An diesem Tag

Gerhard Bronner

Österreichischer Komponist, Autor, Musiker und Kabarettist

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Gerhard Bronner (* 23. Oktober 1922 in Wien-Favoriten; † 19. Jänner 2007 in Wien) war ein österreichischer Komponist, Autor, Musiker und Kabarettist.

Frühe Jahre – Emigration und Rückkehr

Gerhard Bronner wuchs in der Favoritener Senefeldergasse in bescheidenen Verhältnissen als dritter Sohn des jüdisch-proletarischen Ehepaars Jakob und Rosa Bronner auf. Seiner eigenen Aussage zufolge lernte er erst in der Mittelschule hochdeutsch zu sprechen, zuvor hatte er nur den Favoritner Dialekt beherrscht. Bronners Vater war Tapezierer, seine Mutter verdingte sich als Näherin.

Gerhard Bronner war der Nachzügler der Familie: Sein ältester Bruder Emil war 15 Jahre älter als er, Bruder Oskar, der zehn Jahre älter war als Bronner, zog ihn quasi groß. Emil und Oskar Bronner waren engagierte Sozialdemokraten und auch beim Schutzbund tätig, Emil wurde im Bürgerkrieg 1934 getötet.

Als Kind lernte Bronner durch seine Brüder den damaligen Jungsozialisten und späteren österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky kennen. Ein Schulfreund von ihm war außerdem der spätere Schauspieler Otto Tausig.

Erste musikalische Gehversuche unternahm Gerhard Bronner bei den Roten Falken, zu denen ihn sein Bruder Oskar brachte. Dort spielte er bei den „Pfeiferlbuben“, der musikalischen Abteilung der sozialistischen Kinder- und Jugendorganisation, zunächst Trommel, später etwas Gitarre. Wieder war es Oskar, der sein Talent erkannte und beschloss, ihm eine musikalische Ausbildung zu ermöglichen. Durch Zufall kam Bronner als Fünfjähriger zu einem eigenen Klavier und erhielt auch kurze Zeit Unterricht. Zwei Jahre später erlebte er einen Auftritt des Kabarettisten Hermann Leopoldi und beschloss, Musikhumorist zu werden.

Bronner bekannte sich stets zur jüdischen Kultur, lebte aber nicht religiös. Bis 1935 besuchte Bronner das Gymnasium, das er mit fünf „Nicht genügend“ im Wintersemester verlassen musste. 1938 verlor er nach dem „Anschluss Österreichs“ seine Stelle als Lehrling eines Schaufensterdekorateurs. Außerdem wurden sein Vater und sein Bruder im KZ Dachau inhaftiert. Für diese Haft musste die Familie auch noch eine wöchentliche Gebühr von 20 Reichsmark aufbringen.

Angesichts seiner finanziell und existenziell aussichtslosen Lage verließ Gerhard Bronner im Mai 1938 als Fünfzehnjähriger Österreich allein und ging über die grüne Grenze in die Tschechoslowakei. Im selben Jahr starb sein Bruder Oskar im Konzentrationslager Dachau. Der Vater war im Sommer wieder aus dem KZ entlassen worden.

Gerhard Bronner lebte zunächst in Brünn, wo er sich als Fensterputzer, Kofferträger und Straßensänger verdingte. Als seine Aufenthaltsgenehmigung ablief, wurde er an die Grenze zurückgebracht. Ein gutmütiger Polizist ließ ihn aber laufen, als ihm klar wurde, welches Schicksal Bronner im Deutschen Reich erwarten würde. Bronner kehrte nach Brünn zurück und bekam von der Liga für Menschenrechte eine zweite Aufenthaltsgenehmigung auf den Namen Harry Braun ausgestellt. Sein Glück währte allerdings nicht lange, denn als das Münchner Abkommen geschlossen wurde, mussten alle Flüchtlinge Tschechien verlassen.

Bronner reiste ohne gültige Papiere weiter und musste unter anderem unbemerkt die Donau durchschwimmen, um nach Constanța zu gelangen, von wo aus er es auf ein Schiff nach Palästina schaffte. Einer seiner damaligen Freunde, der Gerhard Bronner auch einige Male weiterhalf, war Erich Lessing.

Bronner verdiente sich in Palästina seinen Lebensunterhalt als Straßensänger, Barpianist und Komponist, schließlich als Leiter des Musikprogramms des Ablegers der BBC in Palästina. Als die Engländer 1948 abzogen, bekam er die Einladung, in der Zentrale in London weiter für den Sender zu arbeiten. Auf dem Weg dorthin besuchte er auf Betreiben seiner damaligen Gattin kurz Wien; er wollte nicht in dieser Stadt, die er nicht mehr als seine Heimat betrachtete, bleiben.

Es fanden sich aber nach kurzer Zeit viele Aufgaben, vom Barpianisten bis zum Musikredakteur im Rundfunk, so dass die Weiterreise nach London aufgeschoben und schließlich abgesagt wurde. Er begann beim Sender „Rot-Weiß-Rot“. Ab dieser Zeit bestand auch eine Freundschaft mit Hans Weigel, der ihn ebenfalls zum Bleiben in Wien überredete.

Nach seiner Rückkehr nach Wien erfuhr Gerhard Bronner über die Israelitische Kultusgemeinde auch erstmals vom Schicksal seiner Eltern, zu denen der Briefkontakt während seines Aufenthaltes in Palästina abgerissen war: Sie waren im Mai 1942 von den Nationalsozialisten nach Minsk deportiert und im Vernichtungslager Maly Trostinez ermordet worden.

Am 12. November 1952 hatte die Kabarettrevue Brettl vorm Kopf Premiere. Die fünfzehn Nummern des Programms stammten aus den Federn von Gerhard Bronner, Michael Kehlmann, Carl Merz und Helmut Qualtinger. Danach wurde zunächst eine Spielpause eingelegt, weil Bronner und Kehlmann nach Hamburg gingen, da dort das erste und einzige Fernsehstudio im deutschen Sprachraum war und beide in diesem damals völlig neuen Medium arbeiten wollten. Bronner war bis 1955 musikalischer Leiter der Unterhaltungsabteilung beim NDR, wo er dann auch die hochdeutsche Fassung vom „g’schupften Ferdl“ als „Der blasse Gustav“ herausbrachte, der dann von vielen, heute kaum noch bekannten Gruppen, wie etwa „Die drei Jools“ oder „Die drei Travellers“, nachgespielt wurde.

1955 kehrte Gerhard Bronner nach Wien zurück und pachtete die „Marietta-Bar“, die bald ein beliebter Künstlertreff wurde, und engagierte für diese unter anderen Peter Wehle und später Georg Kreisler. 1956 pachtete er gemeinsam mit Kreisler das „Intime Theater“ in der Liliengasse. Dort brachte das „namenlose Ensemble“ (Gerhard Bronner, Merz, Qualtinger, Kehlmann, Kreisler, Wehle, Louise Martini und andere) das Kabarettprogramm Blattl vorm Mund und weitere heraus. Als ihnen 1958 der Vertrag gekündigt wurde, spielten sie das nächste Programm Spiegel vorm Gsicht im Fernsehen (ORF). Übertragen wurde zu Anfang aus dem „Bürgertheater“, später aus dem „Stadttheater“ (Etablissement Ronacher).

1959 übernahm Gerhard Bronner das „Neue Theater am Kärntnertor“, wo das Programm Dachl überm Kopf Premiere hatte. Als sich 1961, besonders durch den Weggang von Qualtinger, der von nun an Theater spielen wollte, die Gruppe auflöste, bildete er mit dem Programm Wedel sei der Mensch ein neues Ensemble, unter anderen mit Felix Dvorak, der später ein prominenter Theater- und Fernsehkomiker wurde. Danach führte Gerhard Bronner das Theater bis 1966 fort.

Die Travnicek-Dialoge mit Helmut Qualtinger (Autoren: Merz und Qualtinger) sind nicht nur in die österreichische Kabarettgeschichte eingegangen. Viele Lieder, die Qualtinger zugeschrieben werden, stammen aus Gerhard Bronners Feder.

In den 1960er Jahren war Bronner, der dabei Regie führte, mit der österreichischen TV-Kabarettserie Das Zeitventil: Das aktuelle Fernsehbrettl überaus erfolgreich. Mit ihm traten unter anderen Peter Wehle, Kurt Sobotka, Max Böhm, Ernst Stankovski, Peter Orthofer, Gerhard Steffen, Eva Pilz, Peter Frick, Heinz Holecek, Edith Leyrer, Johann Sklenka und Dolores Schmidinger in den beliebten Sendungen auf. Man befasste sich, bei Bedarf sehr bissig, mit der aktuellen Politik Österreichs und anderen kabarettistisch brauchbaren Themen. ORF III strahlte 2012 einige dieser Sendungen neuerlich aus.

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