Die Geschichte Mexikos umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Mexikanischen Staaten seit der ersten menschliche Besiedlung in der Zeit nach dem Höhepunkt der letzten Eiszeit. Erst mit dem Anbau von Mais begann ein Prozess, ähnlich der neolithischen Revolution, in deren Verlauf die Kulturen der Jäger, Sammler und Fischer weitgehend verschwanden und an ihre Stelle produzierende Gesellschaften traten. Als erste Hochkultur auf mexikanischem Gebiet gilt die der Olmeken zu Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends. Weitere mesoamerikanische Hochkulturen vor dem ersten Kontakt mit Europäern waren die Maya auf Yucatán sowie ab etwa dem 14. Jahrhundert n. Chr. die Azteken.
Das zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Zentralmexiko dominierende Aztekenreich wurde ab 1519 von den spanischen Neuankömmlingen um Hernán Cortés zerstört, die Mexiko als Herzstück des Vizekönigreichs Neuspanien für die spanische Krone in Besitz nahmen. Die indigene Bevölkerung wurde durch koloniale Gewalt und eingeschleppte Krankheiten dezimiert, während das Vizekönigreich Neuspanien für das Mutterland zu einem wichtigen Silberproduzenten wurde, dessen ökonomische Verselbstständigung von Madrid unterbunden wurde. Die Kolonialstrukturen blieben bis zu den napoleonischen Kriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestehen.
In den 1810er Jahren wurde das Vizekönigreich vom Unabhängigkeitskrieg erfasst, der im Jahr 1821 zur Gründung des kurzlebigen Ersten Mexikanischen Kaiserreichs führte. Das Kaisertum wurde bereits 1824 durch eine Republik ersetzt, in der sich heftige Konflikte zwischen Liberalen und Konservativen sowie wiederholte autoritäre Machtergreifungen durch Männer wie Antonio López de Santa Anna oder Benito Juárez ereigneten – mit Letzterem wurde erstmals ein Indigener Präsident der Republik. Im Zuge der französischen Intervention der 1860er-Jahre versuchte Paris, ein Zweites Kaiserreich zu etablieren, welches jedoch ähnlich kurzlebig war wie das erste. Die wiedererrichtete Republik fiel schon bald unter den langjährigen Autoritarismus von Porfirio Díaz, der von 1877 bis 1911 im sogenannten Porfiriat der Machthaber war.
Die Mexikanische Revolution löste das Porfiriat schließlich ab, jedoch wurde die Republik nach zwei Jahrzehnten der Instabilität sogleich in einen weiteren Autoritarismus überführt, da die Partido Revolucionario Institucional (PRI) zwischen 1929 und 2000 eine Parteiendiktatur etablierte. Die Partei konnte zwischen den 1940er und den 1970er Jahren viele wirtschaftliche Erfolge erzielen, die als Mexikanisches Wunder bekannt sind. Das PRI-System geriet ab den 1970er-Jahren unter zunehmenden inneren Liberalisierungsdruck, der ab den späten 1980er Jahren erste politische Erfolge für die Opposition erlaubte. Bei der Präsidentschaftswahl von 2000 wurde Vicente Fox gewählt, dessen Wahlsieg als Wiedergeburt der mexikanischen Demokratie gesehen wird.
Wiederkehrende Muster der Geschichte des unabhängigen Landes sind die Rivalität zwischen Liberalen und Konservativen, der Wechsel zwischen Demokratie und Autokratie, politische Gewalt (insbesondere politische Morde), der Kampf gegen die politische Korruption, eine Tradition von Bürgerkriegen und Putschen, der Einfluss regionalistischer und separatistischer Aufstandsbewegungen verschiedener politischer Richtungen, auch indigener, die Streitfrage um die Trennung von Kirche und Staat sowie um den politischen und gesellschaftlichen Einfluss der weit verbreiteten römisch-katholischen Kirche, das organisierte Verbrechen (seit dem 20. Jahrhundert insbesondere die Drogenkartelle) und nicht zuletzt die Wirtschafts- und Machtbeziehungen zum nördlichen Nachbarn, den Vereinigten Staaten.
Voreuropäische Geschichte (bis ins 16. Jahrhundert)
Die Schwerpunkte der Geschichte Mexikos, vor allem die Einbeziehung der Geschichte vor der Ankunft der Europäer, findet ihre Begründung nicht nur in der Verantwortung des heutigen Staates und seiner Institutionen für diesen überlangen historischen Abschnitt und seine Artefakte, wie sie jedem Staat obliegt, sondern auch in der Tatsache, dass die indigene Bevölkerung auf 30 % der über 100 Millionen Mexikaner geschätzt wird. Mestizen machen weitere 60 % der Gesamtbevölkerung aus.
Die Besiedlung Amerikas durch Menschen begann spätestens am Ende der Letzten Kaltzeit. Hierbei wanderten die Vorfahren der indigenen Bevölkerung aus Nordasien entweder auf dem Landweg über die Landbrücke Beringia oder über das Meer kommend im Nordwesten Nordamerikas ein. Diese frühe Urbevölkerung des amerikanischen Doppelkontinents (Paläoindianer) breitete sich bis spätestens gegen 8000 v. Chr. bis zur Südspitze Südamerikas aus. Eine der ältesten Fundstätten stellt die 2018 beschriebene paläoindianische Cueva de los Hacheros dar, ein Felsüberhang bei Turicato in der Tierra caliente. Die Radiokohlenstoffdatierung ergab Werte von 12.039–11.399 BP. Die auffälligste Eigenschaft dieser Jäger- und Sammlerkulturen ist die Tatsache, dass in den nacheiszeitlichen Steppengebieten die zugehörige Megafauna bejagt wurde – allen voran Mammute –, die mit der zunehmenden klimatischen Erwärmung und dem Vordringen von Wäldern und anderen Tierarten aus dem Süden verschwand.
Dieser im ariden Norden Mexikos verbreiteten Clovis-Kultur mit ihren Jagdspeeren, die mit charakteristischen großen Spitzen ausgestattet waren, folgte die Archaische Periode, die in Mexiko in die Zeit zwischen 8000 und 2000 v. Chr. datiert wird. Neben der Jagdbeute, die nunmehr aus sehr viel kleineren Tieren bestand, rückten Mais, Bohnen und Kürbis in den Vordergrund, insbesondere in den Tälern von Tehuacán und Oaxaca. Sie wurden im Zuge einer sich über mehrere Jahrtausende erstreckenden Entwicklung zu den ersten Kulturpflanzen dieser Region. Während sich das Schwergewicht der Nahrungsmittelgewinnung von der Jagd auf die Kultivierung von Pflanzen verlagerte – aber auch Wildpflanzen wie die Kaktus-Frucht, die Hülsenfrüchte des Mesquite-Baumes, die Maguey-Agave sowie Grassamen, Eicheln und Nüsse, schließlich verschiedene Obstsorten, spielten eine bedeutende Rolle –, fanden sich die Menschen zunehmend in kleinen Siedlungen zusammen. Am Ende der archaischen Periode bestanden in weiten Teilen Mexikos bäuerliche, nunmehr dauerhafte Ansiedlungen, deren Bewohner sich überwiegend pflanzlich ernährten, und deren Gesellschaften egalitär gewesen sein dürften. Agavenfasern gestatteten die Herstellung von Kleidern und von Beuteln, die Schale von Flaschenkürbissen diente der Lagerung von Flüssigkeiten. Insgesamt war die Region dennoch sehr spärlich besiedelt. Wichtigste Fundstätte von der Periode der Paläoindianer zur Archaischen Periode ist die Höhle von Coxcatlán im Tal von Tehuacán, deren unterste Schichten aus der Zeit zwischen dem 9. Jahrtausend und 7000 v. Chr. stammen. Während man in der Ajuerado-Phase noch Großsäuger jagte, die bald verschwanden, jagten die Kleingruppen nunmehr Hirsche, Pferde und Antilopen.
Im Tal von Oaxaca, im südlichen Hochland gelegen, fanden sich in der Höhle von Guilá Naquitz zahlreiche Geräte und Überreste von Nahrungsmitteln aus der Zeit zwischen 8500 und 6500 v. Chr. Es zeigte sich, dass Obstbäume sowie Kakteen und Agaven im Mittelpunkt standen, ebenso wie Eicheln, aber auch Mais und Bohnen, schließlich, neben den oben genannten Pflanzen auch Avocados, vielleicht auch schon Chili und Kürbis, die noch heute die Küche kennzeichnen. Zwar waren die Pflanzen noch nicht kultiviert, doch fanden sich bereits Mahlsteine neben Herdstellen. Möglicherweise zeigt sich in den verschiedenen Arealen der Höhle bereits geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Männer zerlegten die Jagdbeute, Frauen kümmerten sich um die Pflanzenverarbeitung.
Das weiter nordwestlich gelegene, deutlich aridere Tal von Tehuacán bot Mesquite-Bäume, die in der Regenzeit nahrhafte Hülsenfrüchte boten, dann oberhalb des Tales Kakteenfrüchte. Die von Wasserläufen durchzogene Landschaft bot zahlreiche Kleintiere, wie Hasen, so dass sich hier eine starke Anpassung der Bewohner an die natürlichen Lebensbedingungen erwies. Seine Bewohner sahen sich wegen der schwindenden Wildtierbestände gezwungen, ihre Nahrung auf das Pflanzenangebot umzustellen. In der El-Riego-Phase zwischen 7000 und 5000 v. Chr. erschienen neben den Kleingruppen auch größere Verbände, und die saisonalen Lagerplätze wurden nun ganzjährig genutzt, erstmals wurden Pflanzen womöglich nicht nur abgeerntet, sondern auch angepflanzt. In der Höhle von Coxcatlán fanden sich die ältesten Reste von Matten und Körben, ebenso wie von Holzartefakten wie Speere oder Tierfallen. Zudem fanden sich Gräber und erste Hinweise auf Menschenopfer.