Gerhard Richter (* 9. Februar 1932 in Dresden) ist ein deutscher Kunstmaler, Bildhauer und Fotograf. Er war von 1971 bis 1993 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Werke zählen auf dem Kunstmarkt zu den teuersten eines lebenden Künstlers. Er ist Mitglied der Berliner Akademie der Künste.
Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren und wuchs als ältestes Kind des Lehrers Horst Richter und dessen Ehefrau Hildegard Richter Schönfelder in Reichenau und Waltersdorf in der Oberlausitz auf. 1958 heiratete er die Tochter Heinrich Eufingers, Marianne „Ema“ Eufinger. Ende Februar 1961 flüchteten Richter und seine Frau aus der DDR über West-Berlin nach Westdeutschland, wo 1966 die gemeinsame Tochter Babette geboren wurde.
Die Ehe mit Ema wurde 1982 geschieden. Im selben Jahr heiratete Richter die Bildhauerin Isa Genzken, seine Meisterschülerin; die Ehe endete nach elf Jahren durch Scheidung. 1995 heiratete Richter die Malerin Sabine Moritz (* 1969). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Moritz, Ella Maria und Theodor. Seit 1983 lebt Richter in Köln mit Atelier im Kölner Stadtteil Hahnwald.
2004 wurde durch einen Artikel im Berliner Tagesspiegel, der vor dem Hintergrund von Jürgen Schreibers Ein Maler aus Deutschland erschien, ein Aspekt aus Richters Familiengeschichte bekannt: Seine Tante Marianne Schönfelder wurde 1945 im Rahmen der zweiten Phase der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus, der Aktion Brandt, durch NS-Ärzte ermordet.
Richters erster Schwiegervater Heinrich Eufinger, „Emas“ Vater, gehörte als SS-Obersturmbannführer und Verantwortlicher für die Zwangssterilisationen in Dresden zu den Tätern. Richter, der seinen Schwiegervater mehrfach porträtiert hatte, wusste bei seiner Heirat mit Ema Eufinger von diesen Zusammenhängen nichts.
1965 hat er mit dem Gemälde Herr Heyde, das die Verhaftung des hauptverantwortlichen SS-Arztes für die Massenmorde an körperlich und geistig behinderten Menschen zum Thema hat, die „Euthanasie“ als einer der ersten bildenden Künstler in der Nachkriegszeit behandelt und mit dem etwa zeitgleich entstandenen Gemälde Tante Marianne den Opfern ein Gesicht gegeben.
Im Zuge der Flüchtlingskrise in Europa 2015/2016 bezeichnete Richter die „Parole der Willkommenskultur“ als „verlogen“ und „unnatürlich“. Die Flüchtlinge – damals hauptsächlich aus Syrien, Irak und Afghanistan – seien „nicht willkommen“.
Beim russischen Überfall auf die Ukraine 2022 spendete er fünf Kunstdrucke mit einem geschätzten Gesamtwert von über 150.000 Euro für Flüchtlinge aus der Ukraine und Kriegsopfer vor Ort. Das Manager Magazin schätzte sein Vermögen 2019 auf 700 Millionen Euro. Er lag damit auf Platz 230 der „1001 reichsten Deutschen“.
1948 beendete er die Höhere Handelsschule in Zittau mit der Mittleren Reife und wurde dort von 1949 bis 1951 zum Schriften- sowie Bühnen- und Werbemaler ausgebildet. 1950 wurde sein Aufnahmeantrag für die Hochschule für Bildende Künste Dresden abgelehnt. Von 1952 bis 1956 studierte er an der Kunstakademie Dresden. Seine Lehrer waren Karl von Appen und Heinz Lohmar. 1955 schuf Richter für sein Vordiplom das Wandgemälde Abendmahl mit Picasso für die Mensa der Dresdner Akademie, 1956 folgte als seine Diplomarbeit das 63 m² große Wandbild Lebensfreude in den Räumen des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden, das mit seinen fünf Figurengruppen als „Geschichte vom Kennenlernen eines Paares bis zur Elternschaft“ gelesen werden kann. Beide Gemälde wurden nach Richters Flucht in die Bundesrepublik 1961 übermalt; nach der Wiedervereinigung wurde das dem Sozialistischen Realismus zuzuordnende Lebensfreude an zwei Stellen freigelegt und erneut übermalt. 2024 wurden von dem unter zehn Farbschichten steckenden Bild für eine Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum 19 m² – die 30 Prozent der Bildfläche entsprechen – freigelegt.
Von 1957 bis 1961 arbeitete er als Meisterschüler an der Akademie und übernahm Staatsaufträge der DDR. In dieser Zeit entstand ein umfangreiches Werk an Wandbildern wie Arbeiterkampf und Ölgemälden wie Porträts von Angelica Domröse und von Richters erster Ehefrau. Die Lesende von 1960 gehört zum kaum noch erhaltenen Frühwerk aus Richters Dresdner Zeit. In einem Interview mit der Frühwerk-Expertin Jeanne Anne Nugent von der New York University wird Richter konkret zu dieser seiner Lesenden Ema befragt und bestätigt die Einschätzung der Expertin, dass dieses Bild zu den intimsten seiner Familienbilder zählt, genauso wie das Stadtbild von Dresden und Zeichnungen wie Selbstporträts.
Nach seiner Flucht nach Westdeutschland 1961 musste er seine in der DDR geschaffenen Kunstwerke zurücklassen; teilweise soll er sie vor seiner Abreise verbrannt haben. Nur wenige dieser Bilder blieben erhalten und werden nicht in seinem Werkverzeichnis aufgeführt. Auch andere frühe Bilder wie das Hüttenwerk Rheinhausen stehen nicht in Richters Werkliste. In Band 3 und 4 von Richters Catalogue Raisonné (Hatje Cantz, 2015) wird seine gesamte ostdeutsche Frühzeit ausdrücklich ausgeschlossen.
Von 1961 bis 1963 setzte Richter sein Kunststudium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Ferdinand Macketanz und Karl Otto Götz fort. Seine Mitstudenten in der Klasse Götz waren Sigmar Polke, HA Schult, Kuno Gonschior, Franz Erhard Walther, Konrad Lueg und Gotthard Graubner.
Nachdem Richter Ende der 1960er Jahre als Kunsterzieher gearbeitet hatte und 1966 Gastdozent an der Hochschule für bildende Künste Hamburg gewesen war, erhielt er 1971 an der Düsseldorfer Kunstakademie eine Professur für Malerei. Hier lehrte er bis 1993. 1972 setzte er sich mit Uwe Johnson, Heinrich Böll, David Hockney, Günther Uecker, Henry Moore, Richard Hamilton, Peter Handke und Martin Walser für seinen Kollegen Joseph Beuys ein, dem vom damaligen nordrhein-westfälischen Wissenschaftsminister Johannes Rau die Lehrerlaubnis entzogen worden war.
Im Juni 1964 hatte Richter unter dem Titel Gerd Richter. Fotobilder, Portraits und Familien in der Galerie Friedrich & Dahlem in München seine erste Einzelausstellung. Bereits in der zweiten Jahreshälfte wurden Einzelausstellungen bei Alfred Schmela in Düsseldorf und bei René Block in Berlin eröffnet. Richter war bald in vielen in- und ausländischen Galerien und Museen präsent. Im September 1971 stellte Richter in der damals noch jungen Galerie Erhard Klein in Bonn graphische Arbeiten aus.
1972 war er im Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig mit der Werkgruppe 48 Portraits vertreten. Im Sommersemester 1978 nahm er – in der Nachfolge von Kasper König und Benjamin Buchloh – eine Gastprofessur am Nova Scotia College of Art and Design im kanadischen Halifax an. Da er hier kein Atelier zur Verfügung hatte, beschäftigte er sich mit visuellen Phänomenen. So fotografierte er das Gemälde Halifax analytisch in 4 cm × 4 cm großen Segmenten und stellte sie in einem Buch 128 details from a picture (Halifax 1978) zusammen, das im selben Jahr in der Press of the Nova Scotia College of Art and Design erschien.
1984 war er bei der Ausstellung Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf vertreten. Anfang der 1990er Jahre konnte die Parlamentspräsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Hanna-Renate Laurien, ihn dafür gewinnen, fünf seiner Gemälde für den Festsaal des Abgeordnetenhauses zur Verfügung zu stellen. Richters internationale künstlerische Anerkennung nahm in den Folgejahren zu, sodass ihm 1993/1994 eine umfassende Retrospektive mit Stationen in Paris, Bonn, Stockholm und Madrid gewidmet wurde. 2002 feierte ihn das Museum of Modern Art in New York anlässlich seines 70. Geburtstags mit einer umfassenden Retrospektive mit 188 Exponaten.
Im August 2004 wurden die Gerhard-Richter-Räume im Dresdner Albertinum mit 32 Werken als Dauerleihgabe eröffnet. Anfang 2005 fand in der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW K20 eine umfangreiche Ausstellung statt, in der unter anderem die Scheibenbilder und die Gemäldegruppe acht grau zu sehen waren. Im unteren Bereich befand sich das aus 130 C-Prints bestehende 9 m × 9 m große Werk Strontium aus dem Jahre 2004 (für das De Young Museum, USA). Die Ausstellung wurde anschließend in der Münchner Städtischen Galerie im Lenbachhaus sowie in Kanazawa und Sakura in Japan präsentiert. 2006 wurde in Dresden das Gerhard Richter Archiv ins Leben gerufen, das unter der Leitung von Dietmar Elger steht.