Die Geschichte Irlands umfasst die Entwicklungen auf der Insel Irland von der Urgeschichte bis 1922 und die folgende Entwicklung des Irischen Freistaats und der Republik Irland bis zur Gegenwart. Ihr Beginn kann mit der Ankunft des modernen Menschen in der Zeit des Creswellien (englisch Creswellian) angesetzt werden, einer endpaläolithischen Kulturstufe, die sich infolge des Rückgangs der Weichsel-Vereisung auf den Britischen Inseln zwischen 12.500 und 8000 v. Chr. in Südengland und Wales verbreitete. Siedlungen in Irland sind erst ab 8000 v. Chr. belegt. Im ersten Jahrtausend vor Christus prägten keltisch sprechende Einwanderer die Geschichte. Nach der Christianisierung im 5. Jahrhundert kam die Insel unter den Einfluss verschiedener Völker wie der Angelsachsen in England und im 12. Jahrhundert der Normannen. Die militärischen Eingriffe Englands führten letztlich 1801 zur Abschaffung des irischen Parlaments und zur Einverleibung in das Vereinigte Königreich.
Infolge des Irischen Unabhängigkeitskriegs gelang es 1922, aus Irland ein unabhängiges Dominion innerhalb der britischen Monarchie zu installieren. Im Jahre 1949 trat Irland aus dem Commonwealth aus und nennt sich seitdem „Republik Irland“.
Kulturen der Jäger, Sammler und Fischer
Am Ende der letzten Eiszeit war Nordirland bei einem um etwa 100 m niedrigeren Meeresspiegel über die Landbrücke von der Halbinsel Kintyre mit Schottland und, da die Britischen Inseln damals noch an das europäische Festland angebunden waren, auch mit dem Kontinent verbunden. Mit der Erderwärmung begannen Eiche, Ulme und Esche die Kiefernwälder und die zuvor arktische Flora und Fauna zu verdrängen. Der Riesenhirsch (Megaloceros giganteus) mit einer Geweihauslage von 3,6 m konnte auch in Irland, wo sein letztes Refugium war, nicht überleben. Die Vorgeschichte Irlands beginnt in der Mittelsteinzeit mit der Besiedelung durch kontinentaleuropäische Jäger und Sammler und Fischer.
Die frühe Mittelsteinzeit zeigt geometrische Mikrolithen (Flintklingen) von etwa 7000 v. Chr., die am Mount Sandel in Nordirland gefunden wurden. Der zweitälteste Wohnplatz Irlands wurde 1972 am Fluss Bann entdeckt. Verkohlte Haselnussschalen ermöglichten die Datierung. Die ovalen Hütten waren vermutlich mit Rinde gedeckt. Die Bewohner fingen Lachse und Aale, sammelten Nüsse und jagten unter anderem Wildschweine. In der späten Mittelsteinzeit findet sich eine mikrolithenlose Industrie aus großen Abschlägen (Larnian), die vor allem im Nordosten verbreitet war. Kern- und Scheibenbeile dienten wohl der Holzbearbeitung, auch erste geschliffene Beile aus Felsgestein tauchen auf (Ferriter’s Grove). Die älteste Bestattung Irlands wird auf 7530–7320 v. Chr. datiert. Die Fundstätte liegt in einer Schleife des Shannon bei Hermitage im County Limerick.
Zwischen 4000 und 2500 v. Chr. finden sich Spuren einer jungsteinzeitlichen Kultur mit rechteckigen Häusern und geschliffenen Steinwerkzeugen. Diese Kultur wurde jüngst genetisch auf Zuwanderer zurückgeführt, deren Erbgut aus dem Nahen Osten stammt und die mit den weiträumigen Wanderungen im Mittelmeerraum in Zusammenhang stehen. Größte Nähe besteht dabei zu spanischem Erbgut des Neolithikums. Allerdings wurde auch Genfluss von mittelsteinzeitlichen Gruppen Westeuropas konstatiert.
Der Malone Hort von Belfast barg 19 dunkelblaue Porzellanit-Beile. Diese Steinäxte stammen vom Tievebulliagh in County Antrim oder von Brockley auf Rathlin und finden sich in kleiner Menge beinahe überall auf den britischen Inseln. Im weiteren Verlauf entstanden megalithische Anlagen wie Court Tombs, Passage Tombs, Portal Tombs und Wedge Tombs, die bis in die Bronzezeit genutzt wurden. Die Ackerbauern errichteten unter anderem Knowth und etwa um 3200 v. Chr. Newgrange. Als ältestes Dorf gilt Mullaghfarna village.
Die Bronzezeit (Endneolithikum nach der mitteleuropäischen Chronologie) in Irland ist mit Siedlungen der Glockenbecherkultur und der Suche nach Bodenschätzen (Zinn, Kupfer) verbunden. Sie begann im Südwesten um 2500 v. Chr. (Bergwerke am Mount Gabriel, in County Cork), Ross Island und auf der Beara-Halbinsel. Typische Hinterlassenschaften der Bronzezeit sind die Steinkisten und Fulachtí fia (mit Ziegeln ausgekleidete Kochstellen).
Von manchen Forschern wird angenommen, dass erste Kelten um 600 v. Chr. von Nordfrankreich nach Irland gelangten. Andere Forscher verbinden die Übernahme der Latènekultur in Irland nicht mehr mit einer Eroberung.
Etwa 300 v. Chr. erfolgte der Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit. Die Übernahme einer keltischen Sprache (des späteren Irischen) wird gewöhnlich in die Eisenzeit gelegt, archäologisch lässt sich dies jedoch nicht nachweisen. Die keltischen Bewohner gehörten verschiedenen Stämmen an (unter anderem den Gälen).
In den Mythen treten Götter auf, die ausschließlich in Irland bekannt sind. Wahrscheinlich haben sie ihren Ursprung in den Kulten der irischen Urbevölkerung und wurden später von den Kelten übernommen. Hinterlassenschaften der eisenzeitlichen Kultur sind die Duns, Raths, Crannógs und Bullauns. Denkmaltypen der Eisenzeit, die für Großbritannien und den Kontinent charakteristisch sind (kleine Einhegungen, Erdhügel, Flachgräberfelder, Hillforts und Tempel), sind in Irland selten. Es scheint, dass Irland ab der Späten Bronzezeit durch Einflüsse vom Kontinent kulturell weitaus weniger beeinflusst wurde als Großbritannien.
Mehr als 150 kleine Königreiche (tuaithe, sing. tuath) wurden in fünf große zusammengelegt (vgl. historische Provinzen Irlands): Munster, Connaught (Connacht), Ulster, Leinster und Meath. Dem Kleinkönig (Rí/Ré vgl. lat.: rex) war der König einer Provinz übergeordnet (Rí Ruireg), über dem der Hochkönig (Ard-Rí) stand. Ein gesamtirisches Königtum konnte nicht recht wachsen. Sowohl Stammesfürsten als auch Priester (Druiden) und Barden hatten großen Einfluss. Obwohl alle Clans unabhängig waren, wurde Tara (im heutigen County Meath) als Hauptstadt anerkannt.
Irland, im römischen Schrifttum als „Hibernia“ bezeichnet (auch Ivernia genannt), wurde nicht von den Römern erobert. Aber sporadischer Handel und kultureller Austausch fanden statt (siehe hierzu den Artikel Römisch-irische Beziehungen). Gegen Ende der römischen Besatzungszeit in England und Wales überfielen irische Clanchefs auch Britannien. Die keltische Kultur Irlands endet frühestens mit der Anpassung der iroschottischen Kirche an die römisch-katholische Kirche im 12. Jahrhundert (Synode von Rathbreasail). Diese Anpassung wurde nach der Eroberung Irlands durch Heinrich II. 1172 vollendet (zweite Synode von Cashel).
Wikinger und die Missionierung Irlands
Der beginnenden Christianisierung im 4. und 5. Jahrhundert folgten die irische Klosterkultur und Anfänge des irischen Hochkönigtums. Die folgenden drei Jahrhunderte gelten als Blütezeit des frühchristlichen Irlands, in denen irische Bildung und Kultur in Europa bekannt werden. In Irland entstand eine eigenständige Kirche, geistiger Mittelpunkt des Landes war Armagh in der Provinz Ulster. Die kirchliche Rolle ging auf die zahlreichen Klöster über. Im Land herrschten Dutzende Könige, die auf Autonomie achteten.
Politische Uneinigkeit, interne Kriege sowie Überfälle der Wikinger 795 auf Inishmurray und Inishbofin (seit 832 in Dublin) läuteten das Ende dieser Zeit ein. Die Wikinger kamen aus Norwegen, hatten schon die Orkney- und die Shetlandinseln besiedelt und erreichten nun Irland. Nach 50 Jahren der Überfälle begannen die Wikinger, an den Küsten permanente Siedlungen zu errichten. Sie waren die ersten eigentlichen Städte in Irland, aus denen die heutigen Städte Dublin (Duibh-linn 'schwarzer Pfuhl'), Wexford (Veigsfjörðr), Wicklow (Víkingaló), Limerick (Hlymrekr) und Waterford (Veðrafjörðr) hervorgingen.
Die Wikinger strebten allerdings keine Eroberung an und gingen nicht über Beutezüge und küstennahe Ansiedlungen als Kaufleute und Händler hinaus. Dabei leistete Irland kaum geeinten Widerstand. Die dominanten irischen Herrscherhäuser waren zu dieser Zeit die südlichen Uí Néill von Tara im (Nordosten) und die Eoganachta von Cashel in Munster (Südosten). Sie stritten mit den nördlichen Ui Néill von Armagh und einigen anderen Königshäusern wie den Uladh um die Vorherrschaft. Alle Seiten verbündeten sich zeitweise mit den Wikingern.