An diesem Tag

Gerda Taro

Deutsche Fotografin

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Gerda Taro (bürgerlich Gerta Pohorylle; * 1. August 1910 in Stuttgart; † 26. Juli 1937 in El Escorial, Spanien) war eine deutsche Fotografin. Sie dokumentierte zusammen mit ihrem Partner Robert Capa die Gräuel des Spanischen Bürgerkrieges und war damit die erste Frau, die an einer Kriegsfront fotografierte.

Gerta Pohorylle war die älteste Tochter des aus Ostgalizien eingewanderten jüdischen Kaufmanns Heinrich Pohorylle und seiner Frau Gisela Boral. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend vor allem in Stuttgart. Sie wuchs in einem liberalen, bürgerlichen Milieu auf, in dem politische Diskussionen und die Kritik an Nationalismus und Antisemitismus selbstverständlich waren. 1929 zog die Familie nach Leipzig, wo Gerta Pohorylle die reformpädagogisch orientierte Gaudigschule besuchte und sich sozialistischen Gruppierungen anschloss.

Sie schloss sich in Leipzig zudem einer kommunistischen Jugendorganisation an und beteiligte sich an nächtlichen Aktionen, bei denen Flugblätter verteilt und Propagandaplakate angebracht wurden.

Sie beteiligte sich an Flugblattaktionen gegen die Nationalsozialisten und wurde im März 1933 von einem Rollkommando der SA (Sturmabteilung) verhaftet. Zeitzeuginnen erinnerten sich später daran, dass sie auf dem Weg zu einem Tanz festgenommen wurde und in voller Schminke und mit hohen Absätzen im Gefängnis erschien, was als Ausdruck ihres selbstbewussten Auftretens verstanden wurde. Sie wurde nach Angaben aus späteren Rekonstruktionen am 19. März 1933 festgenommen und über einen angeblichen „bolschewistischen“ Umsturzplan verhört. Nach knapp drei Wochen kam sie aus dem Leipziger Frauengefängnis frei. Kurz darauf emigrierte sie nach Paris, welches sie im Spätherbst 1933 erreichte. Für die Ausreise nutzte sie demnach einen gefälschten Pass und reiste auf dem Landweg, unterstützt durch ein kommunistisches Hilfsnetzwerk. In der Folgezeit zerstreute sich ihre Familie in verschiedene Exilländer; ihre Brüder versuchten nach Großbritannien zu gelangen, die Eltern wandten sich nach Palästina, und sie selbst sah sie nach der Flucht nicht wieder.

Paris, Selbstinszenierung und Zusammenarbeit mit Robert Capa

Im Pariser Exil traf sie 1934 in einem Umfeld aus linken Emigranten- und Künstlerkreisen auf den ungarischen Fotografen Endre Ernö Friedmann (später Robert Capa). Ein frühes Zusammentreffen ist mit einem Fotoauftrag verbunden, bei dem Friedmann in einem Café eine junge Schweizer Flüchtlingin als Modell ansprach, die aus Misstrauen ihre Freundin Pohorylle zur Aufnahme begleitete. Dort lernte sie im September 1934 den ungarischen Fotografen Robert Capa kennen und wurde bald darauf seine Schülerin und Lebensgefährtin.

Friedmann war bereits vor seinem Pariser Exil wegen linksgerichteter studentischer Aktivitäten festgenommen worden und hatte nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Deutschland verlassen, bevor er 1933 in Paris ankam. Beide galten in ihrem Umfeld, obwohl noch jung, als politisch geprägte Exilierte, die ihre Biografien mit einem dezidiert antifaschistischen Selbstverständnis verbanden. In Paris konnte Friedmann zeitweise kaum Film kaufen und musste nach Berichten aus dem Umkreis wiederholt seine Kamera verpfänden, um zu überleben. Er brachte Pohorylle Grundzüge der Fotografie bei und vermittelte ihr eine Anstellung bei der neu gegründeten Bildagentur Alliance Photo. In zeitgenössischen Erinnerungen wird ihr zugleich eine stabilisierende Rolle zugeschrieben, die ihm in einer schwierigen Phase Orientierung gegeben habe.

Als Friedmanns Laufbahn langsam an Fahrt gewann, unterstützte auch sein jüngerer Bruder Cornell in Paris, indem er Abzüge entwickelte und Fotomaterial in improvisierten Dunkelkammern aufbereitete. Das gemeinsame Pariser Milieu um Cafés und Bildagenturen wurde als Mischung aus prekärer Existenz, künstlerischen Ambitionen und politischer Debatte beschrieben.

Um ihre Chance auf Einkünfte aus ihrer künstlerischen Arbeit zu erhöhen und bessere Aufträge zu erhalten, schlug Gerta Pohorylle vor, unter Pseudonym zu arbeiten: Ihr Lebensgefährte änderte seinen Geburtsnamen Endre Ernö Friedmann in Robert Capa, für sich selbst wählte sie den Namen Gerda Taro (nach Tarō Okamoto und Greta Garbo). Die gemeinsame Namensänderung des Fotografenpaares erfolgte im Frühjahr 1936 und sollte beide von der großen Zahl anderer jüdischer Emigranten im Pariser Fotomilieu unterscheiden. Zugleich erfanden sie die Figur eines fiktiven amerikanischen Fotografen „Robert Capa“, unter dessen Namen sie zeitweise gemeinsam arbeiteten. Nach späterer Deutung diente diese Selbstneuerfindung nicht nur ökonomischen Zielen, sondern auch dem Versuch, antisemitischen Zuschreibungen und der wachsenden Fremdenfeindlichkeit im Frankreich der 1930er-Jahre zu entgehen. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Pohorylle bereits als Bildredakteurin für die von der Emigrantin Maria Eisner geleitete internationale Bildagentur Alliance Photo, während der erst einundzwanzigjährige Friedmann als freier Fotograf noch kaum bekannt war. Gemeinsam traten sie gegenüber Eisner bald als angebliche Vertreter eines prominenten amerikanischen Fotografen auf, erhöhten unter diesem Vorwand die Honorare für ihre Bilder und konnten so für kurze Zeit erfolgreich höhere Preise durchsetzen, bevor der Schwindel aufflog. In dieser Inszenierung verkauften sich Aufnahmen unter dem neuen Namen nach Schilderungen aus dem Agenturumfeld zeitweise zu einem Vielfachen des zuvor erzielten Preises, bis die Täuschung bekannt wurde. Der erste Presseausweis von Gerda Taro wurde von einer Amsterdamer Fotoagentur ausgestellt und ist auf den 4. Februar 1936 datiert.

Als der Militärputsch in Spanien am 18. Juli 1936 die Welt in Atem hielt, entschlossen sich – wie viele andere Intellektuelle – auch Gerda Taro und Robert Capa, nach Spanien zu gehen, um den Bürgerkrieg zu dokumentieren. Nach späteren Einschätzungen verstanden beide ihren Einsatz ausdrücklich als politisch motiviertes Engagement und lehnten eine Haltung journalistischer Distanz ab. Am 5. August 1936 waren sie in Barcelona. Ihre Anreise soll dabei Teil einer Reportagefahrt gewesen sein, bei der ein von einem Magazin gechartertes Flugzeug bei der Landung außerhalb Barcelonas notlanden musste. In den ersten Wochen hielt Taro mit der Kamera nicht nur die beginnenden Kämpfe fest, sondern auch Momente revolutionärer Begeisterung: spielende Kinder auf Barrikaden, Paare, die durch die Straßen flanierten, und festliche Mahlzeiten in den Hotels der Stadt, in denen sich das republikanische Gefühl spiegelte, der Putsch sei vorerst zurückgeschlagen. In Barcelona dokumentierten sie zudem Szenen politischer Unordnung und die Machtübernahme anarchistischer Kräfte, bevor sie junge republikanische Menschen beim Aufbruch an die Front fotografierten. In den folgenden Monaten fotografierten Taro und Capa die Gräuel des Spanischen Bürgerkrieges von der republikanischen Seite für verschiedene internationale Zeitungen. Zeitgenössische Beobachter schilderten, dass sie in den ersten Tagen an der Front noch in eleganter Kleidung und hochhackigen Schuhen unterwegs gewesen sei, bevor sie sich der militärischen Umgebung anpasste, was zu ihrem Ruf als mondäne, zugleich furchtlose „kleine Blonde“ beitrug. Ihre Reportagen aus Spanien zeigen zerstörte Städte, verwundete Soldaten und eine von Kämpfen gezeichnete Zivilbevölkerung auf Seiten der Republik und gelten als frühe Schlüsselbilder des modernen Kriegsfotojournalismus. Taros Fotografien wurden in dieser Zeit unter anderem in der Pariser Tageszeitung Ce soir und im Magazin Regards publiziert.

Im September 1936 reisten Taro und Capa nach Berichten gemeinsam an die Front und erreichten das Dorf Cerro Muriano nahe [[

Córdoba (Spanien)|Córdoba]], wo sie die fliehende Dorfbevölkerung unter Artilleriebeschuss fotografierten. Aus dieser Phase stammt auch eine Bildserie, in der Taro mit der Kamera hinter einer Mauer neben einem republikanischen Soldaten zu sehen ist.

Zeitgenössische und spätere Kuratorinnen und Historikerinnen heben hervor, dass Taro Fotografie als Verlängerung ihres politischen Engagements verstand und zu einer kleinen Gruppe von Fotografinnen gehörte, die ihre Rolle als „neue Frauen“ mit der Arbeit an der Front verbanden. Sie vertrat die Auffassung, dass sich die Realität des Krieges nur dann wirklich verstehen lasse, wenn man den Kämpfen physisch so nahe wie möglich komme, und suchte ihre Standpunkte deshalb häufig in unmittelbarer Frontnähe. Unter republikanischen Kämpfern war sie wegen ihres Erscheinungsbildes und ihrer Unerschrockenheit als la pequeña rubia, die „kleine Blonde“, bekannt. In Berichten aus dem Umfeld der Kriegsberichterstattung wurde sie wiederholt als jemand beschrieben, der unter hohem Risiko selbst über die Kampflinien lief, wobei Mut und Unvorsichtigkeit eng beieinanderlagen. Ihre Arbeit wurde zugleich als Mischung aus Humanität, politischer Überzeugung und einem strategischen Verständnis für die öffentliche Wirkung fotografischer Bilder charakterisiert. Ihre Bilder zeigen häufig selbstbewusst auftretende Bäuerinnen, Bauern und Milizionärinnen mit erhobenen Fäusten und setzen auf starke Kameraperspektiven und bewusst komponierte Szenen, während Capa eher dynamische Bewegungsabläufe betonte. Zu den ikonischen Beispielen ihres Werks zählen Aufnahmen von republikanischen Milizfrauen beim Training am Strand nahe Barcelona (1936), von einem improvisierten Friseursalon im Hauptquartier des Fünften Regiments in Madrid (1936) sowie das Bild eines schlafenden Flüchtlingskindes aus Málaga im andalusischen Almería (1937).

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