Geraint Howell Thomas, OBE (* 25. Mai 1986 in Cardiff), Spitzname „G“, ist ein ehemaliger britischer Radrennfahrer aus Wales. Er wurde zweifacher Olympiasieger und dreifacher Weltmeister in der Mannschaftsverfolgung. Im Jahr 2018 gewann er die Tour de France.
Geraint Thomas wurde am 25. Mai 1986 in Cardiff geboren. Er besuchte die Birchgrove Primary und Whitchurch High, wo er Rugby und Fußball spielte und als Schwimmer aktiv war. Im Alter von 10 Jahren kam er über das Maindy Leisure Centre, wo er seine Schwimmtrainings absolvierte, zum Radsport und wurde Mitglied der Maindy Flyers, die im anliegenden Maindy Velodrome trainierten.
Als Junior war Geraint Thomas sowohl im Straßenradsport als auch im Bahnradsport erfolgreich. Er gewann die Junioren-Austragungen von Kuurne–Brüssel–Kuurne und Paris–Roubaix und wurde im Jahr 2004 Junioren-Weltmeister im Scratch, sowie Vize-Europameister im Punktefahren. Im Jahr 2005 wurde er im Alter von 20 Jahren britischer Meister im Scratch und holte gemeinsam mit Mark Cavendish, Steve Cummings und Ed Clancy den nationalen Titel in der Mannschaftsverfolgung. Weiters wurde er auf Empfehlung von Heiko Salzwedel in das T-Mobile Development Programm aufgenommen und erhielt die Chance, als Stagiaire beim Team Wiesenhof zu starten.
Im Jahr 2006 wurde Thomas gemeinsam mit Ian Stannard, Ed Clancy und Andrew Tennant U23-Europameister in der Mannschaftsverfolgung und holte die Silber-Medaille im U23-Scratch-Bewerb. Bei den Bahnradweltmeisterschaften ging er gemeinsam mit Steve Cummings, Paul Manning und Robert Hayles im Elite-Bewerb der Mannschaftsverfolgung an den Start und musste sich erst im Finale der australischen Auswahl geschlagen geben. Auf der Straße gewann Thomas mit der Flèche du Sud sein erstes internationales Etappenrennen und sicherte sich zudem die Nachwuchswertung, Punktewertung und einen Etappensieg. Bei den nationalen Meisterschaften im Straßenrennen belegte er hinter Hamish Robert Haynes und Roger Hammond den dritten Rang. Am Ende der Saison bestritt er die Tour of Britain für das britische Nationalteam und absolvierte den Giro della Toscana als Stagiaire des spanischen Saunier Duval-Prodir Teams.
Profivertrag und Erfolge auf der Bahn (2007–2009)
Im Jahr 2007 wechselte Geraint Thomas im Alter von 20 Jahren zum britischen UCI Professional Continental Team Barloworld. Im März ging er bei den Bahnradsport-Weltmeisterschaften in Palma an den Start und sicherte sich gemeinsam mit Bradley Wiggins, Ed Clancy und Paul Manning den Weltmeistertitel in der Mannschaftsverfolgung. Da das Team Barloworld eine Wildcard für die Tour de France erhalten hatte, gab er im Juli als jüngster Fahrer der 94. Austragung sein Grand-Tour-Debüt, wobei er den 140. Gesamtrang belegte.
In der Saison 2008 ging Geraint Thomas zunächst beim Giro d’Italia an den Start, ehe er sich mit der britischen Nationalmannschaft auf die Bahnradsport-Bewerbe bei den Olympischen Spielen von Peking vorbereitete. Nachdem das Quartett bereits im März ihren Titel bei den Weltmeisterschaften verteidigt hatte, sicherten sich Geraint Thomas, Bradley Wiggins, Edward Clancy und Paul Manning im August mit einem neuen Weltrekord (3:53.314 min) den Olympiasieg in der Mannschaftsverfolgung. Am Ende der Saison ging Geraint Thomas bei seinen ersten Straßenradsport-Weltmeisterschaften an den Start.
Im Frühjahr der Saison 2009 kam Geraint Thomas bei einem Einzelzeitfahren von Tirreno–Adriatico Sturz und zog sich eine Fraktur des Beckens und der Nase zu. Nach seiner Genesung bestritt er weitere Rennen, konnte jedoch auf der Straße keine großen Erfolge erzielen. Dafür gewann im Manchester Velodrome eine Station des Bahnrad-Weltcups in der Einerverfolgung und stellte zugleich einen neuen Weltrekord (4:15.105 min) nach den damals geltenden Regularien auf. Zwei Tage später setzte er sich mit seinen Teamkollegen auch in der Mannschaftsverfolgung durch.
Wechsel zum Team Sky (2010–2012)
Bereits im September des Jahres 2009 wurde der Wechsel von Geraint Thomas zum neugegründeten Sky Procycling Team bekanntgeben. Nach seinem Erfolg bei den Olympischen Spielen fokussierte sich der 23-jährige Brite nun auf den Straßenradsport und fuhr in den Diensten von Bradley Wiggins, der als potentieller Tour-de-France-Sieger galt. Geraint Thomas zeigte in erster Linie mit seinen Leistungen bei den Einzelzeitfahren auf und ging erstmals bei der Flandern-Rundfahrt und bei Paris–Roubaix an den Start. Im Juni wurde er im Alter von 24 Jahren britisches Meister im Straßenrennen, ehe er den Prolog der Tour de France auf dem fünften Platz beendete. Auf der 3. Etappe, die über sieben Kopfsteinpflaster-Sektoren nach Arenberg führte, musste er sich im Sprint um den Tagessieg nur dem Norweger Thor Hushovd geschlagen geben, übernahm jedoch das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Nach vier Tagen als Gesamtzweiter büßte er bei der ersten Bergankunft viel Zeit ein und beendete seine zweite Tour de France schlussendlich auf dem 64. Gesamtrang. Am Ende der Saison belegte Geraint Thomas hinter seinen beiden Teamkollegen Bradley Wiggins und Chris Froome den dritten Rang bei den britischen Zeitfahrmeisterschaften, ehe er aufgrund von gesundheitlichen Bedenken seinen Start bei den Commonwealth Games in Delhi absagte.
Im Jahr 2010 zeigte Thomas mit mehreren Top-Resultaten bei den Frühjahres-Klassikern. Er stand als Zweiter auf dem Podium von Dwars door Vlaanderen, ehe er die Flandern-Rundfahrt als bester Fahrer seiner Mannschaft auf dem zehnten Rang beendete. Bei Paris–Roubaix erreichte er das Velodrome nach drei Stürzen außerhalb des Zeitlimits. Ende Mai folgte sein erster Sieg als Profi, als er sich in der Gesamtwertung der Bayern-Rundfahrt vor dem Dänen Nicki Sørensen durchsetzte. Nach Platz zwei im Straßenrennen der britischen Meisterschaften ging Thomas erneut als Helfer von Bradley Wiggins bei der Tour de France an den Start, wobei sein Kapitän das Rennen nach einem Sturz bereits auf der 7. Etappe aufgab. Am selben Tag verlor Geraint Thomas das Weiße Trikot, das er bereits am ersten Abschnitt übernommen hatte, da er zunächst mit seinen Mannschaftskollegen auf den gestürzten Bradley Wiggins wartete. Am Ende der Frankreich-Rundfahrt erzielte Thomas mit Rang 31 sein bis dahin bestes Ergebnis in der Gesamtwertung, wenngleich er einen Rückstand von mehr als einer Stunde aufwies. Am Ende der Saison verhalf er seinem Landsmann Mark Cavendish zu dessen Weltmeistertitel bei Straßenradsport-Weltmeisterschaften von Kopenhagen, ehe er mit seinen Teamkollegen Europameister in der Mannschaftsverfolgung wurde.
Im Jahr 2012 rückte der Fokus von Geraint Thomas erneut auf den Bahnradsport, wobei er die Olympischen Spiele von London als Ziel ausgab. Zugleich kündete er an sich im Anschluss ausschließlich auf den Straßenradsport zu konzentrieren. Nachdem er Bradley Wiggins zu dessen Gesamtsieg bei Paris–Nizza verholfen hatte, ging er bei den Bahnradsport-Weltmeisterschaften in Melbourne an den Start und sicherte sich gemeinsam mit Ed Clancy, Peter Kennaugh und Steven Burke seinen dritten Titel in der Mannschaftsverfolgung. Nach Platz fünf in der Einerverfolgung, holte er zudem mit seinem Teamkollegen Ben Swift die Silber-Medaille im Madison. Im Anschluss kehrte Geraint Thomas auf die Straße zurück und gewann den Prolog der Tour de Romandie. Beim Giro d’Italia musste er sich im Auftaktzeitfahren nur dem US-Amerikaner Taylor Phinney geschlagen geben, ehe er auch das Abschlusszeitfahren als Zweiter beendete. Dazwischen fungierte er als Anfahrer für Mark Cavendish, der drei Etappensiege feierte. Während das Team Sky mit Bradley Wiggins erstmals die Tour de France gewann, bereitete sich Geraint Thomas auf die Mannschaftsverfolgung bei den Olympischen Spielen vor. Gemeinsam mit Ed Clancy, Peter Kennaugh und Steven Burke setzte er sich im Lee Valley VeloPark mit einem neuen Weltrekord (3:51.659 min) vor der australischen Nationalmannschaft durch und krönte sich so im Alter von 26 Jahren zum Doppel-Olympiasieger.
Fokus auf Klassiker (2013–2015)
Zu Beginn des Jahres 2013 gewann Geraint Thomas die zweite Etappe der Tour Down Under und verteidigte die Gesamtführung bis zum letzten Abschnitt, als er im Schlussanstieg des Willunga Hill distanziert wurde. Als Dritter der Gesamtwertung entschied er jedoch die Punktewertung für sich. Im Anschluss ging Thomas beim belgischen Eintagesrennen Omloop Het Nieuwsblad an den Start und verpasste nur knapp einen Podiumsplatz. Weiters belegte er auch bei E3 Harelbeke den vierten Rang und etablierte sich so neben dem Norweger Edvald Boasson Hagen als Kapitän bei den Klassikern. Bei Mailand–Sanremo, Paris–Roubaix und der Flandern-Rundfahrt konnte er aufgrund von Stürzen jedoch kein Top-Ergebnis erzielen. Nach den Frühjahres-Klassikern kehrte Thomas zur Bayern-Rundfahrt zurück, wo er sich im Kampf um das Gesamtklassement nur dem Italiener Adriano Malori geschlagen geben musste. Im Sommer ging er bei der Tour de France als Helfer von Chris Froome an den Start, kam jedoch bereits auf der 1. Etappe zu Sturz. Obwohl er sich einen Beckenbruch zugezogen hatte, setzte Geraint Thomas die Frankreich-Rundfahrt fort und verhalf seinem Kapitän zu dessen ersten Gesamtsieg. Nach der Frankreich-Rundfahrt ging Thomas nur noch bei wenigen Rennen an den Start, gewann jedoch mit seinen Teamkollegen die Bronzemedaille im Mannschaftszeitfahren der Straßenradsport-Weltmeisterschaften.