Gertrud Sievert-Brausewetter (geb. Brausewetter; vollständiger Name: Gertrud Anna Sievert-Brausewetter, Pseudonyme: Gertrud Angely, Maria Nording; * 28. Februar 1872 in Stettin; † 13. Dezember 1954 in Stralsund) war eine deutsche Schriftstellerin, Herausgeberin und Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins des Deutschen Roten Kreuzes.
Sievert-Brausewetter verfasste Romane, Novellen, Feuilletons, Essays und Skizzen. Darüber hinaus veröffentlichte sie zahlreiche Aufsätze in führenden Tageszeitungen und Zeitschriften wie der Deutschen Tageszeitung oder der Stralsundischen Zeitung und war Herausgeberin der Beilage der Monatszeitschrift Besinnung.
In den 1920er-Jahren entstanden unter ihrer Leitung mehrere soziale Einrichtungen, darunter ein Kinderheim und ein Altenheim, das nach ihr Gertrudenheim benannt wurde. Sie organisierte die Schülerspeisung sowie Pflegedienste für alte und kranke Menschen.
Gertrud Sievert-Brausewetter wurde am 28. Februar 1872 in Stettin geboren. Ihre Mutter, Nathalie Saunier (1842–1927), war die Tochter des Stettiner Buchhändlers und Stadtverordnetenvorstehers Léon Saunier. Sie entstammte einer Hugenottenfamilie, die nach Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685 nach Brandenburg/Preußen eingewandert war. Ihr Vater Hans Friedrich Oskar Brausewetter (1833–1877) war Kaufmann und begründete in Stettin ein Kommissions- und Speditionsgeschäft. Er starb 1877 im Alter von 44 Jahren an Typhus, als Sievert-Brausewetter fünf Jahre alt war.
Sievert-Brausewetter hatte vier Geschwister. Ihre Schwester Else Brausewetter war Lehrerin. Ihre drei Brüder waren der evangelische Theologe Artur Brausewetter, der Offizier Richard Brausewetter und der Arzt Max Brausewetter. Alle drei waren ebenfalls schriftstellerisch tätig. Über ihren Bruder Artur Brausewetter veröffentlichte sie 1928 in der Zeitschrift Die Bücherschale eine biografische Skizze.
Am 13. Februar 1890 heiratete Gertrud Brausewetter den Pastor Otto Sievert (1861–1933), der an der St.-Gertrud-Kirche in Stettin tätig war. Neben seiner Arbeit als Pastor unterrichtete er Religion, Deutsch, Geschichte und Geographie in den mittleren und höheren Klassen der Dr. Wegener’schen höheren Töchterschule. Im Oktober 1889 wechselte er an die Marienkirche in Stralsund. Die Silberhochzeit von Gertrud Brausewetter und Otto Sievert wurde am 13. Februar 1915 im Marienpfarrhaus im engen Familienkreis gefeiert.
Aus der Ehe gingen die beiden Kinder Gerda Elise Natalie (* 1891, † unbekannt) und Ernst-Oskar Gustav (* 1893, † unbekannt) hervor. Gerda wurde Lehrerin und Ernst-Oskar Facharzt für Innere Medizin und ärztlicher Direktor der Versorgungskuranstalt Bad Mergentheim.
Ihre ersten Novellen und Romane veröffentlichte Sievert-Brausewetter zunächst unter den Pseudonymen Gertrud Angely und Maria Nording. In Stralsund wurde ihr größere öffentliche Aufmerksamkeit durch einen Vortrag über die Schriftsteller Bjørnstjerne Bjørnson und Henrik Ibsen zuteil. Bereits im Kindesalter war sie durch einen Umzug der Eltern nach Stralsund gekommen.
Die Veröffentlichung ihrer ersten Romane unter eigenem Namen erfolgte in den 1920er-Jahren. Zu diesen zählen Das unsichtbare Königreich (1921), Zwischen zwei Welten. Roman eines Zirkuskindes (1921) und Das heilige Leben (1926).
Sievert-Brausewetter publizierte in führenden Tageszeitungen und Zeitschriften „über das Wesen und Schaffen, über Aufgaben und Ziele der Frauen in Familie, Beruf und Gesellschaft.“ Insgesamt verfasste sie rund 250 Aufsätze, die überwiegend Frauenfragen behandelten, unter anderem für die Deutsche Tageszeitung in Berlin, den Würzburger Generalanzeiger, die Stralsundische Zeitung sowie für den Hörfunk. In den 1920er-Jahren wurde sie Mitarbeiterin der Stralsundischen Zeitung und Herausgeberin der Frauenbeilage der Monatszeitschrift Besinnung.
Anfang bis Mitte der 1930er-Jahre wurden mehrere Vorträge Sievert-Brausewetters im Hörfunk ausgestrahlt, darunter Mitleid ist nicht Hilfe – Hilfe ist zu ergreifende Tat (Ostmarken-Rundfunk, 30. Dezember 1932), Lerne reisen, ohne zu altern (Berliner Funkstelle, 9. Februar 1934) und die Hörfolge Schweigen (Berliner Funkstelle, 22. Oktober 1934), für die die Reichssendung das Verlagsrecht zur Herstellung von Schallplattenaufnahmen erwarb. Weitere Beiträge waren Was bedeutet das Meer im Leben der nordischen Frau? (Reichssender Königsberg, 4. Januar 1935), Das kleine Wörtchen Wenn (Reichssender Berlin, 20. März 1935) und Von der Arbeit der Frauenvereine im Roten Kreuz (Reichssender Berlin, 20. November 1936).
Sievert-Brausewetter engagierte sich in der sozialen Fürsorge. Zehn Jahre lang leitete sie in Stralsund den Vaterländischen Frauenverein des Deutschen Roten Kreuzes. Unter ihrer Leitung entstanden mehrere soziale Einrichtungen, darunter ein Kinderheim und ein Altenheim, das nach ihr Gertrudenheim benannt wurde. Darüber hinaus organisierte sie die Schülerspeisung sowie Pflegedienste für alte und kranke Menschen.
Im Jahr 1923 richtete Sievert-Brausewetter in der Mühlenstraße 31 in Stralsund das Gertrudenheim ein. Im Erdgeschoss entstanden ein Feierabendheim und ein Damen-Nachmittagsheim. Ein Kinderheim wurde im ersten Stock eingerichtet. Im Jahr 1929 wurde das Kinderheim erweitert und an die Kleine Parowerstraße Nr. 2a verlegt. Ein Jahr später, 1930, ließ Sievert-Brausewetter den zweiten Stock und den frei gewordenen ersten Stock zu einem Damen-Altersheim für neun ältere, alleinstehende Frauen ausbauen. Weitere zwei Jahre später, 1932, wurde dem Kinderheim das städtische Waisenhaus angegliedert. Beide Einrichtungen wurden anschließend unter die Gesamtleitung von Sievert-Brausewetter gestellt.
Anfang 1934 gelang es Sievert-Brausewetter, einen staatlichen Bauzuschuss („Reichsbauzuschuss“) und ein Darlehen vom Deutschen Roten Kreuz für einen Um- und Anbau des Gertrudenheims zu erwirken. Dadurch konnten vier neue Zwei-Zimmer-Wohnungen geschaffen werden, sodass das Gertrudenheim fortan 13 Kleinheime bot. Die unteren Räume des Damen-Nachmittagsheimes, das Sophienheim, wurden durch einen Anbau um einen dritten größeren Raum erweitert, den Sievert-Brausewetter zugleich der freiwilligen Sanitätskolonne zu Ausbildungszwecken zur Verfügung stellte. Am 6. November 1934 fand die feierliche Einweihung des Um- und Anbaus statt.
Sievert-Brausewetter zog später von Stralsund zu ihrem Sohn Ernst-Oskar Sievert nach Bad Mergentheim. Ob sie dort ihre letzten Lebensjahre verbrachte und verstarb, ist in der Literatur nicht einheitlich angegeben. In älteren Werken wird Bad Mergentheim als Sterbeort angegeben. So nennt der Nekrolog Literary Landmarks of 1955, erschienen 1956 in der von der Universität von Oklahoma herausgegebenen Zeitschrift Books Abroad, Bad Mergentheim als Sterbeort. Auch Friederichs verweist in ihrem Lexikon Die deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts (1981) auf Bad Mergentheim.
In der neueren Forschung wird hingegen Stralsund als Sterbeort genannt. Nößler betont in ihrer Anthologie Frauen in der Stralsunder Stadtgeschichte (1998): „Mit Sicherheit verstarb Gertrud Sievert-Brausewetter in Stralsund, genaue Angaben sind jedoch nicht bekannt.“ Grewolls nennt in ihrem Personenlexikon Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern (2011) ebenfalls Stralsund als Sterbeort.
Widersprüchliche Angaben gibt es auch hinsichtlich des Todesdatums. Friederichs datiert das Todesdatum auf den 13. Dezember 1954 und weist darauf hin, dass abweichende Angaben zum Jahr 1955 unzutreffend seien.
Während des Ersten Weltkriegs wurde ihr das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. Am 15. Mai 1925 erhielt sie zudem das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes II. Klasse.