Die Geschichte Afrikas umfasst die Entwicklungen des Kontinentes Afrika von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Erkenntnisse der Paläoanthropologie und der Molekularbiologie, insbesondere Genanalysen, legen in der Tat nahe, dass die Wiege der Menschheit auf dem afrikanischen Kontinent stand. Afrika ist somit der am längsten von Menschen bewohnte Erdteil.
Der Kontinent hat aufgrund seiner Größe verschiedene kulturelle Regionen und Einflussbereiche:
Ägypten ist eine der ältesten Hochkulturen der Menschheit, die immer in Kontakt mit anderen Kulturen Asiens, Europas und Afrikas war;
das übrige Nordafrika (heute durch Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen vertreten) war seit dem Altertum in engem Kontakt mit Europa (Römisches Reich) und dem Nahen Osten (Islam).
Zwar behinderte die Sahara in historischer Zeit den kulturellen Austausch mit dem übrigen Afrika. Sie stellte jedoch – von zahlreichen Handelsrouten durchzogen – nie eine undurchlässige Sprach- und Gesellschaftsgrenze dar.
Das Horn von Afrika, insbesondere Äthiopien, Eritrea und Sudan, wird sowohl zum nördlichen Afrika gezählt als auch als Übergangsregion zum südlichen und östlichen Subsahara-Afrika verstanden. Gleichzeitig lassen sich hier Berührungen nach Asien erkennen.
Südlich der Sahara war Afrika bis etwa zur Zeitwende ohne ausgedehnte Staatsstrukturen und kannte nur begrenzte Landwirtschaft. Dabei macht beispielsweise der Urwald das Auffinden von archäologischen Fundstücken besonders schwer.
Am Südrand der Sahara entstanden in Mali erste Staaten.
Das Munhumutapa-Reich mit der Hauptstadt Groß-Simbabwe gilt als erstes Staatswesen im südlichen Afrika.
Die Sprachen Afrikas lassen ebenfalls eine Nord-Süd-Unterteilung erkennen. Während im Norden afroasiatische Sprachen verbreitet sind, überwiegen im Süden Niger-Kongo-Sprachen. Daneben existieren Khoisan- und andere Sprachen.
Die historische Quellenlage in der afrikanischen Geschichtsforschung gestaltet sich höchst unterschiedlich, in den meisten Regionen Afrikas aber problematisch. Während in Ägypten die schriftlichen Quellen bis in die Zeit vor 3000 v. Chr. zurück reichen, gibt es aus Zentral- und Südafrika fast überhaupt keine Quellen, die älter als 1000 Jahre sind. Die frühesten schriftlichen Aufzeichnungen zu Westafrika stammen von arabischen Autoren des 8. Jahrhunderts n. Chr. Archäologische Untersuchungen wurden in West- und Ostafrika erst in jüngerer Zeit unternommen, im Fall zum Beispiel der nigerianischen Nok-Kultur lassen sich die gefundenen Terrakotten etwa 2500 Jahre zurückdatieren. Deutlich ältere, steinzeitliche Zeugnisse finden sich an vielen Stellen Westafrikas. Die ältere Geschichte des Kontinents erschließt sich uns aber abgesehen von Nordafrika erst allmählich.
Die wissenschaftliche Erforschung der afrikanischen Geschichte beginnt mit dem deutschen Afrikaforscher Heinrich Barth, der auf seiner Reise durch Sahara und Sudan in den Jahren 1850 bis 1855 wertvolle Dokumente und Chroniken einsehen konnte, diese auswertete und als erster Historiker große Teile der westafrikanischen Vergangenheit rekonstruieren konnte. Barth erkannte als erster europäischer Gelehrter die Bedeutung von Felsbildern für die Rekonstruktion der Geschichte, wenngleich seine Datierung der Felsmalereien im Tassili n'Ajjer längst nicht mehr haltbar ist. Angesichts des grassierenden Rassismus und der unter den Gelehrten vorherrschenden Ansicht, dass die Afrikaner eine geschichtslose „Rasse“ seien, stieß er allerdings auf große Widerstände, und seine Forschungsergebnisse zur afrikanischen Geschichte gerieten in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert wurde sein interdisziplinär angelegter Forschungsansatz wieder aufgegriffen, vornehmlich von britischen und amerikanischen Historikern, aber auch von afrikanischen Fachkollegen wie Albert Adu Boahen und Joseph Ki-Zerbo.
Evolution des Menschen in Afrika
Afrika ist die Wiege der Menschheit. Hier wurden die frühesten Spuren der unmittelbaren Vorfahren des Menschen entdeckt, und hier hat sich auch der moderne Mensch (Homo sapiens) aus Homo erectus entwickelt. Allerdings sind die Forschungsergebnisse aufgrund insgesamt nur weniger Funde von Skelettresten (die allermeisten menschlichen Überreste werden in ziemlich kurzer Zeit völlig zersetzt) mit großen Unsicherheiten behaftet, die auch moderne genetische Untersuchungen bislang nicht haben beheben können.
Nach jüngsten paläoanthropologischen Forschungsergebnissen entwickelten sich die ersten Hominini vor sieben bis sechs Millionen Jahren in Afrika aus einer bis dahin gemeinsamen Entwicklungslinie mit den Vorfahren der heutigen Schimpansen. Schon der in Nordost-Afrika entdeckte, rund fünf Millionen Jahre alte Ardipithecus bewegte sich zumindest zeitweise aufrecht auf zwei Beinen. Durch diese Art der Fortbewegung (Bipedie) konnten die frühen Hominini sowohl am Rande von tropischen Wäldern als auch in der Savanne, die sich damals aufgrund klimatischer Veränderungen ausdehnte, überleben.
Vor mehr als vier Millionen Jahren entwickelten sich die Arten der Gattung Australopithecus – wahrscheinlich in Ostafrika.
Der nächste große Entwicklungsschub geschah vor etwa 2,5 Millionen Jahren mit dem Auftreten von Homo rudolfensis und Homo habilis, die bereits erste Steinwerkzeuge anfertigen konnten. Das afrikanische Early Stone Age begann damit deutlich früher als das europäische Altpaläolithikum.
Vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelten sich Homo ergaster bzw. Homo erectus. Homo erectus war vermutlich die erste Homo-Art, die Afrika verließ und sich über den vorderen Orient nach Europa und Asien auszubreiten begann; der europäische Neandertaler war ein Nachfahre dieser Expansion. Homo erectus gilt als die erste Art der Gattung Homo, die Feuer zu machen befähigt war.