Georges Jean Raymond Pompidou [ʒɔʀʒ pɔ̃piˈdu] (* 5. Juli 1911 in Montboudif, Cantal; † 2. April 1974 in Paris) war ein französischer Politiker des Gaullismus. Nach Charles de Gaulle war Pompidou der zweite Präsident der Fünften Republik, vom 20. Juni 1969 bis zu seinem Tod am 2. April 1974.
Herkunft, Ausbildung und Familie
Georges Jean Raymond Pompidou war Sohn einer Lehrerfamilie und Enkelkind von Bauern, welche im französischen Zentralmassiv unter äußerst einfachen Umständen lebten. Die Familie verstand es, die Rahmenbedingungen unter der Dritten Republik zu nutzen: Der Großvater war noch einfacher Bauer, der Vater bereits Grundschullehrer und der Sohn schließlich sowohl Funktionär als auch Spitzenpolitiker.
Georges trat im südfranzösischen Albi, wo auch sein Vater lehrte, in die Schule ein. Er war ein brillanter Gymnasiast und gewann 1927 den jährlich stattfindenden concours général im Fach Altgriechisch. Nachdem er das Baccalauréat (Abitur) im Gymnasium Lapérouse d’Albi bestanden hatte, widmete er sich dem Vorbereitungsunterricht (→ Classe préparatoire) für die Aufnahme in einer der Grandes écoles von Frankreich. Dabei machte er am Pariser Lycée Louis-le-Grand die Bekanntschaft mit Léopold Sédar Senghor und Aimé Césaire. 1931 wurde er in die École normale supérieure aufgenommen und erlangte 1934 als Bester seines Jahrganges die Lehrerzulassung in Altphilologie für die gymnasiale Oberstufe (Lycée) (→ agrégation de lettres classiques). Darauf trat Pompidou in den Gymnasial-Schuldienst ein und unterrichtete zunächst im Lycée Saint-Charles von Marseille und später im Lycée Henri IV von Paris.
Am 29. Oktober 1935 heiratete er die Jurastudentin Claude Cahour (1912–2007). Das Ehepaar adoptierte einen Sohn (Alain Pompidou, 1942–2024).
Georges Pompidou absolvierte die Unteroffiziersschule in Saint-Maixent-l’École. Im Zweiten Weltkrieg wurde Pompidou 1940 in das 141. (alpine) Infanterieregiment eingeteilt und nach der Niederlage vom Juni 1940 wieder demobilisiert.
Georges Pompidou, der am Ende des Zweiten Weltkrieges immer noch Studienrat am Lycée Henri IV war, machte nie ein Geheimnis daraus, dass er sich nicht für die Résistance engagiert hatte. Über den Umweg von Freunden, welche General Charles de Gaulle – inzwischen Präsident der provisorischen Regierung – nahestanden, wurde er in den Staatsdienst berufen. Dabei kam Pompidou zugute, dass er als Verbindungsmann zu den Universitäten dienen konnte. Während der künftigen Jahre der Vierten Republik bekleidete er folgende öffentlichen und privatwirtschaftlichen Funktionen:
Projektleiter für das Bildungsministerium
Maître des requêtes des Französischen Staatsrats
Nach dem vorläufigen Abgang de Gaulles verblieb er im engen Beratungskreis des Generals und engagierte sich insbesondere für die Stiftung Anne de Gaulle
Generalsekretär der von De Gaulle gegründeten Partei Rassemblement du peuple français (RPF)
Direktor des Kommissariats für Tourismus (1946–1949)
Generaldirektor der Bank Rothschild Frères (mit Unterbrechungen von 1954 bis 1962)
Als General de Gaulle 1958 aus seinem freiwillig gewählten „Exil“ in Colombey-les-Deux-Églises an die Macht zurückkehrte und bald darauf die Fünfte Republik ausrief, wurde Georges Pompidou unter ihm Kabinettschef und sein engster Vertrauter. 1959 wurde er in den Verfassungsrat nominiert, wo er bis 1962 wirkte. Er nahm mit der algerischen Unabhängigkeitsbewegung Front de Libération Nationale (FLN) Kontakt auf und bereitete auch im Rahmen der geheimen Vorverhandlungen in Neuchâtel und Luzern die Verträge von Évian vor, welche den Algerienkrieg schließlich beendeten, die Unabhängigkeit Algeriens zur Folge hatten und Frankreich vor einem drohenden Bürgerkrieg bewahrten.
Vom 15. April 1962 bis 13. Juli 1968 war Georges Pompidou Premierminister unter Charles de Gaulle. Er befürwortete den Rückzug Frankreichs aus der militärischen Integration der NATO ebenso wie de Gaulles „Nein“ zum EWG-Beitritt Großbritanniens.
Nachdem das französische Volk die Verträge von Évian in einem Referendum bestätigt hatte, wurde Georges Pompidou, der in der breiten Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt noch kaum bekannt war, am 14. April 1962 als Nachfolger von Michel Debré zum Premierminister ernannt. Seine Karriere wäre beinahe unterbrochen worden, als er seine Demission androhte, um von de Gaulle die Begnadigung eines zum Tode durch Erschießen verurteilen Putschisten aus Algier zu erwirken.
Pompidou wirkte während der sogenannten „Trente Glorieuses“ von 1945 bis 1974, einer durch lange Boom-Phasen charakterisierten Ära, die Frankreich im Zeichen der Technokratie in ein fortschrittliches, wirtschaftlich prosperierendes Land der westlichen Wohlstandsgesellschaft verwandelte. Trotz einiger Erschütterungen (Dekolonisation, Probleme im Verhältnis von politischer Führung und Militär, Streiks, Mai 1968) verkörperte Pompidou in den 1960er Jahren die Aufbruchstimmung innerhalb der neuen gaullistischen Bewegung wie kaum ein anderer.
1967 wurde Pompidou im ersten Wahlgang zum Abgeordneten für den 2. Bezirk des Départements Cantal gewählt.