An diesem Tag

Gerhard Graf von Schwerin

Deutscher Offizier, zuletzt General der Panzertruppe im Zweiten Weltkrieg

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Gerhard (Gerd) Helmut Detloff Graf von Schwerin (* 23. Juni 1899 in Hannover; † 29. Oktober 1980 in Tegernsee, Oberbayern) war ein deutscher General der Panzertruppe im Zweiten Weltkrieg. Er wurde 1950 zum „Berater für Militär- und Sicherheitsfragen“ verpflichtet. Ihm kommt eine Schlüsselrolle in der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland unter Konrad Adenauer zu.

Graf Schwerin wurde als jüngstes von sechs Kindern von Kurt Detloff von Schwerin, damals Polizeipräsident in Hannover und später Regierungspräsident in Köslin, geboren. Die Mutter des Gerd von Schwerin war Anna von Puttkamer (* 1860; † 1945). Er gehörte dem Adelsgeschlecht von Schwerin an, einer Familie des mecklenburgischen und pommerschen Uradels mit langer militärischer Tradition. Sein älterer Bruder war der spätere Journalist und Politiker Eberhard. Bereits im Alter von acht Jahren verlor er seinen Vater und wuchs danach praktisch als Einzelkind auf. Nach dem Besuch der Gymnasien in Köslin und Anklam trat er Ostern 1912 im Alter von 12 Jahren in die Kadettenanstalt in Köslin ein und wechselte im Jahr darauf an die Hauptkadettenanstalt Lichterfelde.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam der Obersekundaner als Fahnenjunker zum 2. Garde-Regiment zu Fuß und war zunächst beim Berliner Ersatzbataillon des Regiments in der Rekrutenausbildung tätig. Auf eigenen Wunsch wurde er Anfang Mai 1915 zum kämpfenden Teil des Regiments nach Galizien versetzt und war dort zunächst als Ordonnanz bei Bataillonsstäben tätig. Kurz vor seinem 16. Geburtstag erhielt er im Juni 1915 das Offizierspatent und wurde zum Leutnant befördert. Im weiteren Verlauf des Krieges war er an der Ost- und Westfront Zugführer und Kompaniechef in den MG-Kompanien des Regiments und zuletzt (ab Juli 1918) Bataillonsadjutant im Rang eines Oberleutnants. Nach einer Verwundung am 26. September 1918 verbrachte Graf Schwerin die Wochen unmittelbar vor Kriegsende im Berliner Elisabeth-Krankenhaus.

Er wurde danach als Leutnant in das Reichsheer übernommen und diente in verschiedenen Freikorps, darunter dem Generalkommando „Lüttwitz“ und der Garde-Kavallerie-Schützen-Division. 1920 schied er aus dem Heer aus.

Nach einer kaufmännischen Lehre bei der Kaffeehandels-AG in Bremen und einer Stellung als Leiter der Transportabteilung der AG für Petrol-Industrie in Berlin kehrte Schwerin im Sommer 1923 in die Reichswehr zurück. Zunächst kam er in das 1. (Preußische) Infanterie-Regiment nach Königsberg, später zum 3. Infanterie-Regiment und 1931 schließlich zum 18. Infanterie-Regiment in Paderborn.

Am 1. Mai 1933 erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann. Nach einer zweijährigen Generalstabsausbildung an der Berliner Kriegsakademie wurde er im Oktober 1935 nach Bremen in den Stab der neuaufgestellten 22. Infanterie-Division versetzt. Nach der Beförderung zum Major i. G. übernahm er am 1. Oktober 1938 die Leitung der Gruppe „USA/England“ der Abteilung „Fremde Heere West“ beim Oberkommando des Heeres und wurde in dieser Stellung am 1. April 1939 zum Oberstleutnant befördert. Nach Kritik an Adolf Hitler wurde er aus dem Generalstab entfernt.

Im Oktober 1939 übernahm er das I. Bataillon des motorisierten Infanterie-Regiments „Großdeutschland“. Im Februar 1940 wurde er vertretungsweise dessen Regimentskommandeur. Während des Westfeldzuges kämpfte sein Regiment zunächst in Belgien im Gebiet von Nives, Witry und Neufchâteau, später in Frankreich an der Somme.

Nach Untersuchungen Anfang des 21. Jahrhunderts war seine Truppe hier an mindestens zwei Massakern beteiligt. Zahlreiche unbewaffnete schwarzafrikanische Angehörige der französischen Armee, sogenannte Tirailleurs sénégalais, die sich bereits ergeben hatten, wurden dabei ermordet. Belegt sind zwei Massaker an schwarzafrikanischen Soldaten und ihren europäischen Offizieren. Am 10. Juni 1940 wurden mindestens 150 Tirailleurs im Raum Erquinvillers auf dem Marsch nach Montdidier ermordet (siehe 24e régiment de tirailleurs sénégalais). Am 19. und 20. Juni 1940 kam es zu einer Serie von Massakern im Raum Chasselay, bei denen das Regiment und die SS-Division Totenkopf etwa 100 Tirailleurs und ihre Offiziere ermordeten. Die Opfer wurden 1942 auf einem eigens errichteten Ehrenfriedhof bestattet.

Im Frühjahr 1941 wurde Schwerin als Führer des Regimentsstabs z. b. V. 200 nach Nordafrika versetzt. Im April 1941 unternahm eine von ihm geführte deutsch-italienische Abteilung, die sogenannte „Kampfgruppe Schwerin“, einen langen Aufklärungsvorstoß in den Fezzan und legte dabei 2000 km zurück. Die „Kampfgruppe Schwerin“ konnte die Oase Mechili einnehmen und über 2.000 Briten gefangen nehmen, darunter zwei Generäle (siehe Belagerung von Tobruk). Anschließend wurde Schwerin Kommandeur des Panzer-Regiments 5 der 5. Leichten Division, das er kurzzeitig in den Kämpfen in Libyen führte, bevor er in die Führerreserve versetzt wurde.

Am 1. August 1941 wurde er zum Oberst befördert und im gleichen Monat Kommandeur des Infanterie-Regiments 76 (mot.) der 20. Infanterie-Division (mot.) an der Ostfront. Dort bewährte er sich in Angriff und Verteidigung am Wolchow, bei Schlüsselburg, an der Newa sowie bei Leningrad und erhielt am 17. Januar 1942 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Zwischenzeitlich war er mit der Führung der 254. Infanterie-Division beauftragt. Am 23. Juli 1942 übernahm er den Befehl über die 8. Jäger-Division.

Im Oktober 1942 wurde Schwerin zum Generalmajor befördert. Ab November 1942 befehligte er die 16. Infanterie-Division (mot.), die im Südabschnitt der Ostfront bei der 4. Panzerarmee eingesetzt war. Mit diesem Verband kämpfte er im Raum südlich von Stalingrad. Dort war seine Division das einzige Bindeglied zwischen den Truppen vor Stalingrad im Norden und der Heeresgruppe A im Kaukasus. Im Frühjahr 1943 wurde die Division nach schweren Verlusten aus der Front gezogen und aufgefüllt und im Juni 1943 zur Panzergrenadierdivision umgegliedert. Anschließend wurde die Division wieder der Heeresgruppe Süd unterstellt. Am 17. Mai 1943 erhielt Schwerin für die Leistungen seiner Division während der Rückzugskämpfe das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Es folgten verlustreiche Gefechte bei Isjum, Slowjansk, Stepanowsk und Kriwoi Rog. Für diese erhielt Schwerin am 4. November 1943 die Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes. Im März 1944 wurde die Division im Raum Uman zerschlagen. Ihre Reste wurden nach Frankreich verlegt, wo aus diesen unter Schwerins Kommando die 116. Panzer-Division gebildet wurde.

Als am 6. Juni 1944 amerikanische, britische, französische und kanadische Streitkräfte in der Normandie landeten (siehe Operation Overlord), lag Schwerins 116. Panzerdivision nördlich von La Roche-Guyon. Bis zum 19. Juli behielt General Hans Speidel die Division im Großraum Paris als Reserve zurück; dann rückte die Division in Richtung Normandie ab. Schwerin wurde am 7. August, während des Unternehmens Lüttich, nach Auseinandersetzungen mit seinem unmittelbaren Vorgesetzten Hans Freiherr von Funck, als Kommandeur der 116. Panzerdivision abgesetzt. Die Division entging dem Kessel von Falaise dann unter der Führung ihres Ersten Generalstabsoffiziers, Heinz Günther Guderian. Schwerin übernahm den Befehl am 23. August 1944 wieder.

Nach verlustreichen Rückzugskämpfen in Frankreich und Belgien erreichte Schwerin mit seiner Division am 12. September 1944 Aachen, das damals evakuiert wurde. Zuvor hatte Reichsführer SS Heinrich Himmler die Evakuierung der Stadt untersagt. Aachen lag zwischen der ersten und zweiten Verteidigungsstellung des Westwalls und war die erste deutsche Großstadt, die von den Alliierten angegriffen wurde. Schwerins Division wurde am 13. September mit der Verteidigung der Stadt beauftragt.

Am 13. September 1944 ordnete Graf von Schwerin als Kommandeur der 116. Panzer-Division die standgerichtliche Aburteilung mutmaßlicher Plünderer in Aachen an. Tatsächlich wurden ausschließlich zwei 14-jährige Jugendliche vor ein improvisiertes Standgericht gestellt, während die gleichzeitig festgenommenen Erwachsenen freigelassen wurden. Nach einem Verfahren ohne dokumentiertes Urteil oder Verhandlungsprotokoll wurden die beiden Jungen noch am selben Tag wegen angeblicher Plünderung zum Tode verurteilt und erschossen. In einer schriftlichen Meldung an den Kommandierenden General des LXXXI. Armeekorps berichtete Schwerin anschließend: „Ich befahl ihm, überführte Plünderer standgerichtlich abzuurteilen. Dies ist geschehen. Zwei Plünderer sind erschossen worden.“ Die Todesurteile wurden später gemäß § 1 Satz 1 des Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege (NS-AufhG) aufgehoben.

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