Gerhard Rüdiger „Gundi“ Gundermann (* 21. Februar 1955 in Weimar; † 21. Juni 1998 in Spreetal) war ein deutscher Liedermacher und Rockmusiker.
In der DDR galt der Baggerfahrer Gundermann ab den 1980er Jahren als Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier. Nach der deutschen Wiedervereinigung widmete er sich verstärkt dem Umweltschutz und äußerte sich kritisch über die soziale Entwicklung in Ostdeutschland.
Seine oft von einem melancholischen Unterton geprägten Lieder spiegeln teils eine sehr persönlich wirkende Auseinandersetzung mit niedergehenden Industrierevieren, Leben und Sterben, einfachen Alltagsgeschichten, Umwelt oder Arbeitslosigkeit wider. Durch die derart vermittelten Themen gelten Gundermanns Lieder als von einer persönlichen Authentizität getragen.
Gundermann war von 1976 bis 1984 Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), was 1995 bekannt wurde.
Gerhard Gundermann wurde 1955 in Weimar als Sohn eines Werkzeugmachers und einer Sachbearbeiterin und Gewerkschaftsfunktionärin geboren. 1966 ließen sich die Eltern scheiden. Als Zwölfjähriger fand Gundermann eine aus dem Krieg stammende Pistole 08 seines Vaters, die er Spielkameraden zeigte. Sein Vater wurde wegen illegalen Waffenbesitzes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und brach daraufhin jeden Kontakt zu ihm ab. Gundermann beschrieb 1979 diese Episode in dem Lied 08. Seine Mutter zog 1967 mit ihren Kindern nach Hoyerswerda im Bezirk Cottbus. Während seine Schwester in einen Jugendwerkhof geschickt wurde, war Gerhard in seiner Schulklasse in Hoyerswerda isoliert und sehnte sich nach Zugehörigkeit.
1973 legte Gundermann sein Abitur ab und studierte im Rahmen der Ausbildung zum Politoffizier der NVA zunächst in Löbau an der Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“. Dort sang er im Armeesingeklub. Da er sich weigerte, ein Loblied auf den General Heinz Hoffmann zu singen, wurde er 1975 exmatrikuliert.
Gundermann arbeitete vorrangig als Baggerfahrer im Braunkohlebergbau.
Die längste Phase der Erwerbstätigkeit war 1975 bis 1992 im Tagebau Spreetal. Er begann als Hilfsarbeiter, absolvierte die Abendschule zum Facharbeiter 1976 und bestand 1978 die Prüfung zum Baggerfahrer. Er fuhr den Schaufelradbagger SRs 500/630 mit der Gerätenummer 1417. Sein konfliktbehaftetes Wirken an diesem Arbeitsplatz ist im Film Gundi Gundermann dokumentiert.
1992 wurde Gundermann in den Tagebau Scheibe versetzt, wo er weiterhin als Baggerfahrer arbeitete. Durch den Wechsel von Ort und Kollegen wurden die Beziehungen fragiler und das Ende immer absehbarer: Zum Jahresende 1996 wurde er entlassen.
1997 war Gundermann zunächst kurz arbeitslos. Er begann eine Umschulung zum Tischler. Dabei leistete ihm der Staat finanzielle Unterstützung. Seine Schwierigkeiten im Handwerk und mit dem Radioprogramm der Kollegen sind im Film Gundermann – Ende der Eisenzeit dokumentiert.
1978 fuhr Gundermann mit dem Singeklub Hoyerswerda zum Festival des politischen Liedes nach Ost-Berlin, wo er auch noch später auftrat. Im selben Jahr benannte sich der Singeklub in Brigade Feuerstein um. Das musikalische Märchen Raskadonien wurde erstmals aufgeführt.
1980/1981 schrieb Gundermann zusammen mit Alfons Förster das Kindermusical Malvina, mit dem er zusammen mit der Brigade Feuerstein erfolgreich tourte. Gundermanns spätere Ehefrau Conny war Mitglied der Gruppe und spielte die Titelrolle der Malvina.
Erste Erfolge als Solokünstler
1986 hatte er erste Soloauftritte als Liedermacher und gewann 1987 den Hauptpreis und den Preis der Schallplatte bei den Chansontagen der DDR. 1988 erschien sein erstes Album Männer, Frauen und Maschinen, das nicht im Liedermacher-Stil, sondern mit Rockmusikanten wie Tina Tandler und Peter Gläser eingespielt wurden. Diesen Stil setzte er live und im Studio fort (z. B. Gundermann und Freunde, Die Wilderer unter anderem mit Delle Kriese, ab 1992 dann Gundermann & Seilschaft unter anderem mit Tina Powileit). In dieser Zeit trennten sich Gundermann und die Brigade Feuerstein, da sich seine hohen Ansprüche nicht mehr mit denen der Bandmitglieder vertrugen. 1989 löste sich die Band auf, doch nach der politischen Wende gab es sporadisch noch einige gemeinsame Auftritte. Gundermann wirkte als Texter für die Silly-Alben Februar (1989) und Hurensöhne (1993) mit. Andersherum wirkten die Silly-Mitglieder Rüdiger Barton, Uwe Hassbecker, Hans-Jürgen Reznicek und Herbert Junck am Gundermann-Album Einsame Spitze (1992) mit. Auch kulturpolitisch mischte Gundermann sich ein: Auf dem Kongreß der Unterhaltungskunst der DDR hielt er am 1. März 1989 eine Rede, die dem neuen Denken von Michail Gorbatschow entsprach.
Durchbruch und Popularität im Osten
In den 1990er Jahren konnten der „singende Baggerfahrer aus der Lausitz“ und seine Seilschaft mit Titeln wie Engel über dem Revier (musikalische Verarbeitung der für sein Leben einschneidenden Entlassung aus dem Tagebau 1997) oder Hier bin ich geboren (Reflexion der eigenen Heimat und Herkunft) eine wachsende Fangemeinde um sich versammeln. Mit seinem breiten Themenspektrum in den Songs über niedergehende Industriereviere, Leben und Sterben, einfache Alltagsgeschichten, Umwelt oder Arbeitslosigkeit wurde Gundermann im Osten populär, während er in den alten Bundesländern nahezu unbekannt blieb. Die kritisch-poetische Analyse der deutschen Wiedervereinigung und ihrer Folgen für Ostdeutschland nahm auf seinen späteren Platten eine zentrale Stelle ein. Besonders wichtig war ihm die Auseinandersetzung mit Themen wie Ausbeutung, Mensch, Natur, Ökologie sowie Armut, Arbeit und Reichtum.
Neben seinen Band-Auftritten mit seiner Band Seilschaft, die auch alle Alben ab 1993 einspielte, tourte Gundermann häufig als Liedermacher mit seinen Soloprogrammen und wirkte an verschiedenen Projekten mit, beispielsweise am Programm Doppelkopp mit dem Liedermacher Manfred Maurenbrecher. 1994 spielten Gundermann & Seilschaft im Vorprogramm von Bob Dylan und Joan Baez.
1997 unterstützte er die Gründung des Liedermacherfestivals Hoyschrecke in der Kulturfabrik Hoyerswerda, in deren Räumen er kurz vor seinem Tod noch mehrere Konzerte spielte. Sein letztes Konzert spielte er eine Woche vor seinem Tod in Krams. Es wurde noch im selben Jahr posthum als CD veröffentlicht.