Die Geschichte Kambodschas umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des Königreichs Kambodscha von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie beginnt mit den ersten Siedlungen, deren erste Spuren auf 4200 v. Chr. datiert werden können. Im engeren Sinne umfasst sie den Zeitraum der letzten 1200 Jahre, in dem sich das Reich der Khmer (gesprochen: kmer) entwickelte, wie die Kambodschaner sich selbst und ihre Sprache nennen.
Reste von Keramik, die in einer Höhle im Nordwesten Kambodschas gefunden wurden, weisen auf eine Besiedelung Kambodschas seit mindestens 4200 v. Chr. hin. Weitere archäologische Funde deuten auf die Siedlungstätigkeit einer neolithischen Kultur im 2. Jahrtausend v. Chr. hin, deren Angehörige aus Südostchina ins heutige Kambodscha eingewandert waren. Sie errichteten Pfahlbauten entlang des Mekong, lebten vom Fischfang und vom Reisanbau, hielten Haustiere und waren bereits zu primitiven Erdbauten in der Lage.
Funan-Reich (1.–7. Jahrhundert)
Im 1. Jahrhundert v. Chr. entstand das Königreich Funan am Mekong-Delta und entlang der Küste. Es war stark von der indischen Kultur beeinflusst, geriet aber durch den aufkommenden Seehandel auch mit den Kulturen von China, Malaysien und Java in Kontakt. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr. erreichte Funan seine größte Ausdehnung, bis es 357 zu einem Vasallenstaat Chinas wurde. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts wurde der aus Indien stammende Shivaismus unter König Kaundinya Staatsreligion. Erst im 6. Jahrhundert begann Funans Niedergang, der durch das Aufgehen im Chenla-Reich mit der Hauptstadt Isanapura zu Beginn des 7. Jahrhunderts beendet wurde.
Chenla-Reich (7.–8. Jahrhundert)
Das Chenla-Reich bestand vermutlich aus einer Reihe relativ unabhängiger Fürstentümer, die sich um verschiedene kulturelle Zentren erstreckten, darunter beispielsweise Sambor Prei Kuk. Bereits im 8. Jahrhundert zerfiel der Verbund in ein Nord- und ein Südreich, von denen sich um 715 weitere kleinere Einheiten abspalteten. Die Sailendra von Java zogen aus der resultierenden Schwäche einen Vorteil und brachten die Küstengebiete unter ihren Einfluss. 790 konnte Jayavarman II., der spätere erste König des Khmer-Reiches, aus dem Exil auf Java auf das Festland zurückkehren und damit beginnen, die zersplitterten Fürstentümer erfolgreich zu einigen.
Khmer-Reich (9.–15. Jahrhundert)
Der Beginn des Khmer-Reiches von Angkor (khmer: ‚Stadt‘), von den Khmer selbst „Kambuja“ genannt, wird üblicherweise mit dem Jahr 802 angegeben, jenem Jahr, in dem sich Jayavarman II. der Überlieferung zufolge zum Deva-raja (etwa: „König der Könige“) erheben ließ. Er einte die Khmer unter seiner Herrschaft, machte das Reich unabhängig vom Seereich Javas und gründete mit Hariharalaya die erste Hauptstadt in der Region von Angkor. In der Regierungszeit des bedeutenden Yasovarman I. (889–910) wurde die Hauptstadt jedoch nach Yasodharapura verlegt.
1177 wurde Angkor erstmals von den benachbarten Cham aus dem Reich der Champa eingenommen, doch sehr viel bedrohlicher waren die Thai-Völker, die sich im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts zu den Staatsgebilden von Sukhothai und Ayutthaya zusammenschlossen und die Herrschaft der Khmer abzuschütteln begannen. Diese Reiche waren zunächst Vasallenstaaten, doch wurde Angkor nach und nach zurückgedrängt, bis das Reich 1431 schließlich durch Ayutthaya eingenommen wurde. Angkor wurde als Hauptstadt aufgegeben, nachdem die Siamesen das Gebiet eingenommen hatten. Einzelne Tempel, wie der Angkor Wat, wurden zwar weiterhin besucht, aber die Mehrzahl der Bauwerke wurde von der tropischen Vegetation überwachsen und verfiel. Die Überführung des letzten Khmer-Königs in siamesische Gefangenschaft 1594 bedeutete das Ende der etwa tausendjährigen Hochkultur der Khmer.
Einer breiteren Öffentlichkeit im Westen wurden die Überreste von Angkor Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, nachdem Forscher wie Henri Mouhot bebilderte Reiseberichte und geraubte Kunstwerke nach Europa gebracht hatten. Diese Entdeckungsreisenden bereiteten schließlich den französischen Zugriff auf Indochina vor.
In seiner größten Ausdehnung umfasste Kambuja das heutige Staatsgebiet von Kambodscha, das Delta des Mekong, das südliche Laos sowie das untere Thailand (Siam) bis zum Isthmus von Kra. Wirtschaftlich basierte das Reich auf der Landwirtschaft, insbesondere dem durch künstliche Bewässerung sehr erfolgreich betriebenen Anbau von Reis, und dem Fischfang. Angkor liegt nahe am fischreichen See Tonle Sap, dem größten See in Südostasien. Daneben wurde auch Handel mit benachbarten Reichen und insbesondere mit China betrieben. Die Kultur der Khmer war stark von Hinduismus und Buddhismus beeinflusst, wobei letzterer auch heute noch ein tragendes Element der kambodschanischen Gesellschaft darstellt.
Abhängigkeit von Thailand und Vietnam (15.–19. Jahrhundert)
1431 war Kambodscha zu einem Vasallen der Thai geworden. Nach der Aufgabe Angkors wurde Chaktomuk (das heutige Phnom Penh) Hauptstadt, im 16. Jahrhundert wurde sie nach Longvek verlegt, ab der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Residenz in Udong.
Ab dem 17. Jahrhundert, als sich im Osten das Reich Annam (Vietnam) bildete, wuchs auch von dort der Druck auf das kambodschanische Staatswesen, da auch Annam Tribut forderte. Im späten 18. Jahrhundert eroberte Annam Cochinchina, das bis dahin von Kambodscha abhängig war. Im Westen verlor Kambodscha Provinzen an Siam. 1807 errichtete das vereinigte Vietnam ein Protektorat auf kambodschanischem Boden, nachdem sich König Ang Chan II. auf Seite Vietnams geschlagen hatte. Hauptstadt des Protektorats war weiterhin Udong (auch Odongk geschrieben). Die Brüder Ang Chans rebellierten mit siamesischer Unterstützung zwischen 1811 und 1813, danach wurde die vietnamesische Kontrolle umso stärker und die Erbin Ang Chans, Ang Mei, war eine bloße Marionettenkönigin.
Im Jahr 1840/1841 führte ein Aufstand gegen die vietnamesische Vorherrschaft in Kambodscha zu einem erneuten siamesisch-vietnamesischen Krieg, der nach einem militärischen Patt durch eine vietnamesisch-siamesische Verständigung gelöst wurde: Das Land sollte durch beide Nachbarn gemeinschaftlich beherrscht werden. Die Regierungszeit des Königs Ang Duong war insgesamt eine Zeit des Friedens und eines gemäßigten Wohlstands. Um sich weiter gegen den Einfluss der Thai und Vietnamesen zu wehren, wandte Ang Duong sich 1854 mit einem Schutzgesuch an den französischen Kaiser Napoleon III., doch wurde ein Zusammentreffen des Königs mit den Franzosen im Jahr 1856 von den am Hof weilenden siamesischen Beobachtern vereitelt.
König Norodom I., der 1859 mit Hilfe Siams gegen die Truppen seines Halbbruders Sisowath I. den Thron bestieg, verlegte die Hauptstadt nach Phnom Penh. Um nicht weiter Spielball zwischen Siam und dem Kaiserreich Vietnam zu sein und um sich gegen seine Halbbrüder abzusichern, wandte er sich wie sein Vater an das Zweite Kaiserreich und bat um Schutz. Frankreich, nun im Besitz von Cochinchina, nahm dieses Ersuchen an, weil es in Kambodscha einen geeigneten strategischen Puffer gegen Thailand sah. Der Schwerpunkt für Paris blieb aber die Kolonialisierung Vietnams, während die traditionellen Herrschaftsstrukturen in Kambodscha unberührt blieben und die Ausbeutung der Rohstoffe sich auf einem niedrigen Niveau bewegte.
Französische Kolonialherrschaft (1863–1953)
1863 erklärte Frankreich Kambodscha zum Protektorat. Die Franzosen versorgten den König mit Militärhilfe, um eine Rebellion niederzuschlagen. Gleichzeitig verlangte Frankreich Schürfrechte und das Recht zur Exploration des Gebiets, da in Kambodscha – wie auch in Laos – große Goldvorkommen vermutet wurden. 1867 schloss Frankreich einen Vertrag mit Siam, wonach den Siamesen die Hoheit über Battambang und Siem Reap zugestanden wurde, im Gegenzug aber Frankreichs Interessen im vormaligen siamesischen Vasallenstaat Kambodscha anerkannt wurden.