Gerhard Riecker (* 2. Februar 1926 in Karlsruhe; † 29. Juli 2022 in Pullach im Isartal bei München) war ein deutscher Kardiologe und leitete als ordentlicher Professor für Innere Medizin vom 1. September 1974 bis zum 31. März 1994 als Direktor die I. Medizinische Klinik am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Gerhard Riecker absolvierte seine Schulzeit in Mannheim. 1944 machte er das Abitur und wurde nach dem Reichsarbeitsdienst zum Militärdienst (in der Flakabwehr) einberufen. Er geriet mit Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft. Während dieser Zeit konnte er (nach der Genfer Konvention als angehender Offizier) in den USA 1946 sein Medizinstudium beginnen. Von 1947 bis 1951 studierte er dann an der Universität Heidelberg und schloss im Sommer 1951 das Studium mit dem Staatsexamen ab. Im selben Jahr wurde er zum Dr. med. promoviert. In Heidelberg lernte er den damaligen dortigen Oberarzt Herbert Schwiegk kennen.
Von Juli 1951 bis August 1952 begann er seine berufliche Tätigkeit im Pharmakologisches Institut der Universität Heidelberg (Fritz Eichholtz). Im August 1952 wechselte er an das Physiologisches Institut der Universität Marburg (Kurt Kramer), um sich dann ab Januar 1954 in der Medizinischen Poliklinik der Universität Marburg (Herbert Schwiegk) endgültig der Inneren Medizin zuzuwenden.
Schwiegk wurde im Herbst 1958 als Direktor der 1. Medizinischen Klinik an die Universität München berufen. Gerhard Riecker folgte ihm nach München, erfuhr am 7. März 1960 seine Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin und nach seiner Habilitation in München am 6. September 1960 seine Ernennung zum Privatdozenten für Innere Medizin. Von 1963 bis 1968 war er Leitender Oberarzt an der 1. Medizinischen Klinik der Universität München unter Herbert Schwiegk. Am 4. Januar 1966 erfolgte dort Rieckers Ernennung zum außerplanmäßigen Professor.
Im Sommer 1968 wurde Riecker als Direktor und zum ordentlichen Professor auf den Lehrstuhl für Innere Medizin II an die Universität Göttingen berufen, folgte diesem Ruf und lehrte dort bis 1974. Als er 1972 auf den Lehrstuhl für Innere Medizin und als Direktor der Medizinischen Poliklinik an die Universität Bonn (Nachfolge Walter Siegenthaler) berufen wurde, nahm er diesen Ruf nicht an. Stattdessen bewarb er sich, nachdem er am 11. Oktober 1972 die Zulassung für Kardiologie erhalten hatte, in München.
Er wurde auf den Lehrstuhl für Innere Medizin und als Direktor der Medizinischen Klinik I im neu errichteten Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München berufen und begann am 1. September 1974 seine neue Tätigkeit.
Zwischen 1974 und dem Tag seiner Emeritierung am 31. März 1994 baute er, unterstützt von einem großen Mitarbeiterstab, die neue Klinik auf.
Gerhard Riecker lebte mit seiner Frau Brigitte Riecker († 2018), geb. Bender (Eheschließung 1952), in Pullach bei München, wo er am 29. Juli 2022 im Alter von 96 Jahren starb.
Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Klinik I, Universität München (1974–1994)
Cardiomyopathien, Herzinsuffizienz, einschl. molekular-biochemische Untersuchungen
Viruskarditis, einschl. gentechnologischer Verfahren
Herzrhythmusstörungen, Antitachykardie-Systeme, einschl. Ablationstechniken
Koronare Herzkrankheit, einschl. Atherektomietechnik
Dialysetechniken, einschl. Biophysik technischer Membranen
Immunerkrankungen der Bronchien und Lungen, einschl. molekular-biolog.Verfahren
Tätigkeiten als Herausgeber, Mitherausgeber und Fachgutachter
Schock (= Handbuch der inneren Medizin. Band 9: Herz und Kreislauf. Teil 2). 5., völlig neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York / Tokyo 1984, ISBN 3-540-12543-4, und weitere Auflagen.
Therapie Innerer Krankheiten. Springer-Verlag, Berlin 1973 und weitere Auflagen.