese Theorie stammt aus Vespuccis Reisebericht Cuatro Navegaciones („Vier Schiffsreisen“) und ist auch allgemein bekannt, jedoch historisch nicht belegt. Martín Fernández de Enciso, der ebenfalls an der Expedition teilnahm, beschrieb in seinem Buch Summa de Geografia von 1518 eine andere Theorie: „An einer Landzunge des Coquibacos-Golfes befindet sich ein sandbankähnlicher, großer Felsen, auf dem ein Zaparas-Dorf namens Veneciuela steht.“
In den ersten Jahrzehnten wurde die Region zwischen der Insel Margarita und dem Festland eine der Hauptquellen für die Gewinnung von Perlen. Viele indigene Männer wurden als Sklaven zum Perlentauchen gezwungen. Dazu schreibt Alexander von Humboldt:
Die Franziskaner sandten eine Mission, die sich im zweiten Jahrzehnt des sechzehnten Jahrhunderts an der Küste um Cumana ansiedelte, um dort zu predigen. Europäische Sklavenhändler versuchten gleichzeitig, Uramerikaner auf ihre Plantagen auf Hispaniola oder Kuba zu entführen. Um das Jahr 1519 hatten die Mönche wei Kirchen in der Cumana-Region erbaut. Bartolomé de las Casas kam im Jahre 1521 in Cumaná an. Kurz vor seiner Ankunft hatten die Übergriffe der Conquistadores dazu geführt, dass die indigenen Bewohner der Gegend alle Europäer, einschließlich der Mönche, angriffen.
Die erste feste Siedlung der Spanier mit dem Namen Nueva Cádiz wurde 1522 gegründet.
Im Jahr 1527 sandte der Gouverneur von Santo Domingo Juan Martín de Ampués nach Venezuela, um dem Sklavenhandel an der Küste ein Ende zu machen. Juan Martín und 60 Spanier kamen in Coriana an, eine Region, wo die Caquetíos wohnten. Der Cacique Manaure empfing ihn mit 100 Vertretern der lokalen Ureinwohner. Sie waren mit Federkronen, Perlenarmbändern und goldenen Ohrringen geschmückt. Juan Martín schloss ein Abkommen mit Vertretern der indigenen Bevölkerung und gründete die Stadt Coro.
Kolonisationsversuch durch die Welser
1528 hatte der in Geldnöten befindliche Kaiser Karl V. dem Augsburger Handelshaus der Welser gegen Bargeld das Recht auf Kolonisation in Südamerika zugebilligt. Im selben Jahr schickte Bartholomäus Welser eine Expedition nach Venezuela, die die Reichtümer des Landes erkunden sollte. Fast 20 Jahre lang wurden im Landesinneren entlang der Küste Naturschätze abgebaut und nach Europa verfrachtet.
Der Ulmer Ambrosius Ehinger wurde erster Gouverneur der Provinz von Venezuela. Er kam in Coro 1529 an und marschierte von dort nach Westen. Bei einem Streifzug bei der Verbindung zwischen dem Maracaibosee und der Karibik griff er den Stamm der Region an und gründete Maracaibo am 8. September 1529. Von da kehrte Ehinger an Malaria erkrankt nach Coro zurück. Dort ließ er am 30. Juli 1530 Nikolaus Federmann als Vertreter und reiste nach Santo Domingo, um sich zu erholen.
Im September 1530 beschloss Federmann, ohne Erlaubnis Coro zu verlassen und die Region zu erforschen. Mit ihm gingen 110 Fußsoldaten, 16 Reiter und etwa 100 Indigene. Sie überquerten die venezolanischen Llanos auf der Suche nach dem „Südsee“. Im Februar 1531 mussten sie nach Coro zurückkehren. Die Truppe war krank und müde wegen der vielen Schlachten gegen die Einwohner. Diese Einwohner, die die Welser zunächst freundlich empfangen hatten, flohen nun aus ihren Dörfern und zerstörten ihre Vorräte, damit die Europäer sie nicht nutzen konnten.