An diesem Tag

Geschichte Irans seit 1979

Wikimedia-Geschichts-Artikel

Anúncio

Die Geschichte Irans seit 1979 beginnt mit der sogenannten Islamischen Revolution und der Gründung der Islamischen Republik, die in Iran seit dem 1. April 1979 besteht. Fast vier Jahrzehnte hatte der Schah Mohammad Reza Pahlavi mit Unterstützung westlicher Staaten, vor allem der USA, das ölreiche Land als Monarch beherrscht. Am 16. Januar 1979 floh der Schah aus Iran vor Unruhen, in deren Folge der schiitische Geistliche Ruhollah Chomeini zum weltlichen Führer aufstieg. Seitdem ist der oberste Rechtsgelehrte Irans zugleich die wichtigste politische Macht, gemeinsam mit dem Wächterrat, bestehend aus fundamentalreligiösen Geistlichen. Daneben gibt es einen vom Volk gewählten Staatspräsidenten. Die Präsidenten- und Parlamentswahlen in Iran werden allerdings stark manipuliert, indem der Wächterrat über die Zulassung der Kandidaten entscheidet.

Unter wechselnden Staatspräsidenten hat das Regime seine wesentliche Struktur beibehalten. Durch seine Politik ist es international weitgehend isoliert. Das Ausland kritisiert vor allem das iranische Atomprogramm. Besonders Israel sieht sich dadurch bedroht. Der ehemalige Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad (2005–2013) ist als radikaler Antisemit und Holocaustleugner bekannt, sowie das Regime insgesamt für seine Menschenrechtsverletzungen. Zudem waren die Jahre 1980–1988 vom Iran-Irak-Krieg überschattet, mit hunderttausenden von Toten auf beiden Seiten.

Entstehung der Islamischen Republik 1979

Der ehemalige Schah Mohammad Reza Pahlavi verließ Iran mit seiner Familie bzw. seinem engsten Kreis am 16. Januar 1979 (Es folgten Ärzte, Intellektuelle, Professoren, Ingenieure und Journalisten). Zwei Wochen später war Chomeini nach Teheran zurückgekehrt. Es gab keinen Zweifel, dass er die politische Entwicklung des Landes weitestgehend bestimmen würde. Bei einem Referendum am 31. März 1979 sprachen sich, laut der Präambel der Verfassung, angeblich 98,2 % der Iraner für die Errichtung einer Islamischen Republik aus.

Chomeini hatte, vom Schah ins Exil (Türkei, Irak, Frankreich) verbannt, bereits einen Verfassungsentwurf für das Land ausgearbeitet, der in Verhandlungen zwischen allen an der Revolution beteiligten Fraktionen in der Expertenversammlung noch verändert und schließlich dem iranischen Volk am 3. Dezember zur Abstimmung vorgelegt wurde. Auf diese Weise kam es, auch durch Einfluss der liberal-islamischen Kräfte um Mehdi Bazargan, zur Aufnahme demokratischer Elemente in der Verfassung. Das von Chomeini entwickelte Prinzip der Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten (velayat-e faghih) blieb in allen Entwürfen bestehen.

Die neue Verfassung Irans wurde durch das Referendum am 3. Dezember 1979 angenommen. Nach offiziellen Angaben lag die Zustimmung wie schon bei dem Referendum vom 31. März bei nahezu 100 %, andere Quellen sprechen jedoch nur von etwa 60 %. Somit wurde die einstige konstitutionelle Monarchie Iran zur Islamischen Republik, einem schiitischen Gottesstaat, geführt von der höchsten religiösen Autorität. Der deutsche Botschafter Ritzel berichtete am 4. Dezember 1979 aus Teheran:

Der erste geistige und politische Führer der Islamischen Republik Iran war der Ajatollah Ruhollah Chomeini. Von ihm stammt der Verfassungsentwurf und das Prinzip der Herrschaft der Rechtsgelehrten. Bei seinem Amtsantritt 1979 war die Lage in Iran äußerst brisant. Die breite Oppositionsfront, die den Schah in der Islamischen Revolution gestürzt hatte, war äußerst heterogen und oft nur in dem Ziel einig, das Schahregime abschaffen zu wollen. Chomeini verkörperte allerdings den Führer der wichtigsten Bewegung, der islamischen Opposition, und wurde somit zur Symbolfigur der Revolution überhaupt. Durch diese Autorität gelang es ihm, die wichtigsten Gruppen in der Anfangsphase der jungen Islamischen Republik zu integrieren.

So wurde Mehdi Bazargan, ein führendes Mitglied der Nationalen Front, zum ersten Premierminister erkoren. Auch Vertreter aus dem kommunistischen und sozialistischen Lager, z. B. Funktionäre der Tudeh-Partei erhielten Posten im Staatsapparat. 1980, nach Abschaffung des Amts des Premierministers wurde Abolhassan Banisadr zum ersten Präsidenten der Islamischen Republik gewählt. Die Volksmudschahedin (Heilige Kämpfer des Volkes), die auch gegen den Schah gekämpft hatten, stemmten sich gegen die vollständige politische Kontrolle durch Chomeini, da sie darin eine Diktatur wie zu Schahzeiten sahen. Zwischen ihnen und dem Chomeini-Regime entbrannte ein Kampf, der in blutigen Auseinandersetzungen mündete.

Unmittelbar nach der Verabschiedung der Verfassung begann die Verfolgung von Revolutionsgegnern. Hier rückten zunächst die verbliebenen Schahanhänger und Monarchisten in den Blickpunkt. Es dauerte allerdings nicht lange, bis das Feindbild der Revolution auf die USA und Israel ausgedehnt wurde. Es kam noch 1979 zum Geiseldrama von Teheran in der US-Botschaft, bei dem 52 amerikanische Staatsbürger insgesamt 444 Tage festgehalten wurden. Dieser Vorfall brachte die amerikanisch-iranischen Beziehungen zum Erliegen und führte zu einem feindlichen Verhältnis zwischen den beiden Staaten.

Auf Chomeinis Agenda standen vor allem zwei Punkte: erstens die Konsolidierung der Republik und zweitens der Export der Revolution.

Die Machtsicherung und Stabilisierung des Systems waren in den ersten Jahren der Revolution von besonderer Wichtigkeit. Chomeini veranlasste eine umfassende Islamisierung (auch als Kulturrevolution bezeichnet) der iranischen Gesellschaft. Er führte eine strenge Kleiderordnung für Frauen ein, verbot nicht-islamische Zeitungen und Parteien und machte unmissverständlich deutlich, dass jeder Verstoß gegen eine vom Revolutionsregime verhängte Regel als Angriff auf die Revolution gewertet und dementsprechend hart bestraft würde.

Auch die integrative Haltung zu den an der Revolution beteiligten Gruppierungen wurde aufgekündigt. Mehdi Bazargan und alle anderen Vertreter einer nicht-islamistischen Politik, die eben noch Staatsämter innehatten, sahen sich plötzlich von der Chomeini-Miliz, den sogenannten Revolutionswächtern (in vielen Quellen auch Revolutionsgarde genannt), verfolgt. Hierbei kam es zu blutigen und brutalen Szenen. Das Chomeini-Regime ging 1980 bis 1982 mit schonungsloser Härte gegen jeden vor, der in ihren Augen eine Gefahr für die Islamische Republik darstellte. Es kam zu öffentlichen Massenhinrichtungen und regelrechten Verhaftungsorgien durch die Revolutionsgarde. Die Ereignisse wurden später als die Massaker von 1981–1982 in Iran bekannt. Allein 1982 wurden zwischen 5.000 und 10.000 Menschen hingerichtet. In den Gefängnissen befinden sich bis zu 40.000 politische Gefangene, für die meisten bedeutet eine Inhaftierung Hunger, Folter und Krankheit. Die Brutalität des Vorgehens trug sicherlich erheblich dazu bei, dass sich die Opposition innerhalb des Landes bald auf ein fast irrelevantes Maß verringert hatte. Einzig die Mudschahedin leisteten heftigen Widerstand, bis 1981, als ihre Führung nach Paris floh. Zwischen ihnen und Revolutionsgarden kam es immer wieder zu Straßenschlachten mit vielen Toten. Letztendlich konnten sich das Regime und die chomeinitreuen Milizen durchsetzen.

Die Erlangung der Stabilität des Systems ist darüber hinaus aber auf einen weiteren Faktor zurückzuführen. Am 22. September 1980 griff der Irak unter der Führung Saddam Husseins die Islamische Republik Iran an und begann damit den Ersten Golfkrieg (auch Iran-Irak-Krieg genannt). Aus irakischer Sicht glaubte man, die innere Instabilität Irans ausnützen zu können. Aber die Rechnung ging nicht auf. Stattdessen entwickelte sich ein achtjähriger, zermürbender Krieg, der insgesamt fast eine Million Opfer forderte. (Die Schätzungen gehen weit auseinander, es handelt sich um mindestens 300.000 Iraner, darunter 50.000 bis 100.000 Kinder und Jugendliche.) Für die iranischen Kriegsopfer hatte die Islamische Republik Iran bereits zu Beginn des Krieges 500.000 Plastikschlüssel aus Taiwan bestellt, die nach dem Märtyrertod den iranischen Soldaten die Pforte zum Paradies öffnen sollten. Ein iranisches Gesetz erlaubte, dass Kinder ab dem 12. Lebensjahr auch gegen den Willen ihrer Eltern am Krieg teilnehmen durften.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Geschichte Irans seit 1979 | World in Stories