Die Geschichte Kubas umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des aktuell zu Kuba zählenden Archipel, von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.
Archäologische Funde zeigen, dass Kubas erste menschliche Besiedelung wohl vor rund 8000 bis 10.000 Jahren stattfand. Sie erfolgte wahrscheinlich in mehreren Wellen, deren zeitliche Festlegung aber sehr unsicher ist.
Um 1500 war die indigene Bevölkerung folgendermaßen verteilt: Kuba bestand aus insgesamt 29 Stammesfürstentümern. Im Westen Kubas lebten die Siboney, ganz im Westen die Guanahatabey. Mittel- und Ostkuba wurde von den Taíno besiedelt. Sie bauten die Feldfrüchte Maniok, Süßkartoffeln, Erdnüsse und Tabak an.
Die Taíno lebten in Hütten (bohío) aus Palmholz; diese gibt es bis heute in ländlichen Gebieten Kubas.
Viele Ortsnamen auf Kuba gehen auf indigene Wörter zurück, da sich aus den meisten früheren Taíno-Siedlungen koloniale Städte entwickelten und sie ihren Namen behielten. Beispiele hierfür sind Havanna, Batabanó, Camagüey, Baracoa und Bayamo.
Das spanische Wort für Hurrikan (huracán) stammt aus der Sprache der karibischen Indigenen und bedeutet ‚Gott des Windes‘.
Entdeckung – Eroberung – Kolonisierung
Christoph Kolumbus entdeckte die Insel auf seiner ersten Reise mit der Landung in der Bucht von Bariay im Nordosten der Insel am 27. oder 28. Oktober 1492 und nahm sie für Spanien in Besitz. Von 1511 bis 1515 wurde die Insel im Auftrag des Königs Ferdinand durch Diego Velázquez de Cuéllar erobert. Dieser brach mit seiner Gefolgschaft den ersten Widerstand der Indigenen unter der Führung des Kaziken Hatuey. Die meisten Indigenen kamen durch Kriege gegen die Spanier, eingeschleppte Krankheiten (Pocken), Zwangsarbeit und Unterernährung um. Bemühungen von Seiten der Kirche, besonders des Dominikanerordens, und des spanischen Staates, die Indianer vor der Willkür der Kolonisten zu schützen, hatten wenig Erfolg. Bartolomé de las Casas, der als Feldkaplan an der Eroberung teilgenommen hatte, verzichtete 1514 aus Gewissensgründen auf seine Encomienda und engagierte sich gegen die Unterdrückung der Indigenen. Auf sein Betreiben ordnete König Karl V. 1542 die sukzessive Aufhebung der Encomiendas an, was sich in Kuba auch relativ schnell durchsetzte. Kuba wurde Teil des Vizekönigreichs Neuspanien und hatte darin den Status eines Generalkapitanats (Capitanía General).
Die indigene Bevölkerung Kubas zählte im Jahr 1500 rund 100.000 Menschen. Ein halbes Jahrhundert später waren es noch 5.000. Ein erheblicher Anteil starb durch Gewaltakte der Spanier während der Kolonisierung sowie Hunger und Überarbeitung mittels der Encomieda. Ebenso führten die von den Europäern eingeschleppten Seuchen zu erheblichen Todesfällen unter der einheimischen Bevölkerung. Die Ausweglosigkeit der Situation sorgte auch zu einer Welle von Suiziden unter den Taíno. Der Niedergang der einheimischen Bevölkerung führte auch zum Scheitern der frühen Kolonisierungsbestrebungen. 1544 zählte eine Volkszählung der gesamten Insel nur 122 spanische Haushalte, rund 700 freie Indigene und 700 Sklaven.
Das erste Ziel der Spanier war die Ausbeutung der Goldressourcen, die jedoch sehr bald erschöpft waren. Viele wanderten infolgedessen nach Mexiko ab. Kuba blieb nur dünn besiedelt. Die Wirtschaft beruhte auf einer extensiven Landwirtschaft (Anbau der indianischen Kulturpflanzen, Viehhaltung, Imkerei) und der Ausfuhr von tropischen Hölzern der noch weitgehend bewaldeten Insel. Die Landesteile abseits von Havanna lebten vor allem von Selbstversorgung und etwas Schmuggel. Im 17. Jahrhundert wurde das Landesinnere in einem zweiten Siedlungsschub erschlossen und weitere Orte gegründet.
Durch die Verlegung des Gouverneurssitzes wurde Havanna 1607 zum politischen Zentrum der Insel. Auch wirtschaftlich gewann die Stadt aufgrund ihrer Lage zunehmend an Bedeutung. Von dort aus konnte man den Zugang zum Golf von Mexiko kontrollieren und unter Ausnutzung des Golfstroms über den Atlantik nach Europa segeln. Ab den 1560er Jahren war der Hafen von Havanna der Sammelpunkt der Flotten aus den spanischen Kolonien Amerikas, die Silber und andere Waren nach Sevilla und Cádiz brachten. Havanna war der Brückenkopf der Neuen Welt im transatlantischen Handel. Die Wirtschaft Kubas war auf die Versorgung Havannas und der Flotten mit Nahrungsmitteln und Gütern ausgerichtet.
Die koloniale Gesellschaft Kubas lässt sich rechtlich und soziokulturell folgendermaßen gliedern. Weiße bildeten bald die Mehrheit. Aber nur wer in Spanien geboren, aufgewachsen und ausgebildet war, die sogenannten peninsulares, konnte in die höheren Verwaltungs- und Kirchenämter aufsteigen. Außerdem dominierte dieser Personenkreis den Handel. Die in Kuba geborenen Nachfahren von Spaniern, die Kreolen, stellten den größten Teil der Bevölkerung. Die auf die ersten Siedler zurückgehenden Familien konnten ihr Land oft zum Großgrundbesitz ausbauen, den sie als Viehzüchter oder Pflanzer bewirtschafteten. Der Grundbesitz bildete die Grundlage ihrer Macht, die sie als Oligarchie in lokalen Ämtern in Politik und Kirche ausübten. Daneben gab es eine große Zahl von Mittel- und Kleinbauern, die das Land zwischen den großen Gütern bewirtschafteten und nach und nach auch die abgelegeneren Gegenden erschlossen.
Der generelle Mangel an Arbeitskräften in Kuba wurde durch die Einführung von Sklaven aus Afrika ausgeglichen. Sklaven wurden in allen Wirtschaftsbereichen eingesetzt, als Hauspersonal, in kleinen ländlichen und städtischen Produktionsbetrieben oder als Bergarbeiter. Auch bei ihnen unterschied man zwischen in Kuba geborenen, spanischsprachigen Schwarzen Kreolen und in Afrika geborenen bozales. Das Rechtssystem erlaubte den Sklaven eigenen Besitz, die Möglichkeit, sich und die eigene Familie damit freizukaufen, die freie Wahl eines Ehepartners und sogar die Suche nach einem neuen Herren. Sklaven konnten sich zu Vereinigungen, sogenannten cabildos, zusammenschließen, die von Schwarzen gleicher ethnischer oder ähnlicher kultureller Herkunft gebildet wurden. Diese Institution ermöglichte ihnen, afrikanische Kulturelemente zu bewahren und weiterzugeben, darunter auch religiöse Vorstellungen, die sich mit dem Katholizismus, denn jeder Sklave musste getauft sein, zu den synkretistischen afrokubanischen Kulten, z. B. der Santería vermischten, die noch heute weit verbreitet sind.
Eine Zwischenstellung nahmen die freien Farbigen ein. Besondere rechtliche und soziale Verhältnisse ermöglichten in Kuba eine ausgeprägte Vermischung der Ethnien und Kulturen. Hier gab es eine beachtliche Anzahl freier Schwarzer, die auf freigelassene oder freigekaufte Sklaven zurückgingen. Im Gegensatz zur spanisch-kreolischen Oberschicht achteten die unteren weißen Schichten nicht auf die „Reinheit des Blutes“ und vermischten sich mit Indianern und freien Schwarzen. Mischehen waren nicht unüblich und – wenn auch begrenzt – akzeptiert. Mulatten und freie Schwarze arbeiteten meist als Handwerker oder Gewerbetreibende – Berufe, die wegen ihres niedrigen Status von Weißen gemieden wurden. Sie stellten die Unter- und Mittelschicht der Städte. Auf dem Land, besonders im Osten, lebten sie als Kleinbauern.
Indianer und Mestizen wurden im Zensus schon bald nicht mehr als eigene Gruppe erfasst, sie waren in den Bevölkerungsgruppen der Kreolen und der Farbigen aufgegangen. Am Rande der kolonialen Gesellschaft standen entlaufene Sklaven (sogenannte Cimarrones) und Restgruppen von Indianern, die in abgelegenen Gebieten zurückgezogen lebten.
In der Karibik kam es zwischen Spanien und Großbritannien wegen des Handels, Schmuggels und der Piraterie zu Spannungen. Diese gipfelten im Juni 1762 mit der Belagerung von Havanna durch die britische Flotte. Nach der Kapitulation hielten die Briten Westkuba elf Monate lang besetzt; das Zentrum und der Osten blieben unter spanischer Kontrolle. Der britische Gouverneur hob die Handelsbeschränkungen auf, Zivilverwaltung und Rechtsprechung wurden beibehalten. Der Schiffsverkehr im Hafen von Havanna versechsfachte sich und der Handel blühte auf. Die kurze Zeit des Freihandels gab dem kreolischen Bürgertum auf Kuba eine Vorstellung davon, wie viel es ohne die kolonialen Fesseln Spaniens verdienen konnte, denn das spanische Kolonialsystem lenkte den gesamten Handel über spanische Häfen und erhob selbst für den Handel unter den spanischen Kolonien hohe Import- und Exportabgaben. Ein Jahr später wurde Kuba im Frieden zu Paris im Tausch gegen Florida wieder Spanien zugeschlagen.