An diesem Tag

Gerhard Dörfler

Österreichischer Politiker und ehemaliger Landeshauptmann Kärntens

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Gerhard Dörfler (* 29. Mai 1955 in Deutsch-Griffen, Kärnten) ist ein ehemaliger österreichischer Politiker (FPÖ, BZÖ, dann FPK), der wegen Untreue und Vorteilsnahme rechtskräftig verurteilt wurde. Er war von 2008 bis 2013 Landeshauptmann von Kärnten. Bis 2017 war er österreichischer Bundesrat.

Gerhard Dörfler absolvierte 1970 eine Ausbildung zum Bankkaufmann an der Volksbank Feldkirchen und war von 1976 bis 1985 Filialleiter der Volksbank Ossiach. Er arbeitete im Anschluss von 1985 bis 1998 als Depotleiter im Depot Feldkirchen der Villacher Brauerei. Von 1999 bis 2001 war er Depotleiter der Schleppe Brauerei in Klagenfurt, die zu diesem Zeitpunkt bereits zur VKBAG gehörte, nachdem ein Großteil der Produktion nach Villach verlegt worden war und die „Schleppe Brauerei“ nur noch als Lager diente.

Dörfler wurde unter der Landesregierung Haider III Regierungsmitglied und 1. Landeshauptmann-Stellvertreter. Sein Ressort umfasste die Bereiche Tourismus, Verkehr und Straßenbau, Familienförderung, Kindergärten und Besondere Seniorenförderung.

2006 wirkte Dörfler als Verkehrslandesrat führend daran mit, Ortstafeln, die laut Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs zweisprachig zu sein hätten, um wenige Meter zu verlegen, damit die vom Verfassungsgerichtshof beurteilten Tafeln (siehe Ortstafelstreit) de jure nicht mehr existieren und das Erkenntnis umgangen werden kann. Am 6. August 2009 wurde publik, dass die Staatsanwaltschaft davon absieht, Dörfler deswegen des Amtsmissbrauches anzuklagen. Das Verfahren wurde von Justizbehörden in Klagenfurt, Graz und Wien bearbeitet. Seine Einstellung wurde damit begründet, es liege zwar objektiv Amtsmissbrauch vor, es habe aber keine „wissentlich befugnismissbräuchliche Handlungsweise“ des Landeshauptmannes gegeben.

Als 1. Landeshauptmannstellvertreter übernahm er nach dem Tod von Jörg Haider am 11. Oktober 2008 die Amtsgeschäfte des Landeshauptmanns, am 23. Oktober wurde er vom Landtag mit 19 von 36 Stimmen zum Landeshauptmann gewählt.

Sein nach dem Tode Haiders geäußerter Satz: „Die Sonne ist vom Himmel gefallen“ wurde seitdem vielmals in zustimmender und ablehnender Art und Weise rezensiert.

Dörfler ging bei der Landtagswahl in Kärnten 2009 am 1. März 2009 als BZÖ-Spitzenkandidat in den Wahlkampf. Das BZÖ gewann die Wahl mit einem Stimmenanteil von 44,9 Prozent.

Siehe auch: Landesregierung Dörfler I und Landesregierung Dörfler II

Im Jänner 2009 sorgte Dörfler mit einem „Negerwitz“ in einer Pressekonferenz zur Sendung Wenn die Musi spielt für einen Eklat. Er rechtfertigte diese Äußerung unter anderem mit der Aussage „Es war kein Negerwitz, sondern ein Kakaowitz. Es geht um den Kakao.“ Zudem sei seiner Aussage nach auch Roberto Blanco, der in der Sendung anwesend war, „nicht verletzt. Wenn er es gewesen wäre, hätte es mich getroffen. Das ist alles eine künstliche Aufregung im Wahlkampf. Ich werde weiter ein Landeshauptmann sein, bei dem das Lachen stattfindet. […] Aber ich habe auch gelernt. Ich werde in Zukunft keinen Witz mehr machen, der nur andeutungsweise etwas an Deutungen zulässt.“ Roberto Blanco äußerte sich diesbezüglich in einer E-Mail an News, in dem er wörtlich von einem „harmlosen, für mich nicht diskriminierenden Witz“ spricht.

Auf Initiative von Gerhard Dörfler wurde zum Gedenken an Jörg Haider am 25. Jänner 2009 die Lippitzbachbrücke in Jörg-Haider-Brücke umbenannt. Dieser Akt stieß bei politischen Gegnern auf harsche Kritik.

2011 wurde unter Mitwirkung von Dörfler der Ortstafelstreit durch die Einigung auf ein Memorandum, welches im neuen Volksgruppengesetz mit Verfassungsmehrheit niedergeschrieben wurde, beigelegt.

Am 27. März 2012 brachte die Kärntner Landesregierung einen Antrag auf Aufhebung der Bestimmungen über die Vorratsdatenspeicherung vor dem österreichischen Verfassungsgerichtshof ein.

Im Juli 2012 plädierte Dörfler für ein generelles Verbot der Beschneidung von minderjährigen Jungen aus religiösen Motiven.

Am 5. Oktober 2012 wurde das von Jörg Haider geplante und vom damaligen Landeshauptmann Dörfler am 8. Oktober 2008 eröffnete und bis zuletzt verteidigte Asylwerberheim Wölfnitz endgültig geschlossen.

Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Kärnten 2013 erhielt die FPK am 3. März 2013 nur 16,85 % der Stimmen und fiel damit hinter die SPÖ (37,13 %) auf Platz zwei zurück, die die Wahl gewann. Danach weigerte sich Dörfler trotz Aufforderung durch den neuen geschäftsführenden FPK-Vorsitzenden Christian Ragger, auf sein Landtagsmandat zu verzichten. Am 26. März 2013 wurde bekannt gegeben, dass er doch nicht in den Landtag, sondern in den Bundesrat einziehen werde, obwohl er im Februar 2012 für die Abschaffung dieser Institution plädiert hatte. Peter Kaiser (SPÖ) wurde Dörflers Nachfolger als Landeshauptmann.

Am 14. März 2017 legte er sein Amt als Bundesrat zurück.

Broschüren-Affäre und Anklage wegen Vorteilsnahme

Am 5. November 2013 gab die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bekannt, dass gegen Dörfler Anklage in der sogenannten „Broschüren-Affäre“ wegen Untreue erhoben wird. Mit ihm mit angeklagt sind Uwe Scheuch, Harald Dobernig und Stefan Petzner. Den Angeklagten wird vorgeworfen, eine Werbebroschüre für den Wirtschaftsstandort Kärnten in leicht abgewandelter Form als Wahlkampfbroschüre des BZÖ im Landtagswahlkampf 2009 verwendet zu haben. Der Schaden soll laut Anklageschrift 219.000 Euro betragen haben. Im Jahre 2014 wurde die Anklage vom Oberlandesgericht Graz nach Einsprüchen der Verteidiger zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft erneuerte jedoch nach Einholung eines Gutachtens des Sachverständigen Georg Jeitler die Anklage, wie sie am 2. November 2015 bekanntgab. Diese wurde rechtskräftig, da die Einsprüche der Beschuldigten diesmal vom Oberlandesgericht Graz zurückgewiesen wurden. Der Prozess begann am 17. Jänner 2017 am Landesgericht Klagenfurt.

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