Gerrit Zitterbart (* 9. Mai 1952 in Göttingen) ist ein deutscher Pianist, Kammermusiker und Hochschullehrer.
Gerrit Zitterbart erhielt im Alter von sieben Jahren ersten Klavierunterricht. Von 1971 bis 1979 folgten Studien an der Hochschule für Musik und Theater bei Erika Haase, Karl Engel und Lajos Rovátkay sowie in Salzburg (an der Sommerakademie Mozarteum), Freiburg und Bonn bei Hans Leygraf, Carl Seemann und Stefan Askenase. Zu Beginn der pianistischen Laufbahn standen Wettbewerbserfolge in der Schweiz, Belgien, Frankreich, Italien und Deutschland.
Im Jahr 1976 gründete er gemeinsam mit Ulrich Beetz (Violine) und Birgit Erichson (Violoncello) das Abegg Trio, das über 40 Jahre in dieser Besetzung zusammenarbeitete und bis 2017 ca. 1.250 Konzerte gab. 1979 bestand er das Konzertexamen. Er nahm Schallplatten auf und ging auch international der Konzerttätigkeit nach. Zitterbart spielte im Duo mit unter anderem Gunhild Hoelscher, Matthias Metzger, Elisabeth Kufferath, Friederike Starkloff (Violine), Jan Diesselhorst, Leonid Gorokhov, Christian Poltéra und Christoph Henkel (Violoncello), Denise Wambsganß (Mandoline), Felix Klieser, Stefan Katte (Horn) sowie mit Streichquartetten (Klenke, Malion, Mandelring, Tokio-Berlin, Gauss). Außerdem erfolgte eine Zusammenarbeit mit zahlreichen Sängern, darunter Heidrun Blase, Hans-Peter Blochwitz, Henryk Böhm, Tomasz Raff, Maya Boog und Susanna Pütters. Zitterbart war Mitglied des Arte Ensembles Hannover und trat im Klavier-Quartett mit dem Kandinsky Trio auf.
Seit 2002 liegt einer seiner Schwerpunkte in Konzerten auf historischen Hammerflügeln. Es entstanden CD-Aufnahmen auf Hammerflügeln u. a. mit Werken der Bachsöhne, von Mozart, Clementi, Haydn, Beethoven, Hummel, Schubert, Mendelssohn Bartholdy, Brahms, Dvořák und Liszt. Im Mai 2008 gab Zitterbart als erster Pianist Klavierabende mit einem Hammerflügel in Peking.
Gerrit Zitterbart hatte Ilsemarie Habermann geheiratet. Aus der Ehe gingen ein Sohn und drei Töchter hervor.
Von 2012 bis Ende 2024 leitete Zitterbart in der Göttinger Altstadt einen Clavier-Salon, in dem pro Monat vor jeweils maximal 60 Zuhörern sieben bis zehn Konzerte stattfanden. Es standen dort ständig neun historische Tasteninstrumente bereit: Clavichord, Spinett, englische Squarepianos, Hammerflügel aus Wien, Paris und Berlin. Ebenfalls wurden Konzerte junger internationaler Preisträger mit Programmen für Klavier solo und Klavier-Kammermusik veranstaltet. Konzerte für Kinder hatten das Ziel, diesen die klassische Musik näherzubringen. Zitterbart produzierte auch spezielle Kinder-CDs (Die Familie Bach, Musik, die Geschichten erzählt, Robert & Peter).
Von 1981 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2022 lehrte Zitterbart an der Staatliche Hochschule für Musik und Theater Hannover, zunächst als Lehrbeauftragter; 1983 wurde er zum Professor ernannt. 2007 bis 2010 war er Vizepräsident der Hochschule und war über viele Jahre Sprecher der Fachgruppe Klavier und Studiengangssprecher der Bachelor- und Master-Studiengänge Tasteninstrumente. Um jungen Musikern den Zugang zu historischen Spielweisen zu vermitteln, gründete Zitterbart an der Hochschule den Verein Clavier e. V., der die Finanzierung einer Instrumentensammlung als Überblick über die wichtigsten Stationen des Klavierbaus ermöglicht.
Zitterbart war 1977 und 1978 Preisträger bei Konzerte Junger Künstler in Hannover. Er erhielt in Frankreich den Choc für seine Einspielung mit frühen Mozart-Klavierkonzerten, mit dem Abegg Trio wurde er fünfmal beim Preis der deutschen Schallplattenkritik (Vierteljahresliste) ausgezeichnet, in Colmar, Genf (1977), Florenz (1980), Bonn (1979) und Bordeaux (1981).
Wolfgang Amadé Mozart: Tre Sonate. Klaviersonaten a-Moll KV 310, C-Dur KV 330, B-Dur KV 333 (Tacet; 1989)
Ludwig van Beethoven: Klaviersonaten. Sonaten D-Dur op. 10,3, d-Moll op. 31,2, C-Dur op.53 / Sturm-Sonate / Waldstein-Sonate (Tacet; 1990)
Wolfgang Amadé Mozart: Klavierkonzerte C-Dur KV 246, B-Dur KV 595. Mit dem Berliner Barockorchester, Dirigent: Konrad Latte (gutingi; 1991)
Frédéric Chopin: Balladen, Nocturnes, Sonate. Klaviersonate Nr. 3 op.58; Balladen Nr. 1-4; Nocturnes Nr. 1, 8, 15, 20 (Tacet; 1992)
What about this, Mr. Clementi: Flügel von Bechstein, Bösendorfer, Fazioli, Steinway, Yamaha. Werke von Blacher, Debussy, Strawinsky, Skrjabin, Berg, Stockhausen: (Tacet; 1993)
Frédéric Chopin Recital. Andante spianato & Polonaise op.22, Polonaise-Fantaisie op.61, Fantaisie op.49, Impromptus op.36 & 66, Mazurken, Walzer (gutingi; 1994)
Sonatinen-Album. Werke von Mozart, Clementi, Beethoven, Kuhlau, Schumann, Reger, Satie, Ravel, Bartók (gutingi; 1996)
Johann Christian Bach: Klaviersonaten op. 5,2-4 / Wolfgang Amadé Mozart: 3 Klavierkonzerte nach Sonaten von J. Chr. Bach KV 107, 1-3. Mit dem Schlierbacher Kammerorchester, Dirigent: Thomas Frey (Hänssler Classic; 1996)
Wolfgang Amadé Mozart: Klavierkonzerte F-Dur KV 37, B-Dur KV 39, D-Dur KV 40, G-Dur KV 41. Mit dem Schlierbacher Kammerorchester, Dirigent: Thomas Fey (Hänssler Classic; 1997)
Franz Schubert: Sonaten A-Dur D 959, B-Dur D 960 (gutingi; 1997)