Capitán General José Gerardo Barrios Espinoza (* 24. September 1813 in Nuevo Edén de San Juan, Departement San Miguel; † 29. August 1865 in San Salvador) war ein salvadorianischer Politiker, Militär und Staatsmann. Von 1859 bis 1863 bekleidete er das Amt des Staatspräsidenten.
In mehreren Orten im Norden des Departements San Miguel wird heute behauptet, sie seien der Geburtsort von Barrios, darunter San Miguel selbst, Ciudad Barrios, San Gerardo, Chapeltique, Sesori und Nuevo Edén de San Juan. Der häufigsten mündlichen Überlieferung zufolge wurde Barrios in San Juan am Lempa (damals im Generalkapitanat Guatemala, Vizekönigreich Neuspanien), dem heutigen Nuevo Edén de San Juan, geboren und am 24. Oktober 1813 getauft. Seine Eltern waren Don José María Barrios (geb. zw. 1793 und 1794) und Doña Petrona Espinoza, die 1812 heirateten. Gerardo war deren ältestes Kind und hatte zwei Schwestern: Petronila (geb. 1815), die spätere Frau von José Trinidad Cabañas, und María Josefa (geb. 1817). Sein Vater war der älteste Sohn von Pedro Joaquín Barrios (spanischer Herkunft, geboren in Frankreich), der 1792 Margarita Cisneros Ávila (kreolischer Herkunft, geboren in San Miguel) heiratete. Pedro Joaquín Barrios war Indigopflanzer und Minenbetreiber in der damaligen Provinz San Miguel.
Bereits in jungen Jahren schloss sich Barrios während des zentralamerikanischen Bürgerkriegs den Truppen des liberal orientierten Francisco Morazán an und nahm 1829 an der Eroberung von San Salvador und Guatemala-Stadt teil. Auch bei der Niederschlagung des salvadorianischen Sezessionsversuchs unter José María Cornejo im Jahr 1832 kämpfte er im Rang eines Leutnants auf der Seite Morazáns. 1834 wurde er in das Parlament von El Salvador gewählt und 1838 zum Präsidenten des zentralamerikanischen Bundeskongresses ernannt, der seit 1834 ebenfalls in San Salvador seinen Sitz hatte. Am 5. April 1840, nach dem endgültigen Zusammenbruch der Zentralamerikanischen Republik, verließ Barrios mit Morazán und anderen Liberalen im Hafen von La Libertad auf dem Schoner Izalco El Salvador und ging ins Exil nach Costa Rica. Nach dem gescheiterten Restaurationsversuch Morazáns kehrte der damalige Oberst Barrios auf dem Schiff Coquimbo im Dezember 1842 nach El Salvador zurück und widmete sich zunächst der Landwirtschaft. Im Dezember 1843 heiratete er in San Miguel Adelaida Guzmán Saldos, eine Tochter des Abgeordneten Joaquín Guzmán. Die Ehe blieb kinderlos.
Nach einem gescheiterten Putschversuch mit General Cabañas gegen den konservativen Präsidenten Francisco Malespín am 5. September 1844, setzte sich Barrios nach León in Nicaragua ab. Die von Malespín verlangte Auslieferung der Putschisten wurde In Nicaragua abgelehnt. Daraufhin marschierten Truppen unter der Führung Malespíns in Nicaragua ein und belagerten León. Barrios konnte aus der belagerten Stadt fliehen und verbündete sich in San Salvador mit dem geschäftsführenden Präsidenten Guzmán, seinem Schwiegervater, gegen Malespín. Dieser wurde schließlich gestürzt und Guzmán Präsident.
Im Januar 1846 begab sich Barrios im Auftrag der Regierung auf eine dreijährige Reise durch Europa, um die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Zentralamerika und der alten Welt zu fördern. Er war Gast bei Napoleon III., Königin Isabella von Spanien, Königin Victoria von Großbritannien, König Ferdinand von Sizilien, König Karl Albert von Sardinien und besuchte Papst Pius IX. Ende 1849 kehrte er nach El Salvador zurück.
1851 marschierte die Armee einer salvadorianisch-honduranischen Allianz unter dem Oberbefehl von Präsident Vasconcelos in Guatemala ein, um den konservativen Präsidenten Carrera zu stürzen und die Zentralamerikanische Konföderation wiederherzustellen.
In dieser Armee war General Barrios Kommandeur der Division San Miguel. Die Invasion wurde aber von guatemaltekischen Streitkräften am Berg La Arada (bei San José La Arada, Departement Chiquimula) zurückgeschlagen.
1857 nahm Barrios an einer militärischen Intervention zur Unterstützung Nicaraguas im Kampf gegen die Söldner um William Walker teil. Die salvadorianischen Truppen wurden aber nicht mehr in Kämpfe verwickelt. Zurück in El Salvador versuchte er einen Staatsstreich gegen Präsident Campo, welcher mangels ausreichender Unterstützung scheiterte.
Die Amtszeit von Präsident Campo endete am 30. Januar 1858. Die Wahlen von 1857 führten zu folgendem Ergebnis:
Präsident: Coronel Miguel Santín del Castillo
Vizepräsident: General Joaquín Eufrasio Guzmán
Erster Stellvertreter (Primer designado): Don Lorenzo Zepeda
Zweiter Stellvertreter (Segundo designado): General Gerardo Barrios
In der Regierung Santín war Barrios Innen- und Außenminister sowie Oberkommandierender der Armee. Krankheitsbedingt musste Präsident Santín vom 24. Juni bis 18. September 1858 im Amt vertreten werden. Da Guzmán und Zepeda ablehnten, übernahm in dieser Zeit Barrios die Amtsgeschäfte. Als das Parlament im Januar 1859 ein Gerichtsverfahren gegen Santín anstrengte, floh dieser nach Nicaragua. Die Amtsgeschäfte übernahm ab 24. Januar Joaquín Guzmán. Am 15. Februar wurde zunächst José María Peralta und am 12. März 1859 Gerardo Barrios zum Präsidenten ernannt. Während einer Reise Barrios’ nach Guatemala amtierte vom 16. Dezember 1860 bis 7. Februar 1861 wiederum Peralta als geschäftsführender Präsident.
Bei den Wahlen im Dezember 1859, kurz vor dem Ende der offiziellen Amtszeit Santíns, bekam Barrios die Mehrheit. Bereits vorher konnte er eine Verfassungsreform durchsetzen, die die Amtsperiode der Präsidenten von bisher zwei auf fünf Jahre verlängerte. Das Parlament bestätigte ihn als Präsidenten für die Amtsperiode vom 1. Februar 1860 bis zum 30. Januar 1865.
Am 24. Januar 1960 wird ihm vom Parlament der Titel eines Capitán General verliehen.
In Barrios’ Amtszeit fielen folgende Aktivitäten:
Reformen des Bildungswesens; Erweiterung der Universität von El Salvador und Anwerbung ausländischer Lehrer